Neuköllner Schulgeschichte : Archivieren für die Zukunft

Schüler des Albrecht-Dürer-Gymnasiums in Berlin-Neukölln suchen nach ihrer Geschichte und bauen ein Schularchiv auf.

Gina Dubiel
Geschichte in Kisten. Dürer-Gymnasiasten und ihr Schularchiv.
Geschichte in Kisten. Dürer-Gymnasiasten und ihr Schularchiv.Foto: Gina Dubiel

Alles begann mit drei Umzugskartons, die Schüler auf dem Dachboden und im Keller des Albrecht-Dürer-Gymnasiums in Neukölln fanden. In ihnen entdeckten sie die letzten Überbleibsel der über 100-jährigen Schulgeschichte. Für Lorenz Völker, Lehrer für Geschichte und Sport, war es der Anstoß, mit seinen Schülern ein Schularchiv aufzubauen.

Im Wahlpflichtfach Geschichte sind Schüler der zehnten Klasse fortan der Schulgeschichte auf den Grund gegangen. „Die Schüler sollen sehen, dass sie Teil von etwas sind“, sagt Völker, der das Projekt seit September betreut. Da die Mehrheit der Schüler einen Migrationshintergrund hat, sei es besonders wichtig, ihnen eine Identität zu geben. Ein Buch über die Schulgeschichte bis 1945 gibt es bereits, ein Lehrer hat es mit seinen damaligen Schülern verfasst.

Einer der ehemaligen Schüler ist Politiker Ditmar Staffelt

Nun möchte der 45-jährige Völker die neuere Schulgeschichte beleuchten. Die Zehntklässler wurden auf die Suche nach ehemaligen Schülern geschickt, die zwischen 1945 und 1970 ihr Abitur gemacht haben. Hilfreich waren Listen von Abiturtreffen. 25 Schüler als Zeitzeugen fanden sie so. Einer von ihnen ist der Politiker Ditmar Staffelt (SPD), der die Abiturrede von 1969 hielt, in der er mehr Demokratie in der Schule, Mitspracherecht am Unterrichtsstoff und Transparenz bei der Notenvergabe forderte. „Es ist beeindruckend, was Schüler damals bewegt haben“, findet der 16-jährige Marc.

Für das Projekt haben die Schüler alles gesammelt, was Zeitzeugen ihnen gaben. Neben Zeichnungen aus dem Kunstunterricht, Klassenfotos und Schülerzeitungen konnten sie auch Schulhefte und Zeugnisse archivieren. Durch Interviews erhielten sie einen Einblick in den Schulalltag der fünfziger und sechziger Jahre.

Im Februar dieses Jahres wurde das Archiv dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften übergeben und steht nun der Öffentlichkeit zur Verfügung. Völker wünscht sich, dass das Archiv von den Schülern angenommen wird. „Es kann für Präsentationsprüfungen im Mittleren Schulabschluss oder beim Abitur benutzt werden“, sagt er.

Weitere Zeitzeugen gesucht

Außerdem ist ein Buch entstanden: Die Schüler haben 30 Kapitel zum Schulleben und Schülerbiografien verfasst. Am 30. Juni erscheint es, an diesem Tag stellen die Schüler zusammen mit den Zeitzeugen ihr Projekt in der Schule vor (Beginn 18 Uhr). Und im kommenden Schuljahr will Völker das Archiv mit der Geschichte nach 1970 fortführen. Er hofft, neben damaligen Abiturienten auch frühere Lehrer zu finden. Gina Dubiel

Ehemalige aus der Dürer-Schule können sich bei Lorenz Völker melden: l.voelker@albrecht-duerer-gymnasium.de oder Tel. 221994310.

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