Neue Messe Art Düsseldorf : Nervöse Nachbarn

Konkurrenz für die Art Cologne? Mit der Art Düsseldorf etabliert sich eine neue Messe im Rheinland. Ein Gespräch mit dem Galeristen Christian Nagel.

Uta Reindl
Feinarbeit. Das Bild „Untitled (Drops)“ von 2017 stammt von Nadia Belerique, es hängt bei der Galerie Faria.
Feinarbeit. Das Bild „Untitled (Drops)“ von 2017 stammt von Nadia Belerique, es hängt bei der Galerie Faria.Foto: Art Düsseldorf

Das Rheinland hat eine neue Kunstmesse. Die Art Düsseldorf konkurriert mit der Art Cologne, die als älteste Messe der Welt in der Nachbarstadt stattfindet. Weshalb man sich auf engem Raum Konkurrenz macht, versucht der Galerist Christian Nagel zu erklären. In den neunziger Jahren gehörte er zu den Mitbegründern des Art Forums – einer Messe, die sich nicht zuletzt aus Protest gegen die eingefahrene Kölner Kunstszene in Berlin etablierte.

Herr Nagel, in Düsseldorf gab es 1976 schon einmal eine Kunstmesse als Alternative zu Köln ...

Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Man sollte sich die Ausstellungsreihe „Prospect“ von 1968 zum Beispiel nehmen. Diese bis 1978 realisierte Veranstaltung in der Düsseldorfer Kunsthalle war eine höchst innovative Zusammenarbeit mit Avantgarde-Galerien. So etwas würde heute viel mehr Sinn ergeben, als bereits bestehende Kunstmessen zu kopieren. Die letzte Messe in Düsseldorf startete 2008, scheiterte grandios und musste ihre zweite Ausgabe absagen.

Pikanterweise wechselten einige Teilnehmer und Beirat-Mitglieder von der Kölner zur Düsseldorfer Messe. Wie erklären Sie sich das?

Wahrscheinlich liefen die Geschäfte in Köln nicht gut genug, und sie glauben, man könne vor der eigenen Haustür eine weitere Veranstaltung ins Leben rufen, die alle glücklich macht. In Düsseldorf und Umgebung gibt es nicht genügend avancierte Sammler von zeitgenössischer Kunst. Ich bezweifele auch, dass zwischen den anderen großen Messen im Spätherbst wie Frieze, Fiac und Art Basel Miami Beach viele internationale Sammler den Weg nach Düsseldorf schaffen.

Den sogenannten Überläufern geht es darum, für die Art Düsseldorf mehr Mittelstandsgalerien zu gewinnen. In ihren Augen hat sich Art Cologne-Chef Daniel Hug habe zu sehr um internationale Großgalerien bemüht. Ist die Kritik nicht in Ihrem Sinn? Sie waren doch schon immer ein Gegner von Blockbuster-Galerien.

Es war wichtig, diese Galerien zur Art Cologne zu holen. Dass Köln wieder unter den fünf besten Messen der Welt ist, spricht für sich. Die Behauptung, Hug kümmere sich vorwiegend um die Blockbuster-Galerien, ist falsch. Mittlere Positionen, der klassische Kunsthandel und jüngere Galerien werden von ihm mit gleicher Wertschätzung behandelt. Ich bin auch kein Gegner der kapitalkräftigen Großgalerien: Selbst wenn ich nicht immer deren Meinung über die bedeutendsten Künstler der Zeit teile, weiß ich, dass sie ein wichtiges Segment des Kunstmarktes darstellen.

Die Art Düsseldorf ist das Ergebnis einer aggressiven Expansion der Baseler Messegesellschaft MCH Group, die weltweit regionale Messen übernimmt. Daniel Hug spricht in diesem Zusammenhang von „kulturellem Kolonialismus“.

Das ist alles nicht richtig gedacht und dargestellt. Die MCH Group betreibt ein von der Art Basel unabhängiges Unternehmen, das neue Messen sucht, sie gegen eine Gebühr berät und unterstützt. Auf der Website der MCH Group steht, dass der „Aufbau des Portfolios der regionalen Kunstmessen unabhängig von der Art Basel“ erfolgt. Meiner Ansicht nach kann eine solche Kunstmesse im Franchise-Verfahren nicht funktionieren. Die moderne und zeitgenössische Kunst war von Anfang an als Weltkunst gedacht und wurde immer global vertrieben.

Die Düsseldorfer Messechefs Walter M. Gehlen und Andreas E. Lohaus, die parallel zur Art Cologne zehn Jahre die Nebenmesse Artfair betrieben haben, kümmern sich nun um Infrastruktur und Finanzen. Die Auswahl der Galerien übernimmt ein Beirat. Köln tut dies auch, allerdings in enger Kooperation mit ihrem fraglos kunsthistorisch kompetenten Messechef. Hat die Konstellation in Düsseldorf Zukunft?

Lohaus und Gehlen waren die Veranstalter der schlechtesten Kunstmesse Europas. Während die Kölner Kunstszene immer eine Armlänge Abstand hielt, haben die Düsseldorfer Kollegen, vielleicht aus jugendlichem Leichtsinn, die neuen Direktoren sofort umarmt.

Warum machen sich die Messen im Rheinland überhaupt Konkurrenz, statt gemeinsam eine starken Akzent zum globalisierten Messegeschäft zu setzen? Und wie erklären Sie sich die Paradoxie, dass Galeristen für die inflationäre Vermehrung von Messestandorten sorgen?

Kunstmessen sind sichere Plätze für die Kulturbourgeoisie, die die schönen Dinge des Lebens in einer angenehmen Atmosphäre genießen will. Viele Städte meinen, zu ihren City-Marketing-Strategien gehöre auch eine Kunstmesse.

In Berlin hat sich als Kooperation zwischen der Kölnmesse, Art Cologne-Chef Hug und Maike Cruse als Direktorin der Art Berlin Contemporary (abc) jüngst auch eine neue Messe gegründet.

Bei der Art Berlin handelt es sich nicht um eine Neugründung, sondern um eine Woche im September, die seit über zehn Jahren als Kunsttermin wahrgenommen wird. Berlin ist zwar eine der wichtigsten Kunstmetropolen, aber auch nach 25 Jahren bleibt immer noch ein gewisses Desinteresse an zeitgenössischer Kunst spürbar. Neben Präsentation und Verkauf haben Kunstmessen noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Sie fördern Bildung. Weit mehr Besucher, als man denkt, erleben bei einem Messebesuch eine Intitialzündung, haben eine einschneidende Erfahrung mit der Kunst, die sich über Jahre hinweg substanziell fortentwickelte.

Ihre Prognose für die Zukunft der Messelandschaft Deutschland?

Ich denke, Köln und Berlin werden sich als die beiden wichtigen Messstandorte in Deutschland bewähren.

Art Düsseldorf, Areal Böhler, Düsseldorf, 17.–19.11.

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