• Nachbarschaft

    Fit und Fun Marzahn (wie das Freizeitforum FFM abgekürzt) ist der Lieblingssportverein unserer Leserinnen und Leser in Marzahn-Hellersdorf. Mit einer Stimme Vorsprung gewann er die Abstimmung hier im Newsletter vor dem zweitplatzierten Klub, den Berlin Bullets.

    Diesen Verein gibt es allein wegen eines politischen Anliegens: Berlins erster Frauensporthalle. Am Anfang stand die Erkenntnis, dass nur ein Drittel der Mitglieder im Vereinssport Frauen sind. Also wollte der Bezirk ein Umfeld schaffen, in dem sie sich nach ihren Bedürfnissen und ohne Leistungsdruck bewegen können. Im Januar 2015 ging das Projekt an den Start. Träger der Halle ist der schon lange in der Stadt aktive Verein für Sport und Jugendsozialarbeit (VSJ). Die Kursangebote aber steuert der FFM bei.

    Montags bis donnerstags steht die Halle im Freizeitforum allein Frauen und Kindern offen. Das Programm umfasst Yoga und Trampolin, Badminton, Tischtennis oder Zumba. Einige Kurse sind mit einem Sternchen gekennzeichnet: Dann übernehmen Mitarbeiterinnen im Bundesfreiwilligendienst die Kinderbetreuung. Das werde aber nur wenig angenommen, berichtet FFM-Projektleiterin Christiane Möhner und wundert sich: „Kinder gibt’s eigentlich genug.“ Knapp 300 Mitglieder gehören dem Verein inzwischen an. Den größten Teil machen Kinder und Jugendliche sowie Aktive ab 50 aus. Der VSJ vergibt die Halle auch an andere Vereine, Kitas und Schulen. Freitags bis sonntags dürfen auch Männer kommen – zum Familiensport.

    Ein Kurs findet fernab des Freizeitforums statt. „Sport für Frauen aus aller Welt“ heißt es jeden Freitag in der Bitterfelder Straße 11. Dort steht eine Unterkunft für Geflüchtete. „Die Frauen sind riesig dankbar“, erzählt Möhner. Nur blieben sie der Turnhalle anfangs fern: der schlechte Einfluss der Männer, die Scheu vor dem Weg, die Sorgen des Alltags wie die Suche nach Wohnung und Arbeit, die zunächst wichtiger sind. „Sie müssen erst mal den Gedanken haben: Ich tue jetzt was für mich“, sagt Möhner. Deshalb kommt die Frauensporthalle nun zu ihnen. Einmal in der Woche anderthalb Stunden sich nicht strecken müssen, sondern dürfen – und die Erfahrung machen, dass ein Muskelkater noch kein Grund zur Sorge ist.

    Der FFM entwickelt zusehends ein eigenes Vereinsleben. Die orientalische Tanzgruppe hat für alle Mitglieder schon ein Fest organisiert. Vom Adventskegeln bis zum Besuch beim Turnfestival am Ostbahnhof gab es schon gemeinsame Aktivitäten. Der neue Vorstand kann sich sogar vorstellen, eine grün überwucherte Dachfläche in Eigenleistung für Kurse im Freien herzurichten. Möhner wünscht sich ohnehin, dass die vielen Einrichtungen im Freizeitforum – Bibliothek, Kegelbahn, Schwimmhalle – mehr gemeinsam auf die Beine stellen. „Das ist so eine Perle“, sagt sie, „aber jeder kämpft für sich. Wir müssen zusammen kämpfen!“

    Mehr Eigenständigkeit wünscht sich nicht zuletzt die Politik. Das Projekt Frauensporthalle war anfangs sehr umstritten, zumal angestammte Nutzer auf andere Hallen ausweichen mussten. Die Kritik ist leiser geworden, aber nicht völlig verschwunden. Der Bezirk verlangt nun ein Konzept, wie die öffentliche Finanzierung (bisher 80.000 Euro für den VSJ) mittelfristig zurückgefahren kann. Das könnte gelingen, wenn der FFM wächst und mehr Beiträge einnimmt. Aber die Hallenzeiten sind ausgereizt – und ein Versprechen der Politik noch nicht eingelöst. Eine separate Fitnessfläche im Freizeitforum sollte längst für Rehasportkurse in Betrieb sein. Doch erst tauchten Brandschutz-Probleme auf, dann Schimmel und andere Baumängel. Der aktuelle Countup: 576 Tage seit Nichteröffnung (geplant für den 23. Oktober 2016).

