Neuköllner Provisorium : Streit um Sicherheitsfirmen an Schulen

08.01.2012 00:00 UhrVon Sandra Dassler
Gute Erfahrungen haben die Neuköllner Schulen mit dem Wachpersonal gemacht. Jetzt wird es abgeschafft. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Gute Erfahrungen haben die Neuköllner Schulen mit dem Wachpersonal gemacht. Jetzt wird es abgeschafft. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey hat eine Alternative zum Wachschutz vorgeschlagen: Langzeitarbeitslose sollen in einer vom Jobcenter finanzierten Maßnahme als „Schulstreifen“ für Ordnung sorgen - doch daran scheiden sich die Geister.

„Der Wachschutz ist weg, die Junkies kommen“ – ein Lehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium kommentierte es zynisch. Wie berichtet, hatten dort Schüler am Donnerstag ein drogensüchtiges Pärchen auf der Toilette entdeckt. Der Mann hatte sich eine Spritze gesetzt, wirkte bewusstlos – die Schüler waren schockiert. Die Polizei wies das Paar von der Schule, doch dort blieb die Angst. Schließlich sind die Dealer aus dem Volkspark Hasenheide nicht weit. Und den Wachschutz, der dafür sorgte, dass kein Fremder auf den Hof kam, kann der Bezirk nicht mehr bezahlen.

Zwar hat Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) eine Alternative in Form von Langzeitarbeitslosen bereit, die in einer vom Jobcenter finanzierten Maßnahme als „Schulstreifen“ für Ordnung sorgen sollen, doch daran scheiden sich die Geister.

„Das ist wieder mal typisch für Neukölln“, sagt die Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang (CDU). „Wenn man sich nicht mehr anders zu helfen weiß, müssen die Ein-Euro-Jobber ran.“ Die einstige Stadträtin und stellvertretende Bürgermeisterin von Neukölln findet es falsch, den Wachschutz abzuschaffen: „Es ist fatal, wie der Bezirk seine Prioritäten gesetzt hat“, sagt sie: „Für die Luxussanierung von Schloss Britz wurden dagegen Unsummen ausgegeben“. Auch Anne Helm, die für die Piraten in der Bezirksverordnetenversammlung sitzt, kritisiert Giffeys Schulstreifen. Sie selbst habe auf dem Neuköllner Einstein-Gymnasium schlechte Erfahrungen mit Ein-Euro-Jobbern gemacht: „Die waren nicht motiviert, haben ihre Position missbraucht.“

Stadträtin Giffey verteidigt ihr Konzept als zeitweilige Notlösung. Einig ist sie sich mit den Kritiker aber darin, dass auch das Land in der Pflicht ist. Doch auch der neue Bildungsstaatssekretär Mark Rackles vertritt die Ansicht, dass Maßnahmen zur Kontrolle des Zugangs von Fremden Aufgabe der Schulen und der Bezirke als Schulträger seien. Paul Schuknecht, Sprecher der GEW-Schulleitervereinigung, widerspricht dem vehement. „Hier geht es nicht um Gebäude, sondern um Schulen als sicheren Ort mit vertrauten Menschen, die auf eine Atmosphäre von Betreuung und Kontrolle achten.“ Von Neuköllner Kollegen weiß Schuknecht, dass die jetzt abgeschafften Wachschützer genau das erreicht hatten. Sandra Dassler

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