Prozess wegen Mordversuchs : Blutiges Ende einer vermittelten Ehe

Ein 44-jähriger Mann sitzt seit Dienstag wegen eines beinahe tödlichen Messerangriffs auf seine Ex-Frau auf der Anklagebank. Schon während der arrangierten Ehe soll es regelmäßig zu häuslicher Gewalt gekommen sein.

von

Die Frau setzte sich so weit wie möglich vom Angeklagten entfernt. Sie kennt ihn seit ihrer Jugend. Er hatte sie aus der Türkei geholt. Doch die vermittelte Ehe ging nicht gut. Häusliche Gewalt soll geherrscht haben, die nach der Scheidung in einem beinahe tödlichen Messerangriff gipfelte. „Ich muss dich umbringen, ich werde dich keinem anderen überlassen“, soll Ali A. gerufen und die dreifache Mutter, mit der er 21 Jahre verheiratet war, durch Stiche in Rücken und Bauch lebensgefährlich verletzt haben.

Schweigend saß der Mann von 44 Jahren am Dienstag auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Ali A. habe es nicht ertragen, dass sich seine Ex-Frau von ihm abgewandt und im Internet einen anderen Mann kennengelernt hatte. Die Vorwürfe stützen sich vor allem auf Angaben der 42-jährigen Hausfrau kurz nach der Tat. Es kommt nicht selten vor, dass Opfer in ähnlichen Fällen vor Gericht nicht mehr aussagen. Ayla A. ging den Weg weiter.

„Er wollte mit mir reden, nur fünf Minuten“, sagte sie. Das war am 15. November. Sie ließ sich auf einen Spaziergang ein. Er habe erklärt: „Im Namen Gottes und des Propheten, ich möchte dich wieder heiraten.“ Sie lehnte klar ab: „Würdest du jemanden heiraten, der dir Schlechtes angetan hat?“ Da sei er ausgerastet, habe sie an den Haaren gezogen, beleidigt, aus seinem Rucksack ein Küchenmesser geholt. „Nach dem ersten Stich stellte sich eine Passantin vor mich, der zweite Stich ging in die Seite“, beschrieb sie den Angriff im Petersenweg in Spandau.

Der Angeklagte schien geringschätzig zu lächeln, als sie über Abhängigkeiten sprach, die er ausgenutzt habe. „Ich war auf ihn angewiesen, weil ich keine Deutschkenntnisse hatte“, sagte die Zeugin. Sie war keine 20 Jahre alt, als sie in das für ihn längst nicht mehr fremde Land kam. „Es war keine Liebesheirat.“ Sie zogen zunächst zu seinen Eltern. „Sie wollten nicht, dass ich die Sprache und die Außenwelt kennen lerne.“ Wenn sie sich doch einmal mit anderen Frauen aus der Umgebung traf, habe er ihr vorgeworfen, sie verändere dadurch ihr Verhalten. „Ich brach die Kontakte ab.“

Die Gewalt begann nach Angaben der Frau gleich nach der Hochzeit. Es sei um Kleinigkeiten gegangen. Er habe geprügelt, sie an den Haaren gepackt. 1999 zog er aus. Er soll Ayla A. zuvor gewürgt und mit einem Messer bedroht haben. Ein Strafverfahren gab es nicht. „Ich hatte Angst vor ihm“, sagte die Frau. Wegen der Kinder hätten sie sich aber auch weiterhin gesehen. Nach der Trennung besuchte Ayla A. einen Sprachkurs. Einen ersten Scheidungsantrag nahm sie zurück. Für den zweiten Anlauf zog sie für ein paar Monate zu Verwandten ins Rheinland. Der Prozess geht Freitag weiter.

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben