Schule und Integration: Die Geschichte : Das schwere Erbe der Ausländerklassen

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Als Deutschland 1961 das Anwerbeabkommen mit der Türkei abschloss, machte man sich um die Bildung und Integration der Gastarbeiterkinder wenig Gedanken. Die Kinder kamen in normale Klassen, ohne spezielle Förderung, ohne Konzept, um ihnen Deutsch beizubringen. 1971 wurde in Berlin die Regelung erlassen, dass ausländische Kinder zunächst in Vorbereitungsklassen ein bis zwei Jahre für den normalen Schulbetrieb fit gemacht werden sollten. Oft blieben die Kinder allerdings jahrelang in diesen Klassen oder wurden in anderen Ausländerklassen zusammengefasst. Ab 1977 gab es erste Maßnahmen zur besseren Förderung, Zusatzstunden oder ergänzendes Unterrichtsmaterial.
Anfang der achtziger Jahre stieg die Zahl der Kinder, die über den sogenannten Familiennachzug nach Berlin kamen, stark an, ohne dass bildungspolitisch in besonderer Weise darauf reagiert worden wäre. Zudem wurde die Schulpflicht für Asylbewerber erst Ende der achtziger Jahre eingeführt. Tausende Kinder von Flüchtlingen etwa aus dem Libanon, heute oft selbst Eltern von schulpflichtigen Kindern in Berlin, haben deshalb keine Schulbildung erhalten.
Bis zur Änderung des Schulgesetzes 1995 galt, dass nur 30 Prozent ausländische Kinder in einer Klasse sein dürfen, wenn sie gut Deutsch können, wurde auch ein Anteil von 50 Prozent erlaubt. Inzwischen ist der gemeinsame Unterricht von Kindern mit deutscher und nichtdeutscher Muttersprache die Regel. Nur wenn Kinder so geringe Deutschkenntnisse haben, dass sie dem Unterricht nicht folgen können, können sie in eigenen Lerngruppen auf Regelklassen vorbereitet werden.
In der Verordnung für Grundschulen ist zudem vorgeschrieben, dass bei der Einrichtung von Klassen „auf Heterogenität vor allem in Hinblick auf die sprachlichen Kenntnisse und das potentielle Leistungsvermögen der Kinder zu achten“ ist. Häufig ist die Situation der einzelnen Schulen jedoch so, dass darauf kaum geachtet werden kann, da Eltern leistungsstarker Kinder Schulen mit einem großen Anteil von Schülern mit Defiziten meiden.

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