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    Nachbarschaft

    Karam Aljairoudi, 31, aus Schöneweide (vormals Damaskus).

    Was sind Ihre Aufgaben im Industriesalon Schöneweide?

    Hier arbeite ich als Assistent für die Leitung des Hauses, helfe mit, Meetings und Ausstellungen vorzubereiten, den Salon neu zu dekorieren. Ich bin flexibel, kann überall helfen. Ich habe auch Erfahrungen mit Tourismus, in der Türkei habe ich für eine Agentur arabische Touristen betreut. Es ist hier eine gute Atmosphäre zum Arbeiten. Man lernt viele Leute kennen, das ist gut für mein Deutsch. Ich mache das über den Bundesfreiwilligendienst.

    Aber Sie wollen eigentlich Informatik studieren, oder?

    Genau, ich habe in Syrien Jura studiert, aber das ist hier schwierig, weil das syrische Recht eher mit dem französischen vergleichbar ist. Ich mache einen Informatik-Workshop in der HTW, das ist ein sehr interessanter Bereich für mich. Außerdem mache ich einen Sprachkurs. Mit Informatik kann man gute Jobs bekommen. Richtig studieren kann ich, wenn ich die nächste Deutschprüfung bestehe. Mein Ziel ist, bei einer internationalen Firma zu arbeiten, vielleicht als Kontaktperson zwischen Firmen im Mittleren Osten und Europa. Wichtig ist, einen Job zu haben, Steuern zu bezahlen und ein normales Leben zu führen, ich möchte ein gutes Beispiel sein für meine Landsleute.

    Warum sind Sie aus Damaskus geflohen?

    Ich in 2013 aus Damaskus nach Ägypen geflohen, damit ich nicht in die Armee eingezogen werde oder auf Seiten der Rebellen kämpfen und Menschen töten muss. Das wollte ich nicht. Hier in Deutschland kann man lernen von den Erfahrungen nach einem Krieg, wie man eine Stadt wie Berlin wieder aufbaut. Ich höre die Geschichten von den alten Leuten, die haben viel zu erzählen.

    Und wie kamen Sie von Ägypten nach Deutschland?

    Zuerst bin ich in die Türkei ausgereist, mit dem Flugzeug. Dort habe ich gearbeitet und auf meinen Bruder gewartet. Wir haben unsere Wohnung in Damaskus verkauft, mit dem Geld haben wir die Flucht nach Deutschland bezahlt, erst mit dem Boot – ich kann aber nicht schwimmen – nachts mit 40 Personen nach Griechenland, das war für mich das Schlimmste, danach sind wir 30 Tage gelaufen.

    Haben Sie inzwischen schwimmen gelernt?

    Ich habe eine deutsche Bekannte, die versucht mir das beizubringen. Ich muss aber erstmal meine Angst vor dem Wasser überwinden. Baden gehört zur deutschen Kultur, ist was sehr Schönes, in Damaskus haben wir kein Meer.

    Dürfen Sie jetzt in Deutschland bleiben?

    Ich habe eine Aufenthaltsgenehmigung, die läuft im nächsten Jahr aus, das ist ein bisschen stressig, ich muss alles vortragen, was ich in drei Jahren gemacht habe, damit die Genehmigung verlängert wird.

    Was gefällt Ihnen in Deutschland, was nicht?

    Arbeit ist sehr wichtig in Deutschland, das mag ich. Wenn man einen  Job hat, kann man immer aktiv sein, mit Kollegen und Nachbarn. Hier kann man mit allen Leuten Kontakt aufnehmen, in Syrien ist das nicht so. Es gibt auch ein gutes System für Kinder und Familien, aber wenn die Kinder 18 sind, leben sie oft alleine, auch viele Senioren leben alleine, man kümmert sich nicht so umeinander wie in Syrien. Deutschland hat so viel Energie für junge Leute, für Familien, aber es gibt nicht genug Kinder.

    Karam Aljairoudi spricht noch besser Englisch, das Interview wollte er aber unbedingt auf Deutsch führen. Er möchte sich bei allen bedanken, die ihm in Berlin und speziell in Schöneweide geholfen haben. „Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben“

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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Thomas Loy - Redakteur beim Verlag Der Tagesspiegel im Haus am Askanischen Platz in Berlin Kreuzberg. von Thomas Loy tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Treptow-Köpenick,

der SPD geht es nicht gut, man pendelt so um 17 Prozent in den bundesweiten Wahl-Umfragen, über die Ursachen wird heftig gestritten, nun gibt es einen Ausweg: Der Osten muss liefern, die mitgliederschwachen Bezirksverbände in Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Dort kam die SPD bei der Bundestagswahl vor einem Jahr nur auf rund 15 Prozent, fast fünf Prozent weniger als im Westen der Stadt. Der einzige SPD-Bürgermeister in den östlichen Bezirken ist TreKö-Chef Oliver Igel. Vielleicht wird er ja bald zum „Beauftragten für strukturschwache Kreise“ ernannt, ein neues Amt, dessen Einrichtung in einer parteiinternen Analyse gefordert wird. Der Beauftragte soll die SPD im Osten wieder aufrichten. Überhaupt will die SPD mehr Führungspersonal und Wahlbewerber mit „gelebter Ostbiografie“ aktivieren. „Von unseren fast 20 Senatoren und Staatssekretären hat nur der Innensenator Andreas Geisel eine solche“, heißt es in der Analyse, die am 17.  November auf dem SPD-Landesparteitag vorgestellt werden soll. Geisel ist Lichtenberger. tagesspiegel.de

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

Thomas Loys Tipp für Sie

Musikfestival „Glitzer statt braun“. Rechtsextremisten ziehen grölend durch Schöneweide. Was nach der Schließung von „Henker“ und „Hexogen“ in der Brückenstraße eigentlich Geschichte sein sollte, lebt offenbar wieder auf. Die Aktion Noteingang bietet Zufluchtsräume für Betroffene von rechter Gewalt, außerdem soll die Kooperation von Initiativen gegen Rechtsextremismus und Rassismus gefördert werden. Im CAFE Köpenick, Seelenbinderstraße 54, steigt am Samstag, 22. September, ab 14 Uhr das Musikfestival „Glitzer statt braun“ für die Aktion Noteingang. Mit den Bands Late Night Circus, Phaenotyp, Black Monster Truck, Pokemonreaktor uvm. Um 14.30 Uhr gibt es einen Workshop „Argumentationstraining gegen Rassismus“. bezirk.de

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