Aktion "Farbe bekennen" : Ein Preis für engagierte Geflüchtete

Oft dominieren in Bezug auf geflüchtete Menschen die negativen Schlagzeilen den Diskurs. Das will eine Initiative mit prominenten Unterstützern ändern.

Milena Fritzsche
Staatssekretärin Sawsan Chebli (mi.) bei der Verleihung des Farben-Bekennen-Awards 2018.
Staatssekretärin Sawsan Chebli (mi.) bei der Verleihung des Farben-Bekennen-Awards 2018.Foto: G. Fischer/dpa

Das Problem mit dem Hass, sagt Benno Fürmann, sei, dass er so laut daherkomme. Da brauche es ein klares Gegengewicht – auf der Straße, aber auch insgesamt in der Gesellschaft. Deshalb unterstützt der Schauspieler die Initiative „Farben bekennen“ der Senatskanzlei. Zu oft dominierten in Bezug auf geflüchtete Menschen negative Schlagzeilen den Diskurs, erklärt Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD). Grund genug, weshalb sie vergangenes Jahr die Aktion „Farben bekennen“ ins Leben rief – „um das Engagement von Geflüchteten sichtbarer zu machen“.

In diesem Jahr soll erstmals ein Preis das Engagement von Geflüchteten würdigen. Damit sollen Initiativen ausgezeichnet werden, die Begegnungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten schaffen, um Spaltung und Hass zu überwinden. Der Preis ist mit 6000 Euro dotiert. Es sei „in diesen Zeiten“ wichtiger denn je, „Haltung zu zeigen“ sagt Chebli. Sie wolle „den Schreihälsen“ nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken, sondern positive Beispiele entgegensetzen. Etwa die Geschichte von Rasha Alkhadra. Die 42-jährige Zahnärztin lebt mit ihren drei Töchtern in Prenzlauer Berg. Ende 2015 floh sie aus Damaskus nach Berlin. Heute gibt sie Workshops zur interkulturellen Kommunikation und kümmert sich um die Integration anderer Menschen, die ihr Land verlassen mussten.

Es wirke oft so, „als ob es kein Problem außer die Geflüchteten gibt“, sagt Alkhadra. Rassismus erlebe sie oft im Alltag – mindestens unterschwellig. In Elternversammlungen etwa würde niemand mit ihr sprechen. „Ich fühle mich anders“, sagt Alkhadra – und versucht, das Beben in ihrer Stimme zu unterdrücken.

„Deshalb muss man das Gute sichtbar machen“

Sie wolle nicht akzeptieren, sagt Chebli, „dass eine politische Gruppe bestimmt, wer zu uns gehört und wer nicht.“ Das Bild von geflüchteten Menschen will sie korrigieren: Eigentlich wollten viele „Farbe bekennen zu den Werten dieses Landes und zur Demokratie“. Nun sollen jene mit einem Preis gewürdigt werden, die mit ihrem Einsatz dazu beitragen, Vorurteile zu überwinden. „Wir blicken auf Chemnitz und sehen, wie polarisiert das Land ist“, stellt Chebli fest. Menschen die einander nicht kennen, würden zu Vorurteilen neigen.

Jemand, der „immer seine Stimme erhoben hat gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, sei in ihren Augen Benno Fürmann. Der Schauspieler sitzt neben Vertretern aus Politik, Kultur und Wirtschaft in der Jury von „Farben bekennen.“ Das Böse habe eine „größere Dynamik“ als das Gute, meint Fürmann. „Deshalb muss man das Gute sichtbar machen.“ Geflüchtete würden zu oft pauschalisiert, „als Menschen, die zu uns kommen, weil sie was wollen.“ Übte einer von ihnen ein Verbrechen aus, stünden alle anderen unter Generalverdacht. „Das geht nicht.“

Er habe Verständnis für das Gefühl der Angst „in wirtschaftlich krassen Zeiten.“ Aber er könne nicht nachvollziehen, „wie man dafür meinen afghanischen Nachbarn verantwortlich machen kann.“ Die schweigende Masse will der Schauspieler aber keinesfalls aufgeben. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Gros dieser Menschen „seine Herzen verschließt“. Deshalb sei der Dialog wichtig. „Hinhören, mitreden und Stammtisch-Parolen nicht dulden“, so Fürmanns Rezept gegen Rassismus.„

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Bewerben für den Preis können sich Geflüchtete oder die Initiativen, in denen sie sich engagieren, noch bis zum 26. September. Infos unter www.farbenbekennen.de

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