• TusLi

    Nachbarschaft

    Der TuS Lichterfelde ist bei unserer Umfrage zum beliebtesten Sportverein des Bezirks auf Platz drei gewählt worden. Hier dazu das Stück von Henrik Hoelzmann.

    Aus wenig möglichst viel machen. Das ist die Philosophie des Turn- und Sportvereins Lichterfelde, den alle nur TuSLi nennen. Insgesamt umfasst der Verein 13 Abteilungen, von Kampf- über Wasser- bis hin zu diversen Ballsportarten. Als Profiverein gilt TuSLi nicht, dafür ist die herausragende Jugendarbeit bundesweit bekannt. Vor allem die seit 2009 eigenständige Basketball-Abteilung bringt regelmäßig gute junge Spieler hervor.
    Mit 34 Mannschaften in allen Altersklassen gehört der TuS Lichterfelde sowohl in Berlin als auch im bundesweiten Vergleich zur Spitze. Joshiko Saibou, der von 2000 bis 2006 in Lichterfelde spielte, gehört in dieser Saison zu den Leistungsträgern von Alba Berlin und steht mit dem Klub nun im Finale der Basketball-Bundesliga. Hendrik Drescher, Bennet Hundt und Jonas Mattisseck sind die jüngsten Beispiele für die gute Nachwuchsarbeit von TuSLi. Sie alle spielen für die Jugend-Nationalmannschaften. Um den nächsten Schritt zum Profi-Sport zumachen, wechselten sie zu Alba. Die vielen Wechsel sind auf die wenigen finanziellen Anreize zurückzuführen, die der Verein bieten kann. Hinzu kommt, dass keine Ablösen gezahlt werden, weshalb von den Talenten, die TuSLi hervorbringt, nur wenig bleibt.

    Auch in der Hockey-Abteilung sieht es ähnlich aus. Viele Talente verlassen Lichterfelde, da die Konkurrenz aus Hamburg, Köln oder Mannheim mit lukrativeren Angeboten lockt. So wechselten mit Charlotte Stapenhorst und Lena Micheel seit 2014 gleich zwei Jugend-Nationalspielerinnen zum UHC Hamburg. Sowohl Männer als auch Frauen spielen seit mehreren Jahren regelmäßig in der Zweiten Bundesliga. Die beiden Aufstiege in die Bundesliga vor zwei Jahren waren die größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit, doch der Klassenerhalt wurde jeweils verpasst. Hinter dem Berliner Hockey-Club (BHC) und dem TC Blau-Weiss Berlin hat sich TuSLi als dritte Hockeykraft in Berlin etabliert. Im Nachwuchsbereich konnte der TuS Lichterfelde 2016/17 die Deutsche Meisterschaft der weiblichen A-Jugend gewinnen. Setzt der Verein seine erfolgreiche Jugendarbeit fort, könnten auch die Erwachsenen bald vergleichbare Erfolge verbuchen.

    Zu dem Beitrag erreichte uns dann folgende Email: „Vielen Dank vorab für die tolle Umfrage in den letzten Wochen in unserem Bezirk, an der wir alle fleißig teilgenommen haben. Wir als TuS Lichterfelde mit zwölf Abteilungen und über 2.500 Mitgliedern sind einer der größeren Vereine im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. TuSLi-Basketball und TuSLi-Hockey sind dabei deutlich kleinere und auch eigenständige Vereine in unserem Bezirk. Die beiden ehemaligen Abteilungen haben sich in den letzten Jahren vom dem Traditionsverein im Südwesten abgespalten und den Namen behalten bzw. durch die jeweilige Sportart ergänzt. Das führt leider immer wieder dazu, dass es in der Presse falsch dargelegt wird. Nun hat der TuS Lichterfelde (so stand es in der Umfrage und wurde von Ihnen vorgegeben!) den dritten Platz belegt und wir als TuS Lichterfelde werden vom Tagesspiegel weder kontaktiert noch werden wir großartig in dem Artikel, wo alle drei Vereine porträtiert werden, erwähnt. Wir haben in den letzten Tagen schon diverse Nachfragen unserer Mitglieder erhalten, die alle fleißig abgestimmt haben und dann so etwas als Abonnenten des Tagesspiegel lesen müssen. Dies führt zurecht zu Unverständnis, da vor allem die Arbeit der Journalisten nicht zufriedenstellend erledigt worden ist. Nun stellt sich uns die Frage, wie wir das wieder ins korrekte Licht rücken können und sind gespannt auf Ihre Antwort!“

