Berliner Wirtschaft : Air Berlin kauft 25 „Dreamliner“

Fluglinie bestellt neue Boeing-Maschinen zum Listenpreis von vier Milliarden Dollar – das ist die größte Order aus Europa

Bernd Hops

Berlin - Die Fluggesellschaft Air Berlin plant Milliardeninvestitionen in Langstreckenflugzeuge. Beim US-Flugzeugkonzern Boeing bestellte das zweitgrößte deutsche Luftfahrtunternehmen 25 Maschinen der neuen 787 („Dreamliner“) und sicherte sich die Rechte für 25 weitere. Wie Air Berlin am Sonntag mitteilte, liegt der Listenpreis der fest bestellten Flugzeuge bei vier Milliarden Dollar (knapp drei Milliarden Euro). Es sei jedoch ein erheblicher Rabatt gewährt worden, über den beide Seiten Stillschweigen vereinbart hätten, hieß es weiter. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sagte in Seattle: „Mit dieser Order wollen wir die Langstrecken-Kapazität für die Air-Berlin-Gruppe langfristig sichern.“ Konzernsprecher Peter Hauptvogel sagte auf Anfrage, man habe sich jetzt zum Kauf entschieden, weil man sonst wegen der großen Nachfrage zum gewünschten Datum keine 787 mehr bekommen hätte.

In der Nacht zum Montag sollte der neu entwickelte „Dreamliner“ erstmals aus der Werkshalle gerollt werden. Die Maschine soll im Herbst das erste Mal fliegen und im Mai 2008 an den ersten Kunden ausgeliefert werden. Insgesamt hat Boeing schon 677 Bestellungen für die 787. Die Order von Air Berlin ist nach Unternehmensangaben die größte, die bisher aus Europa kam. Die 787 soll im Vergleich zu heutigen Maschinen ein Fünftel weniger Treibstoff verbrauchen. Pro Passagier und 100 Kilometer würden 2,5 Liter Kerosin verbrannt, kalkuliert Boeing. Außerdem besteht der „Dreamliner“ zu einem Großteil aus Kunststoffen und ist deshalb günstiger in der Wartung. Der europäische Flugzeugbauer Airbus entwickelt mit dem A 350 ein Konkurrenzprodukt, das aber wohl erst 2013 auf den Markt kommen wird. Die EADS-Tochter hat auch erst 230 Bestellungen erhalten.

Air Berlin hat in den vergangenen Jahren vor allem das europäische Geschäft stark ausgebaut. Zum einen wurde eine Allianz mit der österreichischen Niki, die dem ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda gehört, geschlossen. Zum anderen kaufte Air Berlin im August 2006 die dba – hier laufen allerdings zurzeit Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel – und zuletzt auch den Ferienflieger LTU.

Mit der LTU, bei der Air-Berlin-Chef Hunold seine Karriere begonnen hat, soll der Einstieg in das Geschäft mit Langstreckenflügen erfolgen. Berlin soll zum Drehkreuz werden, ab dem Winterflugplan gibt es Direktverbindungen nach Florida, Bangkok, Kuba und in die Dominikanische Republik. Zwar steht noch die Genehmigung der Kartellbehörden für den LTU-Deal aus, Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel geht aber von einem positiven Ergebnis aus. „Es gibt keine Anzeichen für ein ’Nein’, noch nicht einmal für Auflagen“, sagte er dem Tagesspiegel. Auch unabhängig von dieser Frage sei die Bestellung der Langstreckenflugzeuge bei Boeing sinnvoll. Schließlich habe auch die Schweizer Fluggesellschaft Belair, an der Air Berlin mit 49 Prozent beteiligt ist, Fernverbindungen beziehungsweise entsprechende Lizenzen. Es sei noch nicht entschieden worden, wo in der Gruppe die Flugzeuge zum Einsatz kommen werden, sagte Hauptvogel. Konzernchef Hunold betonte wiederum, bei der 787-Bestellung gehe es vor allem um den künftigen Austausch von Flugzeugen in der Flotte.

Die Maschinen sollen zwischen 2013 und 2017 ausgeliefert werden, der größte Teil des Kaufpreises wird dann auch erst fällig. Air Berlin will außerdem von Maschine zu Maschine entscheiden, ob man sie le- ast oder selber kauft. Unternehmenssprecher Hauptvogel sagte, den Ausschlag für den „Dreamliner“ habe die Umweltfreundlichkeit gegeben. „Die Klimaschutzdebatte wird weitergehen.“

Im November 2006 hatte Air Berlin bereits mit einem Großauftrag für Mittelstreckenmaschinen von Boeing für Aufsehen gesorgt. Der Listenpreis für 60 Flugzeuge vom Typ 737-800 summierte sich mit 25 weiteren von der dba bestellten Flugzeugen auf 5,7 Milliarden Dollar. 2004 hatte Air Berlin zusammen mit Niki beim europäischen Flugzeugbauer Airbus 70 A 320/A 319-Flugzeuge geordert, die laut Liste vier Milliarden Euro kosten. Trotz der hohen Summen erwarten Analysten bislang keine übermäßige Belastung für die Air-Berlin-Finanzen.

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