• Leerer Raum_17

    Nachbarschaft

    Linda Stein, 28, Initiatorin von „Schöneberg.EU“, organisiert die Veranstaltungsreihe “Europawahl und was das Ganze mit mir zu tun hat”

    Unter dem Motto „Schöner Abend – schöne Berg – schönes Europa“ hat Stein am 11., 17. und 23. Mai „Im leeren Raum“ nahe S-Bahnhof Schöneberg je einen Abend mit Politik, Musik und Tanz organisiert. Stein hat die Veranstaltungen privat organisiert und bewusst parteiunabhängig gehalten. Die Reihe wird vom Kiezfonds Schöneberg gefördert.

    Was hat Schöneberg mit der EU zu tun? Ich wohne in Schöneberg und Ziel der Programmreihe ist es, Menschen zum Wählen zu animieren. Das funktioniert natürlich am besten, wenn man den Menschen aufzeigt, welchen Einfluss die Wahl auf ihr Leben und ihren Alltag hat, auch hier in Schöneberg.

    Welche Beispiele gibt es für diesen Einfluss? Der erste Vortrag von Milena Rosa Pressentin handelte vom Thema „Mietenwahnsinn“ – auch für Schöneberg wichtig, denn hier sind die Mieten nicht gerade günstig. Es ist zwar kein typisches europäisches Thema, aber Pressentin hat gut die Verbindung dargelegt. Auch wenn das Europäische Parlament keine Gesetze zur Wohnungspolitik beschließt, die Deutschland direkt betreffen, hat es trotzdem Einfluss auf die Wohnungspolitik. Pressentin hat erläutert, welche Möglichkeiten die Parteien und Abgeordneten im Europaparlament haben, auch über Wohnungspolitik zu debattieren und welche Parteien das effektiv machen. Ein anderes Thema ist die Umweltpolitik, darüber hat Selvi Pabst gesprochen. Das ist wiederum ein sehr typisches Thema der EU-Wahl, gerade in Großstädten, wo die Luftverschmutzung jeden betrifft. Auch Pabst hat gezeigt, welche Parteien wirklich etwas für den Umweltschutz auf EU-Ebene unternehmen und welche nur viel darüber reden.

    Das Schöne an den Abenden ist, dass Politik mit Musik und Tanz verbunden werden. Wie kam diese Idee? Ich bin der Überzeugung, dass nicht nur Politik die Kraft und Wirkung hat, Menschen zusammenzubringen, sondern auch Kunst und Musik. Letztere aber auf andere Weise. Die Themen ziehen auch unterschiedliche Menschen an. Am besten, man verbindet sie also. Wir wollen nicht nur politische Vorträge anbieten, wie in einem Seminar, sondern auch allen eine gute Zeit bieten. Das hat bisher sehr gut geklappt.

    Das Thema des dritten und letzten Termins der Reihe ist „Meine EU oder keine EU“. Wie würden Sie jemanden überzeugen, der oder die ganz klar für „keine EU“ stimmen will? Die Europäische Union ist fundamental eine gute Idee. Die vertraglichen Verbindungen, die Staaten zueinander aufgebaut haben, sind Garanten für Frieden zwischen diesen Staaten. Außerdem ist die EU eine großartige Chance, anderen Menschen zu begegnen. Wenn uns die EU gerade nicht gefällt, können wir durch unser Wahl das Europa-Parlament (EP) beeinflussen: nicht nur inhaltlich, sondern auch welche Funktionen das EP eigentlich hat. Die demokratische Legitimation des Parlaments hat beispielsweise seit Beginn der EU stark zugenommen. Wir können Europa also verändern.

    Wie bleiben Sie optimistisch, trotz der aktuellen Entwicklungen in der EU, dem wachsenden Populismus, dem Auseinanderdriften und dem Brexit? Seit den Anfängen der europäischen Integration hat es immer Reibungen gegeben. Aber, es ist auch sehr viel passiert und zusammengewachsen, vor allem wenn man sieht, in welch kurzer Zeit die Union zu dem geworden ist, was sie jetzt ist. Da bin ich optimistisch. Und gerade beim Brexit muss sich jede und jeder überlegen, was sie oder er von der EU fordert. Und dann wählen gehen!

    Wählen Sie per Briefwahl oder klassisch im Wahllokal? Ich werde am Sonntag ins Wahllokal gehen. Das mag ich lieber, da kann man die Wahl richtig zelebrieren.

