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    Nachbarschaft

    Dirk Wucherpfennig, Gründer und künstlerischer Leiter des neuen Spitzenorchesters Deutsche Sinfonietta Berlin.

    Das Café-Restaurant Manzini in der Ludwigkirchstraße „ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt der im Hamburg aufgewachsene Dirigent, der seit 1992 in Berlin und seit vier Jahren in Wilmersdorf wohnt. Anders als in den Konzertsälen und Opernhäusern, wo Dirk Wucherpfennig den obligatorischen Frack trägt, sieht man ihn im „Manzini“ etwas legerer gekleidet. Nicht zuletzt auch dort reifte seine Idee, ein eigenes Spitzenorchester ins Leben zu rufen.

    Das Gründungskonzert mit 42 Solisten und Orchestermusikern steht am Donnerstag, den 17. Januar, um 20 Uhr im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt in Mitte bevor. Das Programm verspricht „berühmte und außergewöhnliche Werke“ von Johann Strauß (dem Sohn), Wolfgang Amadeus Mozart, Dmitri Schostakowitsch, Joseph Haydn und Friedrich Gulda. Zu den Besonderheiten gehört, dass die Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ in einer Fassung nur für Streicher erklingt. Vorher lädt der Dirigent zum Sektempfang ein. Der Eintritt kostet 30 Euro (Ticketreservierung unter Tel. 0177 773 36 66). Wir verlosen Freikarten unter allen Lesern, die bis zum 14. Januar die Tagesspiegel-Gewinnspielseite aufrufen und als Stichwort „Sinfonietta“ eingeben.

    Das Ensemble besteht aus überwiegend jungen Musikern der renommierten Berliner Sinfonie- und Opernorchester. Dazu gehören Mitglieder des Konzerthausorchesters, der Philharmoniker, der Deutschen Oper, der Staatskapelle, des Rundfunk-Sinfonieorchesters und des Deutschen Symphonie-Orchesters. Weitere Musiker stammen aus dem Mahler Chamber Orchestra, dem West-Eastern Divan Orchestra sowie dem Lucerne Festival Orchestra, in dem Wucherpfennig im Jahr 2003 unter Claudio Abbado zu den Gründungsmitgliedern gehörte.

    Bevor er Dirigent wurde, war er Schlagzeuger. Im Konzerthaus gründete und leitet er das Publikumsorchester. Für dieses können sich alle Interessierte bewerben, die ein Orchesterinstrument spielen. Seit 2004 ist Wucherpfennig auch künstlerischer Leiter des Kammerorchesters „Deutsche Camerata Berlin“. In vielen weiteren deutschen Orchestern tritt er als Gastdirigent auf.

    Die drei Hauptziele der neuen Deutsche Sinfonietta Berlin sind die „Qualität mit absoluten Topmusikern“, die Möglichkeit, „außergewöhnliche Formate auszuprobieren“ und die „Flexibilität“. Typischerweise hätten große Orchester bei ihrer Planung „einen Vorlauf von vier Jahren“, sagt Wucherpfennig. Bei ihm sollen Projekte innerhalb von drei Monaten realisierbar sein. Angestrebt sind jährlich etwa sechs Konzerte im In- und Ausland. Das Orchester soll international auch zum „Kulturbotschafter“ werden. Aus China liegt bereits eine Anfrage für eine Tournee im Jahr 2020 vor.

    Privat „liebe ich meinen Kiez“, sagt Wucherpfennig. In der Gastronomie empfiehlt er außer dem Manzini unter anderem die Bar Rum Trader am Fasanenplatz, Shaniu’s House of Noodles in der Pariser Straße und das Kuchel Eck am Ludwigkirchplatz. Dieser Platz gefällt ihm überhaupt besonders gut, vor allem im Sommer, wenn der Brunnen in der gepflegten Grünanlage vor der Kirche St. Ludwig sprudelt.

    Foto: Cay Dobberke

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter:  [email protected]

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

mit Wünschen unserer Leser für das neue Jahr im Bezirk geht es hier auch heute los, nachdem wir Ihnen einige ausgewählte Einsendungen bereits am 4. Januar vorgestellt hatten. Politische oder anderweitige Verbesserungsideen mit Blick auf die nächsten Monate können Sie mir auch jetzt noch schicken. Gegebenenfalls geht diese kleine Serie bis Ende Januar weiter. Außerdem können Sie sich mit Bitten und Beschwerden natürlich das ganze Jahr lang an uns wenden  was längst auch schon so viele Leser tun, dass ich es zeitlich kaum noch schaffe, allen Anliegen nachzugehen… 

Chris Sichel regt für Westend einen „häufigeren, zuverlässigeren und besser ausgebauten öffentlichen Nahverkehr“ an. Dazu könnten eine Verlängerung des Buslinie 104 bis Ruhleben und ein Zehn-Minuten-Takt der Busse zwischen Theodor-Heuss- und Brixplatz gehören, aber auch Fahrten mit der U-Bahnlinie 2 bis Ruhleben im Fünf-Minuten-Takt und ein Ausbau der U2 bis Rathaus Spandau. Am U-Bahnhof Neu-Westend sei ein Aufzug nötig.

