• Ranisch

    Nachbarschaft

    Hinter der Ringbahn, wo Altbau-Friedrichshain aufgehört hat und Plattenbau-Lichtenberg gerade anfängt, wohnt er. Axel Ranisch. Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Schauspieler, Opernregisseur, seit diesem Jahr auch Romanautor und Theatermann, bald Hörspielmacher. Und eben Fennpfuhler, denn: „Lichtenberg ist nicht gleich Lichtenberg. Der Fennpfuhl ist ein spezieller Ortsteil.“ Vor gut 45 Jahren errichtete die DDR hier eine ihrer ersten Großsiedlungen, WBS 70 so weit das Auge reicht. Grob begrenzt durch Landsberger Allee, Storkower Straße, Vulkanstraße. Rund zwei Quadratkilometer, darauf um die 33.000 Einwohner. „Fast wie Monaco“, witzelt Ranisch. Kollegin Angie Pohlers hat Ranisch besucht. Hier lesen. 

    Foto: Paul Zinken

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von Robert Klages tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Lichtenberg,

am Samstag wurde gewrestelt. Es traten Sahra Wagenknecht und Beatrix von Storch gegeneinander an. Ergebnis: Unentschieden. Denn beide fanden heraus, dass sie in Sachen Asylpolitik ähnliche Meinungen vertreten. Zuvor haben sie sich ordentlich  gehauen. Im Anschluss standen die Kämpfe Karl Marx gegen Jesus Christus und Marx gegen einen Wlan-Router an. Marx konnte zwar Jesus mit Kapital-Ausgaben niederbüchern, gegen den tödlich-piependen Wlan-Router hatte er jedoch keine Chance. Auch Gesine Lötzsch war mal kurz vor Ort und hat sich umgesehen, das Wrestling hat sie verpasst.

Es war Hoffest in der „Magda 19“, einem linken Hauskollektiv im ehemaligen Bürogebäude der Staatssicherheit. Seit über drei Jahren leben hier 60 Menschen aller Altersstufen zusammen. Hintergründe hier. Es handelt sich um ein Projekt des Miethäusersyndikats. Eine nicht kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft zum gemeinschaftlichen Erwerb von Häusern. Das Ziel des Verbunds ist es, Wohnraum zu erhalten, den möglichst alle Menschen bezahlen können. An über hundert Projekten in Deutschland ist das Syndikat beteiligt, 16 davon sind in Berlin.

In der Magda sind ja öfter mal interessante Veranstaltungen. Immer, wenn ich mal hingehe, treffe ich diesen Jungen, der wie ein Mönch auf dem Pfahl auf dem Spielplatz sitzt oder steht und die Lage im Auge behält. Für Kinder gab es Theater, Siebdruck- und Papierflieger-Workshops, für die Großen ebenfalls, also Wrestling, Live-Musik und den Workshop „Besetzen?! Wie geht das eigentlich?“ War sehr interessant.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

Robert Klages Tipp

Einweihung Erinnerungsstele: Eine Stele zur Erinnerung an das von den Nationalsozialist*innen verfolgte Ärzt*innenehepaar Hildegard und Erwin Marcusson wird am Montag, 20. August, um 16.30 Uhr von BM Michael Grunst (Die Linke) feierlich übergeben. Die Stele wurde am ehemaligen Wohnhaus von Hildegard und Erwin Marcusson in der Gundelfinger Straße 27 errichtet. Zur Einweihung spricht der Leiter des Museums Lichtenberg, Thomas Thiele. Es musiziert Burkhardt Schmidt (Saxophon). Die Errichtung der Stele wurde von der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg beschlossen und aus dem Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur finanziert. Sie wurde von der Designerin Helga Lieser gestaltet.

Das Ehepaar entstammte jüdischen Familien und fand früh zur kommunistischen Bewegung. Vom Nationalsozialismus in die UdSSR vertrieben, wurde es dort Opfer stalinistischer Verfolgung. Erwin Marcusson wurde aus der KPD ausgeschlossen, seine Frau wegen falscher Anschuldigungen verhaftet. Beide wurden 1940 aus der Sowjetunion ausgewiesen, erhielten jedoch einen geduldeten Aufenthalt in Kasachstan. 1947 siedelten die Marcussons in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands über. Dort beteiligten sich beide in verantwortlichen Positionen am Aufbau des Gesundheitswesens und der ärztlichen Fortbildung im Osten Deutschlands und in der DDR. Ab 1959 wohnten sie in der Gundelfinger Straße 27. Seit 2006 trägt eine Straße im „Berlin-Campus“ an der Rummelsburger Bucht den Namen Hildegard-Marcusson-Straße.