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    Nachbarschaft

    Der „Tag des guten Lebens“ nimmt Fahrt auf. Bereits im vergangenen Jahr hatte ich Ihnen hier im Newsletter den Sozialwissenschaftler Davide Brocchi und sein Konzept vom „Tag des guten Lebensvorgestellt. Um die Erinnerungen noch einmal kurz aufzufrischen: Am Tag des guten Lebens sollen die Anwohner*innen ihren Kiez selbst gestalten dürfen. Vier einfache Grundregeln stecken dafür den Rahmen. Es darf nichts gekauft oder verkauft werden, sondern nur geteilt und geschenkt. Die Autos bleiben stehen bzw. werden umgeparkt, damit echte Freiräume entstehen können. Das Tagesprogramm wird gemeinschaftlich und demokratisch unter den Nachbar*innen abgestimmt und die Umsetzung erfolgt in geteilter Selbstverantwortung.

    In drei Kiezen soll der Tag im Jahr 2020 stattfinden. Mit dabei ist neben dem Körnerkiez in Neukölln und dem Brüsseler Kiez in Wedding auch der Kaskelkiez in Lichtenberg. Am 27. Februar hat sich im Haus der Demokratie das Bündnis „Gutes Leben Berlin – Bündnis der Kieze“ gegründet. An dem Treffen nahmen Bürger*innen und Vertreter*innen verschiedenster Initiativen und Organisationen aus ganz Berlin teil. Trägerverein des neuen Bündnisses ist der Verein Berlin 21 e. V..

    Der ursprüngliche Termin für den Tag wurde verschoben. Weil im Mai 2020 der Ramadan stattfindet, hat man sich auf einen neuen Termin am 7. Juni 2020 geeinigt. Im Kaskelkiez läuft die Arbeit am Tag des guten Lebens inzwischen zum großen Teil in Themen- und Arbeitsgruppen, zum Beispiel zu Mobilität, Ernährung oder Kultur. Die besonders aktive Mobilitätsgruppe hat bereits Verkehrspläne für den Tag ausgearbeitet. Im Moment gibt es außerdem Gespräche in allen Kiezen über eine mögliche Teilnahme am Park(ing) Day im September 2019.

    Auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde das Thema zur Kenntnis genommen. In einer Vorlage zur Kenntnisnahme heißt es: „Das Bezirksamt Lichtenberg unterstützt die Idee des ‚Tag des guten Lebens‘ und dessen erstmalige Umsetzung in drei Berliner Bezirken, darunter auch Lichtenberg.“ Es würden außerdem Gespräche und Bemühungen hinsichtlich einer zentralen Finanzierung laufen. Wenn Sie sich einbringen möchten oder einfach nur Interesse haben, mal bei einem Treffen dabei zu sein, können Sie sich per E-Mail an guteslebenberlin@posteo.de oder stockmar@berlin21.net wenden.

    Foto:  Jörn Hasselmann

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de

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Paul Lufter von Paul Lufter tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Lichtenberg,

am kommenden Sonntag ist Europawahl. Während wir noch warten, haben Kinder und Jugendliche bereits bei der U18-Wahl abgestimmt. In 240 Wahllokalen in Berlin konnten neun Tage vor der echten Europawahl die Stimmen abgegeben werden. Inzwischen liegt eine stabile Hochrechnung vor, nach der in Lichtenberg die Grünen klar mit 21,88 Prozent die meisten Stimmen bekamen. Dahinter befinden sich mit 15,54 Prozent die Linke, gefolgt von der SPD mit 13,24 Prozent. Die AfD liegt mit 6,59 Prozent weit zurück und sogar noch hinter der Partei die Partei (6,96) und der Tierschutzpartei (7,15).

