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Grundschulförderung : Im sozialen Brennpunkt fallen 50 Lehrerstellen weg

03.08.2012 16:33 Uhrvon
Viele Berliner Schulen müssen im kommenden Jahr mit weniger Lehrern auskommen. Foto: dpaBild vergrößern
Viele Berliner Schulen müssen im kommenden Jahr mit weniger Lehrern auskommen. - Foto: dpa

An Grundschulen mit hoher Migrantenquote sollen die Förderstunden gekürzt werden. Dazu hat sich die Berliner Senatsverwaltung entschieden. Beim Grundschulverband und den Grünen löst das Empörung aus - über die sich die Verantwortlichen nur wundern.

Grundschulen mit hoher Migrantenquote müssen im neuen Schuljahr mit weniger Lehrern auskommen. Darauf hat am Donnerstag die Lehrergewerkschaft GEW hingewiesen. Die Bildungsverwaltung bestätigte, dass bei den Förderstunden knapp 50 Stellen wegfallen. Die Grünen sprachen von einer „absurden Kürzung“. Konkret betroffen sind vor allem Grundschulen im sozialen Brennpunkt, deren Migrantenanteil häufig bei über 40 Prozent liegt. Bislang bekamen ihre Klassen auch dann die volle Zahl von Förderstunden, wenn sie weniger als die Richtgröße von 24 Kindern hatten. An dieser Stelle gibt es jetzt eine Änderung: Künftig verlieren alle Klassen mit 21 Kindern zwei Förderstunden.

Bei 22 Kindern wird eine Förderstunde abgezogen.

Der Grundschulverband reagierte mit Empörung. „Wer individuelle Förderung will, muss individuelle Förderstunden bereitstellen“, sagte die Vorsitzende Inge Hirschmann von der Kreuzberger Heinrich-Zille-Grundschule. Angesichts der vielen Probleme in sozialen Brennpunktschulen sei nicht zu verstehen, warum jetzt Personal abgezogen werde.

Auch aus der vielfach ausgezeichneten Erika-Mann-Grundschule in Wedding kam Protest. „Die Kürzung ist ein Skandal“, lautet die Einschätzung von Schulleiterin Karin Babbe. Die Förderstunden seien doch ein von der SPD gewollter „kompensatorischer Ansatz“ für die Schulen im Brennpunkt. Daher verstehe sie nicht, warum sich die neue SPD-Senatorin Sandra Scheeres zu diesem Schritt entschlossen habe.

Die Verwunderung ist auch deshalb so groß, weil sich die Koalition vorgenommen hatte, keine Kürzungen in den Schulen vorzunehmen. Vor dem Hintergrund von Berlins miserablem Abschneiden bei Vergleichsarbeiten und der hohen Zahl von Problemen in der Schulanfangsphase war damit auch nicht gerechnet worden. Vielmehr fordern die Grundschulen seit langem, nach der abgeschlossenen Sekundarschulreform wieder stärker in den Fokus der Politik genommen zu werden. „Man braucht für gute Qualität genug Leute“, betont Babbe, deren Schüler regelmäßig gut abschneiden, obwohl die Schule im sozialen Brennpunkt liegt.

Die Bildungsverwaltung wunderte sich gestern über die Empörung. Die beanstandete Stundenzuweisung sei überhaupt nicht neu, behauptete Sprecherin Beate Stoffers. Vielmehr habe der Landesschulbeirat seit dem Frühjahr davon Kenntnis gehabt.

Die GEW widersprach dieser Darstellung. Das ganze Vorgehen sei „nicht lauter“, sagte die Vorsitzende Sigrid Baumgardt. Sie fasst die Änderung als „Systemwechsel“ auf: Während Förderstunden bislang pro Klassen zugewiesen worden seien, werde jetzt die Schüleranzahl zugrunde gelegt, was eigentlich nur bei den Oberschulen üblich sei.

Grundschulen nutzen die zusätzlichen Förderstunden bislang dazu, beispielsweise kleinere Gruppen für Lese- oder Theaterprojekte zu nutzen. Insgesamt verschaffen ihnen diese Stunden eine höhere Flexibilität. Özcan Mutlu von den Grünen wies darauf hin, dass allein der Brennpunktbezirk Mitte 546 Lehrerstunden verliere. Seine Fraktion forderte den Senat auf, „die Kürzung sofort zurückzunehmen und die Grundschulen endlich besser auszustatten“.

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