Comic-Austausch des Goethe-Instituts : „Eine sehr direkte, schnelle Kunstform“

Der Tagesspiegel veröffentlicht exklusiv einige in Berlin entstandene Arbeiten der Comic-Künstler Manuele Fior und Emmanuel Guibert. Die basieren auf einem Austausch des Goethe-Instituts. Dessen Generalsekretär Johannes Ebert erklärt die Bedeutung derartiger Projekte.

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Verloren in Berlin: Eine Szene aus Manuele Fiors Berlin-Strip, den wir an diesem Sonnabend exklusiv im gedruckten Tagesspiegel zeigen. Illustration: Fior
Verloren in Berlin: Eine Szene aus Manuele Fiors Berlin-Strip, den wir an diesem Sonnabend exklusiv im gedruckten Tagesspiegel...Illustration: Fior

Herr Ebert, welche Bedeutung hat der Comic für die Arbeit des Goethe-Instituts im Ausland?
Comics können besondere Aspekte Deutschlands auf ganz eigene Art darstellen, indem sie Texte und Bilder kombinieren. Zum Beispiel vermitteln sie aktuelle Themen wie „Vakuum“ von Lukas Jüliger, eine Kleinstadtgeschichte von Mord, Wahn und Freundschaft. Oder sie vermitteln historische Themen, wie „Im Himmel ist Jahrmarkt“, eine Familiengeschichte von Birgit Weyhe, die das ganze 20, Jahrhundert umfasst. Oder auch die Graphic Novel „Der Boxer“ von Reinhard Kleist.

Was kann der Comic, das andere Kunstformen nicht können?
Comicautoren greifen Aspekte der deutschen Gesellschaft und Geschichte auf ihre eigene, meist leicht zugängliche Art und Weise auf. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man sie gut im Deutschunterricht nutzen kann. Sie lockern auf, vor allem aber unterstützen Bild und Text einander und helfen beim Sprachenlernen. Dazu kommt, dass es in vielen Ländern lebendige Comicszenen gibt und eine ungeheure Neugierde aufeinander besteht. So habe ich in fünf Jahre in Moskau gearbeitet und dort erlebt, wie groß das Interesse an der jetzigen deutschen Comicszene war, mit der die dortigen Autoren Kontakte knüpfen wollten.

Johannes Ebert ist seit 2012 Generalsekretär des Goethe-Institutes. Foto: Promo
Johannes Ebert ist seit 2012 Generalsekretär des Goethe-Institutes.Foto: Promo

Dazu kommt, dass wir mit Comics eine junge, experimentierfreudige Zielgruppe ansprechen, die stärker aus der Populärkultur kommt und die man mit klassischen Ansätzen vielleicht weniger erreicht. Außerdem hat man bei Comics den Vorteil, dass man schnell etwas vorzeigen kann. Schon nach kurzer Zeit kann man etwas ins Internet stellen. Man schreibt nicht einen Roman, der erst zwei Jahre später erscheint. Sondern erste Ergebnisse gibt es oft noch während des Aufenthalts. Comics sind eine sehr direkte, schnelle Kunstform.

Wie lassen sich die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassen, die aus deutscher Sicht bei Austauschprojekten wie dem mit Emmanuel Guibert, Manuele Fior und Anke Feuchtenberger gewonnen werden?
Für uns Deutsche ist es interessant, wie ausländische Künstler unsere Umwelt wahrnehmen und reflektieren. Gerade wenn wir über Europa diskutieren, ist es wichtig, die Stile und Meinungen der Nachbarn wahrzunehmen. Da können wir sehr viel auch über uns selbst lernen. Wie man bei Austauschprojekten ja generell viel über einander lernt. So war ich zum Beispiel in Russland an dem Projekt „Respekt“ beteiligt, das europäische und russische Comiczeichner zusammengebracht hat, die zum Thema Toleranz und Umgang mit Werten arbeiteten und sich explizit an Schüler gewandt haben. Das hatte eine pädagogische Komponente. Und in Asien hatten wir kürzlich ein großes Projekt unter dem Titel „Morgenstadt“. Da ging es um Klimawandel und urbane Zukunftsfragen, über die sich Comicautoren ausgetauscht und gemeinsam Geschichten erarbeitet haben. Sie alle verbindet dabei auch ein gemeinsamer Herstellungsprozess, der über alle Ländergrenzen verbindet.

Die Website zum vom Goethe-Institut geförderten Projekt „Europa in der Sprechblase“ findet sich hier. Mehr zum Comic-Transfer des Goethe-Instituts findet sich hier. Und die Website des Goethe-Instituts zu deutschen Comics findet sich hier

 

 

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