Das Ergebnis in Lichtenberg ist durchaus repräsentativ für den Rest der Stadt. Insgesamt kommen die Grünen bei der U18-Wahl in Berlin auf 30,9 Prozent. Mit großem Abstand folgen die SPD (16,9), Linke (11,8) und CDU (9,5). Die AfD liegt bei fünf Prozent auf dem Niveau von Tierschutzpartei und der Satire-„Partei“. Leider zeigt die Statistik nicht die Zahl der Wähler*in und Lokale im Bezirk an. Bundesweit waren wohl mehr als 1000 Wahllokale für die U18-Wahl geöffnet. Auch bundesweit liegen die Grünen übrigens mit 28,8 Prozent an der Spitze, gefolgt von der SPD (15) und CDU (12,7). Die AfD schneidet bei den Jüngeren mit bundesweit 6,8 Prozent schlecht ab. Ein bisschen mehr EU gibt es später noch in den Kurzmeldungen weiter unten im Newsletter.

Es sind die grünen Themen, die uns auch derzeit im Bezirk beschäftigen. Vom Band-Eichhörnchen der Gruppe Kafvka, das dringend noch einen Namen braucht (Vorschläge hier abgeben) bis zum Müll auf den Straßen. Letzte Woche schrieb der Kollege Robert Klages über die Petition für ein Pfandsystem auf Zigaretten, um der abgerauchten Stummeln auf den Gehwegen Herr zu werden. Dazu erreichte uns eine E-Mail einer Leserin, die versucht das Problem am südlichen Stadtrand mit persönlichem Einsatz einzudämmen. Teilweise seien die Müllberge jedoch überwältigend. „Hin und wieder wird es zu viel, um es wegzutragen, dann lege ich auch mal Sachen ab und hole sie später“, schreibt die Rentnerin und Naturliebhaberin. Zigarettenkippen seien wenigstens nicht so schwer, aber man müsse sich ständig bücken. Sie bekäme ab und zu Unterstützung, aber oft sei sie alleine unterwegs. „Bei 20 Cent Pfand hätte ich sicher eine ordentliche Summe beisammen.“

Müll war auch ein Thema in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Dort hatten sich die Grünen danach erkundigt, wie viel Plastikmüll in den Bürogebäuden des Bezirksamtes anfällt. Die Antwort finden Sie unter „Namen & Neues“ weiter unten im Newsletter. Außerdem wurde über den „Tag des guten Lebens“ gesprochen. Auch in Lichtenberg soll dieser im Jahr 2020 stattfinden und bisher geht es gut voran. Die neuesten Entwicklungen habe ich Ihnen unter Nachbarschaft zusammengefasst.

Und damit wären wir beim Verkehr, ein wichtiges Thema der Grünen im Wahlkampf, eines der Themen des „Tags des guten Lebens“ und leider auch ein Thema, das in der vergangenen Woche die Polizeimeldungen des Bezirks dominierte. Vier Unfälle mit teils schwer verletzten Personen gab es in der vergangenen Woche in Lichtenberg. In der Nacht auf den Donnerstag wurde ein 29-jähriger Mann auf der Möllendorffstraße von einem Lkw angefahren. Der angetrunkene Mann hatte von links die Fahrbahn betreten und war von dem Lastwagen erfasst worden. Er kam mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus (berlin.de). Am gleichen Tag stieß in Alt-Hohenschönhausen ein Lkw mit einer Tram zusammen. Der Lkw-Fahrer hatte die herannahende Tram anscheinend übersehen. Die Notbremsung des Tram-Fahrers konnte den Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Ein 28-jähriger Fahrgast der Tram musste zur stationären Behandlung ins Krankenhaus. Eine Frau musste ambulant wegen Schmerzen im Rumpf behandelt werden (berlin.de).

Am Freitagnachmittag wurde eine Radfahrerin von einem Transporter erfasst. Die 39-Jährige erlitt hierbei schwere Verletzungen. Nach derzeitigen Erkenntnissen hatte der Fahrer des Kleintransporters die auf dem Radweg fahrende Frau gerammt, als er von der Köpenicker Chaussee nach rechts auf seine Grundstückseinfahrt fuhr. Das Opfer zog sich schwere Verletzungen an Kopf, Armen und Rumpf zu (berlin.de).

