• Rüther Kai Uwe Heinrich

    Nachbarschaft

    Martin Rüther, Hobbyshop Rüther, Schöneberg

    Werkeln, kneten, flechten, malen. Seit 50 Jahren finden Kreative ihre Utensilien in der Goltzstraße in Schöneberg. Was sich dort heute als Hobbyshop Wilhelm Rüther über drei Läden und einen an der Frankenstraße mit zusammen 750 Quadratmeter Fläche erstreckt, begann am 18. August 1969 recht klein. Nur wenige Ecken entfernt in der Gleditschstraße eröffneten damals Wilhelm und Brigitte Rüther ihr Geschäft. „Auf 19 Quadratmetern “, erzählt mir bei einem Besuch ihr Sohn Martin, der heute das Geschäft im Wesentlichen führt und gemeinsam mit seinem Vater als Geschäftsführer fungiert.

    In den Anfangsjahren waren die Bastelvorlieben der Deutschen noch vergleichsweise überschaubar. Rüther zählt sie auf: Man arbeitete mit Bast oder Filz, flocht mit Peddigrohr, machte Blumenampeln aus Macramé oder probierte sich im Schmuckdesign mit Emaille und Silberdraht aus. Dass Menschen überhaupt handwerkliches, kreatives, künstlerisches Arbeiten als Hobby betrieben, war damals ein relativ junges Phänomen.

    Heute ziehen sich bei Rüther an allen Wänden die Regale entlang. Sie sind voll mit allem, was man zum Basteln braucht. Styroporköpfe oder -torsi in mehreren Größen, Schächtelchen aus Spanholz oder Pappe, Bänder, Tonfigürchen, Beutel zum Bedrucken oder Bemalen, Tassen und Teller zum Selbergestalten. Plastikkugeln, aus denen man eine Minnie-Maus basteln kann oder Styroporkugeln für Einhörner. Und und und. Dazu Papier in allen Stärken und Stifte, Stifte, Stifte. Mehr als 60.000 Artikel hat das Geschäft im Sortiment. Verschiedene wohlgemerkt. „So genau weiß das keiner“, sagt Rüther. Das glaubt man sofort, die Inventur muss eine Qual sein. Lesen Sie hier meine Geschichte über das Schöneberger Bastelparadies: tagesspiegel.de
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    Hobbyshop Rüther, Goltzstraße 37 (Schöneberg), Montag bis Freitag 9.30 bis 19 Uhr, Samstag 9.45 Uhr bis 16 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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Sigrid Kneist von Sigrid Kneist tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Tempelhof-Schöneberg,

es ist wahrscheinlich die wichtigste verkehrspolitische Maßnahme in unserem Bezirk: Im kommenden Jahr soll der Tempelhofer Damm zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinstraße eine sichere Radspur bekommen. Das alleine wäre noch nicht die Top-Nachricht. Aber dafür werden auf diesem gut 1,5 Kilometer langen Teilstück der großen Nord-Süd-Ausfallstraße, die gleichzeitig eine Bundesstraße ist, sämtliche Parkplätze am Straßenrand wegfallen. Aus der Parkspur wird die Radspur. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Projekt nach Auffassung von Verkehrsstadträtin Christiane Heiß (Grüne) in einem Jahr umgesetzt sein. Allzu viel Bauarbeiten sind dafür nicht notwendig. Einzelheiten können Sie hier lesen: tagesspiegel.de

In die Bürgerbeteiligung einbezogen waren auch Mitglieder des Netzwerks Fahrradfreundliches Tempelhof; sie haben an den Leitlinien für das Projekt, das als Verkehrsversuch firmiert, mitgearbeitet. Sie hätten dabei zwar auch für eine weitgehendere Lösung – mit insgesamt nur zwei statt jetzt vier Fahrspuren für Autos, –  plädiert, können sich aber auch mit der jetzt gefundenen Lösung anfreunden. Die radikalere Lösung wird nämlich nicht verworfen, sondern bleibt als Vision für die Zukunft bestehen, so Stadträtin Heiß.

