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    Nachbarschaft

    René Arnold ist Geschäftsführer des Württemberger Weinhauses im Lotte-Lenya-Bogen 547 am Bahnhof Zoo. Hier erzählt er von sich und seinem Kiez.

    Als gelernter Hotelfachmann war ich lange in der Gastronomie tätig und habe dort meine Liebe zu gutem Wein entdeckt. Das Angebot, das Weinhaus zu übernehmen, kam mir deshalb gerade recht. Die Württemberger Genossenschaften produzieren auch jenseits des berühmten Trollingers hervorragende Weine, und es reizte mich sehr, mitten in der City West eine Oase für Genießer zu schaffen. Nach nun mehr als vier Jahren habe ich viele Stammkunden, darunter auch Galerien, Firmen und Gastronomen. Unsere thematisch wechselnden Weinabende sind zur festen Institution geworden. Besonderen Erfolg hat die zusammen mit Genossenschaftswinzern konzipierte Weinlinie „Lotte Lenya“, die eine Brücke zwischen Berliner Zeitgeist und traditioneller Württemberger Weinexpertise schlägt. Die erste Edition, ein Spätburgunder, ist bereits ausverkauft.

    Ich bin zwar in Mitte geboren, mag das bunte Viertel um den Zoo aber sehr. Hier tut sich von allen Stadtteilen am meisten – man denke nur an das Bikini-Haus, das Upper West und die Umstrukturierung des Breitscheidplatzes. Sehr gespannt bin ich darauf, wie die ambitionierten Projekte am Hardenbergplatz umgesetzt werden. In meinem Laden bin ich mittendrin im Kiez, und da man bei mir auch ein Glas Wein trinken kann, schneit viel internationales Publikum herein.

    Ausgezeichneten Kaffee bekomme ich bei meinen Nachbarn, Sagers Kaffeerösterei. Sehr entgegen kommt mir als Fan der fernöstlichen Küche auch die große Auswahl asiatischer Restaurants in der Kantstraße. Besonders empfehlen kann ich die Suppenküche Lon Men’s und den Funky Fisch. Den besten Käse der Stadt gibt es bei meinem Freund Fritz Blomeyer (Blomeyer’s Käse) – er sorgt auch für fantastische Pairings zu meinen Weinen. Für den Absacker gehe ich am liebsten in die Jazz Bar The Hat und die Bar Zentral (beide ebenfalls in den S-Bahn-Bögen).

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  cay.dobberke@tagesspiegel.de

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

die Cornelsenwiese in Schmargendorf darf doch nicht bebaut werden – und das liegt kurioserweise auch ein bisschen am Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Denn bei der entscheidenden BVV-Abstimmung am Donnerstagabend fehlten zwei Bezirksverordnete der SPD, die als einzige Fraktion neben der FDP für den Wohnungsbau durch das Unternehmen Becker & Kries stimmte. Einer der abwesenden SPD-Politiker war der frühere Baustadtrat Marc Schulte. Er ist der Halbbruder des letztjährigen deutschen ESC-Sängers Michael Schulte, bloggt seit Jahren über den Wettbewerb und ist dafür auch jetzt nach Israel gereist.

Ohne ihn fiel das BVV-Votum denkbar knapp aus. Mit je 18 Ja- und Nein-Stimmen sowie 15 Enthaltungen wurde ein Beschluss abgelehnt, der den Weg für das Bauprojekt geebnet hätte. Das Bezirksamt wäre aufgefordert worden, den Bebauungsplan auf der Basis neuer Kompromissvorschläge „zu überarbeiten und der BVV zeitnah zur Beschlussfassung vorzulegen“. Die Entscheidung dagegen bedeutet, dass das seit einiger Zeit ruhende Bebauungsplanverfahren nicht wieder aufgenommen wird.

Auf der Publikumstribüne des BVV-Saals jubelten Mieter von Häusern neben der Cornelsenwiese, die seit Jahren für die Rettung des Grüns kämpfen. Womöglich vergeht ihnen allerdings noch die Freude. Denn im Gespräch mit dem Tagesspiegel kündigte der Geschäftsführer der Becker & Kries Familienstiftung, Matthias Klussmann, eine Sanierung der Bestandsbauten und damit verbundene Mieterhöhungen um 3 Euro pro Quadratmeter an. Man investiere regelmäßig in Modernisierungen und habe diese in Schmargendorf nur auf Wunsch des Bezirksamts zurückgestellt. Der Vorschlag, das Geld lieber für Neubauten zu verwenden, um die Altmieter vor Kostensteigerungen zu schützen, stammte laut Klussmann von Ex-Baustadtrat Schulte.

Becker & Kries will auch Schadensersatz verlangen. Der Bezirk soll 1,4 Millionen Euro erstatten, die für die bisherige Planung ausgegeben worden seien. Das Unternehmen beruft sich auf einen „Vertrauensschutz“. Bereits seit dem Start des Bebauungsplanverfahrens, dem die BVV vor Jahren zugestimmt hatte, sei eine Verwirklichung des Projekts zu erwarten gewesen. Später habe das Stadtplanungsamt unter dem damaligen Leiter Rainer Latour zudem mitgeteilt, das Projekt sei nicht vom erfolgreichen Bürgerbegehren aus dem Jahr 2016 betroffen, in dem es um die Erhaltung der Grünflächen im Bezirk ging.

