HEIK AFHELDT trifft… : Verleger Robert Klanten

Eher ungewöhnlich hier im tiefen Kiez: ein modernes Bürohaus und ein international tätiges und erfolgreiches junges Unternehmen aus der bunten Kreativszene mit bis zu 40 festen und freien Leuten im 5. und 6. Stock. 1000 Quadratmeter, teils mit Blick auf U-Bahn und Landwehrkanal. „die gestalten“ heißen sie und das tun sie auch: eindrucksvoll schöne Grafik-Bücher über Straßenkunst oder Pop-Art, immer auf Englisch. Nur 18 Prozent ihrer international hoch renommierten verlegerischen Kunstwerke verkaufen sie in deutschsprachigen Ländern.

Der große, schlanke dunkelhaarige Mann mit lebhaften Augen und einem eher ernsten, seriösen Auftreten, der den Verlag vor elf Jahren mit einem Existenzgründer-Darlehen der Deutschen Bank von immerhin einer Million Mark mit zwei Partnern startete, zählt zu den unzähligen erfolgreichen Menschen, die mit einer bunten Vergangenheit und ohne einen ordentlichen Studienabschluss etwas Tolles auf die Beine gestellt haben.

Aufgewachsen ist er auf dem Land am Niederrhein bei den Großeltern. Sein Vater war in der Technik einer Tagesszeitung aktiv. Sohn Robert war, wie er sagt, „ein recht guter Schüler“, hat viel Sport getrieben, begeistert Musik im britischen Soldatensender gehört und mit Bassgitarre und kleinen Bands in Clubs diesseits und jenseits der holländischen Grenze gespielt – und auch gesungen, obwohl er eigentlich gar nicht singen könne. Sein Berufswunsch war ihm immer glasklar: Gestalten. Also begann er ein Studium an der ehemaligen Folgwang-Schule in Essen. Dort lernte er auch die beiden Kollegen kennen, mit denen er noch heute den Verlag betreibt.

Weil die starke Ausrichtung auf Technik und „industrielle Verwertung“ nicht sein Ding war und auch aus Spaß an den Aufgaben, hat er nebenbei viel gejobbt und Geld mit „Design“ verdient. Zehn Mal hat er im Rahmen der Frankfurter Messe Ambiente die kleine Ausstellung für modernes Design „Experimente Schauen“ betreut und die Kataloge dazu gemacht. Dann war dort die Luft raus.

Seine persönliche Wende Anfang der 90er Jahre: Ein kleines Grafikbüro in Berlin. Die Aufträge: Flyer für Clubs und nebenher Tutor an der UdK. Und 1994 die Entscheidung: Wir machen nur noch Bücher auf Englisch und zu Themen am ganz aktuellen Rand der kulturellen Trends rund um den Globus. Und das läuft.

Der Verlag ist international bekannter als in Deutschland. Klanten erklärt das damit, dass Gestalten in vielen anderen Ländern ein ganz wichtiger Teil der Kultur sei. Mode etwa in Frankreich und Pop-Kultur in England. In Deutschland sei Design mehr eine Verkaufsförderung für Autos und andere Industrieerzeugnisse. Immerhin machen sie heute mit ihren Büros in England, Japan und den USA so zwischen fünf und sechs Millionen Euro Umsatz und scheinen dabei auch gut zu verdienen. Seine Frau übrigens ist auch „Gestalterin“ – als Architektin und bei der Erziehung ihrer beiden kleinen Söhne.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Robert Klanten (43) ist Geschäftsführender Gesellschafter des Verlags „die gestalten“ an der Mariannenstraße in Kreuzberg; bald soll der Verlag nur noch „gestalten“ heißen.

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