• Nachbarschaft

    Schluss nach 15 Jahren. Die „Friedvolle Walpurgisnacht“ im Mauerpark fällt aus – „aufgrund von Anwohnerbeschwerden“, wie der Verein Freunde des Mauerparks jetzt mitteilte. Damit könnte eine Erfolgsgeschichte zu Ende gehen, die in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen hatte, dass es in Prenzlauer Berg in der Nacht zum 1. Mai nicht mehr wie einst zu Krawallen kam. „Bezirksamt und Polizei möchten das friedliche und unkommerzielle Fest nicht länger in der etablierten Form und dem bisherigen Zeitrahmen dulden“, heißt es zur Begründung: „Aus Angst vor möglichen Anwohnerbeschwerden wurden von der Polizei hohe Auflagen und starke Einschränkungen für das Fest angekündigt“. „Ein Fest ohne Musik“ aber schaffe keine kreative Atmosphäre. „Das Fest, das vor 15 Jahren zur Befriedung der Kieze von Anwohnern ins Leben gerufen wurde, wurde nun von der ‚Anti-Lärm-Anwohner-Initiative‘ zu Fall gebracht.“

    Wir haben dazu mit  Alexander Puell vom Verein „Freunde des Mauerparks“ gesprochen.

    Es wird in diesem Jahr kein Walpurgisnacht-Fest geben – wegen der Auflage der Polizei, dass es keine laute Musik und kein großes Lagerfeuer geben darf. Kam das überraschend? Eigentlich nicht. Eigentlich war klar, dass es knallen muss. In den letzten Jahren hatten wir auch schon nur eine Duldung. Mit diesem Konstrukt kann man natürlich kein Fest feiern, wenn man weiß, dass es Anwohner gibt, die sofort die Polizei holen, wenn sie Geräusche aus dem Park vernehmen. Das Walpurgisnacht-Fest hat bislang funktioniert, weil das Bezirksamt das unterstützt hat beim Feuer und der logistischen Unterstützung, die Polizei durch ihre Sicherungsmaßnahmen und die Bürger und die Künstler haben das Fest mit Leben erfüllt. Dadurch konnte im Mauerpark eine sehr friedliche und kreative Atmosphäre entstehen, die dazu geführt hat, dass es keine Ausschreitungen gab. Dieses Zusammenspiel bedeutet aber, dass man sehr viel Vertrauen zueinander haben muss.

    Ist der Konflikt deshalb ein Zeichen dafür, wie sich der Bezirk rings um den Mauerpark verändert hat? Ich glaube, die Lebenssituation und die Bewohner haben sich verändert. Früher gab es dieses leben und leben lassen, man will dem Anderen nicht an den Karren fahren, auch wenn man gerade nicht versteht, was er will, aber man arrangiert sich. Heute aber haben wir Anwohner, die sehr stark eingreifen wollen, die diktieren wollen, was im Park erlaubt ist und was nicht. Die sich auch beim Runden Tisch, den es schon dreimal gab, und beim Arbeitskreis zu den Parkregeln nicht bewegen. Die Künstler haben zugesagt, leiser zu spielen, wollen sich anders organisieren und planen mobile Lärmschutzmaßnahmen. Aber diese Anwohner sagen, wir wollen das alles nicht und Punkt.

    Die Anwohner bestehen darauf, dass der Mauerpark eine geschützte Parkanlage ist und wollen ihre Ruhe. Wir hatten seit 2012 sogenannte Spielregeln, die wir damals mit dem Bezirk, der Polizei und den Anwohnern entwickelt haben. Damals hatten wir keine Beschwerdeführer, sondern alle waren guten Mutes und haben unterstützt, was im Mauerpark passierte. Des Pudels Kern ist das Grünflächengesetz, das davon ausgeht, dass ein öffentlicher Park ein Ort mit viel Ruhe, Natur und kontemplativer Nutzung ist. Also das Gegenteil von dem, was täglich im Mauerpark stattfindet und was diesen Ort ausmacht. Dafür ist das Grünflächengesetz ein schlechter Rahmen.

    Was erwarten Sie vom Bezirksamt? Der Bezirk hat nach dem dritten Runden Tisch angekündigt, für dieses Jahr einen temporären Rahmen zu definieren. Darin sollen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse wiederfinden. Die Anwohner haben ein Recht darauf, am Park zu wohnen und sollen nicht unzumutbar gestört werden. Gleichzeitig ist der Mauerpark ein Kulturstandort, der für den Bezirk und für ganz Berlin wichtig ist. Damit brauchen auch die Kulturschaffenden einen gewissen Schutz. Jetzt sind wir gespannt, was sich der Bezirksbürgermeister da am Ende als Lösung überlegt. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr einfach durch praktische Maßnahmen und gutes Teamwork mit den Kulturschaffenden sehr flexibel sind und Dinge ausprobieren. Wir jedenfalls gehen nicht in eine absolute Kontra-Haltung und sagen Basta, wie es in meinen Augen manche Anwohner tun. Sondern wir sind beweglich und probieren Sachen aus im Dialog mit den Anwohnern und schauen, wie Kultur und Nachbarschaft gut zusammen gehen kann.

