• Dahlem_20180629_0243

    Nachbarschaft

    Die Initiative „GiG. Getragen in Gemeinschaft“ aus Zehlendorf ist für den Deutschen Nachbarschaftspreis 2018 nominiert und stellt sich hier vor:

    Der Untertitel „Hochbetagt am Rande der Stadt“ macht deutlich, worum es geht: Hochbetagten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und vor allem einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft zu unterstützen: Da, wo wir die Nöte alter Menschen wahrnehmen, können wir mit kleinen Hilfen einen Verbleib zu Hause unterstützen. Wir arbeiten viel mit Schulen zusammen und versuchen in AGs, den Schülern schon ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse hochaltriger Menschen zu vermitteln. GiG hat mit einer Fahrradrikscha unter Beteiligung der AG des Dreilinden-Gymnasiums die Dahlem-Route mit eröffnet (siehe Foto). Die Aktivitäten von GiG können Sie nachverfolgen auf unserer Web-Seite gig-hochbetagt.de.

    Für den Deutschen Nachbarschaftspreis der Stiftung nebenan.de ist GiG nun nominiert worden! Dabei gibt es auch einen Publikumspreis. Das Projekt mit der höchsten Zustimmung im Internet bekommt 5000 Euro. Hier können Sie abstimmen: nachbarschaftspreis.de/de/publikumspreis

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-b.buchholz@tagesspiegel.de

von
bis
Bitte geben Sie hier den Suchbegriff ein!
von Markus Hesselmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Steglitz-Zehlendorf,

noch einmal Radwege? Das habe ich mich gefragt, als ich mir überlegte, über welches Thema ich als Intro für diesen Newsletter schreibe. Überzeugt haben mich dann Ihre spannenden Reaktionen auf den letzten Newsletter und unsere Leute-Doppelseite Steglitz-Zehlendorf, die vergangene Woche zum Thema im Tagesspiegel erschien. Die Mail einer Leserin mit konkreter Kritik und interessanten Anregungen auch für Verkehrsplaner finden Sie unter „Namen & Neues“ etwas weiter unten im Newsletter.

Ich habe da nämlich auch noch eine Lieblingsstrecke: Die verläuft vom Anhalter Bahnhof in Kreuzberg, also meinem Arbeitsplatz im Tagesspiegel-Verlag am Askanischen Platz, durch den Gleisdreieck- und Flaschenhalspark, an der Trasse der S2 entlang, durch den Hans-Baluschek-Park, die Sembritzkistraße, Liebenowzeile, Brandenburgische und Borstellstraße sowie dann am Teltowkanal entlang. Zu umfahrende Hindernisse gibt’s an den Yorckbrücken, am S-Bahnhof Südkreuz, am S-Bahnhof Priesterweg und immer wieder am Teltowkanal.

Wer zum Beispiel am Priesterweg an der Grenze zu Steglitz pausiert und im Biergarten „Süden“ sitzt, bekommt sehr plakativ mit, was das Problem ist: Radfahrer und Fußgänger im Verdrängungswettbewerb auf schmaler Rampe und schmalem, geschwungenem Trottoir, da auf dem Kopfsteinpflaster der dortigen Straße niemand Rad fahren will. Hier ein paar Fotos, die ich dort gemacht habe. Und hier ein dort aufgeschnappter Dialog: „Können Sie vielleicht ein kleines Stück zur Seite gehen?“ (Radfahrer) – „Nein, das ist ein Gehweg“ (Fußgänger) – „Danke für die Belehrung“ (Radfahrer).

Bauliche Veränderungen wären hier dringend notwendig – und kündigen sich tatsächlich an. Ralf Kühne, Bezirksverordneter für die Grünen im Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg (der Bahnhof liegt noch auf Schöneberger Gebiet), verweist mich auf einen in der BVV beschlossenen Antrag, den Sie hier lesen können. Darin wird die Verkehrsverwaltung zur „Realisierung der geradlinigen Verbindung für den Radverkehr entlang der ursprünglichen Trasse des Priesterweges vom Südeingang Hans-Baluschek-Park bis zur Sembritzkistraße“ aufgefordert. Der Lückenschluss nach Steglitz an dieser Trasse, übrigens Teil des Fernradwegs Berlin – Leipzig, wäre endlich geschafft.

Aber wann soll das passieren?  Die Verkehrsverwaltung ist am Zug, bei der man derzeit den Eindruck hat, dass sie vor lauter Verkehrswende-Theorien nicht zur praktischen Umsetzung kommt. Erich Kästner fällt einem ein: Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat. Doch siehe, auf der Website der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz steht es geschrieben (Dank noch mal an Ralf Kühne für den Hinweis): Unter dem Punkt „Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet“ ist die „Teltowkanal-Route“ von Schöneberg über Steglitz nach Zehlendorf und Teltow mit Priorität aufgelistet. Demnach laufen für Umbau-Arbeiten bereits Ausschreibungen und der Zuschlag soll noch diesen Sommer erfolgen. „Die Arbeiten werden dann durch den Auftragnehmer unverzüglich aufgenommen“, heißt es wörtlich. „Unverzüglich“, welch historisches Wort. Wir bleiben dran und werden nach den Ferien weiter berichten.

