Hier lesen Sie, welches die Top-Favoriten von Stefan Pannor sind

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Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2014 - Stefan Pannors Favoriten
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Nachschub gesucht? Unsere Jury und unsere Leser hätten da ein paar Tipps.
Nachschub gesucht? Unsere Jury und unsere Leser hätten da ein paar Tipps.Foto: picture alliance / dpa

Platz 2:
Daniela Schreiter: Schattenspringer
(Panini)
Problemcomics haben ein Problem: sie sind meist furchtbar ernst. Natürlich, man kann nicht viele gute Witze machen etwa über Aids oder den Holocaust. Das ist klar. Trotzdem ist „Schattenspringer“ ein Comic, der nicht nur wegen seines ernsten und, nun ja, problemgeladenen, selten angesprochenen Themas auffällt – die Autorin hat Asperger-Syndrom – sondern vor allem wegen des mal bitterkomischen, mal schlicht nonsensischen, vor allem aber befreienden Humors, mit dem sie die Einschränkungen darstellt, die diese Diagnose mit sich bringt. Das kann man sich als Außenstehender oft nicht vorstellen: wen Telefonieren zur Qual wird und man sich fühlt, als stamme man eigentlich von einem anderen Planeten als der Rest der Menschheit. Daniela Schreiter verarbeitet das in mal niedlichen und mal hochkomischen Sequenzen, weitab vom häufig distanzierten Arthaus-Comic der L'Association-Schule, dafür in einer direkten und ohne Umwege verständlichen Art, deren Witz sich ergibt aus der Reibung zwischen dem Alltag und der zwangsläufigen Sicht der Dinge des Asperger-Patienten. Ein emotionaler, einfühlsamer Comic, der, ohne die Komplexität und Ernsthaftigkeit des Themas runterzuschrauben, zugleich ungemein unterhaltsam ist.

Platz 1:
Terry Moore: Rachel Rising
(Schreiber & Leser)
Gute Zeiten für Fans von Terry Moore (und jeder, der auch nur etwas Comicgeschmack hat, sollte das sein): Nicht nur dass nach Jahren des Wartens endlich seine Maßstäbe setzende Serie „Strangers in Paradise“ komplett auf Deutsch erscheint. Sondern dazu gleich noch „Rachel Rising“, sein jüngstes, auch in den USA noch nicht abgeschlossenes Projekt. Ein Horrorcomic, aber einer, wie man ihn nicht alle Tage hat: Die aus unbekannten Gründen von den Toten auferstandene Rachel versucht, sich in ihrem alten Leben einzurichten. Was naturgemäß zu einer Menge Verwirrung führt. Entscheidend sind hier nicht die Thrill-&-Kill-Effekte, obwohl Moore auch von denen eine Menge auffährt – viele Figuren überleben gleich den ersten Band nicht, und für die übrig bleibenden sieht es nicht gut aus – innerhalb jenes Rätsels der Auferstehung von den Toten. Sondern die eingestreuten persönlichen Momente, die Unter-vier-Augen-Gespräche ehemals bester Freundinnen, von denen eine eben lebt und eine (un)tot ist. Was Moore schon in „Strangers in Paradise“ auszeichnete, die differenzierte, realistische Figurenzeichnung, die elegante Dialogführung, der sich wie natürlich aus den Figuren ergebende Witz und Charme, findet sich auch in „Rachel Rising“ wieder, effektiv ein Comic über Freundschaft im Gewand einer Horrorerzählung, düster, spannend, und wahnsinnig sympathisch.

Die Favoriten der anderen Jurymitglieder veröffentlichen wir nach und nach - hier gibt es den Beitrag von Andreas Platthaus, hier den von Anne Delseit. Und hier finden Sie die Empfehlungen unserer Leser. Am 11. Dezember geben wir die Gewinner der Gesamtauswahl der Jury bekannt.

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