• Kabeljau & Dorsch PortrÑt (c) Shirin Moaiyeri

    Nachbarschaft

    Etwas verwunschen liegt sie da, direkt an der Sonnenallee: Die Minigolfanlage am Hertzbergplatz. An lauen Sommerabenden kann man nicht nur minigolfen, sondern auch Literatur erleben. Die Lesereihe „Kabeljau & Dorsch“ bezieht hier ihre Sommerresidenz und veranstaltet jeweils am letzten Donnerstag im Juni, Juli und August Lesungen mit jungen Berliner Autor*innen. „Der Minigolfplatz ist einfach ein sehr schöner Ort, den viele gar nicht kennen – obwohl er direkt an einer stark befahrenen Straße liegt “, sagt Victor Kümel, der die Lesungen gemeinsam mit Chris Möller, Lara Sielmann und Malte Abraham organisiert.

    Seit 2013 gibt es die Lesereihe in regelmäßigen Abständen in Neuköllner Kneipen, zunächst in den „Gelegenheiten“ in der Weserstraße. Später zog das Kollektiv zum „Alten Roten Löwe Rein“ in Rixdorf. Die Idee ist simpel: Junger Literatur eine ungewöhnliche Bühne bieten, die möglichst niedrigschwellig sein soll. Und so Texte, Gedichte und Essays einem breiteren Publikum bekannt machen. Die Autor*innen werden über einen offenen Aufruf gecastet und kommen aus unterschiedlichen Genres, die Lesungen sind in der Regel gratis oder auf Spendenbasis.

    Mittlerweile ist „Kabeljau & Dorsch“ über die Lesungen hinaus gewachsen: Das Kollektiv versteht sich längst als „Label für Literaturvermittlung“. Es veranstaltet „Kabeljau & Talk“-Runden als eine Art Live Late Night Show in der Volksbühne, hat ein multimediales E-Book mit Literatur, Kurzfilmen und Illustrationen herausgebracht, veranstaltet die Preislesung des Jugendliteraturwettbewerbs Lyrix unter dem Motto „Wenn ich groß bin, werde ich Lyrikerin“ – und hat mit dem Ingebach-Borgmann-Preis eine Auszeichnung für Literaturpreise erfunden, die Teilnahmebedingen, Vergabekriterien und Juryprozesse kritisch durchleuchten soll.

    Die Lesungen finden nicht mehr nur in Kneipen statt. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass die Leute bei warmem Wetter einfach immer später kamen und wir immer später anfangen mussten“, sagt Kümel. „Da dachten wir uns: Gehen wir einfach raus, ist im Sommer eh schöner.“ Die Idee zur Lesung auf der Minigolfanlage lag nahe: Möller und Abraham haben beide in der Vergangenheit dort gejobbt und kannten die Betreiber.

    Die Lesungen am Hertzbergplatz sind für das Team gleich mehrfach besonders: „Wir wollen ein Kiezfestival draus machen“, sagt Kümel. Am Minigolfplatz schaue viel Laufpublikum vorbei, andere kämen zum Golfen und blieben zur Lesung. „Das ist ein ziemlicher Nachbarschaftsort, man kann da auch nur Bier trinken auf der Terrasse“, sagt Kümel. Daher fokussieren sich die drei Veranstaltungen am Hertzbergplatz auf Berliner Themen und Autor*innen. Am ersten Termin lesen Yade Yasemin Önder, Hendrik Pohl und Ramy Al-Asheq. Önder ist unter anderem Gewinnerin des renommierten Berliner Literaturwettbewerbs „Open Mike 2018“ in der Kategorie Prosa, Pohl der Preisträger des Retzof-Preises für junge Literatur 2018. Der syrisch-palästinensische Dichter, Journalist und Kurator Al-Asheq ist unter anderem Mitgründer der Arabisch-Deutschen Literaturtage Berlin.

    Zu den Lesungen gibt es Verpflegung vom Grill und jeweils spezielle Veranstaltungen: Am ersten Abend etwa einen Kurzfilm, an den anderen Hörspielbeiträge und ein Konzert. Auch die Minigolfbahnen bleiben bis spät in die Nacht geöffnet. Man kann also auch für Literatur kommen – und zum Minigolfen bleiben.

    Die Kabeljau & Dorsch Megagolf Lesungen finden am 27. Juni, 25. Juli und 29. August jeweils ab 19.30 Uhr im Hertzberg Golf, Sonnenallee 165, statt. Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen. Weitere Infos gibt es unter kabeljau-und-dorsch.de.

