Wissenschaftsbarometer 2017 : Nur jeder zweite Deutsche vertraut der Wissenschaft

Die Deutschen haben die Wissenschaft für sich entdeckt. Das heißt aber nicht, dass sie ihr vertrauen.

Florian Schumann
Ein Chemiker schwenkt ein Glasgefäß mit einer Lebensmittelprobe
Wissensdurstig. Die Deutschen wollen bei Wissenschaftsfragen gern einbezogen werden. Vielleicht könnte das ihr Vertrauen stärken.Foto: Rohland Weihrauch / picture alliance / dpa

Die Deutschen haben großes Interesse an Wissenschaft und Forschung. Das geht aus den Ergebnissen des Wissenschaftsbarometers hervor, das heute in Berlin veröffentlicht wurde. So gaben 58 Prozent der Befragten an, sich für Wissenschaft und Forschung zu interessieren. Das sind 17 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Dabei belegen Medizinthemen mit 72 Prozent den ersten Platz. Für Sozial- und Geisteswissenschaften interessieren sich 42 Prozent. Die meisten Bürger wünschen sich, mehr in Forschungsfragen einbezogen zu werden. Vierzig Prozent würden sogar selbst gerne einmal in einem Projekt mitarbeiten.

AfD-Wähler sind besonders misstrauisch

Vor dem Hintergrund der Debatte um „Fake News“ sollten die Teilnehmer dieses Jahr erstmals Fragen zu ihrem Vertrauen in Wissenschaft und Forschung beantworten. Während jeder Zweite der Wissenschaft Glauben schenkt, vertrauen ihr zwölf Prozent nicht oder eher nicht, der Rest ist unentschieden.

Als Hauptgrund für Zweifel nannten die meisten die Abhängigkeit der Forscher von Geldgebern. Deutliche Unterschiede zeigten sich dabei nach der politischen Ausrichtung der Befragten: Nur jeder dritte AfD-Wähler gab an, der Wissenschaft zu vertrauen, während es bei Anhängern der Union mit 60 Prozent am meisten waren.

Zehn Prozent stellen die Evolutionstheorie infrage

Die Forscher fragten auch nach der Einstellung zur Evolutionstheorie, dem Klimawandel und Impfungen. Jeder zehnte Deutsche stellt demnach infrage, dass Mensch und Tier gemeinsame Vorfahren haben und acht Prozent bezweifeln, dass Klimaveränderungen hauptsächlich menschengemacht sind. In beiden Fällen stimmten jedoch etwa drei Viertel der Befragten diesen Thesen zu. Eine Mehrheit sieht auch den Nutzen von Impfungen bei Kindern positiv.

Für das Wissenschaftsbarometer ermittelt die Organisation Wissenschaft im Dialog in repräsentativen Umfragen seit 2014 einmal jährlich die Einstellung der Bevölkerung zu Wissenschaft und Forschung. Dabei sollen Trends erkannt und international vergleichbar werden.

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