"Harry Potter and the Cursed Child" : Das Buch zum Theaterstück ist da

Vom Zauberei-Beamten zum Bekämpfer des Bösen: Das Harry-Potter-Theaterstück feierte Samstag Premiere. Jetzt ist das Skript im Buchhandel. Ein Wiedersehen mit alten Freunden.

Lisa-Maria Röhling
Die Vorfreude in den Buchläden ist kaum zu toppen.
Die Vorfreude in den Buchläden ist kaum zu toppen.Foto: imago

Zeitreisen, Familienkonflikte und der Kampf gegen das Böse: Am Samstag feierte das Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“ („Harry Potter und das verfluchte Kind“) im Londoner Palace Theater Premiere. Einen Tag danach kam das Skript zum Theaterstück, dass bereits im Vorverkauf die Bestsellerlisten anführte, in Buchform auf den Markt. In der achten Geschichte der Harry Potter-Saga sind der Titelheld und seine Freunde inzwischen erwachsen – und trotzdem bleibt in der Zaubererwelt irgendwie alles beim Alten.

19 Jahre sind ins Land gegangen, seit Harry Potter seinen Erzfeind Lord Voldemort besiegt hat. Nun ist der 37-jährige Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung des Zaubereiministeriums und hat drei Kinder mit seiner Jugendliebe Ginny Weasley, seine besten Freunde Ron und Hermine sind ebenfalls verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder. Die Geschichte beginnt da, wo der Roman im Epilog des siebten Bandes endete: Am Bahnhof verabschieden die vier Freunde ihre Kinder, die sich auf die Reise in die Zauberschule Hogwarts begeben. Harrys zweiter Sohn Albus Severus bricht mit gemischten Gefühlen zu seinem ersten Schuljahr auf. Im Zug freundet er sich ausgerechnet mit Scorpius Malfoy, dem Sohn von Harrys Erzfeind Draco, an und wird in Hogwarts dann auch noch dem vermeintlich bösesten der vier Häuser der Schule, Slytherin, zugeordnet. All das belastet die ohnehin schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn und während die ersten drei Schuljahre wie im Flug vergehen, entfernen sie sich immer weiter voneinander. Der Sohn leidet unter der Popularität und dem Erbe seines Vaters, während dieser noch immer mit seiner eigenen Vergangenheit hadert.

Denn die lässt ihn nicht los: Eines Tages taucht Amos Diggory, der Vater von Cedric Diggory, der in „Harry Potter und der Feuerkelch“ auf tragische Weise von Lord Voldemort getötet wurde, an Harrys Tür auf und fordert, dass er mithilfe eines magischen Zeitumkehrers in die Vergangenheit reisen möge, um Cedric vor seinem Schicksal zu bewahren. Harry lehnt die gefährliche Zeitreise ab, doch Albus hört das Gespräch und beschließt, mit seinem besten Freund Scorpius den Zeitumkehrer zu stehlen und Cedric zu retten. Und schon ist Lauf der Geschichte durcheinandergebracht und die friedliche Zaubererwelt wieder durch niemand anderen als Lord Voldemort und seine dunklen Mächte bedroht.

Alle bekannten Charaktere dabei

Mehr als 450 Millionen Bücher hat J.K.Rowling seit der Publikation des ersten Harry Potter-Romans verkauft. Die Bände wurden in insgesamt 79 Sprachen übersetzt. Zusammen mit dem Drehbuchautor Jack Thorne und Regisseur John Tiffany erweckt sie nun mit „Harry Potter and the Cursed Child“ das Zaubereiuniversum als zweiteiliges Bühnenstück wieder zum Leben. Dabei wird dies wohl die letzte Reise in die Welt von Harry Potter sein. Nach dieser Geschichte soll endgültig Schluss sein, ließ Rowling am Veröffentlichungswochenende verlauten.

Fast 10 Jahre sind seit der Publikation des finalen Bandes der Roman-Reihe, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, ins Land gegangen, doch vieles bleibt beim Alten: Hogwarts ist immer noch der gleiche bezaubernde Ort und der Humor von Professor McGonagall immer noch genauso staubtrocken wie eh und je. Auch das Motiv der Zeitreise hatte Rowling bereits in ihrem dritten Band, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ aufgegriffen. Mal wieder herrscht der Urkampf zwischen Gut und Böse. Dabei kann sich Rowling durch die Zeitreisegeschichte am breiten Pool ihrer brillanten und vielfältigen Bösewichte bedienen: Severus Snape, Dolores Umbridge und natürlich Lord Voldemort sind alle Teil der Geschichte.

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Harry Potter-Theaterstück feiert Weltpremiere in London
Harry Potter-Theaterstück feiert Weltpremiere in London

Sicher, es ist ungewohnt für die Leser der Romane, nun das Skript für ein Bühnenstück in den Händen zu halten, denn nicht zuletzt haben besonders Rowlings liebevolle und detaillierte Beschreibungen der Zauberwelt den Charme der Harry Potter-Reihe ausgemacht. Das Drehbuch macht große Lust, sich das Theaterstück in London anzusehen, anstatt die eigene Fantasie anzustrengen. Tatsächlich lässt die achte Geschichte ein wenig die geniale Verwobenheit der Handlungsstränge der sieben Vorgängerbände vermissen, die die Fans bis zur letzten Seite in Atem hielt.

Spannung, Humor und zahlreiche Wendungen

Trotzdem kann man nicht umhin, die junge Zauberergeneration, allen voran Scorpius Malfoy und Albus Potter als Duo infernale, ins Herz zu schließen. Das erfolgreiche Rezept von Abenteuer, Spannung und Humor geht auch bei „Harry Potter and the Cursed Child“ auf, das bis zum Schluss mit zahlreichen Wendungen aufwartet.

Letzten Endes sind es die bekannten Hauptcharaktere aus den Romanen, die diese achte Geschichte der Reihe so besonders hinreißend machen: Hermine Granger, die sich von einer besserwisserischen Schülerin zu einer taffen, resoluten Frau entwickelt hat. Ron Weasley, der mit seiner drolligen und warmen Art ein Symbol für aufrichtige Freundschaft bleibt und schließlich Harry, der nicht nur mit seiner Rolle als Bezwinger des Bösen, sondern vor allem mit seiner Rolle als Vater zu kämpfen hat. Eigentlich ist es eine Geschichte rund um Väter und Söhne, die sich gegenseitig nicht verstehen können oder wollen: Draco und Scorpius, Harry und Albus und auch Harry und seine Vaterfigur Dumbledore, der in Form eines sprechenden Porträts einen Gastauftritt hat, sie alle reden aneinander vorbei, ohne sich ihre tiefe Zuneigung wirklich zeigen zu können. Dass Harrys Last auch zur der seines Sohnes geworden ist, merken beide erst nach einer Reihe tragischer Konflikte. Diese Momente zwischen Vater und Sohn gehören zu ergreifenden Höhepunkten der Geschichte und verleihen ihr Tiefe.

Wer von den beiden eigentlich das „verfluchte Kind“ ist, bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Am Ende, ohne all die Abenteuer und die Zauberei, dreht sich das die Geschichte um die gleichen Themen, um die sich die Bücher der Romanreihe immer gedreht haben: Akzeptanz, Freundschaft und Liebe. Und davon kann man in diesen Wochen wohl kaum genug haben.

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