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    Nachbarschaft

    Margarete Winkes, Architektin und Mitgründerin der Bürgerinitiative Stuttgarter Platz, verstorben am 17. November 2018.

    Auf die Frage, ob man als Architektin politisch sein kann, antwortete Margarete Winkes der „taz“ vor fünf Jahren, ohne zu zögern, mit einem schlichten „Ja“. Bereits Anfang der 1980er Jahre hatte sie Kreuzberger Altbauten gemeinsam mit Hausbesetzern vor dem Abriss gerettet und dazu beigetragen, preisgünstiges und selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen. 1979 gründete sie mit ihrem ähnlich engagierten Studienkollegen und späteren Ehemann Hans-Peter Winkes in einem Fabrikhof an der Windscheidstraße das Planungsbüro „Werkfabrik“ (ein paar Jahre danach zog das Büro nach Steglitz um). Ihr Architekturstudium hatte die gebürtige Rheinländerin an der TU Berlin absolviert, wo sie im Laufe ihrer Karriere auch eine Gastprofessur erhielt.

    Als Charlottenburger Anwohnerin kämpfte Winkes ab 1999 mit Gleichgesinnten gegen Investorenpläne für ein 20-stöckiges Hochhaus und großflächigen Einzelhandel am S-Bahnhof Charlottenburg. So entstand die Bürgerinitiative Stuttgarter Platz, die mehr als 6000 Protestunterschriften sammelte und erreichte, dass der Bezirk den Bebauungsplanentwurf kippte. Erfolgreich war man auch mit der Forderung nach einem Park am „Stutti“. 2011 wurde die Grünanlage eröffnet.

    In den folgenden Jahren kritisierte Margarete Winkes negative Entwicklungen wie die Übernutzung des Platzes und die „Vernachlässigung“ des Grüns durch das Bezirksamt. Das „Parkcafé“, das derzeit neben dem S-Bahnhof entsteht, gefiel ihr nicht. Dagegen sah sie in den Plänen des Bezirks und des Berliner Senats für einen „Westkreuzpark“ am S-Bahnhof Westkreuz „frühzeitig die Chance, ihre Vorstellungen einer klimafreundlichen Stadtlandschaft fortzusetzen“, wie sich ihr Mitstreiter Joachim Neu aus der Bürgerinitiative erinnert. Ob der Westkreuzpark entstehen kann, scheint inzwischen allerdings fraglich, weil die Bahn das Gelände an einen Unternehmer verkauft hat.

    Zuletzt engagierte sich die Architektin in einem Bündnis bezirklicher Initiativen. Das war „ihre Plattform, die Erfahrungen der Älteren an die jüngere Generation weiterzugeben“, sagt Neu. Im Alter von 71 Jahren ist Margarete Winkes nun an einer schweren Krankheit gestorben. „Margarete hat sich leidenschaftlich für demokratische Prozesse und eine transparente Stadtpolitik eingesetzt“, heißt es in einer Traueranzeige der BI Stuttgarter Platz, die am Wochenende im Tagesspiegel erscheinen wird. „Ihr kämpferischer Einsatz für einen lebenswerten öffentlichen Stadtraum hat uns immer inspiriert und angespornt.“ Darüber hinaus „haben wir eine gute Freundin verloren“.

    Foto: Christian Muhrbeck / muhrbeck.de

     

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von Cay Dobberke tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Charlottenburg-Wilmersdorf,

sind weitere neue Hochhäuser in der City West sinnvoll  und wenn ja, an welchen Stellen? Auf diese Frage gibt es trotz jahrelanger Diskussionen keine klare Antwort, weil der angekündigte „Hochhausentwicklungsplan“ der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung weiterhin auf sich warten lässt. Mit dem Verweis darauf lehnt es Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) seit einigen Monaten ab, über Pläne von Investoren für neue Türme zu entscheiden. Nun verliert er die Geduld und will der Senatsverwaltung in einem Brief vorschlagen, dass der Bezirk ein eigenes Konzept erarbeitet. Dafür soll die Landesregierung finanzielle Mittel gewähren.

