Radfahrer in Berlin : Pankow will zwei Fahrradstraßen

Neue Pläne für Fahrradstraßen in Prenzlauer Berg provozieren Widerspruch bei Autofahrern. Doch auch Radler sind nicht zufrieden.

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Fahrradfahren soll mancherorts in Berlin bald sicherer werden. Durch Fahrradstraßen.
Fahrradfahren soll mancherorts in Berlin bald sicherer werden. Durch Fahrradstraßen.Foto: Alexander Heinl/dpa

Pankow plant ein großes Kreuz für Radfahrer. Zwei Straßenzüge in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung sollen als Fahrradstraßen ausgeschildert werden. Zunächst sollen Gleimstraße und Stargarder Straße eine sichere Verbindung zwischen Mauerpark und Planetarium an der Prenzlauer Allee herstellen. Der neue Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) hat angekündigt, die Gleimstraße aus dem "übergeordneten Straßennetz" herauszunehmen, damit hätte der Bezirk freie Hand, eine Fahrradstraße auszuschildern.

Derzeit fahren hier gar keine Autos, weil der Gleimtunnel seit Ende Juli gesperrt ist. Nach einem Unwetter war der Tunnel unter dem Mauerpark vollgelaufen. Wie berichtet, verhindert bürokratisches Hickhack bislang die Wiedereröffnung.

CDU und AfD halten die Pläne für überflüssig

CDU und AfD sehen in der Fahrradstraßenplanung unzulässige Einschränkungen für den Autoverkehr. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, sagte dem RBB: "Ich halte gar nichts von den Plänen." Der Tunnel sei zwölf Meter breit, Fahrrad- und Autoverkehr könne dort gleichzeitig stattfinden. Ähnlich äußerte sich die AfD.

Tatsächlich soll der Tunnel für Autos gar nicht gesperrt werden, sagte Kirchner. Fahrradstraßen sind immer mit "Anlieger frei" ausgeschildert – für viele Autofahrer eine Einladung, wie Fahrradaktivisten kritisieren. Andere Fahrradstraßen wie die Prinzregentenstraße in Wilmersdorf oder die Linienstraße in Mitte werden weiter als Auto-Durchgangsstraßen missbraucht. Die Prinzregentenstraße ist beliebt als Alternative zur stark befahrenen parallelen Bundesallee. Eine bauliche Sperre in Höhe der Fußgängerzone am Volkspark könnte dies verhindern. Möglich seien auch gegenläufige Einbahnstraßen für Autofahrer, um illegalen Durchgangsverkehr zu verhindern, sagte Peter Feldkampvom Volksentscheid Fahrrad. Der Autoverkehr in der Prinzregentenstraße ist so stark, dass Kinder und Ältere dort nicht sicher alleine radeln können, berichtet ein Anwohner.

Die Pläne für die Fahrradstraßen.
Die Pläne für die Fahrradstraßen.Foto: Tsp

Auch im Straßenzug Gleim- und Stargarder Straße seien keine baulichen Sperrungen geplant, sagte Kirchner. Die Gleimstraße müsse eine Verbindung zwischen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg bleiben.

Am 3. Januar will Kirchner sich mit Vertretern der beiden Bezirke Mitte und Pankow am Gleimtunnel treffen. Dabei will der Staatssekretär für eine durchgehende Fahrradstraße weiter durch den Wedding werben, bislang plant Pankow für sich. Über Rügener Straße, Gustav-Meyer-Allee und Liesenstraße setzt sich der geradlinige Nebenstraßenzug bis zur Chausseestraße fort. Die Pankower Grünen wollen zudem zwei Nord-Süd-Fahrradstraßen vom Senefelderplatz zur Wisbyer Straße und von der Bornholmer Straße zum Pankower Rathaus. Bei letzterer ist auch eine Nutzung eines Weges direkt an den Bahngleisen vorstellbar. Der Vorschlag, an den Bahngleisen zwischen Karow und dem Mauerpark einen Radschnellweg zu bauen, hatte 2016 einen Wettbewerb des ADFC gewonnen.

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