• Nachbarschaft

    Kaspar Röttgers, 35 Jahre alt und Soziologe, leitet das Projekt „Benn Blumberger Damm“.

    „Benn“ ist ein berlinweites Senatsprogramm und steht für „Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“. Im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften soll es das Zusammenleben stärken. In diesem Fall ist das Team zuständig für die Unterkünfte am Blumberger Damm und in der Rudolf-Leonhard-Straße mit jeweils rund 400 Flüchtlingen. Start war schon im Januar. Kürzlich hat Röttgers mit seinen drei Kolleginnen Sina Prasse, Alexandra Heiter und Ina Belz die Einweihung des Benn-Büros samt Veranstaltungsraum im Carrée Marzahn in der Jan-Petersen-Straße 14 gefeiert. Dort sind montags, mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr Sprechzeiten für alle Anliegen der Nachbarschaft. Auch Kochabende, Bildungsangebote und eine „Zukunftswerkstatt“ sind geplant. Das Team ist per Telefon unter 030/39721363 und per Whatsapp unter 0152/53415144 zu erreichen. Eine Website ist in Arbeit: benn-blumbergerdamm.de.

    Herr Röttgers, wie ist es um die Integration im Quartier bestellt? Viele Geflüchtete sind stark damit beschäftigt, sich Arbeit und Wohnung zu suchen, da sind sie sehr umtriebig. Oft sind aber ihre Deutschkenntnisse noch unzureichend oder die Asylverfahren nicht abgeschlossen. Generell würden sich die Geflüchteten wünschen, mehr Nachbarinnen und Nachbarn kennenzulernen. Es fehlt an Begegnungsräumen und Kontakten – daran wollen wir arbeiten.

    Und seitens der aufnehmenden Gesellschaft? Das ist verbesserungswürdig. Es gab 2015 eine große Welle, als sich viele ehrenamtlich betätigt haben. Das Potenzial ist da, aber in letzter Zeit haben die Aktivitäten nachgelassen. Viele wissen nicht, wie genau sie sich einbringen können. Es gibt zwar die Ehrenamtskoordinatoren in den Unterkünften. Aber eine Unterkunft mit Pforte und Security ist auch eine Hemmschwelle. Ganz alltägliche Kontakte finden dort nicht statt. Es geht darum, auch außerhalb der Unterkünfte Anknüpfungspunkte zu suchen.

    Wie wollen Sie da ansetzen? Zunächst einmal bieten wir Sprechzeiten vor Ort an, wollen hören, was die Menschen umtreibt, wenn es um Nachbarschaft geht. Wir wollen auf die Leute zugehen, die hier wohnen – wenn sie dazu bereit sind. Uns fehlen noch die Kontakte in der Nachbarschaft. Niedrigschwellig denken wir an ein Café auf Rädern. Auf längere Sicht wollen wir ein Nachbarschaftsforum einrichten und gemeinsame Veranstaltungen und Feste organisieren.

    Ist es leichter, Kontakt zu den Geflüchteten zu bekommen? Man muss nur in die Wohnheime gehen. An Wohnungstüren zu klingeln, wäre ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre. Wir suchen deshalb auch Nachbarschaftstreffs, Stadtteilzentren und andere bestehende Initiativen auf und stellen uns vor.

    Stoßen Sie auch auf Ablehnung? Ja. Am Blumberger Damm gab es 2015 große Proteste, die aber versiegt sind. Manche Leute sagen uns, dass sie gar nicht mit den Geflüchteten in Kontakt treten wollen, zum Beispiel einzelne Stimmen in der direkten Nachbarschaft. Viele sind aber sehr aufgeschlossen. Der Stadtteil wird oft abgestempelt. Das ist eine Gefahr.

    Welche Bedürfnisse haben Alteingesessene und Flüchtlinge? Die Geflüchteten wollen die Anonymität aufbrechen, sich vernetzt fühlen. Dazu sorgen sie sich natürlich um Wohnung und Job. Das sind Schwierigkeiten, die auch viele von den alten Anwohnern kennen. Einige erinnern sich außerdem an die Hausgemeinschaft von früher. Es wird viele geben, die die Geflüchteten als Konkurrenz sehen. Wir wollen da niemanden bekehren, schließen aber zunächst auch niemanden aus. Wir wollen die erreichen, die aufgeschlossen sind. Daraus kann sich eine Dynamik entwickeln – damit für alle etwas passiert.

