• Nachbarschaft

    Alexandra Knauer, 52, ist seit 1995 die Chefin der KNAUER Wissenschaftliche Geräte GmbH. Seit 1974 hat der Hersteller von High-Tech-Labormessgeräten in Zehlendorf im Gewerbegebiet Hegauer Weg seinen Sitz, die ganze Familie Knauer wohnt im Bezirk.

    Frau Knauer, herzlichen Glückwunsch: Sie wurden Anfang des Monats mit einem Preis für besonders erfolgreiche Nachfolge in einem Familienbetrieb ausgezeichnet. Was bedeutet der Victress Award für Sie? Er bedeutet für mich hohe Anerkennung und Wertschätzung meiner Arbeit, die auch Weitblick und Mut voraussetzt. Ich freue mich, Vorbild für andere Frauen zu sein und sie zu ermutigen, Führungspositionen anzustreben. Ich selbst konnte es mir früher nicht vorstellen, eine Firma zu leiten und wollte nicht in die Fußstapfen meiner Eltern treten, die kaum freie Zeit für sich hatten.

    Bei Ihnen in der Firma geht die Politik-Prominenz – von Bundespolitikern bis zur Bezirksbürgermeisterin – ein und aus: Werden Ihnen die vielen Auszeichnungen und die öffentliche Aufmerksamkeit auch mal zu viel? Meine Mitarbeiter und ich fühlen uns durch diese Besuche sehr geehrt, und es ist immer interessant, sich mit den Politikern auszutauschen. Ich kann Sorgen und Wünsche des Mittelstandes mit unseren Besuchern diskutieren. Anlässlich unseres 55. Firmenjubiläums bezeichnete Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski unser Familienunternehmen als wahre Perle im Cluster Life Sciences des Berliner Südwestens. Das erfüllt mich mit Freude.

    Was schätzen Sie an Steglitz-Zehlendorf am meisten – privat und als Firmenchefin? Meine Familie, meine Eltern und meine älteste Schwester wohnen sehr gern in unserem grünen Bezirk. Meine Schwestern und ich haben auf dem Schadow-Gymnasium Abitur gemacht. Ich genieße es in circa 15 Minuten, teils durch die Kleingärten, zur Firma zu laufen. Als die schönsten Berliner Firmengärten 2016 prämiert wurden, erhielten wir einen Sonderpreis für herausragende ökologische Vielfalt. Dieser Garten ist für mich und meine 140 Mitarbeiter ein wunderbarer Ort der Entspannung, seit kurzem wohnt dort erstmals ein Bienenvolk. Ich bin ein großer Fan der schönen Seen in Zehlendorf.

    Noch immer ist die Wirtschaftswelt von Männern dominiert. Was raten Sie jungen Frauen, die am Anfang ihrer Ausbildung und Karriere stehen? Wichtig ist es, das Selbstvertrauen junger Frauen zu stärken, sie zu ermutigen und ihnen Möglichkeiten zum Ausprobieren zu bieten wie zum Beispiel durch Praktika, Girls‘ Day und Tage der offenen Tür. Im Berliner Programm „Enter Technik“ können Frauen nach der Schule ein Jahr lang mehrere interessante technische Unternehmen und Arbeitsgebiete kennenlernen.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de

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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

zu Weihnachten haben mir meine Nichten und mein Neffe einen Herzenswunsch erfüllt: Sie schenkten mir den „falschen Kalender“ vom Känguruh-Trilogie-Erfinder Marc-Uwe Kling. Jetzt habe ich für jeden Tag ein Zitat, das fälschlich einer mehr oder weniger unschuldigen Persönlichkeit in den Mund gelegt wurde. Ein Beispiel: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“ – Charles Darwin (12. Februar). Oder: „Ehrlich währt am längsten“ – Uli Hoeness (23. Juli). Gestern bei der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung habe ich also eifrig Zitate gesammelt; die Sätze sind so gefallen, die Urheber habe ich kreativ hinzugedichtet. Hier ist das Best-of meiner „falschen“ Bezirkspolitikerzitate:

