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    Nachbarschaft

    Macht das Tor auf! Unser Bild zeigt von links nach rechts: Innensenator Andreas Geisel, Peter Palmreuther vom Verein „Nachbarschafft“, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Vereinschef Holger Michel.

    Das „Haus der Nachbarschafft“ am Volkspark Wilmersdorf schreibt sich mit zwei f, weil sich der Name auf den bekannten Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Jahr 2015 bezieht: „Wir schaffen das“, hatte sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gesagt. Ehrenamtliche Helfer wie Holger Michel und Peter Palmreuther engagierten sich in der damaligen Notunterkunft im Ex-Rathaus Wilmersdorf. Später gründeten sie einen Treffpunkt für Flüchtlinge und Berliner im früheren Haus der Bezirksgärtnerei.

    Eigentlich wollte man schon im Januar loslegen. Doch erst im April wurden die Schlüssel übergeben. Soeben kam eine wichtige kleine Neuerung hinzu: Das Haus hat nun ein Tor zum Volkspark und nicht mehr nur an der Straße am Schoelerpark. Um das zu feiern, kam Innensenator Geisel während einer Bezirkstour durch Charlottenburg-Wilmersdorf mit Bürgermeister Naumann vorbei. Prompt besuchten auch neugierige Spaziergänger das Haus. Geisel sagte, er habe „großen Respekt“ vor der „Hartnäckigkeit“ der Helfer.

    Unter Anwohnern hat sich das interkulturelle Angebot herumgesprochen. Besonders beliebt ist eine Textilwerkstatt mit 25 Nähmaschinen. Auch eine Fahrrad- und eine Holzwerkstatt sind im Aufbau. Dienstags trifft sich eine Schachgruppe. Der Bezirk fördert das Haus in diesem Jahr mit 90.000 Euro. Davon werden rund 75.000 Euro für Personalkosten verwendet denn nicht alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig. Zwei weitere Stellen wurden ausgeschrieben. Bis zum 23. August können sich Interessierte für das „Hausmanagement“ bewerben. nachbarschafft-ev.de

    Foto: Cay Dobberke

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

sie ist ein Berliner Wahrzeichen und ein Mahnmal für den Frieden, aber auch eine Dauerbaustelle: In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche bröckelt es immer wieder. Augenfällig wurde das zuletzt beim Sportfest zur Leichtathletik-EM auf dem Breitscheidplatz. Teile des sogenannten Podiums, auf dem die Kirchenbauten stehen, blieben wegen einer Sanierung der Bodenplatten gesperrt. In den Kirchensaal gelangte man nur über Nebeneingänge. Am neueren Glockenturm hingen Werbeplakate für die EM. Eingerüstet ist der Turm schon seit vier Jahren wegen Schäden an den Betonwaben.

Jetzt gibt es ein Gesamtkonzept für die Nutzung und Sanierung der Gedächtniskirche. Unter dem Titel „Perspektive 2023“ betont ein Beirat, den die Gemeinde zusammen mit dem  Deutschen Kulturrat einberufen hatte, es gehe um ein „Denkmal von nationaler Bedeutung“. Damit bestehe die Hoffnung auf Fördergelder aus verschiedenen Quellen. Allein die Glockenturmsanierung kostet schätzungsweise 4,7 Millionen Euro. Laut Pfarrer Martin Germer hat die Wüstenrot-Stiftung signalisiert, eine Million Euro beizusteuern. Doch für alle geplanten Baumaßnahmen kalkuliert der Beirat sogar mit rund 27,8 Millionen Euro.

Das Spannendste sind aber zwei Nutzungsideen, die früheren Anregungen von Pfarrer Germer entsprechen. Zum einen soll die Ausstellung in der Gedenkhalle unten in der alten Turmruine nach oben in die brachliegende Empore ausgedehnt werden. Um den Krieg und seine Folgen anschaulich für Besucher zu machen, „muss man ins Innere der Ruine reinkommen“, findet Germer.

Außerdem lebt der Vorschlag eines Kirchencafés in einem derzeit leer stehenden Nebengebäude, dem sogenannten Foyer, wieder auf. Bereits vor Jahren war Germer damit bei den Denkmalschutzämtern abgeblitzt, weil diese einen zusätzlichen Eingang in der von Egon Eiermann gestalteten Fassade ablehnten. Der Pfarrer ist zuversichtlich, dass eine andere Lösung gefunden werden kann oder die Ämter vielleicht doch noch einlenken.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Graffiti-Workshops in der Zigarettenfabrik. Wie macht man eigentlich Streetart? Das können Interessierte bis Ende September auf dem Gelände der früheren Reemtsma-Fabrik in Schmargendorf sehen und lernen. Berliner Szenekünstler haben den Produktionshallen und Werkstätten an der Mecklenburgischen Straße 32 einen neuen Anstrich verpasst und so eine Open-Air-Galerie geschaffen. Mit Unterstützung der Wohnkompanie Berlin, der das Areal seit 2014 gehört, haben einige der im Verein „Berlin Art Bang“ organisierten Künstler dort auch ihre Sommerateliers eingerichtet. Nun laden sie zu Führungen, Events und Workshops ein.

Kinder und Jugendliche können am 29. August und 12. September ab 11 Uhr an der Seite der Künstler selbst Hand anlegen und Wände besprühen. Für Erwachsene gibt es mehrstündige Führungen mit anschließenden Workshops am 19., 25. und 26. August sowie am 2., 9. und 15. September jeweils um 14 Uhr. Teilnehmer der Touren werden um Spenden gebeten, die Workshops kosten 12 Euro (Anmeldung unter tabakfabrikberlin@web.de.

Bei zusätzlichen Veranstaltungen können auch andere Neugierige die Freiluftgalerie besichtigen, so etwa im Rahmen eines „Graffiti-Jam“ am 25. und 26. August und bei der Aktion „Kunst im Kiez – Urban Art Market“ am 15. September. Mehr Informationen zu allen Angeboten finden Sie unter facebook.com/hartertobakberlin. Ab November will die Wohnkompanie das Gelände dann zum „modernen, citynahen Gewerbequartier“ umbauen, das in den Jahren 2023 bis 2024 fertig werden soll.