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    Nachbarschaft

    Cartoons, Comics und Character Designs, das ist die Welt von Claudia Bernhardt. Sie ist Illustratorin und startete vor 14 Jahren ihr Projekt „istprodukt“. Auf ihrer „Spielwiese“ tobt sie sich künstlerisch mit diversen Materialien aus, bedruckt T-Shirts, Tassen, Buttons und gar Schokoladentafeln mit ihren Illustrationen. Beim diesjährigen Kunstfestival „48 Stunden Neukölln“ – das Motto lautet „Neue Echtheit“ – will sie mit der Optik alltäglicher Dinge spielen und stellt die Frage nach dem „Original?“- in der analogen und der digitalen Welt.

    In dem Geschäft des Modenetzwerks Nemona in der Mainzer Straße 5 richtet Claudia Bernhardt am Wochenende „Die kleine Wunderkammer“ ein. In dieser Wunderkammer setzt die Künstlerin einen Kaktus in Szene. Ihrem kleinen Kaktus, sie nennt ihn liebevoll „Freak“, hat Bernhardt mal versehentlich den Kopf abgeschlagen, doch das hinderte das kleine Pflänzchen nicht daran, weiterzuwachsen. Etwas schief, aber dafür individuell. Als nach gewisser Zeit das Wachstum aussetzte, bemerkte Bernhardt, dass der Kaktus trotz des Wachstumsstops immer neue Ableger herausbildete – es gab also ein Original zu vielen Duplikationen. Dieses Original, dieses reale Objekt, stellt sie auf einem Podest aus, bastelt einen Rahmen um ihn herum und säumt ihn von roten Papiervorhängen.

    Bernhardt stellt sich auch die Frage nach dem Original in der digitalen Welt. Sie kam darauf, als sie ganz banal Bilder ihrer Freund*innen auf Facebook sah, farbenfroh, strahlend, scharf geschossen. „Der hat ja eine tolle Kamera“, hat Bernhardt sich da immer gedacht, bevor sie sich Anfang des Jahres auf Instagram anmeldete und merkte, dass ihre vermeintlichen Profi-Fotograf*innen-Freund*innen ihre Bilder vorher mithilfe von Instagrams Fotofiltern aufgehübscht hatten. Das Originalfoto, das vielleicht etwas gräulich und langweilig aussieht, kennt niemand, weil nur das bearbeitete, schrill-kreischende Bild in den sozialen Netzwerken landet. Diese Illusion möchte Bernhardt für „48 Stunden Neukölln“ entzaubern und stellt Fotografien auf ihrem Instagram-Account „istprodukt“ einmal #mitfilter und einmal #ohnefilter nebeneinander.

    Ob Neukölln auch mal eine Aufhübschung à la Instagramfilter nötig hätte? Nein, findet Bernhardt. Denn auch wenn der Stadtteil oft dreckig und grau ist, bietet ihr Neukölln, wo sie seit acht Jahren wohnt, immer wieder Inspiration. Sie brauche zum Beispiel nur die Boddinstraße runterzulaufen, wo Leute immer wieder ihren Müll abladen. Ein Kühlschrank auf der Straße etwa, der zufällig von Passant*innen bemalt wurde, könnte Ideen für ein neues Design-Motiv hergeben. „Man findet immer lustige Dinge auf Neuköllns Straßen, die sich gleichzeitig zu einem künstlerisch anspruchsvollen Bild fügen“.

    Was das Festival „48 Stunden Neukölln“ noch an Ausstellungen zu bieten hat, lesen Sie unter „Kultur“.

    Illustration: Claudia Bernhardt

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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von Maria Kotsev tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

Kommt Ihnen Folgendes bekannt vor? Ein Radweg, der im Nichts endet, notorische Zweite-Reihe-Parker oder Straßen, auf denen kamikaze-ähnlicher Fahrstil scheinbar zum guten Ton gehört, wie das Quietschen der Reifen und das ohrenbetäubende Geheule des Motors? Davon gibt es in Berlin zu viele. Binnen 24 Stunden ereigneten sich Unfälle, die wieder minderjährige Todesopfer forderten: Ein 13-jähriges Mädchen wurde in Rummelsburg von einer Tram erfasst und starb auf den Bahngleisen, ein achtjähriger Junge wurde in Spandau von einem LKW erfasst und getötet. Der Tagesspiegel möchte nun Verkehrssenatorin Regine Günther auf ihre kürzlich getätigte Aussage festnageln: „Wir werden alles unternehmen, dass unsere Straßen sicherer werden“.

