• MichaelKoegel

    Nachbarschaft

    Lichterfelde-Ost ist die Heimat von Michael Kögel, Jahrgang 1952. Hauptberuflich leitet er das Evangelische Zentrum für Altersmedizin in Potsdam; ehrenamtlich engagiert er sich seit vielen Jahren in verschiedenen Organisationen, zum Beispiel bei der Evangelischen Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte und in der Stiftung „Hilfe für Opfer der NS-Willkürherrschaft“. Am Montag, 12. November, wurde ihm für sein ehrenamtliches Engagement das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

    Herr Kögel, über welche Worte des Europa-Staatssekretärs Garry Woop, er hat Ihnen das Verdienstkreuz übereicht, haben Sie sich am meisten gefreut? Er sagte wörtlich: „Für sein außerordentlich ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den hilfsbedürftigen Menschen, verbunden mit seinem vorbildlichen sozialen Verhalten, seinem Engagement und der uneigennützigen Erfüllung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, verdient Herr Kögel eine besondere Anerkennung.“ Dieses hat mir die größte Freude gemacht.

    Sie haben in Bezug auf den erstarkenden Nationalismus einmal gesagt: „Wir sitzen auf einem Ast, der dünner ist, als man sich das vor ein paar Jahren noch vorstellen konnte.“ Was meinen Sie damit? Dass wir in Europa wieder einen Nationalismus erleben, wäre für mich vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen. In einem geeinten Europa darf es keinen Nationalismus geben. Sicherlich, jeder Mensch hat das Recht, auf seine Heimat stolz zu sein. Das ist auch gut so. Aber, man muss eben auch die Nachbarstaaten sehen. Gerade die Jugend ist weltoffen. Man sieht, dass die Menschen in anderen Staaten die gleichen Wünsche und Ziele haben. Die „normale“ Bevölkerung will glücklich und zufrieden leben. Kein Mensch will Krieg. Die Gefahr ist aber heute groß, dass mit dem Nationalismus beginnend, die Schraube der Gewalt größer wird und wir ungewollt in eine Katastrophe hineinschlittern. Das wünsche ich weder mir, noch meinen Kindern, noch meinen Enkelkindern.

    Die überlebenden Opfer des Nationalsozialismus’ werden immer weniger. Läuft die Arbeit zum Beispiel der Stiftung „Hilfe für Opfer der NS-Willkürherrschaft“ damit langsam aus? Das ist richtig, die Überlebenden werden immer weniger. Aber auch die Kindergeneration ist betroffen. Forschungen zeigen, dass Kinder von traumatisierten Eltern selbst traumatisiert sein können. Hier müssen wir Hilfen anbieten. Außerdem haben wir folgendes in unserer Satzung stehen: „Soweit die Stiftung über ausreichende Mittel verfügt, ist es ihr auch gestattet, das Schicksal der ehemals Rasseverfolgten während der Verfolgungsjahre für sich und andere im Gedächtnis zu bewahren und zur Erziehung zu Toleranz und Menschlichkeit beizutragen.“

    Wer ist für Sie ein Vorbild? Leider gibt es immer weniger Persönlichkeiten, die Vorbilder sind. Für mich eindeutig Helmut Schmidt, er war ein integerer Politiker. Und natürlich Menschen wie Mahatma Gandhi, die mit friedlichen Mitteln für Ihre Überzeugung stehen.

    Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei Wünsche frei: einen für Lichterfelde-Ost, einen für Steglitz-Zehlendorf und einen für Potsdam. Welche wären das? Für Lichterfelde-Ost, dass der Kranoldplatz als Marktplatz erhalten bleibt. Hier ist an dem Markttagen ein buntes Leben, dass dem manchmal etwas verträumten Lichterfelde gut tut. Vielleicht sollte er aber städtebaulich etwas schöner werden. Für Steglitz-Zehlendorf, dass die Bewohner dankbar sind, dass sie in dem für mich schönsten Bezirk Berlins wohnen dürfen. Für Potsdam: Weniger Autoverkehr und bezahlbaren Wohnraum in der begehrtesten Landeshauptstadt Deutschlands.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de

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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

was war am Dienstag – Sie erinnern sich bestimmt, da regnete es zur willkommenen Abwechslung den ganzen Tag – nur los? Beim Bäcker habe ich ein Stück Kuchen zusätzlich bekommen, und zwar gratis (zugegeben, es war ein Stück vom Rand). Der Triebwagenführer der S-Bahn grüßte, eine Seniorin hielt mir die Tür auf, ein Kind lud mich wohlwollend dazu ein, auch in die Pfütze zu springen. Jemand Wildfremdes sagte „hallo“ (na gut, bei meinem Personengedächtnis hätte es auch eine Nachbarin oder eine Schulkameradin sein können) und ich meine, dass mir jemand auf der Straße hinterhergepfiffen hätte. Erst als ich im Internet recherchierte, kam mir die Erleuchtung: Am Dienstag war der Weltnettigkeitstag! Wie jeden 13. November.

Begründet wurde er 1998 in Japan. „Das Ziel des World Kindness Day ist es, Menschen zu größerer Nettigkeit anzuregen und Nationen zu verbinden, um eine nettere Welt zu schaffen“, so heißt es auf der englischsprachigen Website theworldkindnessmovement.org. Passt zu Japan, dachte ich. Und zu Steglitz-Zehlendorf auch.

Am Abend fuhr ich zur Bürgerversammlung der Bürgerinitiative Zehlendorf ins Rathaus in die Kirchstraße (welche neuen Fragen während des Abends rund um den Umbau des S-Bahnhofs Zehlendorf aufgetaucht sind, können Sie weiter unten lesen). Als die S-Bahn einfuhr, klebte ein junger Mann einen Aufkleber mit Tags von außen an den Zug. „Ist das eine kluge Idee“, fragte ich ihn. Er machte einen Schritt auf mich zu, baute sich auf und sagte: „Lass du dir erstmal die Haare schneiden.“ Er war nicht nur jung, er war auch sehr breitschultrig und deutlich größer als ich. Als der Zug aus dem Bahnhof rollte, knallte es am Fenster: Der Mann war nicht eingestiegen, sondern hatte noch einen Aufkleber auf das Fenster geklebt, besser: angeschlagen, eben ein An-Schlag. Ob er Englisch konnte, weiß ich nicht. Aber wie ein Japaner sah er – leider – eindeutig nicht aus.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

Boris Buchholz' Tipp für Sie

Wer sind die besten Nachwuchs-Musikerinnen und -Musiker der Leo-Borchard-Musikschule? 57 Schüler der Instrumentengruppen Blasinstrumente, Klavier, Streichinstrumente und Harfe haben sich beworben. Am 11. und 12. November  mussten sie in Wertungsspielen die Jurorinnen und Juroren überzeugen – dann wurde entschieden. Ich habe heute keinen Notenschlüssel für Dich: Wer wurde ausgewählt, wer sind die Leo-Borchard-Künstler 2018? Was werden sie spielen? Wie werden sie sich präsentieren? Wenn Sie Lust haben, große und kleine Kunst, ein abwechslungsreiches Programm, Nervenkitzel, Laien auf der Bühne, Aufgeregtheit und Musiker aller Altersgruppen zu erleben, dann seien Sie am Sonntag, 25. November, um 11 Uhr beim Preisträgerkonzert im alten BVV-Saal im Rathaus Steglitz (Schloßstraße 37, 3. Stock, der Zugang ist barrierefrei möglich). Der Eintritt ist frei. Mit Applaus dürfen Sie aber nicht sparen – den haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon jetzt verdient.