Dieser Vorstoß ist eine Folge der jüngsten Beratung des Baukollegiums Berlin über drei bis zu 150 Meter hohe Türme, die der Karstadt-Eigentümer Signa auf dem Gelände des Kaufhauses am Kurfürstendamm bauen will. Das von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geführte Expertengremium lehnte die Pläne ab. Der berühmte Boulevard sei „nicht die richtige Stelle“ für ein „Hochhaus-Cluster“, sagte Lüscher. Dabei wies sie auch auf fehlende Leitlinien in der westlichen Innenstadt hin was Schruoffeneger angesichts der Verzögerungen beim Hochhausentwicklungsplan „nicht mehr nachvollziehen“ kann. Die AG City kündigte unterdessen an, Signa „weiterhin zu unterstützen“. Das Unternehmen habe für das Karstadt-Areal eine „beeindruckende“ Nutzungsmischung mit Büros, Handel, Kultur und Freizeitangeboten vorgeschlagen.

Die neueste Hochhaus-Idee wurde soeben im BVV-Stadtentwicklungsausschuss bekannt: Am Adenauerplatz will der Eigentümer des Grundstücks an der Ecke Lewisham- und Waitzstraße, Sruel Prajs von der Immobilienfirma Berlinhaus, das elfstöckige „Panorama-Hotel“ durch einen etwas größeren Turm mit 14 Etagen und 213 Hotelzimmern ersetzen. Zusätzlich möchte er ein Bürohochhaus mit 17 Etagen errichten. Auch bestehende Wohnhäuser sollen Neubauten weichen, die Zahl der Mietwohnungen würde dabei aber von 35 auf 43 steigen. Hinzu kämen 400 Studentenwohnungen.Die Entwürfe stammen von dem renommierten Architekten Max Dudler.

Doch nur die FDP-Fraktion erklärte, das Projekt „voll und ganz“ zu unterstützen. Das Bauamt hatte mit dem Grundstückseigner schon vor Monaten verhandelt und dabei deutlich gemacht, dass nur eine Modernisierung des bestehenden Hochhauses infrage komme. Eventuelle Neubauten müssten der Traufhöhe entsprechen. Auch die Grünen-Bezirksverordnete Jenny Wieland fand: „Man könnte sanieren.“ Den geplanten Wohnanteil kritisierte sie als „marginal“ und warf die Frage auf, worin der „Mehrwert für den Bezirk“ bestehe.

Der 74-jährige Sruel Prajs betonte, ihm gehe es gar nicht in erster Linie um Profit. Vielmehr wolle er „in meinem Alter etwas Schönes für Berlin machen“ und die hässliche Ecke aufwerten. Bisher wird diese unter anderem durch eine große Parkpalette geprägt, deren Erdgeschoss früher einen Sexshop beherbergten und seit Jahren leer steht.

Cay Dobberke, geboren in Berlin, wohnt seit mehr als 25 Jahren in Wilmersdorf. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-c.dobberke@tagesspiegel.de

Cay Dobberkes Tipp für Sie

Weihnachten mit Gayle Tufts – wir verlosen Tickets. Zum zweiten Mal gastiert die deutsch-amerikanische Entertainerin Gayle Tufts mit ihrer Weihnachtsshow Very Christmas in der Komödie am Kurfürstendamm diesmal allerdings in deren Ersatzspielstätte im Schillertheater an der Bismarckstraße 11. Für den Auftaktabend am Sonntag, 9. Dezember, um 20 Uhr verlosen das Theater und wir 3 Mal 2 Karten unter allen Lesern, die bis zum 8. Dezember unter diesem Link die Gewinnspielseite des Tagesspiegels aufrufen und als Stichwort „Gayle Tufts“ eintragen. Falls Sie nicht gewinnen: Karten gibt es ab 20 Euro. Weitere Vorstellungen folgen am 10., 14., 15., 16., 22., 23., 25. und 26. Dezember.

Angekündigt ist „ein Fest voller Glanz und Gaststars, rieselndem Schnee, tanzenden Weihnachtsbäumen und einem beglückendem Holiday-Soundtrack für die harmoniebedürftige Welt“. Anekdoten über festliche Höhen und Tiefen gehören ebenso dazu wie eine Revue amerikanischer und deutscher Weihnachtslieder, an der drei Sänger und eine Band mitwirken.