    Foto: Ingo Salmen

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de

von
bis
Bitte geben Sie hier den Suchbegriff ein!
von Ingo Salmen tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Marzahn-Hellersdorf,

die SPD will wieder Volkspartei werden. Dieser Anspruch durchzieht jedenfalls, wenn auch nicht explizit so formuliert, ein Strategiepapier, das aus den Bezirken kommt. Einer von sieben Autoren: der Kaulsdorfer Abgeordnete Sven Kohlmeier. „Gerade weil die Herausforderungen in Berlin gewaltig sind, muss sich die SPD von einer Politik der Tausend Spiegelstriche verabschieden“, fordert das Septetts. „Sie braucht den Mut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine eindeutige Richtung vorzugeben. Vor allem muss die SPD wieder liefern – Ideen, Lösungen und spürbare Verbesserungen.“

Deutlich wird auch eine stärkere Hinwendung zu den Kiezen, als das noch in der Ära Wowereit üblich war. Die Sozialdemokraten wollen feste Mitarbeiter auf den U- und S-Bahnhöfen einsetzen, „Kiez-Polizisten“ wieder einführen, künftig alle Parks durch die BSR reinigen lassen und durch ein „Zuhause-im-Kiez“-Programm öffentliche Plätze verschönern. Das zielt genauso auf Sorgen der Mittelschicht wie das Plädoyer für ein Wohnungsbauprogramm für „mindestens 100.000 bezahlbare städtische Wohnungen“ (in Marzahn und Hellersdorf dauerte das damals elf Jahre). In diesem Punkt warnen sie allerdings auch davor, den Nachbarn solcher Projekte nach dem Munde zu reden: „Man kann nicht für Wohnungsbau in der Stadt sein, aber gegen den Neubau im Kiez.“

„Das Heft des Handelns“ lautet eine Überschrift des Beitrags (hier online), in dem die Autoren auf die „blumigen Worthülsen“ der Politik beklagen. Dieser eine Ausrutscher sei ihnen verziehen. Deutlich wird aber auch: Was sich in ein paar wohl formulierten Absätzen flüssig liest, wird oft nicht ohne Konflikte einhergehen. Ein Beispiel: In dem Papier wird sowohl Verständnis für die Wohnraumproblematik gezeigt, als auch das Hohelied des starken Staates gesungen. Am Pfingstsonntag prallte beides in der Stadt aufeinander: als linke Aktivisten ein Haus in Neukölln besetzten. Der Innensenator, Sozialdemokrat Andreas Geisel, entschied sich in der Abwägung zwischen beiden Positionen für eine harte Durchsetzung der „Berliner Linie“, nach der eine Räumung binnen 24 Stunden erfolgen soll. Am Sonntag schnitt Geisel den Raum für Gespräche deutlich schneller ab.