Die Planung einer großen Verkehrswende ist ja richtig (was der Senat so alles vorhat, steht hier). Und zwar aus meiner Sicht vor allem aus Gründen der Fairness. Warum zum heiligen Christophorus soll die ganze Stadt weiterhin derart aufs Auto ausgelegt sein wie derzeit? Stellplätze, Straßeninstandhaltung, Ampelschaltungen – so vieles orientiert sich zuallererst am Auto. Und warum akzeptieren wir, dass schwächere Verkehrsteilnehmer, nämlich die ohne Knautschzone, stärker gefährdet sind auf unseren Straßen? Zeichnet sich unsere Zivilisation nicht gerade dadurch aus, dass das Recht des Stärkeren bei uns eben nicht gilt? Dabei geht es auch um Radfahrer vs. Fußgänger. So wurde ich in der Facebook-Gruppe Steglitz-Zehlendorf auf rücksichtlos rasende Radler auf der „Radfahrerautobahn“ Sembritzkistraße hingewiesen. Auf den täglichen Verdrängungswettbewerb auf Gehwegen bin ich oben schon eingegangen. Dass Fußgänger „den ganz große Auftritt“ verdienen, hat meine Kollegin Susanne Kippenberger erst kürzlich geschrieben. Und dass es gar nicht geht, wenn zum Beispiel abgestellte Räder den Fußweg blockieren, haben wir hier in unserer Bildergalerie „Wie Fußgänger Berlin erleben“ dokumentiert: tagesspiegel.de

Verkehrspolitik sollte vom schwächsten Teilnehmer her gedacht werden mit dem Ziel einer fairen Mobilität für alle. Dies ist ein großes Ziel und daran sollte strategisch gearbeitet werden. Gleichzeitig aber sind kleine, vorzeigbare Erfolge wichtig, um Akzeptanz für dieses strategische Ziel zu schaffen. Lückenschlüsse auf bereits leidlich ausgebauten Radrouten wären ein Beispiel für solche vorzeigbaren Erfolge. Also bitte ran, liebe Verkehrsplaner und -politiker! Machen und drüber reden.

Was in Steglitz-Zehlendorf und anderen Berliner Bezirken derzeit an Radwegen geplant ist, können Sie übrigens unserer interaktiven Grafik entnehmen, die wir fortlaufend aktualisieren und bei der wir uns über Ihre Hinweise freuen: digitalpresent.tagesspiegel.de

Markus Hesselmann lebt seit 1988 in Berlin und arbeitet seit 24 Jahren für den Tagesspiegel, unter anderem als Ressortleiter Berlin, als Korrespondent in London und als Chefredakteur Online. Anfang 2017 übernahm er die Leitung der Leute-Redaktion. Deren Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de

Christoph Stollowskys Tipp für Sie

Mal wie Huckleberry Finn auf einem Floß über die Havel schippern? Und dann irgendwo in einer ruhigen Bucht ankern, von Bord ins Wasser springen oder sogar mit Anlauf vom Dach der hölzernen Floßhütte! Herrlich, dieses vergnügliche Abenteuer. Und das Beste: Man kann eine solche Floßtour problemlos buchen. Ein Bootsführerschein ist nicht erforderlich. Man muss kein gewiefter Seemann sein. Ein  leicht zu bedienender und lenkbarer Außenborder treibt das Floss gemächlich an. Los geht’s um 10 Uhr an der Schiffbauergasse in Potsdam, und zwar am Ufer vor dem Hans-Otto-Theater. Dort liegt die Huckleberry-Floßstation. Ein freundlicher Mitarbeiter erklärt kurz alles, was man als Floß-Käpt’n wissen sollte. Motor anwerfen, Leinen los, ahoi!

Aber wohin? Steuern wir erstmal Richtung Wannsee. Unter der Glienicker Brücke hindurch mit Panoramablick aufs Schloss Babelsberg, Schloss Glienicke, die Sacrower Heilandskirche, Moorlake und die Pfaueninsel. Preußens Arkadien vom Wasser aus – was für eine märchenhafte kleine Flussreise. Wer allerdings lieber über große Seen schippert, der sollte sich für die Tour havelabwärts entscheiden. Also: Go West. Erst mitten durch Potsdam, dann über den Templiner See und durchs Caputher Gemünd zum Schwielowsee. Hier war einst Albert Einsteins „kleines Segel-Paradies“, wie er mal sagte. Nun aber rasch einen Ankerplatz suchen und das Picknick auspacken, zum Beispiel vorm Seebad Caputh, berühmt für seinen Karibik-Flair. Oder mit Blick auf Schloss Petzow? Und am späten Nachmittag geht’s zurück zur Floßstation. Langsam zum Steg tuckern, Klampe belegen, Motor aus.

Floß für acht Personen, Tagescharter ca. 130 €, huckleberrys-tour.de, Tel.: 0331-960010. Christoph Stollowsky ist Berlin-Redakteur beim Tagesspiegel und lebt in Lichterfelde.