    Foto:  Victor Kümel (v.l.n.r.), Lara Sielmann, Malte Abraham, Chris Möller, fotografiert von Shirin Moaiyeri

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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von Madlen Haarbach tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

während Sie diese Zeilen lesen, sitzen Sie hoffentlich im Kühlen – oder im Freibad. Dass warme Temperaturen auch die Gemüter erhitzen, belegt die Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (FDP). Luthe wollte wissen, wie viele Polizeieinsätze in Berlins Freibädern stattfinden.

Die Liste führt, Sie ahnen es vielleicht schon, das Columbiabad an. Ganze 130 Mal rückte dort im vergangenen Jahr die Polizei an, fast doppelt so oft wie noch 2017 (67 Einsätze). 36 Mal rückte die Polizei wegen einfachem Diebstahl an, 14 Mal wegen Körperverletzung, viermal wegen Taschendiebstahl – und zweimal wegen Nötigung und Freiheitsberaubung. 37-mal tauchen in der Statistik sonstige Straftaten auf, wie Hausfriedensbruch, Diebstahl an oder aus Kraftfahrzeugen oder Unterschlagung. Viermal wurde beleidigt, einmal gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Gerade in letzterer Kategorie dürfte die Dunkelziffer allerdings deutlich höher liegen. Sexualdelikte wurden im Columbiabad bislang nicht festgestellt, ebenso wenig Sachbeschädigung.

Was lernen wir daraus? Einfach mal abtauchen. Oder laue Sommernächte mit Literatur auf dem Minigolfplatz verbringen. Oder im Biergarten ein Kühles trinken, wo Sie das am besten tun, laut Leute-Leser*innen, lesen Sie weiter unten. Einen ganz besonderen Biergarten, quasi das Parklet unter den Biergärten, hat übrigens Kollege Robert Klages neulich in der Wildenbruchstraße entdeckt. Wie genau das aussieht, sehen Sie hier.

Madlen Haarbach ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Sie freut sich über Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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Ihr Biergarten-Tipp

Vergangene Woche habe ich Sie gefragt, welcher Biergarten der beste in Neukölln ist – und die Leute-Leser*innen sind sich einig: „Der schönste, tollste, lauschigste, hippste, beste Biergarten ist die gute alte Bar Babette im KINDL!“, schreibt etwa Jessica Tille. Babette’s Garden, wie der Biergarten offiziell heißt, gehört zum Café Kosmetiksalon Babette, das vergangenen Oktober nach 15 Jahren in Friedrichshain in die ehemalige KINDL-Brauerei zog. Seit diesem Frühjahr betreibt das Team auch den dazugehörigen Biergarten – und der überzeugt.“Geräumig, architektonisch wunderbarer Ort, tolle DJs!“, schwärmt Barbara B. „Urban, hip, weg vom Straßenverkehr. Einfach ideal“, findet Laura Bruce. „Coole Leute aus Kunst und Musik. Ab und zu auch ganz berühmte Menschen, aber ganz entspannt und privat“, beschreibt ein anderer Leser die Atmosphäre. Der Biergarten sei riesig „und es gibt genug Platz für alle, Toiletten natürlich auch, Behindertentoilette ebenfalls. Es ist zwar Selbstbedienung, dennoch sind die Kellner/innen nett und lustig“, schreibt Svenja Magazzu und lobt auch das kulinarische Angebot.

Auf der Karte steht unter anderem Neuköllner Rollbergbier, das direkt nebenan im Keller des KINDL gebraut wird. Auch vom Essen sind viele Leser*innen begeistert. Samuel F. schreibt: „Nicht nur das Bier sondern auch das selten leckere vegetarische Essen! Die Falafel – ein Gedicht!“ Auch Sorrel J. schwärmt vom köstlichen lokalen Bier, leckeren veganen Snacks – etwa dem veganen Kuchen -, angenehmem Personal und tollem Licht in den Abendstunden. „Es ist wunderbar entspannt, das Bier (Rollberg) wird fünf Meter Luftlinie entfernt gebraut, es gibt sehr leckere Pasta- und Kartoffelsalate und am Wochenende Falafel in eigener Herstellung und Pommes. Achja, Kaffee und Kuchen gibt’s auch – alles vegan und besonders lecker“, fasst Thomas W. zusammen.

Babette’s Garden, Am Sudhaus 3, öffnet bei gutem Wetter täglich von 15 bis 22 Uhr.