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    Nachbarschaft

    Eine Städtepartnerschaft muss wachsen und benötigt Pflege – wie ein Baum. Ein partnerschaftlicher kleiner Baum zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Dêrik (al-Malikiya) ist schon gewachsen. Bereits im Oktober 2018 reiste eine Berliner Delegation des Städtepartnerschaftsvereins in den Nordosten Syriens. Nun besucht die Dêriker Delegation bis zum 20.06. zwei Wochen lang ihre neue Partnerstadt.

    Beurkundung im Kreuzberger Rathaus. Bei einem Festakt im Saal der Bezirksverordnetenversammlung, in dem die Bezirksverordneten Ende Februar die Partnerschaft beschlossen, wurde diese am Dienstag urkundlich festgehalten. So etwas „macht man nicht nur auf dem Papier, der Austausch lebt von den Menschen“, sagte die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), nachdem sie die Gäste herzlich willkommen hieß.

    Zum Glück gibt es diese Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg. Solche, die „keine Ruhe geben“, wie die stellvertretende BVV-Vorsitzende Regine Sommer-Wetter (Linke) zu Anfang des Festaktes sagte. So engagierte sich die Ethnologin und Journalistin Elke Dangeleit (Linke) zusammen mit Aktiven des Städtepartnerschaftsvereins dafür, den Wiederaufbau der Stadt Dêrik mit unterschiedlichen Kooperationsprojekten zu unterstützen.

    Flussbettbegrünung und Nachbarschaftsgärten. Das erste gemeinsame ökologische Projekt begann Anfang Februar. Nachbarschaften kamen zusammen und planten die Umsetzung. Gerade wird es konkret: Das trockene Flussbett muss „entrümpelt“ werden, erklärt Felix Lang vom Städtepartnerschaftsverein. Danach sollen die Vorbereitungen für die Begrünung starten. Bei einem zweiten Projekt entstehen Gemeinschaftsgärten.

    Seit der Befreiung vom sogenannten Islamischen Staat (IS), Al Qaida und anderen Dschihadistenmilizen im Jahr 2013 wird die Region von der örtlichen Bevölkerung selbstverwaltet. Im Kampf gegen den radikalen Islam verloren viele Menschen ihr Leben. Laut dem Verein leben in Dêrik „Kurd*innen, Araber*innen, Jesid*innen und Aramäer*innen friedlich miteinander“. In der Stadtverwaltung sind Männer und Frauen gleichberechtigt und Frauen in allen Bereichen vertreten, wie die Ko-Bürgermeisterin Rojin Şeto beim Festakt sagte.

    Um die Menschen und die Stadt kennenzulernen, wurde Herrmann prompt von Şeto nach Dêrik eingeladen. Gemeinsam mit dem Ko-Bürgermeister Feremez Hammo und der stellvertretenden Bürgermeisterin Nahrin Malki stellte sie den Gästen im BVV-Saal die neue Partnerstadt vor.

    Kurzer Steckbrief. Dêrik zählt knapp 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner, hat sieben Stadtteile und 44 Kommunen. 80 Schulen, die von rund 11.000 Schülerinnen und Schülern besucht werden zählt die Stadt. Bisher gibt es 14 Gemeinschaftsgärten und 800 Meter sollen zusammen mit Friedrichshain-Kreuzberg bepflanzt werden. Die Stadt ist die siebte Partnerin von Friedrichshain-Kreuzberg (über die anderen Partnerinnen hier mehr lesen).

    Für die Delegation waren die Reisevorbereitungen nicht ohne Risiko. Erst mal mussten sie sich Pässe besorgen, denn offiziell sind die Bewohner Dêriks staatenlos. Die besagte Stadt liegt in der „Demokratischen Föderation Nordsyrien“, die von der Bundesrepublik nicht als souveräner Staat anerkannt wird. Deswegen war für die Städtepartnerschaft auch ein zweiter Anlauf vonnöten.

    Karneval der Kulturen, Schulen und Gärten. Gästen zeigt man die Stadt: Neben dem Karneval der Kulturen und der ufaFabrik wurden die bilinguale Kita (Deutsch/ Kurdisch) Yekmal sowie Schulen im Bezirk besucht. Zur Inspiration für den Gemeinschaftsgarten in Dêrik dienten die Allmende-Gärten auf dem Tempelhofer Feld. Beim Festakt im BVV-Saal gabe es nach musikalischen Beiträgen von Bengi Agiri (Langhalslaute „Saz“ und Gesang) und dem Musikstudent Louis Neumann (Saxophon) noch Geschenke: Bezirkslogos und Freundschaftsbäumchen. Auf gutes Gedeihen!

    Das Foto (von Pascal Striebel) zeigt den Ko-Bürgermeister von Dêrik, Feremez Hammo, die stellvertretende BVV-Vorsitzende Regine Sommer-Wetter (Linke), die Ko-Bürgermeisterin Rojin Şeto und die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) bei der Beurkundung der Städtepartnerschaft.

