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    Nachbarschaft

    Worte lesen, Worte transformieren, Worte schmecken. Damit befasst sich das neue Projekt „A Poem for Dinner“ des Kollektivs »kaboom«, bestehend aus der Literaturwissenschaftlerin Carolin Schmidt und der Szenografin Margaret Schlenkrich. Ab dem kommenden Freitag bis Anfang März 2019 ist ihre Reihe „A Poem for Dinner“ in vier Kreuzberger Restaurants auf Tour.

    Was explodiert denn bei »kaboom«? Natürlich die Literatur. Es steht aber nicht der Effekt einer massiven Explosion, wie man sie aus der Comicsprache kennt, im Mittelpunkt. Wir experimentieren und spielen mit Worten und bewegen uns damit zwischen künstlerischen Disziplinen. Unser Ziel ist es, Texte durch Kunstaktionen und Installationen zum Leben zu erwecken und so einen neuen, sinnlichen Zugang zu Literatur zu schaffen. Schon der kleinste Reiz – ein Geruch, ein Wort – kann wahre Lawinen auslösen.

    Welchen Text habt ihr für euer Projekt „A Poem for Dinner“ ausgesucht? Wir arbeiten mit dem Gedicht „This Is Just to Say“ von William Carlos Williams. Das Gedicht ist ideal für das Experiment, es gleicht einer knappen Alltagsnotiz und auch nach mehrmaligem Lesen eröffnen sich immer weitere Bedeutungsebenen. Heinrich Detering schrieb darüber: „Je länger man sich auf seine einfache Botschaft einlässt, desto weitläufiger werden die Zusammenhänge. Und am Ende sieht man eine fast perfekte Ehe vor sich.“ Uns interessiert insbesondere der Moment der Alltagspoesie – damit wollen wir weiterarbeiten. Ein wesentlicher Bestandteil des Alltags ist das Kochen und Essen. Man kommt zusammen, erzählt vom Tag, tauscht sich aus. Essen ist ein Moment des gemeinsamen Erlebens.

    Was genau passiert mit dem Gedicht? Im Projekt gilt es herauszufinden, wie man die Poesie auf dem Papier in eine kulinarische Komposition übersetzen und weiterführen kann. Ein Essen kann auch überraschen, erregen oder besänftigen. Also haben wir vier Köchinnen gefragt, ob sie Lust haben, sich von Williams‘ Gedicht inspirieren zu lassen und ein Gericht zu entwerfen, das dann für einen Monat auf der Speisekarte steht. Passend zur jeweiligen Küche wird das Gedicht in vier Sprachen abgedruckt: Englisch, Deutsch, Schweizerdeutsch und Arabisch.

    Werden die Gäste das Gedicht ausschließlich essen oder kann es auch gelesen werden? Das Gedicht wird, gemeinsam mit dem Gericht, auf einer separaten Speisekarte zu finden sein. Man kann es also davor, währenddessen oder auch nach dem Essen lesen. Bestenfalls gleichzeitig.

    Im Gedicht ist von kalten, süßen Pflaumen die Rede. Ist das eine Vorgabe für die Köchinnen? Wir haben den Köchinnen keinerlei Vorgaben gemacht. Das ist ja gerade das spannende: Jede sieht etwas anderes in den Zeilen. Und wer weiß – vielleicht gibt es auch ein Gericht ganz ohne Pflaumen; schließlich werden sie ja im Gedicht aufgegessen.

    Was versprecht ihr euch vom Projekt? Zum einen sind wir natürlich gespannt, wie die Leute auf das Experiment reagieren. Das Food-Art-Konzept ist ein möglicher Zugang zu Literatur. Uns interessiert der Moment, in dem sich der Text aus seiner Schale löst und sichtbar, erfahrbar, greifbar wird. Der Moment kann ein Essen sein, eine Lesung, eine Performance oder eine Installation. Wir können uns gut vorstellen, die Reihe fortzusetzen: „A Poem for Dinner“-Zürich oder „A Poem for Dinner“-Potsdam – who’s next? Erst einmal freuen wir uns aber, mit Berlinerinnen ins Gespräch zu kommen.

    Daten:

    • Station #1 bis zum 16.01.2019: Wildeküche, Spreewaldplatz 5. Eröffnungsdinner 14.12., 19 Uhr
    • Station #2 vom 9.01.-3.02.2019: St. Bart, Graefestraße 71
    • Station #3 vom 23.01.-17.02.2019: Schwarze Heidi, Mariannenstraße 50
    • Station #4 und vom 6.02.-3.03.2019: Kreuzberger Himmel, Yorckstraße 89. Finissage am 6.02. um 19 Uhr

    Foto: Claudia Katzmarski

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.bodisco@tagesspiegel.de

     

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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

es gibt nun Regeln für Karl-Marx-poly. Sowohl in der vorletzten als auch in der gestrigen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) lag das Sujet der Karl-Marx-Allee dicke in der Luft. Seit Wochen diskutieren und streiten Bezirk und Senat über Lösungen für den drohenden Kauf von 700 Wohnungen durch den Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. SPD, Linke und Grüne beschlossen im Koalitionsausschuss „Mieterinnen und Mieter vor Verdrängung und untragbaren Mieterhöhungen zu schützen“.

