Handwerk : "Berlin muss 500 Millionen drauflegen"

Stephan Schwarz ist Präsident der Handwerkskammer Berlin. Er spricht sich für Investitionen aus und ist für die Hauptstadt relativ optimistisch.

Schwarz Foto: promo
Stephan Schwarz -Foto: promo

Herr Schwarz, wie schlimm wird 2009 für die Berliner Wirtschaft?



Es gibt gute Argumente dafür, dass es Berlin nicht ganz so hart treffen wird wie den Rest des Landes. Berlins niedrige Exportquote, die ja sonst als Schwäche gilt, kommt uns in der Krise zugute, weil wir nicht sehr stark vom Weltmarkt abhängen. Dazu gehört auch, dass wir wenig Industrie, dafür aber viele kleinere und mittelständische Unternehmen haben, die lokal agieren. Insofern könnte Berlin noch einigermaßen glimpflich durch die schwere Zeit kommen.

In welchen Branchen ist die Krise schon angekommen?

Alles, was am Export hängt, ist jetzt schon stark betroffen, etwa die Autozulieferer. Auch in Teilen des Handwerks hat sich die Krise im zweiten Halbjahr 2008 bereits bemerkbar gemacht. Im Kfz-Gewerbe zum Beispiel beklagen mehr als 60 Prozent der Betriebe deutliche Umsatzrückgänge. Spätestens im zweiten oder dritten Quartal 2009 dürfte der Abschwung aber auch alle anderen Branchen treffen.

Welche Hoffnungen setzen Sie in die Konjunkturprogramme, die vom Bund und den Ländern derzeit angestoßen werden?

Das zweite Programm enthält ausgesprochen gute Elemente. Dazu gehören vor allem die 500 Millionen Euro, die der Bund Berlin für Investitionen zur Verfügung stellen will und die vom Senat wohl um 100 Millionen aufgestockt werden. Meine Sorge ist aber, dass das Geld nicht schnell genug da ankommt, wo es gebraucht wird. So fehlen beispielsweise in den Senatsverwaltungen mittlerweile die Fachkräfte, die die Aufträge zügig in Gang bringen könnten. Die Personalkapazitäten müssten hier sehr kurzfristig ausgebaut werden.

Die Gelder, die Berlin zur Verfügung stellt, reichen also nicht aus?


Angesichts des immens hohen Investitionsstaus in der Stadt sind die zugesagten Gelder unangemessen niedrig. Idealerweise müsste der Senat die 500 Millionen Euro des Bundes nochmal verdoppeln. Damit könnten wir etwas anfangen.

Wo muss zuerst angepackt werden?

All das, was sinnvoll und schnell umzusetzen ist. Neben der energetischen Gebäudesanierung sind Investitionen in Straßen, Schulen und Kitas notwendig.

In erster Linie wird die Baubranche profitieren. Ist das gerecht?

Bisher war die Baukonjunktur ein ganz wichtiges Zugpferd für die Gesamtkonjunktur, weil da viele andere Branchen dranhängen. Insofern kommt das Konjunkturprogramm allen Branchen zugute.

Wie sinnvoll ist ein Rettungsschirm für strauchelnde Unternehmen, wie er derzeit im Gespräch ist?

Ich habe dabei große Angst vor Mitnahmeeffekten. Jedes Unternehmen, das schlecht gewirtschaftet hat, könnte sich so einfach retten lassen. Bezahlen müsste das der gesunde Mittelstand. Das wäre absolut kontraproduktiv.

Könnte eine Kreditklemme die momentane Krise noch verschärfen?

Bisher gibt es keine Kreditklemme und wir als Handwerkskammer glauben auch nicht, dass es dazu kommen wird. Das belegen Umfragen in unseren Mitgliedsbetrieben. Es mag sein, dass es bei sehr hohen Volumina von 50 Millionen oder mehr Schwierigkeiten gibt. Das betrifft allerdings Projekte, die nicht typisch sind für die Berliner Wirtschaft.

Wie lange werden die Betriebe ihr Personal halten können?


Ich rechne nicht mit Entlassungen im großen Stil. In der Berliner Wirtschaft werden wir 2009 vermutlich einen Rückgang von maximal einem Prozent bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung haben. Auch die Insolvenzen werden nicht dramatisch zunehmen.

Das Gespräch führte Yasmin El-Sharif.

Stephan Schwarz ist Präsident der Handwerkskammer Berlin. Der 43-Jährige leitet zudem den Familienbetrieb GRG Services Group, eine Gebäudemanagementfirma mit 3000 Mitarbeitern.

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