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    Nachbarschaft

    Hendrik Kissel, Pastor der Friedenskirche Charlottenburg, Bismarckstraße 40, die-friedenskirche.de

    Für Passanten in der Bismarckstraße ist die Kirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Charlottenburg überhaupt nicht sichtbar, sie steht im Hinterhof und hat keinen Glockenturm. Immerhin weisen aber Plakate im Schaufenster eines Ladens, den die Friedenskirche unter anderem als Jugendclub nutzt, vorne an der Straße auf die Aktivitäten hin. An diesem Wochenende feiert die Baptisten-Gemeinde ihr 120-jähriges Bestehen.

    Das rote Ziegelgebäude der Kirche ist ebenso alt, war laut Pastor Kissel aber ursprünglich für eine katholisch-apostolische Gemeinde entstanden. 1920 übernahmen die Baptisten das Grundstück. Dazu gehört auch ein Wohnhaus, in dem junge Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes in einer Wohngemeinschaft leben  zusammen mit einem Somalier. Diesem hat die Gemeinde ein Kirchenasyl gewährt, um ihn vor einer Abschiebung zu schützen. „Kirchenasyl ist einer unserer Schwerpunkte“, sagt Kissel. Die Friedenskirche könne „schneller entscheiden“ als die evangelische Landeskirche, mit der man kooperiere. Die Unterbringung der Flüchtlinge in der WG sei ideal. So „lernen sie Deutsch und Kultur vom Feinsten“.

    Ein Abenteuerspielplatz mit eigenem Gebäude ist das „Spielhaus Schillerstraße“, das die Gemeinde zusammen mit dem bezirklichen Jugendamt für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren betreibt.

    Bei Baptisten ist vieles anders. Kissel betont, dass sich die Gemeinde allein aus Spenden ihrer 130 Mitglieder und eines Freundeskreises finanziere. „Wir erheben keine Kirchensteuer.“ Die Gemeinde kennt keine Hierarchien, wichtige Entscheidungen werden in Versammlungen getroffen. Man tauft auch keine Kinder. Erst als Jugendliche oder junge Erwachsene sollen Interessenten aus freiem Willen beitreten. Laut Kissel liegt das Mindestalter für die Taufe bei 14 Jahren oder ausnahmsweise, wenn ein Kind schon mündig und reif wirkt, auch mal bei zehn Jahren.

    Das Auffälligste in der schlicht gestalteten Kirche ist das große bunte Wandbild „Friedens.Bewegung“. Es stammt vom Maler Helmut Kissel, dem Vater des Pastors. Im Mittelpunkt des Motivs steht ein im Umriss angedeuteter Jesus, der als Friedensbringer auf einem Esel durchs Brandenburger Tor reitet, während der Siegesgöttin Victoria oben auf der Quadriga die Pferde durchgehen.

    Die Jubiläumsfeier beginnt am heutigen Freitag, 19. Oktober, um 20 Uhr mit der Komödie „Der Menschenfeind“ von Molière. Bei freiem Eintritt tritt damit eine junge Schauspielergruppe im Kirchensaal auf. Am Sonnabend um 11 Uhr startet ein „Lego-Aktionstag“ für Kinder, für den man kistenweise Legosteine in die Kirche gebracht hat. Väter und Mütter können sich in einem Elterncafé entspannen. Am Samstagabend um 20 Uhr gibt es ein Gospel-, Soul-, Jazz- und Blueskonzert mit Keith Tynes und seiner Band (Eintritt: 18 Euro). Am Sonntag um 10 Uhr findet ein Festgottesdienst statt, um 18 Uhr folgt eine Gesprächsrunde mit Charlottenburger Persönlichkeiten.

