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    Nachbarschaft

    Weihnachtsbaum, Alter unbekannt, aus Bayern.

    Das ist der Weihnachtsbaum für die Altstadt. Diese zwei Fotos machte Ferdinand Reb eben im Fichtelgebirge und schickte sie rüber zum Spandau-Newsletter. In der Nacht von Freitag zu Sonnabend wird der Weihnachtsbaum von Bayern nach Berlin transportiert. Ferdinand Reb ist der Touri-Chef im Fichtelgebirge: „Es ist eine Fichte, knapp 15 Meter hoch, vielleicht 40 Jahre alt – das wissen wir erst nach dem Fällen. Dann zählen wir die Ringe.“

    Der Baum kommt aus Weißenstadt – und das kennen Sie, oder? Da macht es jetzt bei 10.000 Spandauern klick im Kopf: Weißenstadt, Weißenstadt … ja, es ist jenes Weißenstadt in Bayern, wo einst das legendäre Schullandheim von Berlin-Spandau stand. Seit 1963 haben zehntausende Kinder dort ihre Klassenfahrt verbracht. Weißenstadt lag kurz hinter der DDR und war damit für die Kids aus West-Berlin das erste Reiseziel hinter der Grenze. Sogar ein großer Berliner Bär mit Spandau-Schriftzug steht seit 1968 vor Ort – hier eine Postkarte. „Im März 1984 kam das 25.000ste Kind aus der Spandauer Bernd-Ryke-Schule ins Schullandheim“, heißt es in der Stadtchronik.“Im April 1986 fuhr die 1.000. Klasse nach Weißenstadt – aus der Ritterfeld-Grundschule in Kladow.“ Nach dem Mauerfall ging es bergab. Warum nach Bayern fahren, wenn doch Brandenburg viel näher liegt? Das einstige Schullandheim von Spandau wurde geschlossen, ist nur noch eine leere Hülle – und steht zum Verkauf. Chronik, Teil 1: Weißenstadt.de – Chronik, Teil 2: Weißenstadt.de

    „Geweint vor Glück in der Altstadt.“ Chef des Spandaus Weihnachtsmarktes ist Sven-Uwe Dettmann, 53 („Partner für Spandau“). Dettmann hat 1985 Abitur gemacht an der Lily-Braun-Schule, war zwar selbst nie in Weißenstadt, kann aber super Geschichten erzählen: „Wir hatten mal einen Weihnachtsbaum, den eine Spandauer Familie in ihrem Ferienhaus in West-Deutschland gepflanzt hatte. 25 Jahre später schickten sie den Baum zurück in ihre Heimat.“ Oder: „Es gab mal ein Ehepaar aus dem Fichtelgebirge, das seine Goldene Hochzeit feierte, also das 50-Jährige. Zur Silbernen Hochzeit hatten sie den Baum gepflanzt. Als er in Spandau auf dem Markt stand, hat das Ehepaar, zwei ältere Leute, geweint vor Glück.“

    Seine Idee: „Weihnachtsbaum-Casting in Bayern!“ Weihnachtsmarkt-Chef Dettmann hat spontan eine hübsche Idee: „Die Bayern kommen jedes Jahr zu uns… warum fahren wir nicht einmal im Jahr ins Fichtelgebirge? Im Sommer, zum Weihnachtsbaum-Casting?“ Ein Reisebus voll mit Spandauern, Hotel, zwei Nächte – so was. Spontane Reaktion aus Bayern? „Über die Idee müssen wir uns mal unterhalten“, sagt mir Ferdinand Reb. Der Touri-Chef aus dem Fichtelgebirge empfiehlt spontan das „Selber Wiesenfest oder das Brunnenfest – da ist im Sommer immer was los.“

    St. Nikolai Baustelle: Mittelaltermarkt zieht unter Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsbaum wird auf dem Marktplatz stehen. Neu in diesem Jahr: Der Baum wird umringt sein vom beliebten Mittelaltermarkt, der sonst seine Heimat neben der Kirche St. Nikolai hatte. Doch der Platz rund um Spandaus berühmteste Kirche wird ab November umgebaut. Darüber hatte ich hier im Juli berichtet.

    „Keine Schafe mehr auf dem Weihnachtsmarkt.“ Wenn rund um die Kirche St. Nikolai gebaut wird, bleibt logischerweise auch kein Platz mehr für die Tiere von Schäfer Björn Hagge, 60 (Portrait hier). „Die Krippe mit lebenden Tieren gibt es in diesem Jahr nicht auf dem Weihnachtsmarkt“, bestätigt Dettmann auf Nachfrage. „Vor St. Nikolai standen die Schafe auf einem weichen Erdboden“ – hier ein Foto. „Auf dem Marktplatz ist alles versiegelt mit Kopfsteinpflaster, da kann kein Schaf vier Wochen stehen.“

    Stattdessen gibt es jetzt ein Kamel in der Altstadt. Ein Kamel?! Ja, aber die Details und das Festprogramm will Dettmann erst diese Woche vorstellen. Der Weihnachtsmarkt öffnet am Montag, 25. November.

