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Abgesägte Friedenseiche : Innenminister Caffier: Täter "nicht demokratiefähig"

In der Nacht haben Unbekannte die Rostocker Friedenseiche zur Erinnerung an die rassistischen Krawalle von Lichtenhagen abgesägt. Von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier kommt scharfe Kritik.

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Abgesägt: Die gerade erst gepflanzte Friedenseiche in Rostock-Lichtenhagen.
Abgesägt: Die gerade erst gepflanzte Friedenseiche in Rostock-Lichtenhagen.Foto: dpa

Mit harter Kritik hat der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), auf die Zerstörung der Rostocker "Friedenseiche" zur Erinnerung an die rassistischen Krawalle im Stadtteil Lichtenhagen reagiert. "Für das Fällen eines frisch gepflanzten Baumes auf der Basis von fadenscheinigen, pseudohistorischen Begründungen bringe ich keinerlei Verständnis auf", sagte Caffier am Mittwoch dem Tagesspiegel. "Die sich der Sachbeschädigung selbst bezichtigenden Extremisten aus dem offensichtlich linksautonomen Spektrum beweisen damit, dass sie selbst nicht demokratiefähig sind", betonte der Minister.

Die mutmaßlichen Täter bekannten sich als "Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz" auf dem linksradikalen Internet-Portal Indymedia dazu, in der Nacht zu Mittwoch den Baum abgesägt zu haben. In dem Text heißt es, die Eiche sei "ein Symbol für Deutschtümelei und Militarismus". Die Präsidentin des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider (SPD), und weitere Prominente hatten den Baum vergangene Woche in Lichtenhagen gepflanzt, um an die Ausschreitungen von 1992 zu erinnern.

Rostocks Senatorin für Soziales, Liane Melzer, sagte einer Mitteilung zufolge, die auf der Internetseite der Stadt Rostock veröffentlicht wurde: „Die Hansestadt Rostock wird einen neuen Baum pflanzen. Wir werden weiter an Lichtenhagen 1992 erinnern und auch in Zukunft damit leben müssen, dass Lichtenhagen auch als Plattform für Diskussionen um Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Asylpolitik dient. Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess noch längst nicht beendet ist.“

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen ihre Streifengänge um das Sonnenblumenhaus verstärkt. Die Baumfällung war in der Nacht von Anwohnern bemerkt und gemeldet worden, die Hansestadt Rostock wird Anzeige erstatten.

Wenige Tage erst ist er her, dass in Rostock-Lichtenhagen an die Ausschreitungen im August 1992 erinnert wurde. Unter anderem hatte Bundespräsident Joachim Gauck eine Rede gehalten und zu Wachsamkeit gegenüber Ängsten vor Fremden aufgerufen. (mit dpa)

Die Bilder der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen im August 1992:

20 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen
Feuer in der Stadt. Nach zweitägigen rassistischen Exzessen warfen in Rostock-Lichtenhagen Jugendliche Molotowcocktails in ein Wohnheim, in dem Vietnamesen lebten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: Frieder Blickle/laif
22.08.2012 13:14Feuer in der Stadt. Nach zweitägigen rassistischen Exzessen warfen in Rostock-Lichtenhagen Jugendliche Molotowcocktails in ein...
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