Großprojekt Inklusion : Berlins Schulen müssen für behinderte Kinder nachrüsten

20.08.2012 12:04 Uhrvon
Auch behinderte Kinder sollen auf die nächstgelegene Schule gehen können. Doch die meisten haben nicht die nötige Ausstattung dafür. Foto: dpa
Auch behinderte Kinder sollen auf die nächstgelegene Schule gehen können. Doch die meisten haben nicht die nötige Ausstattung dafür. - Foto: dpa

Der Senat will, dass sich Berlins Schulen besser auf die Bedürfnisse besonders förderungsbedürftiger Kinder einstellen. Nur kosten darf das nichts. Viele Schulen sind überfordert.

Das Thema betrifft etwa jeden sechsten Berliner: Rund 600 000 Menschen in der Stadt sind behindert, zwei Drittel von ihnen schwer. Vor allem die Alterung der Gesellschaft lässt den Anteil stetig steigen. Und doch steht der Jahresbericht des Berliner Behindertenbeauftragten Jürgen Schneider an diesem Montag nur als „Vorlage zur Kenntnisnahme“ ohne weitere Besprechung auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus. Das Dokument liest sich wie ein Beleg für den Slogan: „Behindert ist man nicht, behindert wird man.“

Ausführlich widmet sich der Bericht dem Großprojekt „Inklusive Schule“, mit dem die Bildungsverwaltung die seit 2009 verbindliche UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen will: Perspektivisch sollen alle besonders förderbedürftigen Kinder auch in die nächstgelegene Schule gehen dürfen.

Der Bericht bezeichnet das 2011 vom Senat beschlossene Vorhaben als „ambitioniert“, zumal es auf einer schon bisher im Bundesvergleich erfreulich hohen Integrationsquote beruhe. Aber das Konzept erfasse nicht alle Schultypen und beraube sich „durch das Gebot der Kostenneutralität (…) seiner eigenen Grundlagen“. Während die Bildungsverwaltung betont, das Konzept sei „kein Sparmodell“, mahnt der Bericht, das Vorhaben sollte „nicht irgendein neues Schulkonzept unter anderen sein“. Denn „nur die inklusive Schule wird in der Lage sein, mehr Menschen mit Behinderung als bisher auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten“.

Bildergalerie: Baustelle Schule - das sagen die Schulinspektoren über Berliner Schulen

Wie berichtet hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Schulen für die Umsetzung ein Jahr mehr Zeit gegeben. Parallel arbeitet ein Beirat an Details. Wie schwierig die Praxis ist, zeigt eine Zwischenbilanz der Arbeitsgruppe „Inklusion an Schulen“ aus dem Bezirk Lichtenberg vom März: Viele Schulen seien schon jetzt an ihrer räumlichen Kapazitätsgrenze, so dass der zusätzliche Platzbedarf etwa für Teilungs- und Fördergruppen sowie die pflegerische Betreuung sie „vor unlösbare Herausforderungen stellen“ werde.

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