    Der „Dritte schöne Abend“ findet am Donnerstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr im „Leeren Raum“ statt. Marie Loerke und Keno Franke diskutieren darüber, ob Keine EU oder Meine EU besser ist. Ebersstraße 27, der Eintritt ist frei und es gibt kalte Getränke. Dazu Tanz und Musik mit „Ktreen and the machine“. Facebook-Event

    Foto: Moritz Melms

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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Judith Langowski von Judith Langowski tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Tempelhof-Schöneberg,

diese Woche wird europäisch. Und die Grünen mit 30 Prozent stärkste Partei in Berlin – in Tempelhof-Schöneberg holten sie sogar 34 Prozent. Nein, keine Angst, Sie haben nicht vergessen zu wählen. Die „richtige“ Europawahl ist erst am Sonntag. Aber am vergangenen Freitag durften junge Wähler*innen unter 18 Jahren in 240 Wahllokalen ihre Stimme abgeben. Die Ergebnisse für unseren Bezirk sehen Sie hier: u18.org.

Die Europawahl brilliert meist – durch Abwesenheit der Wähler. Verglichen mit den Bundes- oder Landtagswahlen ist die Teilnahme gering: seit der ersten Europawahl 1979 fiel sie von 65 auf 48 Prozent. Trotzdem liegt Deutschland damit noch über dem EU-Durchschnitt von 43 Prozent.

Ob diesen Sonntag mehr Menschen an die Urnen getrieben werden, aus Sorge vor dem Rechtsruck oder um für besseren Klimaschutz einzustehen? Linda Stein hofft das zumindest. Sie organisiert ganz parteiunabhängig die Veranstaltungsreihe “Europawahl und was das Ganze mit mir zu tun hat” im „Leeren Raum“ am S-Bahnhof Schöneberg. Am Donnerstag, 23. Mai, können Sie sich dort noch ein letztes Mal überzeugen lassen, warum es sich lohnt wählen zu gehen. In der Rubrik „Nachbarschaft“ erzählt Stein unter anderem wie Tanz und Politik zusammenpassen.

Wenn Sie das noch nicht überzeugt, tut es vielleicht das Geld: Wissen Sie welche Projekte, Vereine und Gebäude von EU-Förderung profitieren? Wir haben nachgehakt und einiges herausgefunden. Zum Beispiel, dass in Tempelhof-Schöneberg über eine Million Euro EU-Förderung über das Programm Partnerschaft-Entwicklung-Beschäftigung an Vereine im Bezirk verteilt wurde. Wofür genau das Geld investiert wird, lesen Sie weiter unten bei „Namen und Neues“. Wenn es um Senatsmittel geht, die der Bezirk für Investitionen hätte ausgeben können, sieht es im Bezirk dagegen mau aus: Im Jahr 2018 wurden in Tempelhof-Schöneberg nur etwa acht Prozent der verfügbaren Mittel abgerufen – das ist die geringste Quote in ganz Berlin. Meine Kollegin Susanne Vieth-Entus erklärt, woran das liegt: tagesspiegel.de.

Judith Langowski ist Redakteurin der Leute-Newsletter und vertritt hier gerade Sigrid Kneist. Lob, Kritik und Anregungen gerne an leute-j.langowski@tagesspiegel.de. Auf Twitter finden Sie sie @the_langow.

Judith Langowskis Tipp für Sie

Neue Kunst. Drei Jahre lang haben die Künstler*innen am Lette-Verein am Viktoria-Luise-Platz gelernt und sich in den Bereichen Grafik, Modedesign oder Fotografie ausbilden lassen. Die Ergebnisse ihrer Schulzeit zeigen sie nun an drei verschiedenen Terminen. Die Grafik-Arbeiten sehen Sie am Freitag, 24. Mai, im X-Lane in der Reichenberger Straße 154. Die Abschlussmodenschau “Take off take over” wird am Samstag, 25. Mai, im Kulturforum am Matthäikirchplatz, Nähe Potsdamer Platz gezeigt. Und die Fotograf*innen präsentieren ihre Werke unter dem Thema “Durst” im Kühlhaus Berlin am Gleisdreieck-Park am Donnerstag, 6. Juni. Weitere Infos: letteverein.berlin.

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