• Nachbarschaft

    Ingrid Gorr, 65, Autorin, Fotografin, Gartenfreundin, ist 2017 nach 30 Jahren von Schmargendorf nach Biesdorf-Süd gezogen.

    Frau Gorr, von Schmargendorf nach Biesdorf. Warum? Der Liebe wegen. Dieser neue Mann, den ich nach meiner Trennung kennengelernt habe, wohnt in Biesdorf. Wir haben lange hin und her überlegt und uns für sein Häuschen hier entschieden. Neben dem Hausrat musste auch der Garten umziehen. Dadurch bin ich eine Expertin im Umziehen von großen und alten Pflanzen geworden. Viele Stauden und Gehölze habe ich umgepflanzt, und mindestens 95 Prozent sind angewachsen.

    Aber einen alten Baum verpflanzt man doch nicht. Den vielleicht nicht. Aber mit meinen 25 Jahre alten Hortensien habe ich es gemacht – und sie blühen wieder. Das Wissen sitzt einfach drin, schon von klein auf habe ich in Süddeutschland in Gärten mitgeholfen, da lernt man viel. In Wilmersdorf hatte ich 1500 Quadratmeter um das Haus herum. Von 1988 an habe ich aus einem einfachen Rasengarten einen schönen Staudengarten gemacht und bis zu meinem Auszug gepflegt. Diese Leidenschaft wurde auch zu meiner beruflichen Passion. 22 Jahre lang war ich im Vorstand des Vereins der Freunde des Botanischen Gartens aktiv und habe auch Bücher geschrieben, Hauptstadtgarten im Bäßler-Verlag und Pflegeleichter Garten im Kosmos Verlag.

    Wie ist es denn um die Gärten in Marzahn-Hellersdorf bestellt? Unsere Nachbarn haben schöne Gärten, da wandern die Stauden hin und her. Toll sind auch die Gärten der Welt und der Schlosspark Biesdorf – aber wenn man neue Ideen für den Schlosspark entwickeln würde, da könnte man was machen. Wie die Königliche Gartenakademie in Dahlem vielleicht, nur etwas einfacher, mit Beeten für Schulen und Mustergärten. Das muss natürlich im Einklang mit dem Denkmalschutz stehen, man würde den Park ja nicht flächendeckend beackern. Nur in einigen erlaubten Bereichen.

    Wo gibt es sonst noch etwas zu verbessern? Die öffentlichen Grünanlagen werden nicht so gut gepflegt. Und als es in diesem Sommer so heiß war, hätte manch ein Supermarkt auch seine eigenen Bäume gießen können. Wenn es regnet, stehen hier dagegen die Straßen unter Wasser. Wir haben keine vernünftige Entwässerung hier. Ich denke manchmal, so sieht es in der Ostukraine aus. Letztes Jahr sind die Straßen und Keller im Sommer fast abgesoffen. Die Köpenicker Straße säuft auch ab – aber nicht mit Wasser, sondern durch den starken Verkehr. Wie weit die Planung der TVO gediehen ist, weiß ich nicht, aber eine Entlastung wäre dringend nötig. Die Köpenicker Straße ist ja die Verbindung von der Stadtautobahn zur B 1 und weiter zum Ring.

    Welchen Eindruck haben Sie außerdem von Ihrem neuen Zuhause? Es könnte etwas kieziger sein. In der Gegend gibt es kein Café, wenig gute Restaurants. In der Oberfeldstraße und an der Hönower Straße schon, aber eben nicht viele. Die müssen nicht hochpreisig sein, aber ordentlich. Und das Café im Schloss Biesdorf macht um 18 Uhr zu! Warum gibt es bei dieser wunderbaren Terrasse kein Restaurant, das bis 22 Uhr geöffnet ist? Es ziehen doch jetzt viele Leute hier her – darauf sollte sich der Bezirk einstellen, das ist sicher eine politische Aufgabe. Schön ist natürlich das viele Grün, dass man mit dem Fahrrad durchs Wuhletal fahren kann oder zum Müggelsee. Und die U-Bahn-Anbindung ist gut. Ich kann schnell ins Getümmel der Innenstadt und bin auch schnell wieder hier draußen, ohne auf das Auto angewiesen zu sein.

    Derzeit pendeln Sie oft zwischen Biesdorf und Kreuzberg. In der Remise eines befreundeten Künstlers habe ich im Oktober eine Ausstellung mit 59 Arbeiten. Abstrakte Fotografien und Makroaufnahmen habe ich als Thema gegenübergestellt. Die einen setzen auf extreme Schärfe und Genauigkeit, die anderen sind verwischt. Die Kunst dabei ist, einen Teil des Bildes erkennbar zu belassen, den anderen ins Ungenaue, Ungefähre zu bringen. Das mache ich mit der Technik der Kamera. Ich hoffe, dass ich meine Bilder auch im Bezirk ausstellen kann. Die Wuhletalkirche wäre sehr schön. Am 4. November bin ich zusammen mit den Alphabettínen im Schloss Biesdorf. Um 14 Uhr gibt es eine Lesung mit vier Frauen dieser Autorinnengruppe mit unterschiedlichen, spannenden Texten. Ich werde wahrscheinlich etwas Grünes vorlesen: vielleicht meinen Lilienzüchterinnen-Kurzkrimi.

    „grün hinter grün“: Ausstellung in der Künstlerremise Frank Donati, Paul-Lincke-Ufer 11, Ecke Liegnitzer Straße, samstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr, noch bis zum 28. Oktober. Die Künstlerin ist anwesend.