Mit einer anderen Verkehrssituation im Bezirk sind Radaktivisten aber sehr unzufrieden. In der vergangenen Woche habe ich über die Großbeerenstraße/Marienfelder Allee/Daimlerstraße berichtet. Das Netzwerk hat Einsicht in die Planungen der Verkehrslenkung nehmen können. Die Fahrradlobbyisten kritisieren vor allem, dass dort lediglich eine Radspur mit weißer Farbe markiert, aber nicht baulich vor dem schnellen Auto- und Lastwagenverkehr geschützt werden soll. Die Planungen entsprächen nicht dem Mobilitätsgesetz und dürften deshalb nicht umgesetzt werden, sagt Jens Blume vom Netzwerk. „Auf Hauptstraßen sind baulich geschützte Radwege zu errichten.“ Außerdem gebe es weiter Passagen, wo Rad- und Autoverkehr miteinander verflochten sind. „Angstweichen“ nennt man die Stellen, an denen rechtsabbiegende motorisierte Fahrzeuge den Radweg kreuzen. Außerdem sei nicht tragbar, dass die verbleibenden Fahrspuren für Autos verbreitert würden. Das lade zu mehr Raserei ein.

Aber nicht nur Radfahrer sorgen sich um ihre Sicherheit; auch die Fußgänger melden sich inzwischen vermehrt zu Wort. Der Fußgängerverband FUSS e.V. hat für kommenden Mittwoch, 28. August, 16 Uhr am Alexanderplatz zur Demonstration aufgerufen. facebook.com

Und wie wäre es mit einigen vorübergehend ganz autofreien Straßen? Das können sich die Grünen vorstellen. Sie plädieren dafür, in jedem Ortsteil des Bezirks eine temporäre Spielstraße einzurichten. Starten wollen sie damit in der Crellestraße in Schöneberg – zwischen Helmstraße und Kolonnenstraße. An einem bestimmten Tag in der Woche soll die Straße dann für einige Stunden den spielenden Kindern gehören. So steht es in einem Antrag für die Bezirksverordnetenversammlung. In einem weiteren Schritt könnten dann auch Spielstraßen in den anderen sechs Ortsteilen entstehen. In Friedrichshain-Kreuzberg wurde ein entsprechender Beschluss schon für die Böckhstraße zwischen Grimm- und Graefestraße gefasst und umgesetzt. Bis zum 30. September können jeden Mittwoch von 14 bis 18 Uhr Kinder hier ungestört spielen. tagesspiegel.de

Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Vor mehr als 20 Jahren hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie wenig später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de

Unser Tipp für Sie

Theater ohne Gitter. Es ist ein besonderer Ort – und eine besondere Compagnie. Das Gefängnistheater Aufbruch hat sich in diesem Jahr den Flughafen Tempelhof ausgesucht, um dort das Stück „Die Schauspieler“ des Dramatikers Einar Schleef aufzuführen. Einmal im Jahr verlässt das seit 18 Jahren bestehende Theater die Justizvollzugsanstalten, um an interessanten Orten im Stadtraum literarische und dramatische Vorlagen zu erarbeiten; sonst spielt das Theater in den Haftanstalten. Das Ensemble für die Aufführung in Tempelhof hat 22 Darsteller: Ex-Häftlinge, Freigänger, gelernte Schauspieler und Laiendarsteller. Mehr als die Hälfte der Darsteller hat einen Gefängnishintergrund.

In Schleefs Komödie besucht eine Theatertruppe eine Notunterkunft, um dort Studien für ein sozialkritisches Stück – vielleicht Gorkis „Nachtasyl“ – zu betreiben. Am Ort Tempelhofer Flughafen waren bis vor Kurzem Flüchtlinge untergebracht. Theater trifft auf Realität. Am Mittwochabend ist die Premiere des Stücks. Vorstellungen: 23., 24., 25., 28., 29., 30. und 31. August sowie 1., 4., 5., 6. und 7. September jeweils um 19.30 Uhr, Flughafen Tempelhof. Tickets können Sie hier bestellen. Infos über das Theater Aufbruch: gefaengnistheater.de

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