• Loelhoeffel

    Nachbarschaft

    Helmut Lölhöffel, der frühere Senatssprecher und langjährige Koordinator der Stolperstein-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Erst Ende März standen wir noch in Kontakt mit ihm, als er den Besuch englischer Schüler an Stolpersteinen in der Wielandstraße ankündigte.

    Die Gedenktafeln für Nazi-Opfer waren Lölhöffel ein Herzensanliegen. Lesen Sie hier seine Rede zur Stolpersteinverlegung in der Jenaer Straße nahe dem Bayerischen Platz im Jahr 2014.  Zuletzt kam er im Herbst 2017, schon sichtlich erkrankt, zur Stolpersteinverlegung in die Sigmaringer Straße. Das Besondere an diesem Tag war: Ein 17-jähriger Junge aus einer deutsch-jüdischen Anwohnerfamilie übernahm anlässlich seiner Bar Mizwa die Patenschaft für einen Stolperstein, der an einen ermordeten, damals gleichaltrigen jüdischen Jungen erinnert.

    In die Schlagzeilen geriet Lölhöffel mit der bezirklichen Stolperstein-Initiative durch Streit mit einem Hauseigentümer. Normalerweise werden die Tafeln in öffentliche Gehwege eingelassen. An der Dahlmannstraße waren sie aber versehentlich zwischen Bodenplatten verlegt worden, die zum dortigen Mietshaus gehören. Der Hauseigentümer drohte im Jahr 2014 die Entfernung der Steine an. Schließlich ließ Lölhöffel diese ein paar Zentimeter auf das öffentliche Straßenland versetzen.

    Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) würdigt ihn als engagierten Menschen, der in den vorigen acht Jahren „viel Zeit und Energie“ in die Gedenkarbeit investiert habe. Als Journalist hatte Lölhöffel seit Beginn der 1970er Jahre für die „Süddeutsche Zeitung“ aus Ost-Berlin berichtet. Lange war er auch Hauptstadt-Korrespondent der „Frankfurter Rundschau“ in Bonn und Berlin. 2001 wurde Lölhöffel zum Senatssprecher, schon 2002 wechselte er aber in die Privatwirtschaft. Später beriet er den Deutschen Behindertensportverband und saß im Beirat der Stiftung Zukunft Berlin. tagesspiegel.de

    Foto: Götz Schleser/Imago

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

Das lange Warten aufs Elterngeld ist vielerorts in Berlin ein Problem für Mütter und Väter, so auch in unserem Stadtteil. Durchschnittlich fünf Monate dauert es, bis das Bezirksamt die Anträge bearbeitet hat und das Geld bewilligt. Um dies zu ändern, geht Jugendstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) neue Wege: Sie hat die Investitionsbank Berlin (IBB) um personelle Unterstützung gebeten. Sechs Bankmitarbeiter sollen den Antragsstau mit abarbeiten.

Aktuell geht es um rund 1800 Anträge, wie im BVV-Jugendhilfeausschuss bekannt wurde. In dieser Woche wurden die Bankangestellten geschult, am kommenden Montag legen sie los. Das Projekt ist zunächst auf drei Monate befristet. Sollte sich die Lage aber nicht wie erhofft entspannen, ist laut Schmitt-Schmelz eine Verlängerung denkbar. Die sechs Banker teilen sich vier vom Jugendamt bezahlte Stellen. Die Idee kam der Stadträtin, als sie erfuhr, dass in Baden-Württemberg die Landeskreditbank das Elterngeld bearbeitet.

Schon bei ihrem Amtsantritt im November 2016 war Schmitt-Schmelz unzufrieden mit der Bearbeitungsdauer, die damals in der Regel elf Wochen betrug. Obwohl dann zwei neue Stellen im Amt hinzukamen, stieg die Wartezeit weiter an, unter anderem durch Krankheitsfälle. Jetzt sollen auch Abläufe überprüft und „optimiert“ werden. Auf Initiative der Linksfraktion forderte der Ausschuss außerdem, Eltern künftig innerhalb von einer Woche zu bestätigen, dass ihr Antrag eingegangen ist. Falls Unterlagen nachzureichen sind, soll die Elterngeldstelle dies spätestens nach vier Wochen mitteilen.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Streetart-Schau „Wandelism“ erneut verlängert. Zum Gallery-Weekend am übernächsten Wochenende macht die Streetart-Ausstellung „Wandelism“ in der früheren Autowerkstatt an der Wilhelmsaue 32 noch einmal auf. Die Wiedereröffnung findet am Donnerstag, 26. April, um 18 Uhr statt. Anschließend läuft die Schau drei Tage lang ab 12 Uhr bei freiem Eintritt. Getreu ihrem Motto „Berlin befindet sich im stetigen Wandel“ gestalten die mehr als 100 Künstler die Räume dafür um und zeigen „zu 70 Prozent neue Kunstwerke“. Das Gebäude gehört der Immobilienfirma Diamona und Harnisch und sollte Ende März abgerissen werden. Nach dem großen Erfolg des Streetart-Projekts wurde dies verschoben. Innerhalb von zwei Wochen kamen rund 30.000 Besucher. Führungen können unter wandelism.com gebucht werden.