Und wie geht das? Einer der vier Blöcke, namentlich „D-Süd“, liegt im Milieuschutzgebiet, der Bezirk kann folglich von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Eine Zusage der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) liegt nun vor, twitterte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) am gestrigen Mittwoch. Die Mieterinnen der Blöcke außerhalb des Milieuschutzgebietes müssen Karl-Marx-poly spielen – und zwar schnell. Allerdings nicht nach kapitalistischen Regeln, sonst hieße es ja Monopoly. Karl-Marx-poly ist ein ernstes Spiel, denn es geht um das Recht auf Wohnen.

Modell 1 kann es nur mit Modell 2 geben und andersherum. Für den sogenannten „gestreckten Ankauf“ einigte sich der Ausschuss nach „harten Wortgefechten“ darauf, folgende zwei Modelle zu verfolgen:

  1. Das IBB-Modell

    von Finanzsenator

    Matthias Kollatz

    (SPD), das es Mieterinnen erlauben soll, ihre Wohnungen mit zinsgünstigen Krediten der Investionsbank IBB zu erwerben und über zehn Jahre abzubezahlen. Eine „Spekulationsbremse“ soll einen kapitalorientierten Weiterverkauf verhindern (eine Wohnung wurde

    bereits für 1,1 Millionen Euro

    angeboten).

  2. Das „Rekommunalisierungsmodell“

    , originär erarbeitet von Baustadtrat

    Florian Schmidt

    (Grüne) und Staatssekretär

    Sebastian Scheel

    (Linke). Wie bei Modell 1 machen die Mieterinnen von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch – via Kredit (im Gespräch ist die GLS-Bank). Die frisch erworbene Eigentumswohnung bleibt dann aber nur eine „juristische Sekunde“ in Mieterinnenhand, erklärte Schmidt in der BVV. Eigentlich wird sie augenblicklich und zu den gleichen Konditionen an ein landeseigenes Wohnungsunternehmen (wohl die Gewobag) weiterverkauft. Das Modell sei für die Mieterinnen „risikoarm“, verspricht der Baustadtrat.

Lösung mit Baustellen. Wie praxistauglich die juristisch und finanziell äußerst komplizierten Modelle sind, wird sich zeigen. Kritik wird vor allem von Seiten der FDP laut: Auf die Frage von Michael Heihsel, wie es denn beim Weiterverkauf an die WBM um die Transaktionskosten bestellt wäre, bestätigte Schmidt: Beim doppelten Verkauf würden auch doppelte Kosten anfallen.

„Es wird um Anwesenheit aller Mieter*innen gebeten“. Am kommenden Dienstag will der Senat den Plan des „gestreckten Ankaufs“ beschließen. Für den morgigen Freitag hat das Bezirksamt ab 19h alle Mieterinnen der Blöcke C-Nord, C-Süd und D-Nord ins Kino Kosmos (Karl-Marx-Allee 131A) geladen. Ziel der Veranstaltung ist es, über die Modelle und die weiteren Schritte zu informieren. Außerdem anwesend: Vertreterinnen des Senats und des Mieterbeirats. Die Zeit für die nächsten Schritte drängt, denn bis zum 5.1.2019 müssen die Mieterinnen entscheiden, ob sie ihr Vorkaufsrecht ausüben wollen. Bis dahin sind auch die aufwändigen Transaktionskosten zu leisten.

Corinna von Bodisco ist freie Autorin beim Tagesspiegel, lebt in Kreuzberg und schreibt überall. Wenn sie nicht gerade wieder umzieht, schneidet sie vermutlich an ihren Hörstücken. Neue Themenideen und Kritik liest sie gerne per E-Mail oder auf Twitter.

 

Corinna von Bodiscos Weihnachtsgeschenketipp für Sie

„Berlin 2019“ ist raus: Im petrolfarbenen Magazin können Sie Beiträge der Leute-Autorinnen über alle zwölf Bezirke lesen. Elf prominente Berlinerinnen, darunter die Kreuzberger Künstlerin Judith Holofernes oder die Sprinterin Lisa-Marie Kwayie mit einer Vorliebe für die Oberbaumbrücke, werden an ihre Lieblingsorte begleitet. Außerdem finden Sie – schon in Vorbereitung auf 30 Jahre vereintes Berlin – eine Berlin-Chronik über drei Jahrzehnte. Und sonst? Natürlich Adressen aus den Bereichen Kultur, Gaumenfreuden, Shopping und Wohnen sowie aktuelle Trends aus der Start-up-Szene, aus Mode und von Berliner Marken. Die Tagesspiegel-Fotografin Kitty Kleist-Heinrich hat zudem 688 Fotos von der Schlossbaustelle gesichtet – die Bauarbeiten hat sie über 12 Jahre lang mit ihren Kameras begleitet. Noch eine gute Neuigkeit:

Wir verlosen drei Exemplare, dazu bitte bis zum 15.12., 16h auf tagesspiegel.de/gewinnen unter dem Stichwort „Berlinmagazin“ anmelden. Die Gewinnerinnen werden per E-Mail benachrichtigt. Falls Sie nicht zu den Glücklichen gehören: „Berlin 2019“ ist für 9,80 Euro im Tagesspiegel-Shop erhältlich. Das Magazin macht sich mit Tagesspiegel-Papier verpackt zum Fest sehr gut unter dem Weihnachtsbaum.

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