Verkehr in Berlin : Zu wenig abgestrampelt für Rad-Fördergelder

Da geht noch mehr: Der Bund belohnt innovative Ideen für den Radverkehr. Kleve bekommt 4,3 Millionen, Berlin dagegen nur 385.000 Euro.

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Als Bezirkspolitiker wollte der Verkehrsstaatssekretär Kirchner (Grüne) die Allee fußgänger- und radlerfreundlicher gestalten.
Als Bezirkspolitiker wollte der Verkehrsstaatssekretär Kirchner (Grüne) die Allee fußgänger- und radlerfreundlicher gestalten.Foto: doris spiekermann-klaas TSP

Mit rund 27 Millionen Euro fördert das Bundesumweltministerium in einer ersten Stufe den "Klimaschutz im Radverkehr." Während die Stadt Kleve sich über einen Zuschuss in Höhe von knapp 4,3 Millionen Euro freuen kann, muss sich Berlin mit 385.000 Euro begnügen. Sie sind bestimmt für das "Temporäre Modellprojekt klimaneutraler Mobilität in der Schönhauser Allee in Pankow."

Pläne, den Straßenzug umzugestalten, hatte der damalige Baustadtrat und heutige Staatssekretär in der Senatsverkehrsverwaltung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), bereits 2015 entwickelt. Ziel: Weniger Platz für Autos, mehr Flächen für Fußgänger und Radfahrer. Die Stadtentwicklungsverwaltung hatte sich dann 2016 um Fördergeld für das Projekt beworben.

Vorgesehen ist, im Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Eberswalder Straße und Schönhauser Allee sogenannte Parklets zu schaffen. Stellplätze für Autos sollen durch – rückbaubare – Sitzgelegenheiten für Passanten ersetzt werden. Auch Grünbereiche könnte es auf den Parklets geben. Mit einer größeren "temporären Maßnahme" im Bereich der Schönhauser Allee soll es zudem zulasten des Autoverkehrs mehr Flächen für Fußgänger und Radfahrer geben. Umgesetzt worden ist bisher noch nichts.

Von diesen Städten kann Berlin lernen!
Ein interessantes Beispiel für radfahrerfreundliche Infrastruktur aus unserem Nachbarland Polen: In Stettin hat Wulf Heineking-Fürstenau diese Wartehilfe vor einem Straßenbahnübergang entdeckt. "Man beachte zudem den komfortabel angelegten Radfahrweg für beide Fahrtrichtungen", schreibt er. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Radweg-Entdeckungen aus aller Welt an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 61Foto: Wulf Heineking-Fürstenau
08.09.2016 11:36Ein interessantes Beispiel für radfahrerfreundliche Infrastruktur aus unserem Nachbarland Polen: In Stettin hat Wulf...

Berlin war mit dem bescheidenen Projekt Schönhauser Allee ins bundesweite Rennen um das Fördergeld gegangen, weil große Vorhaben nicht spruchreif sind. Kleve erhält die knapp 4,3 Millionen Euro für den Bau einer bis in die Niederlande reichenden "E-Rad-Bahn", die für schnelles Fahren optimiert ist. Auch die Zugspitz-Region sahnt mit fast 2,5 Millionen Euro kräftig für den Bau eines 27 Kilometer langen gemeindeübergreifenden Radschnellweg ab. Verden bekommt über 1,8 Millionen Euro für den Bau einer Rad- und Fußgängerbrücke, und Osnabrück ist mit mehr als 1,5 Millionen Euro für den Bau eines Radschnellwegs dabei – mit spezieller "radverkehrsbezogener Beleuchtung", Ladesäulen für E-Räder und einem Lastenradverleih.

Berlin hat bisher keine entsprechenden ausführungsreifen Pläne. Im Dezember hat jetzt zum ersten Mal unter Leitung der Senatsverkehrsverwaltung ein Arbeitskreis für eine "gesamtstädtische Potenzialanalyse für Radschnellwege" getagt. Wann es einen Abschlussbericht geben wird, ist offen. Bis es so weit ist, fließt das große Geld an Berlin vorbei.

Dies gilt auch für sichere Fahrradabstellanlagen. Pläne, Parkhäuser für Zweiräder zu bauen, gibt es seit Jahren. Vorangekommen ist man nicht. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat dagegen zusammen mit zahlreichen Städten ein Konzept einschließlich eines elektronischen Schließsystems, das in Zukunft – gesteuert über das Smartphone – herkömmliche Schlösser ersetzen soll. Dafür gibt’s vom Bundesumweltministerium immerhin einen Zuschuss in Höhe von fast 4,3 Millionen Euro.

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