• maya

    Nachbarschaft

    Sie ist eine von zwei Schülerinnen aus unserem Bezirk, die am Schreibwettbewerb „Eine Welt für dich und mich“ des Auswärtigen Amts teilgenommen haben: Maya Heydthausen ist 14 Jahre alt, wohnt in Zehlendorf, spielt Querflöte und schreibt gerne Gedichte und Geschichten.

    Maya, was hat Dich zu Deinem Text „Zusammen“ inspiriert? Hauptsächlich waren es meine Gedanken und Wünsche, die mich inspiriert haben. Ich glaube, die Welt kann nur dann funktionieren, wenn wir alle zusammenarbeiten und niemanden ausschließen.

    Ich vermute, dass Menschen, die gerne schreiben, auch gerne lesen: Was ist Dein Buchtipp? Da ich ein Fan von John Green bin, ist mein Buchtipp „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“. Das ist ein wirklich tolles Buch.

    Vorhang auf, lesen Sie selber – hier ist Mayas Text:

    Zusammen

    Du sprichst oft von einer neuen Welt. Von einer Welt für dich und mich. Aber was ist das eigentlich? Wie soll diese Welt aussehen?

    Du sagst, wir sollen stark bleiben. Ja, du hast recht. Wir sollten stark bleiben, egal, wie dunkel es gerade auch sein mag. Wir müssen stark sein, um unsere Welt bewahren zu können. Du sagst, wir sollen helfen. Den Menschen, denen es nicht gut geht, denn davon gibt es viel zu viele. Du sagst, wir sollen ehrlich sein und unsere Meinung sagen, denn das ist wichtig. Wichtig, um etwas bewirken zu können. Und du sagst, wir sollen vertrauen. Aufeinander, auf unsere Gefühle und auf unseren Verstand, der uns ans Ziel bringt.

    Ich nicke, stimme dir zu. Doch du hast etwas vergessen.
    Wir dürfen nicht aufgeben, denn das Scheitern lässt uns untergehen. Wir müssen gerecht und freundlich sein, um gegen den Krieg anzukommen. Und wir dürfen unser Lächeln nicht verlieren. Unser Lächeln, das die Nacht vertreibt und die Welt vom Dunkel befreit.

    Unser Lächeln, das uns stark macht und Mut verleiht.

    Du nickst, lachst und nimmst meine Hand.
    „Na los! Was willst du noch rumsitzen, wenn wir so viel bewirken können?“, rufst du.
    Ich gehe mit, lasse mich von dir mitziehen. Denn du warst schon immer derjenige, der bereit war, etwas zu tun. Und ich komme mit dir. Mit dem Wunsch, etwas zu verändern, und mit der Hoffnung, dass wir es schaffen können.

    Zusammen!

    (Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags, Berlin. Alle beim Wettbewerb eingesandten Beiträge sind als E-Book erschienen; Sie können es hier kostenlos herunterladen.)

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de

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bis
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von Boris Buchholz Tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

weil die Zehlendorfer Fahrradampel rot war, nutzte ich meine Chance und rollte auf dem menschenleeren Fußgänger-Überweg (dort war grün) weiter. Zumindest bis zur Mittelinsel – dann fuhr mich ein unbeleuchteter Rad-Kollege fast über den Haufen. Zum Stehen gebracht, schaute ich mich im Dunkel des frühen Abends um: Ein weiterer Radfahrer raste ebenfalls ohne Licht über die große Kreuzung. Eine andere Velocipedistin hatte Licht; und zwar ein sehr helles weißes am Hinterrad (mein Licht dahinten ist rot). Ich dachte, sie käme auf mich zu (also blieb ich stehen), aber sie radelte davon. Neun Uhr abends, Teltower Damm Ecke Clayallee Ecke Berliner Straße. Hotspot der Unradmäßgkeiten.

In der Schützenstraße holte mich an einem anderen Tag eine Vierer-Gruppe älterer Bürgerinnen und Bürger aus den Pedalen. Dort wird zur Zeit gebaut, der Fahrdamm ist gesperrt. Für mich sah der Gehweg verlassen aus, doch im Knick standen die Vier von der Baustelle. Sie würden sich unsicher fühlen, die Radfahrer hätten auf dem Gehweg nichts zu suchen. Ich solle doch schieben. Wir haben uns nett unterhalten und ich musste ihnen immer wieder recht geben. Freundlich lächelnd schieden wir voneinander. Und ich wechselte so schnell es ging wieder auf die Straße.