Nachdem Sabine Kittelmann in der vorigen Woche mehr „Sanktionen gegen permanent und dreist auf dem Radstreifen parkende Pkw“ gefordert hatte, schließen sich weitere Leserinnen an. Heide Schlaf beklagt, in der Westfälischen Straße bedeute Radfahren einen „ständigen Wechsel vom Fahrradstreifen auf die Fahrbahn“. Waltraud Hoffmann ärgert sich darüber, dass Polizisten oft „einfach an Falschparkern vorbeifahren“. Wenn sie beim Ordnungsamt oder der Polizei nachhake, heiße es immer wieder, dass man „personell unterbesetzt“ sei.

Um Verkehrsprobleme geht es auch Helga Grunzke-Niemetz: „Die Seitenstraßen zwischen Eisenzahnstraße, Brandenburgische Straße und Konstanzer Straße sind für den dort herrschenden Verkehr nicht konzipiert.“ Die Fahrbahnen seien so eng, dass sie die „dem Gegenverkehr kaum gewachsen sind“. In der Umgebung von Kitas und Schulen „parken genervte Eltern in zweiter Spur oder vor Einfahrten, sodass Anwohner ihre Grundstücke nicht verlassen können“. Die Ämter sollten beispielsweise Einbahnstraßen-Regelungen prüfen.

Zugeparkte Wege zwischen Müllsammelstellen und den Straßen in der Paul-Hertz- Siedlung in Charlottenburg-Nord beklagt Ursel Ortmann und verlangt mehr Kontrollen des Ordnungsamts. „Die Müllabfuhr kann die Container nicht zum Entladen schieben. Der Müll bleibt stehen, und wir haben schon längst hier eine Rattenplage“, schreibt die langjährige Mieterbeirätin und Seniorenvertreterin. Außerdem seien Nebenstraßen, die als Einbahnstraßen mit Wendekreisen angelegt sind, „so mit Autos vollgestellt, dass Senioren besonders mit einem Rollator nicht die Straße überqueren können“.

Ein Ende der privaten Silvester-Knallerei erhofft sich Ingetraut Pfiz. Das passt zur jüngstem Forderung der Berliner Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek, Böllern innerhalb des S-Bahn-Rings zu verbieten und durch zentrale öffentliche Feuerwerke zu ersetzen. Ingetraut Pfiz glaubt: „Wer jedes Jahr die panische Angst der Tiere erlebt, wird mir beipflichten.“ Auch für die alten und kranken Menschen sei „diese durchgehende Knallerei von 14 Uhr bis zum nächsten Morgen um 1.30 Uhr der reinste Horror“.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an [email protected]

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Ausstellung über das jüdische Mädchen Susi. Als vor sieben Jahren am Nikolsburger Platz elf Stolpersteine für Nazi-Opfer verlegt wurden, entschloss sich die Lehrerin Birgitta Behr von der dortigen Cecilien-Grundschule dazu, die Geschichte hinter einer der Gedenktafeln zu recherchieren und für die Schüler aufzuarbeiten. In ihrem Kinderbuch Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4 und die Zeit der versteckten Judensterne erzählte Behr das Schicksal der jüdischen Familie Cohn. Die Großmutter Gertrud war 1942 deportiert und ermordet worden. Ihr Sohn Ludwig, seine Frau Steffy und deren 1936 geborene Tochter Susi überlebten den Holocaust. Unter dem Namen Collm versteckten sie sich in Berlin und an der Ostsee. Gutwillige, mutige Menschen halfen dabei.

Aus dem Buch machten Birgitta Behr und Kinder der Cecilien-Schule später auch ein Theaterstück und ein Filmprojekt. Nun folgt eine Ausstellung im  Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim. Die Schau „Susi. Die Enkelin von Haus Nummer 4. Das Überleben im Nationalsozialismus einer als Juden verfolgten Familie im Untergrund“ ist für junge Menschen im Alter ab zehn Jahren gedacht. Nach der Eröffnung am Freitag, 18. Januar, um 18.30 Uhr läuft sie bis zum 16. Juni (Schloßstraße 55 / Ecke Otto-Grüneberg-Weg, Di. bis Fr. 1017 Uhr, Sa., So. und feiertags 1117 Uhr, Eintritt frei).

Zum Begleitprogramm gehören Führungen und Projekttage für Schulklassen, ein Zeitzeugengespräch mit der jüdischen Autorin Ruth Winkelmann, eine mobile Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin, eine Kinderoper und Vorträge.