    Wenn Sie jetzt Lust haben, Dêrik besser kennenzulernen, sei Ihnen der Hörbeitrag von Ekrem Heydo auf Deutschlandfunk Kultur „Überfordert, aber nicht besiegt!“ empfohlen. Oder vielleicht wollen Sie für das Flussbettprojekt spenden? Angaben zum Spendenkonto finden Sie auf der Webseite des Städtepartnerschaftsvereins. 25 Prozent (mehr als 3.500 Euro) muss der Verein über Spenden selbst aufbringen. Die restlichen 75 Prozent werden über die Nord-Süd-Stiftung gefördert.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.bodisco@tagesspiegel.de

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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

das Wasser gurgelt und schwappt in unserem ebenerdigen Journalistinnen-Büro regelmäßig aus dem Waschbecken. Bei langem Starkregen sieht das dann in etwa so aus. Am Anfang noch mit einem Handtuch danebenstehend, lassen wir jetzt nur noch die Badtür zur Geräuschkontrolle offen und arbeiten weiter – so häufig kommt es vor.

Wenn es nur das Waschbecken ist und nicht der Keller, die Tiefgaragen oder gar die ganze Wohnung, ist es ja nochmal gutgegangen. Am gestrigen Mittwochabend rief die Berliner Feuerwehr einen „wetterbedingten Ausnahmezustand“ aus. Ganze 200 Mal rückte sie aus, gegen 19h verdunkelte sich der Himmel.

Solche regelmäßigen und starken Gewitter gab es doch früher noch nicht, oder? – Stimmt nicht, funkt der Deutschlandfunk. Eher verschieben sich Regenfälle und Überschwemmungen Richtung Norden – also auch nach Berlin. – Stimmt wohl, schreibt die Süddeutsche und interviewt Christian Plaß-Dülmer, Chef des Meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg. Eine wissenschaftliche These, ob die häufigen Unwetter eine Vorbotin des Klimawandels seien, könne allerdings erst nach einer Periode von 30 Jahren aufgestellt werden. Es gäbe aber schon viele Hinweise darauf, dass zukünftig extreme Gewitter- und Niederschlagsereignisse zunehmen.

Wetterblitze, politische Blitze. Gerade knallt und blitzt es also in Berlin regelmäßig, die Atmosphäre strotzt nur so vor Energie und gerät mit der feuchten Luft in einen turbulenten Ausgleichstanz. Ein bisschen ist das so wie in der Bezirkspolitik. Da wird nämlich vor der Sommerpause noch so einiges abgehandelt. So erinnerte eine Debatte um den Ausschank am Holzmarkt daran, dass darunter noch so einige Gewitter, Bauanträge oder Unmut um das Eckwerk-Projekt liegen. Der Ausschank sei nur „ein Symptom einer noch viel größeren Debatte darüber, wie man mit den Konflikten einer immer dichter werdenden Stadt umgeht“, schrieb mir Konstantin Krex vom Holzmarkt 25. Und auch beim Areal Ratiborstraße 14 geht es heiß her: Die Nutzerinitiative und die Anwohnerschaft wollen ihr Modellprojekt für eine „Kreuzberger Mischung“ umsetzen, der Senat dagegen fühlt sich in der Pflicht, Geflüchtete in einer 250-Personen-MUF unterzubringen. Mehr dazu lesen Sie bei „Namen & Neues“.

Corinna von Bodisco ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Der Weg von Kreuzberg in ihr Neuköllner Gemeinschafts-„Biro“ führt sie meist über den grünen Fahrradweg an der Hasenheide. Neben dem Schreiben arbeitet sie mit akustischem Umwelt- und Interviewmaterial. Für Themenideen oder Kritik schreiben Sie ihr eine E-Mail oder folgen cora_vb auf Twitter.

Corinna von Bodiscos Tipp für Sie

Friedrichshainer Hofflohmärkte von nebenan.de. Am 16.06. verwandeln sich in Friedrichshain so einige Höfe, Gärten, Garagen oder privaten Parkplätze in Hofflohmärkte. Dabei können aussortierte Sachen verkauft, neue Schätze entdecken und dabei auch noch nette Leute aus der Nachbarschaft kennengelernt werden. In Friedrichshain und Rummelsburg haben sich bereits 46 privat organisierte Hofflohmärkte angemeldet. Alle können über die Karte nebenan-hofflohmaerkte.de eingesehen werden.

Falls Sie noch einen Stand anmelden wollen, geht das ebenfalls auf der Webseite. Alle Hofflohmarkt-Aktiven werden mit einem „Mitmach-Set“ unterstützt – damit der Stand in der Nachbarschaft auffällt und „nebenan“ noch bekannter wird. Darin enthalten sind 10 Plakate in A4, 40 Flyer in A6 sowie Luftballons zum Schmücken und Postkarten.

Die Online-Plattform nebenan.de unterstützt den nachbarschaftlichen Austausch, jeden Tag werden um die 100 Anzeigen geschaltet: jemand sucht Leute zum gemeinsamen Joggen, hat eine Gardine übrig oder ein ganzer Kiez vernetzt sich in einer Gruppe. Kreuzberg gehört zu den am besten vernetzten Gebieten, merkte Kollegin Maris Hubschmid im Reportage-Selbstversuch (hier lesen).

#MeinKreuzberg