Deshalb startet der Tagesspiegel Checkpoint die Aktion #Gefahrenmelder. Um der Verkehrsverwaltung dabei unter die Arme zu greifen, „unsere Straßen sicherer“ zu machen, werden wir auf tagesspiegel.de eine interaktive Karte mit Gefahrenstellen einrichten. Dafür benötigen wir die Hilfe der Schwarmintelligenz: Teilen Sie uns Straßen, Radwege, Kreuzungen etc. mit, die Sie als Fußgänger*in, Radfahrer*in oder auch Autofahrer*in meiden oder – weil es vielleicht nicht anders geht – mit mulmigem Gefühl passieren. Die können Sie, gerne auch mit Bild und Geodaten, an checkpoint@tagesspiegel.de schicken oder unter dem Hashtag #Gefahrenmelder twittern .

Wie sieht die Lage in Neukölln aus? „Columbiadamm in Fahrtrichtung Flughafenstraße: Der Fahrradweg endet hinter der Kreuzung Hermannstraße in einer einspurigen Baustelle. Hier wird’s immer wieder brenzlig für Radler*innen“, kommentiert bereits Twitter-User Jan. Pierre hat am U-Bahnhof Rudow ein einsames Dixiklo entdeckt – mitten auf dem Radweg.

Und wo passieren in Neukölln die meisten Unfälle? Nachfrage bei der Polizei: Von Oktober 2017 bis zum 31. März 2018 ereigneten sich die meisten Unfälle an den Kreuzungen:

  • Buschkrugallee/Blaschkoallee/Späthstraße mit 43 Verkehrsunfällen
  • Hasenheide / Hermannstraße. / Karl-Marx-Straße / Hermannplatz mit 40 Unfällen
  • Urbanstraße / Hermanplatz / Kottbusser Damm / Sonnenallee mit 37 Unfällen
  • Flughafenstraße / Hermannstraße am U-Bhf Boddinstraße mit 34 Unfällen
  • Erkstraße / Sonnenallee / Wildenbruchstraße mit 33 Unfällen

Wie man Unfälle vermeidet, zeigt mein Kollege Stefan Jacbos mit „Zehn Regeln für einen sicheren Straßenverkehr“. Eine gute Lektüre, besonders dem Autofahrer zu empfehlen, dessen Weg Bezirksstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) am Wochenende kreuzte und für den er auf Twitter einen besonderen Wunsch übrig hat: „Dem Halter des grünen Audi in Neukölln mit dem ‚Offizieller Sponsor der Bußgeldstelle‘-Aufkleber am Heck und dem unangemessenen Fahrstil wünsche ich den baldigen Führerscheinentzug.“

Maria Kotsev ist Teil des Checkpoint-Teams beim Tagesspiegel und Wahl-Neuköllnerin. Ihre persönliche Top-Gefahrenstelle in Neukölln ist die Hermannstraße zwischen dem gleichnamigen S-Bahnhof und der Boddinstraße: Hier gehört dringend ein Fahrradweg her! Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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  • Das Stück "Aktion N – Ein Neuköllner NS-Untersuchungsausschuss" im Heimathafen Neukölln begibt sich auf Spurensuche nach jüdischem Eigentum. Abspielen Heimathafen Neukölln: Die Möbel unserer jüdischen Nachbarn
  • Weitgehend friedliche "Revolutionäre 1.-Mai-Demo“ Abspielen Weitgehend friedliche "Revolutionäre 1.-Mai-Demo“

Maria Kotsevs Tipp für Sie

Zur Fête de la Musique habe ich Ihnen letzte Woche bereits die Martin-Luther-Kirche in der Fuldastraße ans Herz gelegt, wo Gemeindemanager Felix von Ploetz Musiker*innen aus Brasilien, Mexiko, Köln und auch Berlin in den Kirchsaal holt und für tanzbare Chansons, Folk und Indie-Pop-Musik sorgt. Natürlich ist das nicht der einzige Konzertstandort im Bezirk. Am Donnerstag, von 16 bis 22 Uhr, tun Sie nichts falsch daran, auch diesen Bühnen einen Besuch abzustatten:

  • Die Werkstatt der Kulturen in der Wissmannstraße 32

    ist einen Abstecher wert, wenn man auf arabische Sounds steht: „Arab Jam Session goes Maghreb“ ist das Motto, unter dem diverse Künster*innen in sechs Musiksets Klänge vom E-Bass, der Flöte und Drums zum Besten geben.
  • Zur „Fête de la Kiez“ im Böhmischen Dorf in der Sanderstraße 11

    ist

    Nathan Ball

    zu Gast. Der Singer/Songwriter präsentiert dort sein Repertoire aus Indie, Alternative und Folk.
  • Wer von schnellen, rhythmischen HipHop-Sounds angetan ist,

    für den empfiehlt sich ein Abstecher ins No frontiers in der Grenzallee 5, wo Chaye und Hiran reimen und spitten.