Ein weiterer Mensch wurde am Freitagabend bei einem Unfall schwer verletzt. Ein Bus der BVG, der von der Frankfurter Allee nach links in die Atzpodienstraße einbog, erfasste einen 29-Jährigen. Der Mann soll bei roter Fußgängerampel die Straße betreten haben. Der Busfahrer konnte einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Einer Zeugin zufolge soll der 29-Jährige schwankend auf die Fahrbahn gelaufen sein. Eine Atemalkoholmessung war durch die vorrangige ärztliche Behandlung nicht möglich. Der Mann klagte über Kopf- und Rumpfschmerzen und wurde zur stationären Behandlung in eine Klinik gebracht (berlin.de).

Es muss sich etwas tun im Straßenverkehr. Wir brauchen mehr Sicherheit, mehr Rücksichtnahme und neue Konzepte. Jede*r Verkehrstote ist eine*r zu viel. Statistisch gesehen verändert jeder Unfall mit Todesfolge das Leben von 113 Menschen, wie mein Kollege Sebastian Leber im vergangenen Jahr in einem eindrücklichen Artikel schrieb (tagesspiegel.de). Die gute Nachricht an dieser Stelle: Auch wenn die Themen Müll und Verkehr in der Politik noch ihre Zeit brauchen, im Privaten kann jede*r von uns schon heute einen Beitrag leisten.

Paul Lufter ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel und hat den Großteil seines Lebens in Hohenschönhausen und Lichtenberg verbracht. Fragen, Anregungen, konstruktive Kritik, Wünsche und Tipps bitte an Paul.Lufter@tagesspiegel.de. Ansonsten finden Sie ihn auch auf Twitter.

Paul Lufters Tipp für Sie

Islands Kunst und Kultur erleben. Wo laufen sie denn? Im Moment wird noch nicht gelaufen, aber die Islandpferde-WM in Lichtenberg wirft ihren Schatten voraus. Bis zum Start am 4. August gibt es ein vielfältiges Programm, bei dem Sie die Chance haben, die ursprüngliche Heimat der Pferde kennen zu lernen und sich mit Island vertraut zu machen. 

Am Freitag, den 24. Mai, im Theater an der Parkaue zeigt Stefan Erdmann seine Live-Filmreportage „»ISLAND 63° 66° N – Atemberaubend faszinierend“. Seine filmische Liebeserklärung soll die Zuschauer*innen hautnah am Geschehen teilhaben lassen. Eingeleitet wird die Veranstaltung durch den Isländischen Chor „Íslenskur kór í Berlín – Isländischer Chor in Berlin“, der Lieder über das Land, die Leute und natürlich die Pferde zu Gehör bringt.

Am Freitag, den 7. Juni, findet ein Show-Kochen statt. Das Bezirksamt, die isländische Botschaft und das Abacus Tierpark Hotel laden ins Abacus, wo Chefkoch Fridrik Sigurdsson, der eigens aus Island anreist, zusammen mit Küchenchef Michael Steinhauer feinste isländische Küche servieren. Nebenbei werden sich der Botschafter Islands, Martin Eyjólfsson und BB Michael Grunst (Linke) in einem Bühnengespräch austauschen. Begleitet wird der Abend musikalisch von der in Reykjavik geborenen Kristin Anna Gudmundsdottir. Tickets kosten 39,50€ im Vorverkauf und beinhalten Speisen vom Isländischen Grillbuffet und einen Cocktail. Interessierte erwerben die Tickets unter der 030 51620-787/-788 oder -789. Online sind die Karten zu erwerben unter jirko-kruszona@abacus-hotel.de.

Am 28. Juni eröffnet zudem die Ausstellung „Anmut und Zauber der Islandpferde“ im Rathaus Lichtenberg. Bis zum 1. August können Sie dort die Bilder des isländischen Fotografen Lárus Karl Ingason sehen. Am 1. August findet um 17 Uhr eine Finissage statt, bei der eine Dokumentation von Mick Locher und Kameramann Thomas Siering gezeigt wird. Locher und Siering begleiten darin den Weg eines Pferdes von den Hochweiden Islands in den Frachtflieger bis zu seiner Ankunft in der neuen Heimat.

Alle Infos finden Sie auch noch mal unter berlin.de. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen mit Ausnahme des Show-Kochens am 7. Juni frei.