    Unsere Antwort: Wir bitten um Entschuldigung und werden in Bälde auch noch ein Porträt über den Mutterverein nachliefern.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-b.buchholz@tagesspiegel.de

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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

Anpfiff – heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Ein Fest, Spannung, Leidenschaft, die WM verspricht Krimis, Tränen, Wut, Freude, Liebe – und Aggression. „Bist du blöd“, „Schieß doch, du Idiot“ und „Fauler Sack, beweg dich“ sind noch die milderen Bezeichnungen für Spieler, die in den Augen von „Fans“ vor den Bildschirmen, Flatscreens und Leinwänden etwas falsch gemacht haben. Das Fußballvolk geriert sich nicht nur als der bessere Bundestrainer, sondern oft auch als Möchtegern-Inquisitor, unangenehmer Ein- und Aufpeitscher.

Ein Phänomen, dass meine Kollegen Frank Bachner, Alexander Fröhlich und Armin Lehmann in den letzten Wochen immer wieder thematisiert haben – im Kleinen. „Hau ihn doch endlich um“, rufen Eltern ihren Fußball spielenden Kindern zu. „Lauf endlich, du Scheißkackmongo“, beschimpfte eine Mutter ihren elfjährigen Sohn. Eltern prügeln sich am Spielfeldrand, Väter setzen ihren Nachwuchs unter Druck, und der Nachwuchs pöbelt auf dem Platz. „Gegnerische“ Eltern rufen einen sich vor Schmerzen windenden Zwölfjährigen zu: „Hab‘ dich nicht so.“ Der Arzt diagnostiziert einen Schlüsselbeinbruch.

Die Weltmeisterschaft wird Kinder begeistern und den Wunsch wecken, Profifußballer zu werden. Sie wird elterlichen Ehrgeiz mehren. „Das Problem mit den Eltern wird immer größer“, sagt Marc Quandt, der Jugendkoordinator vom Lichterfelder Verein Viktoria 1889. „Der Druck, dass das Kind möglichst Profi werden soll, lässt Eltern ausrasten.“ Bei Jugendturnieren „wird gebrüllt, gerufen, kritisiert, als gehe es um Leben und Tod“, schreibt Armin Lehmann in seiner Reportage über den Fußballnachwuchs.

Heute wird die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen – wo Sie in Steglitz-Zehlendorf das Turnier auf der großen Leinwand und in Gesellschaft genießen können, habe ich weiter unten zusammengetragen. Wie wäre das: Fußball ohne Anpfiff? Sondern mit gesundem sportlichen Ehrgeiz – und sowohl Respekt vor den Gegnern als auch vor den eigenen Kindern?

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

Boris Buchholz' Tipp für Sie

Einsam vor dem Flachfernseher zu sitzen und niemanden zu haben, mit dem man die Haare raufen oder vor Freude tanzen könnte, ist Fußball zweiter Wahl. Gemeinsam zu gucken, zu jubeln, zu trauern und fachzusimpeln macht bedeutend mehr Spaß. Hier eine sehr unvollständige Liste von Orten, an denen Spiele der WM gezeigt werden. Kalte Getränke werden (fast) überall serviert, da lockt Leckeres vom Grill, dort eine Torwand – Sie haben die Wahl. Ich wünsche Freude beim Public Fiebering:

Jeden Tag, jedes Spiel:

Wichtige Spiele (auf jeden Fall die der Deutschen Nationalmannschaft):

  • Hörsaal wird WM-Stadion, Freie Universität, Rost- und Silberlaube, Hörsaal 1a, Habelschwerdter Allee 45, www.fu-berlin.de
  • „Maria & Josef“, Hans-Sachs-Straße 5, www.mariaundjosef.com