Und doch: Auch in Zukunft werde ich hier und da den Gehweg radelnd nutzen (auf dem von Bäumen gelochten Radweg vor dem Botanischen Garten ist das eine Überlebensnotwendigkeit). Manchmal geht es nicht anders. Allerdings ist mir klar, dass ich Gast im Fußgängerbereich bin. Und mich so verhalten muss. Das scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein. Meine Kollegin Elisabeth Binder schreibt: „Was mich zunehmend ärgert, ist die Selbstherrlichkeit mancher Radfahrer.“ Für „ein bisschen mehr Gelassenheit, mehr Zugeständniss an uns alle“ plädiert Redakteurin Angie Pohlers. Wir Tagesspiegel-Autorinnen und -Autoren sind ein diskutierfreudiger Haufen – und Fußgänger, Radfahrer, Bahnbenutzer und Autobesitzer sind wir auch. Informationen und Debattenbeiträge zum Radfahren auf dem Gehweg hat mein Kollege Stefan Jacobs online auf tagessspiegel.de zusammengetragen. Und der Kollege Robert Klages, der unseren Lichtenberg-Newsletter schreibt, hat auch nochmal aufgeschrieben, warum er manchmal auf dem Gehweg radelt.

Als ich letztens an einer Bushaltestelle anhielt, ob der vielen Aus- und Einsteiger anhalten musste, zeigte mir ein älterer Herr lächelnd einen Daumen nach oben. Ich denke, er wird schon Unangenehmes mit Radfahrern erlebt haben – sonst müsste eine Selbstverständlichkeit nicht extra belobigt werden.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

Boris Buchholz' Tipp für Sie

Letzte Woche flatterte ein Briefumschlag auf meinen Tisch, ein dünnes Buch war darin, ich begann zu lesen – und dann ging ich spazieren. Mit dem Buch in der Hand startete ich in der Brentanostraße am Breitenbachplatz (ich lernte, dass die Straße früher Kleiststraße hieß), ich folgte der Forst- und bog in die Paulsenstraße ein. Sogar Mao Zedong habe sich einige der Thesen des Pädagogen Friedrich Paulsen angeeignet, lese ich – und in den 1950er Jahren hätten sich in der Paulsenstraße die Kinder zum Rollschuhlaufen getroffen: Die Straße sei die einzige im Viertel gewesen, die asphaltiert war. Laufen und lesen ist nicht leicht, mit gesenktem Kopf stolperte ich auf die Gritznerstraße, erfahre, dass von Adolf Maximilian Gritzner das alte Steglitzer Bezirks-Wappen erschaffen wurde.

Flemmingstraße, Heimstättenweg, „Wohnanlage Steglitz II“, Rückertstraße, Haderslebener Straße später lasse ich mich auf dem Gustav-Mahler-Platz – eigentlich ist es ein Park mit Teich – auf eine Bank plumpsen und lese, dass der Platz zu Kaiserszeiten schlicht „Platz R“ hieß. Meine Herren, ich habe von Andreas Jüttemann, er ist der Autor des Spazierwegführers, einiges gelernt. An diesem Vormittag habe ich nicht viele Seiten studiert und nur wenige hundert Meter hinter mich gebracht. Aber ich staunte: In dem 96-seitigen kleinen Buch werden zwei jeweils circa elf Kilometer lange Wanderungen durch den Bezirk beschrieben – eine Menge Geschichte, viele Informationen, und gut zu lesen ist es auch. Einzig die laufunfreundliche Gestaltung stört mich, jeder Quadratzentimeter ist eng bedruckt. Das erleichtert es nicht, beim Spazieren stolperfrei auf dem Laufenden zu bleiben.

Das Buch „Steglitz & Lichterfelde-West. Spaziergänge und Entdeckungen zwischen Friedenau und Dahlem“ stammt aus dem Verlag Pharus-Plan, 9,80 Euro kostet es.