    Das hört sich jetzt nicht so an, als ob Sie von einem endgültigen Aus für das Walpurgisnacht-Fest ausgehen. Wir hatten schon in den vergangenen Jahren gesagt, wir machen so lange weiter, wie wir können. Für uns ist das ein wichtiges Fest. Wir sind Anwohner, wir sind selber Kulturschaffende, wir wollen was Schönes machen und brauchen dafür einen Rahmen. In diesem Jahr hat das nicht geklappt. Aber ich hoffe, dass die Diskussion um den Kulturstandort Mauerpark dazu führt, dass das Bezirksamt und die Polizei weiterhin informelle Kultur und spontane Musikdarbietungen ermöglichen. Und bei einer besonderen Nacht wie dem friedvollen Walpurgisnacht-Fest einen angemessenen Rahmen findet.

    Immerhin muss man daran erinnern, dass das Fest wie auch in Kreuzberg sehr erfolgreich dazu beigetragen hat, Ausschreitungen in der Nacht zum 1. Mai zu verhindern. Es gab auch in der Vergangenheit immer wieder Gespräche über die Bedingungen, unter denen wir das Fest machen durften. Das Problem ist derzeit, dass das Bezirksamt sich gerade nicht bewegen kann oder will. Ich denke aber, dazu gibt es bald eine Klärung und dann gibt es auch die Erfahrung, wie der 30. April gelaufen ist, wenn kein „friedvolles Walpurgisnacht-Fest“ organisiert wird. Ich hoffe, dass man am Ende sagt, wir wollen das Projekt fortführen. Ich wohne dort seit 20 Jahren und kann eines nicht verstehen: Will man lieber einen Hubschrauber über dem Kopf knattern haben und Tatü-Tata die ganze Nacht mit Glassplittern und was es sonst noch an Zerstörungen gibt, oder will man Leuten zuschauen, wie sie einen schönen Abend feiern. Das sind für mich die Optionen. Die Option, dass es so ruhig wie im Schlosspark oder auf dem Friedhof ist, liegt im Mauerpark doch überhaupt nicht auf dem Tisch. Manchmal wirkt die Diskussion deshalb für mich verkehrt. Die Musiker wollen ein friedvolles Fest, von dem die Nachbarschaft auch etwas hat. Und die Anti-Haltung von einer Handvoll Anwohner führt nur zu noch größeren Konflikten und am Ende vielleicht zu Schäden.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de

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von Gerd Nowakowski tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Pankow,

die Ostertage stehen vor der Tür – und es soll richtig frühlingshaft warm werden. Der richtige Zeitpunkt, um die Freibadsaison zu eröffnen, glauben die Berliner Bäderbetriebe. An diesem Freitag werden jedenfalls die ersten vier Bäder geöffnet: das Strandbad Wannsee, das Sommerbad Wilmersdorf und das Prinzenbad in Kreuzberg. Und wo bleibt Pankow? Der mit Bädern nicht gerade üppig bestückte Bezirk muss noch etwas warten mit dem Anbaden. Ob man bei den Bäderbetrieben die Pankower für Bademuffel hält? Erst am 1. Mai jedenfalls soll das Freibad Weißensee öffnen. Und das Sommerbad Pankow an der Wolfshagener Straße macht seine Tore sogar erst am 1. Juni auf.

Bevor jetzt schlechte Laune aufkommt, hier zum Ausgleich eine gute Nachricht. Der Senat stellt 85 Millionen Euro statt der bislang geplanten 60 Millionen für den Ausbau von Pankow und Mariendorf zu Multifunktionsbädern zur Verfügung. In Pankow sollen bei laufendem Betrieb mit dem Geld unter anderem zwei 25-Meter-Becken gebaut und die Terrassen im Freibadbereich saniert werden. Fertiggestellt werden soll das neue Bad 2025. Bis dahin muss man hoffen, dass die Technik durchhält. Man erinnert sich, dass im heißen Sommer 2018 das Bad an einem Sonntag wegen eines technischen Defekts vorzeitig schließen musste. Eine Pumpe war ausgefallen. Wir drücken jedenfalls die Daumen für eine unbeschwerte Badesaison bei bestem Wetter.

Gerd Nowakowski ist in Berlin geboren und wohnt in Pankow. Wenn Sie Anregungen, Kritik oder Wünsche haben, schreiben Sie ihm einfach eine E-Mail an leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de.

Gerd Nowakowskis Tipp für Sie

Die Ostertage sind Familientage. Da bietet es sich an, mit den Kindern eine Radtour zu machen. Vor allem, wenn das Wetter, wie angekündigt, schön frühlingshaft wird. Etwa mit den Rädern immer an der Panke entlang, diesem häufig übersehenen und unscheinbaren Flüsschen, das die Großstadt von einer ganz anderen Seite zeigt. Ganz entspannt mit vielen Stopps, eine kinderfreundliche Tour, insgesamt zehn Kilometer lang. Man startet in Gesundbrunnen, kommt unter anderem am spannenden Labyrinth-Kindermuseum in der Osloer Straße vorbei und landet am Kinderbauernhof Pinke-Panke. Der Hof ist ein pädagogisch betreuter Spielplatz. Außerdem leben hier Esel, Schweine, Gänse und Kaninchen. Im Fachwerkhaus gibt es Kaffee und außerdem reicht es nach selbstgebackenem Kuchen. Um den Sandkasten tummeln sich kleinere Kinder und Eltern, die etwas älteren Kinder verschwinden in einer Hütte zum Stockbrote rösten.

Na, Lust bekommen? Diese Tour und 26 weitere Rad-Ausflüge für Familien, Kulturfreunde, Genießer und Entdecker finden Sie im neuen Magazin „Tagesspiegel Radfahren 2019/2020“. Das Magazin ist erhältlich am Kiosk oder direkt im Tagesspiegel Shop am Askanischen Platz 3.