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    Nachbarschaft

    Mike Schubert, 46, Oberbürgermeister in Potsdam. Am Freitag ist der Neue aus der Nachbarstadt zum ersten Mal in Berlin-Spandau bei Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank zu Gast – beim „Prominentenessen“ der SPD in Kladow. Die machen das einmal pro Jahr, immer in der Gaststätte des Golfclubs bei Eisbein und Erbspüree („15 Euro“). 2018 war Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zu Gast, diesmal der OB aus Potsdam. Am Donnerstag reist Kleebank zum Antrittsbesuch nach Potsdam. Ob Mike Schubert vorher kurz für den Spandau-Newsletter Zeit hat? Klar, wir sind ja Nachbarn. Und eine schöne Spitze schickte er auch gleich ins Spandauer Rathaus, das sich bisher bei der Kreisverkehr-Planung an der Potsdamer Chaussee so vornehm zurückhält.

    Herr Schubert, schon mal im Glienicker See von Potsdam rüber nach Spandau geschwommen? „Ehrlich gesagt: Nein. Bislang bin ich nur mit dem Rad um den See gefahren, soweit dies direkt am See möglich ist. Aber schwimmen ist eine gute Idee, das nehme ich mir mal für den Sommer vor.“

    Haben Sie eine Lieblingsecke in Spandau?  „Ich bin kein Spandau-Insider. Aber ja, Spandau am Wasser gefällt mir. Also beispielsweise die Promenade am Hafen Kladow und die Zitadelle, wunderschöne Orte. Aber auch die Altstadt ist klasse. Und das Beste, alles ist mit dem Roller oder dem Rad von Potsdam aus gut zu erreichen.“

    Schon mal im Stau auf der B2 gestanden? Na klar, an der Kreuzung Ritterfelddamm. Ist Spandauer Gebiet, oder? Aber Sie haben recht. Das Thema Verkehr wird natürlich ein zentrales bei der Planung des neuen Stadtteils Krampnitz in den kommenden Jahren. Da werden wir uns mit den Nachbarn im Havelland und Spandau gut abstimmen.“

    Verbindet Potsdam mehr mit Spandau als nur die volle Potsdamer Chaussee? „Die Havel, der Mauerradweg, viel Grün, eine preußische Tradition und natürlich zahlreiche Spandau-Botschafter in der Potsdamer Verwaltung. Mein Kollege Burkhard Exner, der Potsdamer Bürgermeister, lebt in Kladow. Auch mein Amtsvorgänger Jann Jakobs hat viele Jahre in Spandau gelebt und dort im Jugendamt gearbeitet.“

    Schon mit Nachbarbürgermeister Helmut Kleebank getroffen? „Noch nicht, wir treffen uns aber in dieser Woche offiziell – erst Donnerstag in Potsdam, dann Freitag in Kladow. Ich freue mich auf den Gedankenaustausch, denn wir haben viele Anknüpfungspunkte bei den Themen Verkehr und interkommunaler Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinaus. Mal sehen, ob wir das in den kommenden Jahren vertiefen können. Wir haben ein großes Interesse an einer schnellen und direkten Bahnverbindung von Potsdam-Hauptbahnhof nach Spandau. Denn es ist der für uns nächstgelegene ICE-Halt und würde auch eine Alternative zur Straße sein.“

    Was sollte Spandau unbedingt von Potsdam lernen – und viel wichtiger: Was muss Potsdam von Spandau lernen? „Das ist doch eine schöne Frage, die ich Herrn Kleebank am Donnerstag stellen werde. Bin gespannt auf seine Antwort.“ – Fragen: André Görke; Foto: Sebastian Gabsch

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von André Görke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Spandau,

wer darf den Dienstwagen des Bürgermeisters nutzen? Neulich hatte Helmut Kleebank, SPD, einen Termin auf der „Grünen Woche“. Alles Routine? Nur so halb. Der Bezirkschef hatte für die Fahrt seinen Dienstwagen („ein Leasing-BMW 520, Erstzulassung 12/18“) angefordert – doch am Messegelände stieg nicht Kleebank aus, sondern zwei Frauen. „Na nu?!“, dachte sich Thorsten Schatz, CDU, und wollte es genauer wissen. Wer saß denn im Auto? Und warum? Schließlich parkte Kleebanks Dienstwagen schon häufiger im Scheinwerferlicht. Im Sommer ging’s um private Heimfahrten (Kleebank: „Wird von mir versteuert“), im Herbst um ein Gratis-Mietauto mit Wasserstofftank. Und wenn übrigens mal kein Knatsch im Rathaus zu hören ist, kurvt Kleebank einfach mit seinem privaten Kleinwagen ins Büro. „Für meinen Stellplatz im Rathaus-Hof zahle ich monatlich 50 Euro an den Bezirk.“ Bei Außenterminen lässt er sich vom Chauffeur fahren.

