Spandauer Neustadt : Stolpersteine geschändet

Erst vor kurzem waren die Steine zur Erinnerung an Familie Salomon verlegt worden. Zwei Steine wurden gelockert, einen nahmen die Täter mit. Die Polizei ermittelt.

Rainer W. During
Hier lagen weitere drei Stolpersteine für die Familie Salomon.
Hier lagen weitere drei Stolpersteine für die Familie Salomon.Foto: Kirchenkreis Spandau

Nur zwei Tage nach einer Gedenkfeier sind in der Spandauer Neustadt die für drei in Auschwitz ermordete Mitglieder einer jüdischen Familie verlegten Stolpersteine geschändet worden. Der Stein für Zilka Salomon wurde vor dem Haus Lutherstraße 13 aus dem Gehwegpflaster gebrochen und entwendet, teilte der evangelische Kirchenkreis mit. Die Steine für ihre Kinder Leonie und Gerhard wurden gelockert und inzwischen vom Bezirksamt bis zur Neuverlegung sichergestellt.

Stolpersteine: Es waren eine und einer und eine und einer und noch einer ...
Sie waren Nachbarn - in der Jenaer Straße im Bayerischen Viertel: Hier wohnte Leonhard Wohl, hier wohnte Cara Wohl - beide von den Nazis ermordet in Auschwitz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: Mike Wolff
28.04.2014 14:15Sie waren Nachbarn - in der Jenaer Straße im Bayerischen Viertel: Hier wohnte Leonhard Wohl, hier wohnte Cara Wohl - beide von den...

Die Tat muss sich am Mittwochabend zwischen 19.30 und 22 Uhr ereignet haben. Am Donnerstag versammelten sich Anlieger am Tatort, um ihr Entsetzen kund zu tun. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Christen und Juden des Kirchenkreises drückten den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Noch nie zuvor sei so etwas in Spandau geschehen, hieß es. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Salomons lebten in der Lutherstraße 13

Am Montag hatte an den kurz zuvor verlegten Stolpersteinen eine Gedenkveranstaltung stattgefunden, zu der auch Angehörige der Ermordeten aus Israel angereist waren. Zwei Urenkel sprachen das Kaddisch, und Schüler des Oberstufenzentrums Technische Informatik, Energie und Management (Tiem) berichteten von ihrer Spurensuche zur Familie Salomon, die in der Lutherstraße 13 lebte und ein Textilgeschäft am Lutherplatz betrieb. Wohnung und Geschäft mussten sie auf Druck der Nationalsozialisten aufgeben. Während einer weiteren Tochter mit Ehemann und Kindern die Flucht aus Deutschland gelang, wurden Zilka, Leonie und Gerhard Salomon 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

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