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    Nachbarschaft

    Charlotte Kroner liebte die Zauberei, das hatte sie von ihrem Vater. Josef Leichtmann eröffnete Ende des 19. Jahrhunderts den „Berliner Zauberkönig“ in der Friedrichstraße, einen Laden voller magischer Spielereien. Bis heute türmen sich Pupskissen, Zauberkarten, falsche Schnurrbärte und Bonbons mit Knoblauchgeschmack in dem kleinen Laden. Der liegt mittlerweile im Schillerkiez in Neukölln. Hinter dem  lustigen Geschäft verbirgt sich eine traurige Geschichte, die der jüdischen Familie Kroner.

    Die „magischen Schwestern“ hießen Charlotte, Rosa, Melanie und Leonie Kroner. In den 1920er Jahren machten sie aus dem Laden ihres Vaters eine Kette und eröffneten gemeinsam mit ihren Ehemännern berühmte Zauberhäuser in Berlin, Hamburg, München und Köln. Es war die Zeit des Variétés, Magie war beliebt. Den Berliner Zauberkönig führte Charlotte mit ihrem Mann Arthur Kroner – bis die Nazis kamen.

    Kurz nach der Reichspogromnacht wurde der Zauberkönig in „arische Hände gelegt“, wie es die Nationalsozialisten nannten. Regina Schmidt, eine Angestellte des Hauses, übernahm das Zauberhaus in der Friedrichstraße. Die Töchter Anneliese und Hannelore flüchteten in die USA. Charlotte und Arthur Kroner blieben mit ihrer ältesten Tochter Meta in Berlin. Vermutlich hofften sie, ihr Geschäft – die „zauberhafte Seele ihres Daseins“ – doch noch zurückzubekommen.

    Doch 1942 kam es noch schlimmer. Die Nazis verhafteten Tochter Meta, die Managerin des Zauberkönigs, am Alexanderplatz und brachten sie ins Polizeigefängnis. Von dort wurde sie am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Einige Monate vorher war der Zauberkönig offiziell enteignet worden. Gedemütigt, traurig und verzweifelt sah das Ehepaar keinen anderen Ausweg mehr. Charlotte schluckte am 31. Januar 1943 Gift. Ihr Mann Arthur tat es ihr später gleich. Er starb am 2. April 1943. Beide sind auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin Weißensee begraben.

    Ihr Zauberkönig lebt weiter im Schillerkiez in Neukölln.

    Die Geschichte der Familie Kroner ist im Web-Archiv der Berliner Stolpersteine dokumentiert.

    Foto: Privatarchiv/Stolpersteine-berlin.de

    Wer einen Vorschlag hat, welcher Mensch hier unbedingt vorgestellt gehört: Gerne mailen an leute-m.haarbach@tagesspiegel.de.

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    Weitere Themen aus dem Neukölln-Newsletter:
    +++ Mietenwatch-Studie: Kaum „leistbare“ Wohnungen für Durchschnittsverdiener in Neukölln +++ Die traurige Geschichte hinter dem Zauberkönig: Die Nazis trieben die Magier-Familie Kroner in den Tod +++ Bundesanwaltschaft ermittelt nicht zu rechter Anschlagsserie +++ Wohnungsunternehmen stoppt Baumaßnahmen im Schillerkiez wegen Mietendeckel +++ Berliner Berg wächst: Neukölln bekommt eine neue Brauerei +++ Senat gibt kein Geld mehr für Selbsthilfe-„Väter“-Gruppen +++ Volkshochschule wird 100 Jahre alt +++ Nachbarschaftspreis für „Shalom Rollberg“: Das Projekt bringt Juden und Muslime im Kiez zusammen +++ Pizzabote kracht in vier Autos – am Probetag und auf Koks +++

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von Madlen Haarbach tagesspiegel
Liebe Nachbar*innen aus Neukölln,

geben Sie mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Miete aus? Dann sind Sie damit nicht alleine. In zentral gelegenen Bezirken wie Neukölln gibt es für Durchschnittsverdiener kaum noch „leistbare“ Angebote, kritisiert „Mietenwatch“. Das vom Ministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wertete fast 80.000 Inserate auf Immobilienscout und Co. aus.

Für Mietenwatch gilt eine Wohnung als „leistbar“, wenn die Miete inklusive Betriebs- und Nebenkosten 30 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens nicht übersteigt. Für das Durchschnittseinkommen wurden Daten aus dem Mikrozensus 2016 herangezogen. Es liegt in Berlin bei 1375 Euro netto monatlich.

Das Ergebnis der Studie: Singles mit Durchschnittseinkommen können sich berlinweit nur noch 4,4 Prozent der Wohnungsangebote leisten. In Neukölln nur 3,1 Prozent.

Besonders angespannt ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt für Menschen, die Hartz IV beziehen. Denn die können meist nicht mehr bezahlen und müssen sich an die Vogaben des Jobcenters halten, erklärt „Mietenwatch“ in der Studie. So kämen für einen vierköpfigen Haushalt, der Hartz IV bezieht, berlinweit nur fünf Prozent der Angebote in Frage, innerhalb des S-Bahnrings sogar nur ein Prozent. Nur für diesen geringen Anteil der Wohnungsangebote werden die Wohnkosten vom Jobcenter vollständig übernommen. Ein Umzug wird damit sehr schwierig – in zentralen Bezirken nahezu unmöglich.

Die Ergebnisse der Studie sind seit Dienstag online abrufbar. Auf interaktiven Karten kann jeder sein Einkommen eingeben und testen, wo er sich noch Wohnungen in Berlin leisten kann. Hier geht es zu den Ergebnissen.

Julia Weiss ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Vor einigen Monaten ist sie über die Kreuzköllner Grenze nach Neukölln gezogen. Schreiben Sie ihr Kritik, Anregungen und Tipps bei Twitter oder per E-Mail.

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