CDU: „Prüfen eine Strafanzeige“. Aus dem Wasserstoff-Test-Auto hat die Spandauer CDU-Fraktion einen politischen Vorgang gemacht. „Wir prüfen eine Dienstaufsichtsbeschwerde und eine Strafanzeige“, sagte uns jetzt Thorsten Schatz nach der Lektüre der Akten („die sind nicht vollständig“). Er bleibt skeptisch: „Fahren Sie mal zu einem Autohändler und fragen nach einem kostenlosen 80.000-Euro-Auto für drei Wochen … das macht doch kein Händler!“ – „Doch“, sagt wiederum Kleebank. Er würde lieber über die Umwelttechnik diskutieren, will aber gerade keiner hö…

Wer saß denn nun im Wagen zur Grünen Woche? Die Antwort Kleebanks liegt jetzt vor – logo, Thorsten Schatz hat heute Geburtstag (Glückwunsch übrigens). „Fahrgäste waren die Ehefrau des Bezirksbürgermeisters und eine seiner Töchter“, heißt es in der Stellungnahme aus dem Büro von Helmut Kleebank. Der Bezirkschef wollte nach eigenen Angaben auf der Grünen Woche die Chefs der Spandauer Kleingärtner treffen. Doch dann erwischte es Kleebank: Krankheit, Husten, Gliederschmerzen. Er fiel sogar einige Tage aus (wie auch Thorsten Schatz auf den Rathausfluren bemerkt hatte). „Die Teilnahme war krankheitsbedingt nicht möglich. Dies stellte sich endgültig aber erst kurz vor Abfahrt am Morgen heraus“, schreibt Kleebank. „Der Bezirksbürgermeister bat daher seine Ehefrau, mit dem Dienstwagen zur Messe zu fahren und dem Vorsitzenden des Bezirksverbandes Spandau der Kleingärtner aus Gründen der Höflichkeit und Wertschätzung seine Grüße persönlich zu überbringen.“ Die Fahrt hatte einen „dienstlichen Bezug“. Seine Frau begleite den Bürgermeister auch zum Spandauer Sportlerball, eine moralische Debatte werde er nicht führen. Und einen AB-Fahrschein für die BVG hätte sich Familie Kleebank bestimmt auch leisten können. Das politische Spiel wird noch ein Weilchen andauern. Spandau lernt jetzt immerhin eines: Der Bezirk hat jetzt ganz offiziell eine „First Lady“.

André Görke ist stellvertretender Berlin-Chef beim Tagesspiegel und groß geworden in Spandau. Den Spandau-Newsletter schreibt er einmal in der Woche. Tipps, Termine, Anregungen: [email protected]

Remmidemmi im Hühnerstall: Gatow tanzt

Das Ding liegt gut versteckt, der Kuchen ist lecker, der Ton: stets liebevoll-schroff. Die Rede ist von „Hannes‘ Café“ in Gatow, einem urigen Treff mit Mitte-Schick, das 2010 im Hühnerstall eröffnet wurde und sich selbst nicht so ernst nimmt (und deshalb bestens in unseren Newsletter passt). Da gibt’s nicht nur Kuchen am Wochenende – nee, am Feldrand kann man auch mal ein Bier trinken und Musik hören, für die man sich bisher null interessiert hat. Und jetzt schreiben die Leute um Hannes das hier: „Die Nachricht, dass der internationale Frauentag am Freitag, den 8. März, nun auch in Berlin zum Feiertag wird, hat die meisten schon ereilt. An diesem energetisch aufheizten Tag soll der Startschuss fallen für eine neues Veranstaltungsformat in Hannes‘ Café: die TanzBar. Das ständige Gejaule, dass man im Raum Kladow-Gatow so selten sein Tanzbein schwingen kann, soll endlich ein Ende haben. Mit emeritierten Helden der Plattenteller soll in der Zukunft noch mehr rhythmische Bewegung in unserer Nachbarschaft initiiert werden – klingt auf jeden Fall besser als Cardiotraining – und dies natürlich mit der Musik unserer Herzen.“ Sagen wir mal so: Roland Kaiser steht dort erst nach neun Schnäpsen auf dem Programm. Frühestens! – Das Café: Buchwaldzeile. Die Musikrichtung: hier.