• Alfred_Henkel_Credit_Reginald_Gramatte

    Nachbarschaft

    Alfred Henkel hilft funktionalen Analphabeten beim Lernen. Henkel ist „Stern des Monats“ des Treptow-Köpenicker Freiwilligenzentrums „Sternenfischer“.

    „Vor gut zehn Jahren fiel mir ein Zeitungsartikel über den Verein ‚Lesen und Schreiben‘  in die Hände. Ein Zufall, der meinem Ruhestand einen neuen Inhalt gab. Ich hatte bis dahin als Erzieher in einer Schule für Menschen mit Behinderungen  gearbeitet. Unterrichten hat mir immer viel Spaß gemacht. Es lag also nahe, mich für Menschen zu engagieren, die nicht richtig lesen und schreiben können. Es ist schon erschreckend, wie viele funktionale Analphabeten es in Deutschland gibt. Oft hatten sie im frühen Schulalter längere Fehlzeiten oder es gab schwierige Familienverhältnisse. Nicht ausreichend lesen und schrieben zu können, ist schambesetzt. Viele verschweigen es jahre-, sogar jahrzehntelang, und wissen oft auch nicht, wo und wie sie Hilfe bekommen können.

    Die Teilnehmer*innen in unseren Kursen sind zwischen 20 und Ende 50. In der Regel kennen sie die Buchstaben, aber es fällt ihnen schwer, daraus Worte zu bilden. Der Leseunterricht bei ‚Lesen und Schreiben e.V.‘ baut auf Silben auf, was zu einem sichereren und einfacheren Leseverständnis führt. Lernen funktioniert ja so, dass wir von Bekanntem auf Neues schließen. Der Unterricht dauert in der Regel ein bis zwei Jahre und ist für viele Teilnehmer*innen sehr mühsam, sie bleiben aber trotzdem dran. Bei manchen habe ich den Eindruck, dass sie nur auf eine solche Chance gewartet haben. Sie sind wie ein trockener Schwamm, saugen alles auf. Wir wissen ja alle, wie viel Freude es macht, etwas zu lernen, was man vorher nicht konnte.

    An diesem Lernprozess beteiligt zu sein, ist für mich spannender als ein Krimi. Ich bin da Überzeugungstäter. Mir raucht zwar nach dem Unterricht oft der Kopf, aber ich bin auch stolz, wenn ich die kleinen Fortschritte während des Unterrichts beobachten kann. Oder wenn ich ehemalige Teilnehmer*innen treffe, die jetzt bessere berufliche Möglichkeiten haben und mit mehr Selbstbewusstsein durchs Leben gehen.“

    Kontakt: Verein Lesen und Schreiben, Alphabetisierung & Grundbildung für Erwachsene, Herrnhuter Weg 16, 030 687 40 81, E-Mail: info@lesen-schreiben.com.

    Autorin: Claudia Berlin / Foto: Reginald Gramatté

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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von Simone Jacobius tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Treptow-Köpenick,

ein kleines Foto, eine kurze Unterschrift – mehr war nicht nötig, um Bahnbrechendes in die Wege zu leiten. Im kleinen Grenzverkehr soll die Zusammenarbeit zwischen Treptow-Köpenick, seines Zeichens Berlin, und der Umlandgemeinde Schönefeld (in Brandenburg und nicht, wie der Flughafen Berlin-Schönefeld suggeriert, in Berlin) verbessert werden. Zumindest in Sachen Stadt-, Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung soll jetzt alles besser werden.

Am Freitag haben die Bürgermeister, Udo Haase, Schönefeld, und Oliver Igel, Treptow-Köpenick, eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Das „Memorandum of Understanding”, oder Absichtserklärung, hat die regelmäßige Abstimmung mit zeitlich und praktisch umsetzbaren Handlungsempfehlungen zum Ziel. Klingt vage, aber schauen wir mal, ob alles auch umgesetzt werden kann. Igel meint, dass „unsere Region ihren Charme und ihre Anziehungskraft nur behalten kann, wenn wir die nötigen Rahmenbedingungen dafür schaffen.“ Und das gelingt „nur mit intensiven Absprachen“. Kollege Haase sieht es ähnlich: „Mit Berlin wächst auch Schönefeld. Deshalb ist für uns eine gute Zusammenarbeit wichtig. Grenzen sollten dabei keine Rolle spielen.”

Was auch der Ausgang sein wird, schön ist es zumindest, dass sich Ha(a)se und Igel kein Wettrennen liefern, sondern kooperieren wollen. Denn der Grund ist ein wichtiger: der künftige Großflughafen BER. Ob zum Zeitpunkt der Memorandum-Verabredung schon klar war, dass der Eröffnungstermin Oktober 2020 wieder wackelt? Noch mehr als 11.000 Mängel sind laut Tüv-Bericht offen, wie der der Tagesspiegel letzte Woche meldete.

Simone Jacobius, Berliner Urgewächs, wohnt seit 25 Jahren mit ihrer Familie in Müggelheim. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail unter: simone.jacobius@extern.tagesspiegel.de

Simone Jacobius' Tipp für Sie

Urlaubsfeeling ohne zu verreisen, oder einfach in die Erinnerungen des letzten Spanien-Urlaubs wieder eintauchen? In der Tapas-Bar El Tinto in der Köpenicker Altstadt spüre ich wieder die sternenklaren Sommerabende, das Wellenrauschen und das muntere Treiben in den Altstadtgassen. Gemütlich sitzt man an rustikalen Holztischen im Souterrain. Bei Käse mit Honig, gebratenen Sardinen, Datteln im Speckmantel, Papas bravas oder Pimientos al padron und dazu dem Rioja-Hauswein – oder tinto, wie die Spanier zum Rotwein sagen – kann man abschalten und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Im Sommer stehen sogar ein paar Tische draußen. Nur reservieren sollte man, denn die kleine Bar bietet vielleicht Platz für 20 Leute und ist (leider) sehr beliebt.

El Tinto, Kirchstraße 1, Reservierungen telefonisch: 0176 21 80 67 77.

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