Etwas vorschnell handelte Geisel womöglich vor kurzem auch in Biesdorf. Bei der 150-Jahr-Feier kündigte er vor anderthalb Wochen an, dass die nächste Senatsklausur im Schloss stattfinden soll. Bundestagsvize Petra Pau, Galeristin Karin Scheel oder auch der Abgeordnete Christian Gräff bestätigten mir auch noch mal auf Nachfrage, das ebenfalls genauso so verstanden zu haben. Nur im Roten Rathaus waren sie überrascht: Es seien mehrere Orte in Prüfung, aber es gebe noch keine Festlegung, teilte ein Sprecher der Senatskanzlei mit. Den Termin konnte er jedenfalls schon mal auf „Ende Juni“ eingrenzen. Sieht so aus, als ob die SPD noch an der Balance zwischen Zentrum und Stadtrand arbeitet.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de

Ingo Salmens Tipp für Sie

Gleich zwei Veranstaltungen locken in den nächsten Tagen zum Kienberg. Der IGA-Renner, das Umweltbildungszentrum Kienbergpark, feiert am Donnerstag, 24. Mai, von 13 bis 17 Uhr seinen Saisonstart. Offene Führungen, kleine Mitmachaktionen auf der Seeterrasse sowie Informationen und Ausstellung im UBZ und kleine Exkursionen stehen auf dem Programm. Insgesamt sind 2018 rund 600 Veranstaltungen für Schulen, Kitas, Erwachsene und Familien im Angebot. Das Programm ist hier zu finden. Am Sonnabend, 26. Mai, findet außerdem von 18 bis 22 Uhr in den Gärten der Welt das Lotuslaternenfest statt. Es umfasst ein koreanisches Bühnenprogramm mit landestypischen Tänzen und Gesangsdarbietungen in der Arena und einem Laternenumzug.

Stadtleben auf Twitter

Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels:

Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt.

Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de. Wir freuen uns auf Ihre Bilder! 

Die Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.

  • Whistleblowerin Chelsea Manning auf der re:publica Abspielen Chelsea Manning auf der re:publica: Auch Softwareentwickler*innen haben eine Verantwortung
  • Tausende kamen zum ersten "MaiGörli" Parkfest in Kreuzberg. Abspielen Wieder Tausende auf dem MyFest in Kreuzberg
  • Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa" der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Abspielen Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa"
  • 25 Jahre "Menschen helfen!" - Die Spendenaktion des Tagesspiegels Abspielen 25 Jahre "Menschen helfen!"
  • Demonstration gegen "Verdrängung und Mietenwahnsinn“ Abspielen Tausende demonstrieren gegen "Mietenwahnsinn"
  • Die britische Popband "Depeche Mode" bei ihrem Konzert in Ost-Berlin in der Werner Seelenbinder-Halle im März 1988. Abspielen "People are People" – Depeche Mode in der DDR
  • Integration am Arbeitsplatz Abspielen Integration am Arbeitsplatz
  • Nicole Battefeld, Deutsche Barista-Meisterin 2018 Abspielen Deutschlands Barista-Meisterin kommt aus Berlin
  • Berliner Fahrradschau Abspielen Berliner Fahrradschau: E-Bikes, Weltneuheit und politisches Engagement
  • ARCHIV - 16.11.2010, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Durch die Gläser einer Brille ist am 16.11.2010 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) der Schriftzug des sozialen Internet-Netzwerks Facebook auf einem Laptop zu sehen. Die Affäre um Facebook und Cambridge Analytica zeigt, wie Big-Data-Firmen mit passgenauen Botschaften potenzielle Wähler ansprechen. Neu ist die Methode aber nicht, vor allem in der Konsumwirtschaft ist sie schon länger Praxis. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Abspielen So kann man verhindern, dass Facebook die eigenen Daten falsch nutzt
  • "Jens Spahn hat Recht: Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt" Abspielen "Jens Spahn hat Recht: Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt"
  • Live aus dem Newsroom Abspielen Live aus dem Newsroom
  • "Da, wo man täglich mit dem Staat zu tun hat, muss es funktionieren" Abspielen "Da, wo man täglich mit dem Staat zu tun hat, muss es funktionieren"
  • Es geht nicht um Rassismus, sondern um einen guten Umgang Abspielen Es geht nicht um Rassismus, sondern um einen guten Umgang
  • Demonstration vor der Russischen Botschaft gegen den Krieg in Syrien. Abspielen Krieg in Syrien: Grüne fordern Ende deutscher Waffenlieferungen