    Was wollen Sie bis zum Projektende 2021 erreicht haben? Ein Nachbarschaftsforum als Verantwortungsgemeinschaft für die eigene Nachbarschaft und eine gemeinsame Identifikation – das wäre ein Erfolg. Benn richtet sich explizit an alle. Es ist kein Projekt, das nur Geflüchtete in den Blick nimmt.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-i.salmen@tagesspiegel.de

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von Ingo Salmen tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Marzahn-Hellersdorf,

neulich bei der Fußball-WM, die Älteren werden sich noch dunkel erinnern, hatten wir beim Tagesspiegel diplomatischen Besuch. Der isländische Botschafter Martin Eyjolfsson war bei unserem WM-Talk zu Gast. Er kam standesgemäß im blauen Nationaltrikot, plauderte über die geballte Macht von 70 Profifußballern und tausend Lizenztrainern, seine eigene Zeit in der isländischen „Premier League“ und einen Job in der Tennishalle von Guido Buchwald. Und natürlich übte er mit unserem Sportredakteur Johannes Nedo auch das berühmte „Huh“ (hier im Video ganz zum Schluss).

Die Coolness der Isländer färbt jetzt auch auf Marzahn ab. Denn am Sonnabend und Sonntag, 21. und 22. Juli, finden in den Gärten der Welt wieder einmal die Berliner Highland Games statt. In der „internationalen Highland-Games-Szene“ gibt es der Ankündigung zufolge sogar einige „Top-Stars“, und von denen sind an diesem Wochenende gleich mehrere in Marzahn zu Gast: etwa die amtierende Deutsche Meisterin („ihre Spezialität ist das Baumstammwerfen“), ein ehemaliger Olympia-Kugelstoßer aus Tschechien („einer der ganz Großen des Steinwerfens“), Mollie Hoss aus den USA (inzwischen Landesmeisterin der Damen Sachsen/Thüringen) und vor allem: die stärkste Frau Islands – Thora Porsteinsdottir. Ein Name wie ein Baum.

Wer nicht nur „Huh!“ mag, sondern auch Dudelsäcke, kann dem Spektakel an beiden Tagen jeweils von 11 bis 17 Uhr beiwohnen. Besser noch: Am Sonnabend finden auch die „Schottischen Wettkämpfe für Jedermann“ statt. Dann können Sie sich unter fachkundiger Anleitung einmal selbst in den Disziplinen Baumstammwerfen, Farmers Walk oder Gewichtstemmen versuchen. Eine Anmeldung ist unter dem Betreff „Anmeldung HighlandGames 2018“ schon vorab per E-Mail oder für Kurzentschlossene am Wettkampftag vor Ort möglich. Den Weltpokal können Sie dort zwar nicht gewinnen, aber immerhin eine Medaille. Und die uneingeschränkte Bewunderung von Thora Porsteinsdottir.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de

Ingo Salmens Tipp für Sie

Wer richtig viel Berlin im Freiluftkino erleben will, der muss nach Hellersdorf fahren. Einfach mit der U5 bis zum Bahnhof Kaulsdorf-Nord und gleich zum Cecilienplatz: Dort veranstaltet die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land schon zum 24. Mal das Hellersdorfer Balkonkino. In der Mitte die Leinwand, rundherum die Platte – wer hier wohnt, kann vom eigenen Balkon aus zuschauen. Wer nicht hier wohnt, bringt sich einen Klappstuhl mit – und manchmal noch den Picknickkorb. Mitte der 90er, als viele von Hellersdorf genug hatten und wegzogen, war das Balkonkino eine „Maßnahme zur Mieterbindung“, wie eine Sprecherin erklärt. Jetzt ziehen die Leute wieder her – und manche kommen nur fürs Kino vorbei.

Vier Termine gibt es, los geht es immer mit Livemusik und Tanz um 19 Uhr, ehe um 21.30 Uhr (bei den letzten beiden Terminen schon um 21.15 Uhr) die Filme beginnen: „Willkommen bei den Hartmanns“ (20. Juli), „Mord im Orient-Express“ (das Remake von 2017, 27. Juli), „Abgang mit Stil“ (3. August) und „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ (10. August). Der Eintritt ist frei. cecilienplatz.de

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