„Wir sind alle bei klarem Verstand!“ – Ivanka Trump
„Was bei mir auf dem Tisch steht, ist Wasser, kein Wodka, obwohl es so aussieht“ – Wladimir Putin
„Wir als Politiker sind auch ein Stückchen Vorbild“ – Horst Seehofer
„Ich gehe als gutes Beispiel voran und bin damit beendet“ – Kim Jong-un
„Ich habe auf meinem Zettel stehen, ‚auf Ihre Rede eingehen‘; jetzt haben Sie mir nicht viel geliefert, auf das ich eingehen könnte“ – Gregor Gysi

Natürlich waren weder Gysi noch Trump, weder Seehofer noch Putin oder Kim Jong-un bei der gestrigen BVV anwesend (ich gebe zu, nur eine der Herrschaften zu erblicken, wäre schon eine große Überraschung gewesen). Sehr präsent war im Rathaus Zehlendorf allerdings ein anderer Gast: der Alkohol. Die Linken hatten einen Antrag mit dem schönen Titel „Bezirkspolitik ganz nüchtern betrachtet“ eingebracht, in dem gefordert wurde, den Ausschank alkoholischer Getränke im Foyer des Sitzungssaales erst nach Sitzungsende zu gestatten. Als Hans-Walter Krause (Linke) an das Rednerpult trat, um den Antrag zu begründen, machte es laut „plopp“ – Hans Jörg Henning (Grüne) hatte eine Bierflasche (war es alkoholfrei?) geöffnet, heftiges Gelächter im Saal. Wohl in der Folge dieses quasi-rhetorischen Tricks wurde der Antrag mit den Stimmen von CDU, Grünen, SPD und AfD abgelehnt. Die drei Linken-Bezirksverordneten stimmten dafür, die FDP-Fraktion enthielt sich. Die Zitate oben stammen aus der abendlichen Debatte. Es sprachen: Sabine Gollombeck (AfD), Rolf Breidenbach (FDP), Hans-Walter Krause (Linke), Peer Döhnert (AfD) und Lukas Uhde (Grüne).

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

Boris Buchholz' Tipp für Sie

„Nicht ein Bescheid war richtig, immer Ablehnung und Falschberechnung“, schreibt ein Kunde des Steglitz-Zehlendorfer Jobcenters auf Google. Eine andere: „Regelsätze werden zu wenig berechnet.“ Wieder andere sind zufrieden und loben die Jobcenter-Mitarbeiter. Dass es für die Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) nicht selten schwierig ist, die Bescheide zu verstehen und ihre Rechte durchzusetzen, erleben die Beraterinnen und Berater der Jobcenter-Tour des Berliner Arbeitslosenzentrums (BALZ) jeden Tag. Mit dem Beratungsbus parken die unabhängigen Experten direkt vor den Türen der Jobcenter, das Motto der Aktion lautet „Irren ist amtlich – Beratung kann helfen“. Im Schnitt werden in Steglitz-Zehlendorf an jedem Bus-Tag 33 Beratungs-Gespräche geführt. Wie formuliere ich einen Widerspruch? Welche Rechtsmittel habe ich? Wurde mir das zugebilligt, was mir zusteht? Viel zu oft finden die Fachleute handwerkliche Fehler in den Bescheiden. An den Bus kommen Frauen, Alleinerziehende, Zugezogene, Familien, aber auch Kulturschaffende, freiberufliche Architekten oder Designer; es geht um den Lebensunterhalt, um Wohnraum, um die Ansprüche von Kindern. Frank Steger, er leitet das BALZ, berichtet von guten Erfahrungen mit den Jobcentern: Es gäbe oft einen direkten Austausch mit den Leitungen der Jobcenter, Probleme könne man direkt und problemlos ansprechen (in den ersten Jahren des Projekts sei das anders gewesen). Am Montag und Dienstag, 23. und 24. April, steht der „Irren ist amtlich“-Bus zwischen 8 und 13 Uhr wieder vor dem Jobcenter Steglitz-Zehlendorf in der Birkbuschstraße 10.