    Weitere Infos: ingrid-gorr.de; Gartenseite: facebook.com/ingridsgartenhaus; Autorinnengruppe: alphabettinen.de

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de

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von Ingo Salmen tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Marzahn-Hellersdorf,

wissen Sie eigentlich, wer Ihr Vermieter ist? Wen Sie ansprechen können, wenn in Ihrer Wohnung etwas repariert werden muss? Oft ist das in Berlin nicht der Fall. Manchmal wissen nicht einmal die Bezirksämter, an wen sie sich wenden sollen, wenn es Probleme mit einem Haus gibt. Die boomende Hauptstadt ist ein Magnet für Immobilienspekulanten geworden, die nur an ihrem Konto, nicht aber an ihren Mieterinnen und Mietern interessiert sind und sich nicht selten hinter verschachtelten Firmenkonstruktionen verbergen, die niemand mehr durchschaut.

Das wollen wir ändern. Der Tagesspiegel und das Recherchekollektiv Correctiv starten deshalb das groß angelegte Projekt „Wem gehört Berlin?“. Mit dieser Bürgerrecherche wollen wir Transparenz in den Immobilienmarkt bringen. Erst dadurch können Politik und Verwaltung wieder Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, können Mieterinnen und Mieter sich schützen. Und dafür brauchen wir Ihre Hilfe: Die Recherche beginnt damit, dass Mieterinnen und Mieter uns sagen, wer Eigentümer Ihres Hauses ist. Damit das klar ist: Wir wollen nicht Mieter und Eigentümer gegeneinander ausspielen, wir wollen niemanden an den Pranger stellen, wir werden keine Listen mit Eigentümern oder ähnliches veröffentlichen. Es gibt viele seriöse Eigentümer, ob Einzelpersonen oder Firmen. Um die geht es nicht. Es geht um die Strukturen des Marktes, es geht darum, wer die großen Player sind, und es geht um jene, die am Rande der Legalität oder klar kriminell agieren, um Geschäfte auf Kosten von Menschen und ihren Lebensentwürfen zu machen.

Wie Sie mitmachen können: Einen ersten Überblick über die Probleme und das Projekt gibt dieser Artikel. Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt erläutert das Anliegen auch hier im Podcast „Fünf Minuten Berlin“. Fragen und Antworten, sämtliche Beiträge und Hintergründe finden Sie auf unserer Projektseite. Dort gelangen Sie auch zu dem Formular, über das Sie Ihren Vermieter eingeben können. Diese Information wird vertraulich behandelt. Sie ist für uns Ausgangspunkt für eine berlinweite Datenanalyse und weitere Recherchen.

Luxusmodernisierungen sind vielerorts ein Problem. Die Angebotsmieten haben sich in den vergangenen Jahren steil entwickelt und damit weit von den Bestandsmieten entfernt (siehe Grafik). Immer wieder gibt es deshalb Fälle von Entmietungen: Eigentümer ekeln die bisherigen Mieter heraus, um aufwendig zu sanieren und teuer neu zu vermieten. Einige Bezirke haben deshalb Milieuschutzsatzungen erlassen und üben ein Vorkaufsrecht aus, damit Nachbarschaften nicht auseinandergerissen werden. Dieser Aspekt spielt in Marzahn-Hellersdorf bislang keine Rolle. Kurz gesagt: Platte schützt vor Luxusmodernisierung. „Hierzu fehlt es an der gründerzeitlichen Struktur der innerstädtischen Blockbebauung mit einer Vielzahl von privaten Einzeleigentümern“, erklärt der Leiter des Stadtentwicklungsamtes, Manfred Weißbach, auf Anfrage. Wenigstens das.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de

Ingo Salmens Tipp für Sie

Wer sich für Lokal- und Baugeschichte interessiert, hat an diesem Mittwoch, 17. Oktober die Qual der Wahl: Zwei interessante Vorträge finden parallel statt. Die Geschichte des denkmalgeschützten Wohnhauses Haus Dittmar in Kaulsdorf, seine vom Bauhaus inspirierte Architektur und ein vierjähriges Instandsetzungsabenteuer sind Thema beim Marzahn-Hellersdorfer Gespräch für Geschichte ab 18 Uhr im Bezirksmuseum, Haus 1, Alt-Marzahn 51. Peter K. Bachmann und Ute Linz stellen das 1932 entworfene Haus vor. Sie hatten es 2009 erworben und danach aufwendig in einen angemessenen Zustand versetzt. 2016 würdigte der Senat ihre Arbeit mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille, der höchsten Auszeichnung für Denkmalpflege in Berlin. Das Landesdenkmalamt nennt das Objekt heute ein „architektonisches Juwel der Moderne“.

Ein Leben für das Bauen hat Günter Peters geführt. Von 1966 bis 1980 prägte er als Stadtbaudirektor Ostberlins das Gesicht der Hauptstadt der DDR, später betätigte er sich vor allem bauhistorisch und kämpfte unermüdlich für die Sanierung des Schlosses Biesdorfs, die erst nach seinem Tod vollendet wurde. Aus Anlass des 90. Geburtstags würdigen ihn die Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf und die Volkshochschule am Mittwoch ebenfalls ab 18 Uhr mit einem Podiumsgespräch im Schloss. Teilnehmen werden: Wolfgang Schmidt, langjähriger Amtsleiter bei Peters im Magistrat von Berlin, der Architekt Wolf Eisentraut, der Bauingenieur Wilfried Engert, der langjährige Leiter des Stadtteilzentrums Schloss Biesdorf, Peter Bielig, sowie der Sohn des zu Ehrenden, Oleg Peters, der selbst ausführlich zur Geschichte des Schlosses geforscht hat. Im Mittelpunkt steht die Arbeit als Stadtbaudirektor: vom Alexanderplatz bis zur Großsiedlung Marzahn. Der Eintritt beträgt vier Euro.

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