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    Nachbarschaft

    Gudrun Doll-Tepper, 70, ist Professorin an der Freien Universität, ihr Forschungsschwerpunkt ist die Integrationspädagogik und Sport von Menschen mit Behinderungen. Die Zehlendorferin forscht nicht nur, sie ist auch eine aktive Sportlerin: von Leichtathletik über Basketball bis zum Skisport. Zu ihrem 70. Geburtstag wünschte sie sich keine Geschenke, sondern Spenden an die Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf.

    Frau Doll-Tepper, die Bürgerstiftung überreicht jetzt uns allen und Ihnen ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: Am 22. September findet ein inklusives Sportfest statt, dass Ihnen gewidmet ist. Was für eine Rolle werden Sie bei dem Fest spielen? Ich freue mich riesig über dieses nachträgliche Geburtstagsgeschenk. In die Planungen war ich natürlich einbezogen, dennoch wird es bestimmt Überraschungsmomente geben. Ich werde mich an diesen Stunden des gemeinsamen Sporttreibens aktiv beteiligen und hoffe, dass viele meine Freude teilen.

    Warum ist es immer noch eine Besonderheit in den Vereinen, wenn behinderte und nicht-behinderte Sportler zusammen aktiv sind? Wir haben in den letzten Jahren viele Beispiele gemeinsamen Sporttreibens von Menschen mit und ohne Behinderung erlebt, die Mut machen. Dennoch gibt es immer noch Barrieren, die Menschen daran hindern, sich sportlich zu betätigen. Manchmal sind es bauliche oder kommunikative Hindernisse, die wir dringend überwinden müssen.

    Was müsste geschehen, damit mehr inklusive Sportangebote entstehen können? Wenn wir klare und nachhaltige Veränderungen für das gemeinsame Sporttreiben aller Menschen herbeiführen wollen, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten, das heißt die Sportverbände und- vereine müssen gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen entsprechende Strategien entwickeln und umsetzen. Auch hier gibt es viele positive Entwicklungen in den letzten Jahren, die zeigen, dass das nicht nur gut funktioniert, sondern dass das zur Lebensfreude und -qualität aller beiträgt.

    Was könnte der Bezirk konkret tun, um mehr Sportangebote für behinderte Menschen zu ermöglichen? Es wäre sicher hilfreich, wenn es noch mehr Informationen über Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote der verschiedenen Anbieter gäbe; dazu trägt die in unserem Bezirk angesiedelte Informationsstelle für den Sport behinderter Menschen schon erheblich bei. Wichtig ist es jedoch auch herauszufinden, für welche Angebote es eine entsprechende Nachfrage gibt. So genannte Schnupperangebote der Sportvereine sind eine gute Möglichkeit, Neues kennen zu lernen und zu erproben. Das inklusive Sportfest am 22. September ist ein solches Angebot!

    Ich möchte mich vorbereiten: Was haben Sie sich dieses Jahr zum Geburtstag gewünscht? Meinen nächsten Geburtstag werde ich bei den „Youth Olympic Games“ in Buenos Aires verbringen. Ich wünsche mir, dass ich viele neue Ideen nach Berlin zurückbringen kann und vielleicht planen wir dann ein weiteres Sportfest. Ich bin gespannt.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de

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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

die Frauenbeauftragte weist auf Baustellen bei der Lohngerechtigkeit hin, die Frauen in der SPD laden zu einer Veranstaltung „100 Jahre Frauenwahlrecht – von Rosa bis heute“ ein; im Radio hörte ich letztens die für mich nachvollziehbare These, dass erst mit dem Frauenwahlrecht auch die Demokratie wirklich beginnen konnte. Und dann las ich nach dem Verzehr der Sonntagsbrötchen im Sportteil meiner Brötchengeber-Zeitung, dass in der Rudervereinigung Wannsee Frauen keine Mitglieder werden dürfen – seit 1880. Und dass rudernde Frauen ziehenden Armes einen eigenen Club gründeten, den Frauen-Ruder-Club Wannsee (können Sie selber lesen, und zwar hier). Kinder, ich habe gestaunt.