Noch im vorigen April hatte der bezirkliche Stadtentwicklungsausschuss für die Beschlussempfehlung gestimmt, die nun durchgefallen ist. In der BVV votierten die Grünen, die AfD und zwei der vier Mitglieder der Linksfraktion dagegen. Die anderen beiden Vertreter der Linken enthielten sich, ebenso wie die CDU-Fraktion. Das uneinheitliche Verhalten der Linksfraktion begründete deren Vorsitzender Niklas Schenker gegenüber dem Tagesspiegel mit dem lobenswerten Entgegenkommen des Investors. Unter anderem hatte Becker & Kries zuletzt versprochen, 33 der geplanten 100 Wohnungen als Sozialwohnungen zu errichten und Ersatzgrün an anderer Stelle zu schaffen. Schenker hätte es bei einer Fortsetzung des Planungsverfahrens für möglich gehalten, den Anteil der mietpreisgebundenen Wohnungen auf 50 zu steigern.

Die CDU enthielt sich nicht zuletzt wegen der möglichen Schadensersatzforderungen der Stimme. Die AfD-Fraktion begründete ihre Ablehnung insbesondere damit, dass Becker & Kries weiterhin „zwei Drittel“ seines Projekts realisieren könne. Tatsächlich hatte das Unternehmen selbst vor einiger Zeit vorgerechnet, dass der Platz auf der Wiese nur für etwa 30 Wohnungen reichen würde. Die übrigen 70 sollten in der Umgebung entstehen. Nun gibt Becker & Kries auch dieses Vorhaben auf. Ohne Häuser auf der Wiese sei das ganze Projekt „unrentabel“, sagt Stiftungschef Klussmann. Man habe nämlich auch eine Tiefgarage geplant. Deren hohe Kosten amortisierten sich erst ab einer gewissen Größe.

Für die SPD warb Bürgermeister Reinhard Naumann vergeblich um eine Mehrheit. Es gehe um eine „Interessenabwägung“. Neuer Wohnraum werde dringend benötigt. Außerdem seien die Neubauten als temporäre Ersatzwohnungen für Mieter der nahen Autobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße gedacht  weil die landeseigene Wohnungsgesellschaft Degewo das als „Schlange“ bekannte Bauwerk bald sanieren müsse.

Eigentlich gehört die Cornelsenwiese übrigens Becker & Kries. Trotzdem kann das Unternehmen nicht frei darüber verfügen. Dies liegt an einem Überlassungsvertrag aus den 1960er Jahren. Jene „Grunddienstbarkeit“ ermöglichte es dem Land Berlin, die Wiese als öffentliche Grünanlage auszuweisen. Für eine Bebauung hätte der Vertrag aufgehoben werden müssen.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an cay.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Vom Westkreuz bis zum Teufelsberg reichen die Veranstaltungen, mit denen sich Initiativen und Institutionen aus Charlottenburg-Wilmersdorf am stadtweiten „Langen Tag der Stadtnatur“ beteiligen. Das „Berliner Naturfestival“ findet in diesem Jahr am Sonnabend, 25. Mai, und am folgenden Sonntag statt. Allein in unserem Bezirk verzeichnet das Programm 34 Termine. Ein Ticket für alle Angebote kostet 7, ermäßigt 5 Euro. Für einzelne Veranstaltungen zahlt man 4 Euro. Freien Eintritt haben Kinder und Jugendliche in Begleitung eines Erwachsenen mit Ticket.

Politisch spannend und hochaktuell ist die Frage, ob und wie der geplante „Westkreuzpark“ am S-Bahnhof Westkreuz entstehen kann. Als Vertreter der Initiative Westkreuzpark und der Bürgerinitiative Stuttgarter Platz führt Joachim Neu über das Gelände – am 25. Mai von 15 bis 17 Uhr und am 26. Mai von 11 bis 13 Uhr. Treffpunkt ist die Rönnestraße / Ecke Suarezstraße vor der Kleingartenkolonie „Bahn-Landwirtschaft Bezirk Berlin“.

Die Kleingärtner fürchten um ihre Parzellen. Auch deshalb laden sie am 26. Mai von 13 bis 17 Uhr zur Grünen Idylle mit Wandelkonzert ein und versprechen „Offene Gärten am Westkreuz zum Entdecken und Genießen“. Gerne teile man die grüne Oase zwischen Halensee und Lietzensee „mit allen Anwohnern der umliegenden Kieze“, heißt es. Auch hier ist das westliche Ende der Rönnestraße der Treffpunkt.

Den Teufelsberg im Grunewald „zwischen Naturentwicklung, Erholungswald und Spekulationsobjekt“ erklären Eckhart Kuntzsch und Hartmut Kenneweg vom Aktionsbündnis Teufelsberg am Sonnabend, 25. Mai, von 15 bis 17 Uhr und von 18 bis 20 Uhr. Treffpunkt ist die Teufelsseechaussee in Höhe des Drachenbergs am Treppenaufgang des Parkplatzes. Mit dabei ist die Berliner SPD-Abgeordnete Franziska Becker.

Durch den Grunewald führen Frank Ackermann, Elmar Kilz (Berliner Forsten) am Sonnabend, 25. Mai, von 15 bis 17.30 Uhr. Sie stellen die seit rund zwei Jahren bestehende Freiluftausstellung „Wald.Berlin.Klima“ vor, die an einem rund vier Kilometer langen Rundweg mit Installationen, Holzstegen und Aussichtsplattformen die „Anpassung der Berliner Wälder an den Klimawandel inszeniert“. Treffpunkt ist der Waldeingang an der Havelchaussee 61 gegenüber dem Grunewaldturm. Teilnehmer müssen sich anmelden und sich vorab das 26-Stunden-Ticket des Langen Tags der Stadtnatur besorgen.