    Foto: Cay Dobberke

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

wohl zum ersten Mal verlas Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Donnerstagabend in der BVV öffentlich ein Facebook-Posting. Denn darin hatte mein Kollege Markus Hesselmann, der Chef unserer Leute-Newsletter, die lebensgefährliche Situation an der Kreuzung Bundesallee/Trautenaustraße geschildert: „Schulkinder müssen sich an der Ampel bei Grün durch den Rückstau der Autos schlängeln, die obendrein oft noch vor und zurück rangieren.“ Und dann ging es noch um einen Polizisten an der Kreuzung, der aber nur die Fußgänger und Radfahrer um Vorsicht bat, statt gegen die Autofahrer vorzugehen, die rücksichtslos die Fußgängerfurt blockieren. Inzwischen stehen dort morgens sogar mehrere Polizisten, die auch Autofahrer aufschreiben oder heute früh auch die Dauer der Grünphase für Fußgänger gemessen haben. Auch das ist nämlich ein Problem an der Kreuzung.

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger sagte auf Nachfrage der SPD-Verordneten Claudia Buß, das Bezirksamt prüfe zusammen mit Landesbehörden, wie die gesamte Bundesallee sicherer werden könne. Gegen Tempo 30 auf dem ganzen Straßenzug habe allerdings ein Bürger Widerspruch eingelegt.

Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) fügte hinzu, er habe das Ordnungsamt vor zwei Wochen mit einer Analyse vorhandener „Schulwegpläne“ beauftragt. An bestimmten Stellen solle das Amt frühmorgens „die Schulwege freiräumen“ und gegen Falschparker vorgehen, die ihre Wagen zu nahe an Kreuzungen abstellen.

Bereits in  der vorigen Woche hatten wir außerdem über Eltern berichtet, die ihre Kinder bis direkt vor die Schule fahren und damit beispielsweise in Eichkamp ein gefährliches Verkehrschaos verursachen. In den vorigen Tagen haben uns Leser viele weitere Beispiele genannt, denen wir nun nachgehen (Fortsetzung folgt!).

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Galerie Westphal öffnet in Grunewald. Nach vier Jahren als Zwischennutzer im Ku’damm-Karree musste Stefan Westphal seine dortige Galerie im vorigen April wegen der Umbauten in dem Gebäudeensemble aufgeben. Im Mai zog er in einen früheren Friseursalon am Hagenplatz um, feierte das aber zunächst nicht: „Es war einfach offen.“ Das offizielle Eröffnungsfest folgt erst am heutigen Freitag von 19 bis 21 Uhr, verbunden mit der Vernissage der Ausstellung „La Liberté Dancing with disaster“ des Künstlers Robert Stieghorst. In den vorigen Monaten hatte sich Westphal nicht nur seinen neuen Räumen gewidmet. Er gastierte mit einem Projekt im Ostseebad Ahrenshoop, machte Urlaub in Kenia und trainierte in Österreich für einen „Ironman“-Triathlon.

Baulich ist die knapp 90 Quadratmeter große Galerie noch gar nicht fertig. Eigentlich soll sie in einen Teil des benachbarten Blumenladens hinein erweitert werden. Doch als Handwerker die Wand durchbrechen wollten, entdeckten sie darin eine wichtige Elektroinstallation. Ob und wann es weitergeht, weiß Westphal derzeit nicht. Auf der zusätzlichen Fläche plant er unter anderem eine Gästetoilette. Vor seine Galerie, die Passanten bisher nicht unbedingt ins Auge fällt, hat er unterdessen eine Skulptur gestellt und damit ein Zeichen gesetzt.

Mit anderen Vertretern der Kunstszene in Grunewald wie der Stiftung Starke, dem Auktionshaus Bassenge und der Villa Köppe strebt Westphal eine Kooperation an. Man könne „aufeinander reagieren“ und parallel laufende Ausstellungen gegenseitig bewerben, sagt er. An einem Strang ziehen will der Galerist außerdem mit einem Immobilienunternehmer, der nebenan sein Büro hat und seine Angebote in einem „Hagenplatz Journal“ veröffentlicht. Künftig möchte Westphal darin auch seine Ausstellungen bewerben. westphal-berlin.de