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    Nachbarschaft

    Im Öko-Paradies: Eine ökologisch lebende Hausgemeinschaft verwendet nur Bio-Produkte und verfügt über ein eigenes Wassersystem. Verdrängt werden können sie wohl nicht – das Grundstück soll an eine Stiftung verkauft werden.

    Dienstagmorgen, 10 Uhr, ein junger Mann öffnet verschlafen die Tür. Andreas Keller, 31, ist der jüngste Bewohner des Hausprojekts in der Wönnichstraße 103 – eine sozial und ökologisch ausgerichtete Gemeinschaft. Sie wollen eine ressourcenschonende, nachhaltige und gemeinschaftliche Lebensweise verwirklichen, erzählt Keller. Im ganzen Haus herrscht Bio – sowohl bei der Duschpflege als auch beim Essen.

    Keine Elmex-Zahnpaste also zum Beispiel – sondern nur Produkte aus dem Bioladen oder mit Öko-Siegel. Alles muss ökologisch abbaubar sein. Das Dusch-, Küchen- und Waschmaschinenwasser der 15 Erwachsenen und fünf Kinder wird im hausinternen Wassersystem aufbereitet und wiederverwendet. Eine Pflanzenkläranlage im Keller und im Garten reinigt das Grauwasser.

    Getrunken wird das aufbereitete Wasser jedoch nicht – das Haus verfügt über zusätzliche Trinkwasseranschlüsse. Hinzu kommen Solar- und Photovoltaikanlagen auf dem Dach sowie Komposttoiletten. In der Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss wird ausschließlich vegetarisch gekocht. Vegan hat sich noch nicht durchgesetzt, wie es Keller als einziger Veganer gerne hätte.

    2000 haben drei Architekten das Grundstück samt Haus gekauft – da war die Gegend noch Sanierungsgebiet. Sie bildeten eine Hausgemeinschaft und wollen nun das Grundstück noch in diesem Jahr an die „Bürgerstiftung Trias – Wem gehört der Boden“ verkaufen. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Weiterverkauf von Grundstücken zu verhindern.

    „Trias ist unsere Sicherungsinstanz“, sagt Andreas. Sowohl das Grundstück als auch das Haus könnten nur mit der jeweiligen Zustimmung des Vertragspartners verkauft werden. Beide haben ein Vorkaufsrecht. „Und Trias wird nicht verkaufen, denn das wäre gegen ihren Stiftungszweck. An diesen sind sie gebunden“

    So ist ebenfalls gesichert, dass die Bewohner*innen das Haus nicht verkaufen – es soll für mehrere Generationen gesichert sein. Denn nach Erbbaurecht müsse Trias zustimmen, wenn das Haus verkauft werden soll. Die Stiftung wiederum würde bei einem Verkauf des Bodens die Zustimmung der Hausbewohner*innen benötigen. „Aber Trias würden eh nicht verkaufen“, erklärt Andreas. „Durch den gegenseitigen Erbbaurechtsvertrag sind wir und zukünftige Bewohner vor unliebsamen Verkauf geschützt, sowohl von dem Grundstück als auch von dem Haus.“

    Boden, Ökologie und gemeinschaftliches Wohnen sind die Themen der 2002 gegründeten Stiftung Trias. „Boden ist Gemeingut und nicht nur Bauland für Investoren“, heißt es auf der Website. Die Stiftung lebt von Spenden, der Mitgliedergemeinschaft und Schenkungen.

    Zusätzlich zu den Wohnungen gibt es einen großen Gemeinschaftsraum und einen Wintergarten. Zudem einen „Schaufensterraum“ zur Straße hin, welcher für „unkommerzielle Zwecke“ mietfrei diversen Gruppen zur Verfügung gestellt wird. So finden hier Chorsingen oder Yoga statt. „Wir würden uns auch über mehr Anfragen freuen“, sagt Keller. Einmal im Monat gibt es „VoKü“, Volksküche: vegetarisch/veganes Essen gegen Spende und etwas Kulturprogramm wie zum Beispiel Karaoke.

    Das Foto zeigt den Wintergarten / Gewächshaus. Die Bewohner*innen wollten nicht fotografiert werden.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: [email protected]

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von Robert Klages tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Lichtenberg,

so Freunde, wir schreiben den 14. Januar. Das ist traditionell der Tag im Jahr, um mal nach den guten Vorsätzen zu fragen. Na? Mit dem Rauchen oder Trinken aufgehört? Ein paar Tage durchgehalten wenigstens? Egal, ich will nicht richten, sondern habe alte Neuigkeiten: Im Vergleich zum 16. Jahrhundert konsumieren wir unglaublich wenig Alkohol.

Pro Erwachsenen und Tag wird ein Bierkonsum von bis zu 10 Litern angenommen – ein Grundnahrungsmittel, da das Wasser oft verkeimt war. Bierpreiserhöhungen konnten Revolutionen nach sich ziehen. Schwangere Frauen erhielten im Hospital etwa zwei Liter Wein pro Tag zur Gesundheitsvorsorge. Quelle: Museum Bad Belzig. Dem Honigwein wurde Fliegenpilz beigemischt. Auch ans Bier kamen psychedelische Kräuter oder Tollkirsche. LSD befand sich ohnehin im Brotbrei. Was muss das für ein Leben gewesen sein?

Und die guten Vorsätze der Politiker*innen? Die haben ihre Versprechen erfüllt und den Rasen gemäht, da kommen wir gleich zu in „Namen und Neues“. In der Nachbarschaft noch eine Wohngemeinschaft, die das ganze Jahr über gute Vorsätze hat, nämlich biologisch abbaubar zu leben und Haus und Grund vor dem Verkauf zu sichern.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an [email protected]. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

Robert Klages' Tipp

Finale Stadtteildialoge Hohenschönhausen Nord. Das Bezirksamt Lichtenberg führt seit Juni 2018 Stadtteildialoge im gesamten Bezirk durch. Alle Lichtenberger*innen haben dabei die Möglichkeit, bei verschiedenen Beteiligungsformaten mit Politik und Verwaltung zu unterschiedlichen Themen ins Gespräch zu kommen. Am Freitag, 18. Januar, in der Zeit von 17 bis 19.30 Uhr, in der Kirche Wartenberg, Falkenberger Chaussee 93. Die Anwesenden können dort ihre Themen aus Falkenberg, Wartenberg und Malchow besprechen. Welche Ideen gibt es für das Ostseeviertel, den Welsekiez und den Mühlengrund und welche haben die meisten Fürsprecher*innen oder Kritiker*innen?