• Hannemann

    Nachbarschaft

    Wie kann man sein Leben im Alter aktiv und positiv gestalten? In unserer immer älter werdenden Gesellschaft ein wichtiges Thema – und auch für Veit Hannemann, Leiter des Projekts „Altwerden im Chamissokiez – aktiv gestalten“ im Mehrgenerationenhaus Gneisenaustraße.

    „Ich habe einen Gesprächskreis mit dem Titel ‚Wohnen und Leben im Chamissokiez – Lebensqualität aktiv gestalten‘ gegründet“, erzählt er. Dazu haben Hannemann und seine Mitstreiter*innen Ende 2018 eine Befragung im Kiez durchgeführt, im Januar gab es eine Ideenwerkstatt zu den Ergebnissen. „Daraus haben sich neue Aktivitäten für 2019 abgeleitet, die ich derzeit für die nächsten Monate vorbereite“, so Hannemann. „Dazu gehört ein Kiezspaziergang mit älteren und mobilitätseingeschränkten Kiezbewohner*innen über die Bergmannstraße.“ Vergangenes Jahr gab es eine gut besuchte Veranstaltung zur Patientenverfügung, bald soll eine weitere zum Thema „Selbstbestimmt sterben“ folgen.

    Am Freitag, 24. Mai, wird auf der Terrasse und im Garten des Mehrgenerationenhauses Gneisenaustraße (Gneisenaustr.12) das „Fest der Nachbarn“ gefeiert (von 15-18 Uhr) – alle Interessierten aus dem Umfeld Chamissokiez, Bergmannstraße und Gneisenaustraße sind herzlich eingeladen. „Wir freuen uns, wenn viele aus der Nachbarschaft kommen“, sagt Hannemann.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

bisher hieß es (auch in diesem Newsletter), die Kosten für Parklets und Markierungen in der „Begegnungszone Bergmannstraße“ beliefen sich auf rund 885.000 Euro. Tatsächlich liegen sie aber deutlich höher, wie das Bezirksamt gegenüber der Morgenpost bestätigte: Für die Planung seien zusätzliche Gelder angefallen, insgesamt entstanden so Ausgaben in Höhe von 1.121.753 Euro. Zumindest medial sorgte das „Experimentierfeld für die Verkehrswende“ (O-Ton Verkehrssenatorin Regine Günther) in jüngster Zeit für Ärger: Neben den hohen Kosten beschwerten sich Anwohnende über Müll und nächtlichen Lärm – der Bezirk hat deshalb Kiezläufer*innen engagiert, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollen, man kann sie bis 23 respektive 2 Uhr anrufen  (wie letzte Woche berichtet). Die Morgenpost hat zwei von ihnen auf ihrer Route durch die Bergmannstraße begleitet – bisher halten sich sowohl Anrufe als auch die Probleme in Grenzen.

Am Dienstag startete mit einer Infoveranstaltung die Evaluierung der Begegnungszone – der Andrang war groß, rund 280 Anwohnende kamen, meldet das Bezirksamt. Und trotz des Unmuts im Bezirk über Gestaltung und Umsetzung der Begegnungszone kam es zu keiner Eskalation: Vielmehr wollten die Anwesenden „weniger etwas verhindern als etwas aufbauen“, schreibt die Morgenpost. Positiv auf die Stimmung dürfte sich auch ausgewirkt haben, dass Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) Fehler einräumte. Auf Kritik von Anwohnenden, der Testcharakter der Begegnungszone sei nicht immer deutlich gewesen, antwortete Schmidt: „Ich sage hier ganz ehrlich: Es ist nicht gut gelaufen.“ Und über den Einsatz der zwei eingangs aufgestellten Holz-Parklets, die vor den jetzt in der Bergmannstraße stehenden gelben Metall-Stadtmöbeln angebracht worden waren, sagte Schmidt: „Ich gebe zu: Das waren Rohrkrepierer.“