    • Der Weihnachtsmarkt im Netz

      . Mit Bühnenprogramm und Gästen wie

      Uli Zelle

      und der Siemens Big Band: partner-fuer-spandau.de
    • Waren Sie auch in Weißenstadt dabei?

       Ihre Geschichten, Ihre Fotos an mich: spandau@tagesspiegel.de
    • Spandau, deine Kiez-Weihnachtsmärkte.

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von André Görke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Spandau,

die erste Nachricht ist schrecklich. Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der im Verdacht steht, Kinder in Kladow jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Das teilten  Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag mit. 

Zugriff um 19 Uhr. „Die Festnahme erfolgte durch Zielfahnder des Landeskriminalamtes“, berichtet mir gerade eben mein Kollege Alexander Fröhlich. „Es ermittelt das LKA-Kommissariat für Sexualdelikte.“ Nach Tagesspiegel-Informationen handelt es sich um einen Mann, der in dem Kladower Angelverein als Jugendwart tätig war.

Der Verein hat seinen Sitz in Kladow. Aus rechtlichen Gründen dürfen der Verein und der Ort nicht genannt werden. M. selbst wohnt nicht in Spandau. Offiziell äußern sich die Ermittler nicht zu diesen Details. Der Mann stehe in dringendem Verdacht, „in den letzten drei Jahren mindestens vier Jungen im Alter von 8 bis 11 Jahren missbraucht zu haben“, insgesamt 136 Mal. Allerdings könnte das Ausmaß noch größer sein, denn: „Der 50-Jährige war in den vergangenen 20 Jahren in diversen Sportvereinen ehrenamtlich als Jugendwart tätig.“ Welche Sportvereine in Spandau noch betroffen sein könnten, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Nach Tagesspiegel-Informationen soll es sich um Anglervereine handeln.

„Ich bin völlig fassungslos und schockiert“, sagt der Chef des Anglervereins, als meine Kollegen Frank Bachner und Alexander Fröhlich ihn am Montagabend am Telefon erreichen. Der Verdächtige sei seit mehreren Jahren im Verein und habe als Jugendwart gute Arbeit geleistet. „Die Jugendgruppe bei uns ist gewachsen, die Kinder hatten viel Spaß und immer wieder gefragt, wann sie wieder aufs Wasser konnten.“ Der Vereinschef sagte, er habe nie Signale oder Mitteilungen erhalten, dass es Ungereimtheiten mit dem Jugendwart gebe. Von anderen Vereinen sei er sehr positiv beschrieben worden. Und die Opfer? Sind nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Mitglieder des Klubs.

Festnahme im Wohnwagen. Der Mann wurde bereits am 1. September in seinem Wohnwagen festgenommen. Gefunden wurden dort auch Dateien, DVDs und andere Dinge, die nach Angaben von Kindern, beim Missbrauch benutzt worden sein sollen. Die Polizei sucht weitere mögliche Opfer des Mannes.

Wer jetzt erst mal einen Tee braucht, den kann ich gut verstehen. Und sprachlos sind nicht nur Sie.

André Görke ist stellvertretender Berlin-Chef beim Tagesspiegel und groß geworden in Spandau. Kontakt: spandau@tagesspiegel.de

Hinterm Stadtrand immer weiter: Mein Ausflugstipp für Sie

Lust auf einen Herbstspaziergang? Dann raus nach Fahrland (5000 Leute), zwischen Spandau und Potsdam gelegen. Fahrland ist einer dieser Orte, durch die man sonst schnell fährt, um zur Autobahn A10 zu kommen (und eigentlich „Durchfahrland“ heißen müsste). Jetzt bin ich stehen geblieben, habe geparkt – und war verzaubert. Es ist herrlich verschnarcht hier draußen, trotz der Neubauten ums Eck. Schwer ist das Kopfsteinpflaster, alt die Bauernhäuser, gut besucht das einzige Lokal im Dorf – und lecker der Marzipan-Apfel-Kuchen bei Christiane Franke in der „Landgaststube“. Übers Feld geht es vorbei zum Fahrländer See, an dessen Ufer sich ein Stab befindet: „der Mittelpunkt Brandenburgs“. Noch ist dieses Idyll nicht gut besucht, aber: Die Stadt plant ganz aktuell einen Uferweg und denkt sogar an eine Aussichtsplattform am Fahrländer See – hier meine Fotos für den Spandau-Newsletter.

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