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Leserumfrage : Die besten Comics des Jahres - die Leserfavoriten

Auch in diesem Jahr wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern wieder wissen: Was waren 2016 Ihre Comicfavoriten?  Hier die Antworten.

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Zeit für Nachschub. Ein Comic-Stand auf dem Fumetto-Festival im Frühjahr 2016.
Zeit für Nachschub. Ein Comic-Stand auf dem Fumetto-Festival im Frühjahr 2016.Foto: Lars von Törne

So viele gute Comics, so wenig Zeit: Um den Lesern der Tagesspiegel-Comicseiten die Auswahl zu erleichtern, was die Lektüre lohnt, haben wir auch in diesem Jahr wieder eine doppelte Kür der besten Titel veranstaltet. Zum einen wählte eine Fachjury ihre Favoriten der vergangenen zwölf Monate. Zum anderen waren wieder unsere Leserinnen und Leser gefragt. Wir wollten wissen: Was war für Sie der beste Comic des vergangenen Jahres?

Hier nun die abschließend aktualisierten Empfehlungen unserer Leserinnen und Leser:

Der Comic "Junker" (Carlsen) hat mir gefallen, weil er sehr schön Zauberberg-Atmosphäre atmet: Reiche Damen oder andere Müßiggänger mit tatsächlichen oder vermeintlichen Erkrankungen geben sich in guter Bergluft ihren Liegekuren in der frischen Bergluft hin. Simon Spruyt entfaltet ein zwar schwarz-weißes, aber dennoch buntes Panorama der Kurgäste. Wie bei Thomas Mann bewegt sich alles auf den Untergang der alten feudalen Welt hin, auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu. Anhand der Geschichte der beiden Söhne des alten Kriegshelden von Schlitt können wir diese Entwicklung verfolgen. Der eine ist stark der alten Welt mit ihren festgefügten Standesgrenzen verhaftet, der andere zwar nicht an einer neuen Gesellschaft, aber an neuer Technik interessiert. Für beide Jungen ist eine militärische Laufbahn auf einer Kadettenakademie vorgesehen. Der Comic gleicht einem Gedankenexperiment, in dem Spruyt eine alternative Hinführung zu dem verhängnisvollen Krieg zwischen 1914 und 1918 darstellt. Vielleicht lässt sich dies so verstehen, dass die Situation am Vorabend des Ersten Weltkriegs so war, dass es auf jeden Fall zu dem fatalen Ereignis kommen musste. Spruyt zeichnet nur die Mitglieder der Familie von Schlitt und den gottgleich über allem stehenden preußischen König als Individuen, die anderen sind durch ihre Smiley-Gesichter als austauschbare und gesichtslose Masse definiert.
Anja Friedl-Muschweck

Beliebt: "The Wicked & The Divine".
Beliebt: "The Wicked & The Divine".Foto: Image

Ich möchte „The Wicked + the Divine“ von Kieron Gillen, Jamie McKelvie, Matt Wilson und Clayton Cowles empfehlen. Alle 90 Jahre reinkarnieren zwölf Götter in Form von Menschen und leben für zwei Jahre auf der Erde. Zugegebenermaßen wirft der Plot noch einige Fragen auf, jedoch sind Idee und Story sehr originell. Zudem ist das Artwork eine wahre Freude und die Umsetzung der starähnlichen Götter unterhält hervorragend - beispielsweise Lucifer bzw. Luci, hier eine Siebzehnjährige deren ursprünglicher Name auf dem Titel eines Songs der Beatles beruht, ausgezeichnet durch höhnisch, sarkastischer Art. Ich freue mich jetzt schon darauf weiter zu lesen.
Laura Glötter

Mein Comic des Jahres ist der Webcomic "Twisted" von Gabriel DeVue, dessen erster Band dieses Jahr (endlich!) in gedruckter Form auf dem Comicsalon Erlangen vorgestellt wurde. "Twisted" erzählt die Geschichte von vier psychopathischen Serienmörderinnen und deren halbwegs freiwilligen Zusammenschluss. Die Story fesselt von der ersten Seite an: Düster, abgedreht und voll von tiefschwarzem Humor lernt der Leser die Protagonistinnen und die Welt in der sie sich bewegen kennen, die trotz Überspitzung erschreckend stark an unsere erinnert. Am meisten sticht der Comic aus meiner Sicht durch die unverwechselbaren Hauptcharaktere hervor. Keine Helden, keine Antihelden, keine Auserwählten, keine Normalmenschen. Böse, aber nicht alle nur sinnlos bösartig. Jede einzigartig in ihrem Hintergrund, ihrer Entwicklung und ihrem Verhalten. Unterstrichen wird alles von einem wahnsinnig tollem Zeichenstil, der ein wenig an einen kantigen Tim Burton-Thriller erinnert. Die Zeichnerin setzt Techniken und Raffinessen wie Panelaufteilung, Perspektiven und Ansichten geschickt ein, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Klare Empfehlung meinerseits!
Sonja Frenzel

Meine Favoriten: "Love Nest" und "Vortex" von Charles Burns, da die raren Veröffentlichungen von diesem Ausnahmekünstler immer ein Fest sind. "Die Todeskarte" von Mike Mignola: Nach 22 Jahren krönt Herr Mignola mit der Todeskarte seine Hellboy-in-Hell-Storyline mit der besten Arbeit seiner Karriere. Ein Meisterwerk von Design und Storytelling.
Michael Lauterbach

Nicht nur für Fernfahrer: Bela Sobottkes neues Buch.
Nicht nur für Fernfahrer: Bela Sobottkes neues Buch.Foto: Promo

Als großer Comic-Fan und ehemaliger Fernfahrer (und mittlerweile Spediteur) kann es dieses Jahr für mich nur eine Empfehlung geben: "UTAs Truckstop" von Bela Sobottke. Ich kenne die Comics schon seit Jahren aus dem UTA Kundenmagazin (was es so leider nicht mehr gibt) und habe mich total gefreut, die ganzen Trucker-Geschichten von Kurt und Uta nun noch einmal als kleines Buch zu lesen. Ich habe das Buch auch einigen Leute aus der Branche geschenkt und es kam überall gut an (es gab einige Geschichten, in denen meine Kollegen und ich uns selbst wiedererkannt haben!). Also, auch wenn es ein ungewöhnlicher Vorschlag ist, aber das Büchlein macht Spaß!
Theo Neumann

Meine Manga Empfehlung des Jahres 2016, ist ganz klar Genji Otoris "Blood Stained Snow". Darin wird der Leser in eine japanisch angehauchte Welt entführt, in der die böswillige Macht der Drachen und deren nicht minder grausamen Gefolgsleute auf die Menschheit losgelassen wird. Genji schafft es dabei unter anderem durch akzentuierte Mimik und Gestik, detailverliebte Hintergründe und den perspektivisch anspruchsvollen Actionszenen den Leser zu fesseln und diesen mit Rikka und Ichiro mitfiebern zu lassen. Dadurch sind die wöchentlichen auf www.patreon.com/genjiOtori und tapastic.com/episode/510991 veröffentlichten Seiten viel zu schnell verschlungen und des kann stets gerätselt werden, wer das nächste Update überlebt, ähnlich wie bei den Folgen von Game of Thrones ;-) Neben der Hauptgeschichte werden zusätzlich interessante Details aus dem Leben der Figuren auf Patreon in Gag-Comics veröffentlich, welche zum Schmunzeln und Lachen einladen. Der Manga ist für jeden empfehlenswert, der ein Faible für actionreiche Kampfszenen und Realitätsnähe hat.
Jan Ehrensperger

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