Jetzt oute ich mich mal: In einem früheren Lebensabschnitt war ich eine Frau. Ja, Sie lesen richtig. Ich war nämlich eine Weile Mitglied des Segelvereins SG Einheit in Brandenburg/Havel. Mein Freund Rüdiger und ich hatten ein baufälliges Boot gekauft, auf dem Vereinsgelände instandgesetzt und waren aufgrund des hübschen Vereinsgeländes (und des günstigen Liegeplatzes) Mitglieder geworden. Also, Rüdiger war Mitglied. Denn die Vereinssatzung sah nur Mitglieder (Vollzahler) und Ehefrauen (ermäßigt) vor. Da wir sparsam waren (diese Bootssanierung war nervenzerfetzend und teuer genug) und der Verein nur verlangte, dass pro Boot ein Mitglied vorhanden sein musste, wurde ich zur Ehefrau, wahrlich wahr (als dauerhaftes Mitglied der Jugendabteilung wurde ich nicht in Erwägung gezogen; mich als satzungsmäßige Ehefrau durchzusetzen, war schon schwierig genug). Bei jeder Vereinsverschönerungs-Aktion hieß es: „Männer, an die Boote / den Fahnenmast / die Arbeit.“ Gleichzeitig wurden die (Ehe-)Frauen zwecks Versorgung der männlichen Mitglieder an die Brötchen und Marmeladengläser gerufen. Ich merkte ziemlich schnell, Ehefrau, das ist nichts für mich (ich bin kein Marmeladen-Fan). Ähnlich wie Barbra Streisand in „Yentl“ schlich ich mich zu den Kerlen – das war zwar anstrengender, aber ich konnte mit Rüdiger quatschen (aber Ehefrau bin ich, zumindest solange wir dort einen Liegeplatz hatten, geblieben).

Einhundert Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts sollten wir als Gesellschaft und selbst bei den Sportvereinen wieder einmal mutig werden und den nächsten Schritt gehen: Frauen und Männer an die Marmeladengläser, Männer und Frauen an die Riemen. Rudervereine nur für Männer? Ein Achter-Anachronismus.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

Boris Buchholz' Tipp für Sie

Ich habe noch nie einen vietnamesischen Kinderdrachentanz erlebt, war von meiner bisher einzigen Capoeira-Erfahrung (als Zuschauer, Sie kennen mich doch) schwer begeistert und denke, wenn ich von einer syrischen Band höre, leider sofort an die Bomben, die gerade auf die Menschen in der Provinz Idlib fallen. Am Freitag, 14. September, dürfen Sie sich zwar ernste Gedanken machen (nur, wenn Sie wollen), mein Tipp jedoch ist, dass Sie feiern! Auf dem Hermann-Ehlers-Platz steigt eine interkulturelle Party. Das Bezirksamt hat zum siebenten Mal ein Bürgerfest unter dem Motto „Miteinander in Vielfalt“ organisiert. Neben dem Kinderdrachentanz, der brasilianischen Kampf-Rhythmik und den Stücken der Band Dabktna erwarten Sie Flamenco, ein griechischer und ein polnischer Chor, Hip Hop, modern interpretierte traditionelle türkische Musik und junge russische Tänzerinnen (und vielleicht auch Tänzer). „Das Interkulturelle Fest bietet der Vielfalt der Kulturen in unserem Bezirk eine Bühne“, sagt die Festherrin, Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowksi.

Kulinarische Rafinessen dürfen Sie aus dem Orient, Lateinamerika, Asien und Afrika erwarten – und auf einem „Markt der Möglichkeiten“ werden Ihnen als Aperitif oder Digestif (oder als intellektuelle Zwischenmahlzeit) vielfältige Informationen und Gespräche angeboten. Ich glaube, es wird einfach Spaß machen, sich ein wenig interkulturell treiben zu lassen. Los geht das Fest um 15 Uhr, um 19 Uhr ist es zu Ende.