Ansonsten wurde deutlich, dass der Grundgedanke der Begegnungszone, nämlich die Reduktion des Autoverkehrs, den Wünschen der Anwohnenden entspricht. Auf Twitter postete BA-Sprecherin Sara Lühmann ein Foto, auf dem zu sehen ist, was den Teilnehmenden der Veranstaltung wichtig war – kleiner Spoiler: Parkplätze sind es nicht, sondern ganz im Gegenteil „weitestgehende Autofreiheit“ und „Entschleunigung des Straßenverkehrsflusses“. Kritisch wurde allerdings weiterhin „die Ästhetik und Gestaltung der Parklets“ gesehen. Klingt insgesamt ganz so, als sei die Verkehrswende zumindest in der Bergmannstraße beschlossene Sache – und zwar nicht nur von oben. Oder um mit Kollegin Laura Hoffmann zu sprechen: „Car is over.“

Einen kleinen Erfolg im Kiez in Sachen Autofreiheit, unabhängig von den Experimenten des Bezirks, gibt es außerdem zu vermelden: Die Initiative leiser-bergmannkiez-de hat rein gar nichts mit der jetzigen Begegungszone zu tun – sondern kämpft dafür, die Lärmbelastung durch den Durchgangsverkehr zu reduzieren, da viele Autofahrende den Kiez in Nord-Süd-Richtung zwischen Berlin-Mitte und der Autobahnauffahrt Tempelhof als Abkürzung nutzen, wie Initiator Hans-Peter Hubert Kollegin Corinna von Bodisco vor einem Jahr erzählte. Die Initiative möchte den Knotenpunkt für den Durchgangsverkehr sperren lassen und dafür einen „Begegnungsplatz“ vor der Marheinekehalle einrichten – eine autofreie Zone zum Flanieren. Für einen Testlauf bis Ende Juli gab das Bezirksamt jetzt grünes Licht.

Auch in einer anderen Kreuzberger Straße sollen bald gar keine Autos mehr fahren dürfen – nun ja, zumindest an einem Tag die Woche für vier Stunden. Der Bezirk plant, die Böckhstraße zwischen Grimm- und Graefestraße immer mittwochs zwischen 14 und 18 Uhr für den Autoverkehr zu sperren, um Kindern das gefahrlose Spielen auf der Straße zu ermöglichen, Initiatorin ist die Initiative „Für eine temporäre Spielstraße im Graefekiez“. Angesichts der hohen Zahl an kleinen Xhainer*innen im Kiez ist diese Idee gleich doppelt gut. Umgesetzt werden soll sie nach den Sommerferien, also Anfang August.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

Nele Jenschs Tipp für Sie

Endlich wieder Freiluftsaison: In Berlin gibt es viele Möglichkeiten, Filme unter dem Sternenhimmel zu genießen – aber nur im Freiluftkino Kreuzberg (Mariannenplatz 2) werden alle Filme in Originalsprache gezeigt (was zumindest für junge und halbwegs junge Menschen immer interessanter wird, von den vielen Nicht-Deutschsprachigen im Bezirk mal ganz abgesehen); deutsche Filme werden englisch untertitelt. Hinzu kommt das besondere Ambiente: Das Kino befindet sich im grünen Hof des Künstlerhauses Bethanien, wo man äußerst bequem auf Liegestühlen sitzt, umgeben von hohen Bäumen.

Auch die Auswahl der Filme überzeugt: Ebenso wie ganz Kreuzberg besticht das Freiluftkino durch Weltoffenheit, und das Programm wechselt jeden Tag. Wie wäre es am Samstag, 25.5., zum Beispiel mit dem oscarprämierten Film „Roma“, in dem die mexikanische Gesellschaft der 70er Jahre anhand zweier Frauenschicksale porträtiert wird? Dieser startet wie alle Filme im Freiluftkino um 21.30 Uhr, der Einlass beginnt halbe Stunde vorher. Der Zugang ist barrierefrei, die Tickets kosten 7,50 Euro (ermäßigt 5 Euro, Kinder unter 13 Jahren 5,50 Euro). Alle Infos hier,  Programm hier.

#MeinKreuzberg