• frank bertermann

    Nachbarschaft

    Frank Bertermann, Grünen-Politiker und neuer Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte

    Herr Bertermann, Sie sind schon seit den 90er Jahren Bezirksverordneter. Wie fühlt es sich an, jetzt neuer Vorsteher zu sein? Ich habe meine Karriere in der BVV Mitte 1994 als Bürgerdeputierter im Stadtentwicklungsausschuss gestartet und bin, mit einer kleinen Unterbrechung während der Bezirksfusionszeit 2001, seit 1995 Bezirksverordneter in Mitte. Damit dürfte ich vermutlich in der BVV Mitte inzwischen Alterspräsident sein. Mit dem Amt als Vorsteher hab ich nun wohl das Ende der „Karriereleiter“ in der BVV erreicht.

    Wie verstehen Sie diesen Job und was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Sascha Schug von der SPD? Ich habe in der letzten BVV nach meiner Wahl nochmals ausdrücklich Sasche Schug für seine BVV-Vorsteherarbeit der letzten zweieinhalb Jahre gedankt. Und das war sicherlich keine Höflichkeitsfloskel, sondern mein voller Ernst. Sascha Schug hat einen tollen Job als Vorsteher gemacht. Er war in meinem Erleben immer darauf bedacht, alle Fraktionen gleichberechtigt zu behandeln und die BVV würdig zu vertreten. Und er hat ein tolles BVV-Büro aufgebaut, das am Beginn seines Amtsantrittes personell am Boden lag. Insofern gibt es eigentlich nichts, was ich zwingend anders machen würde.

    Ich verstehe meine zukünftige Tätigkeit als BVV-Vorsteher – die ja kein Job, sondern eine ehrenamliche Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung ist – als Aufgabe, die BVV nach außen zu repräsentieren und nach innen dafür die organisatorische Sorge zu tragen, dass alle Verordneten die bestmögliche  Voraussetzungen für ihre Arbeit bekommen. Dazu gehört insbesondere, dass sie auf ihre Fragen an das Bezirksamt schnell Antworten bekommen und das Bezirksamt die Beschlüsse der BVV in einem überschaubaren Zeitraum bearbeitet. Das die Antwort des Bezirksamtes auf einen BVV-Beschluss schon mal fünf Jahren dauern kann, ist meiner Meinung nach indiskutabel.

    Ihr politisches Thema ist die Stadtentwicklung. Wo sehen Sie da die größten Probleme im Bezirk? Werden Sie sich auch weiterhin in diesem Bereich engagieren können? Meine politische Sozialisation aus der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ der Wendezeit war die Wohnungspolitik. Als eher unpolitischer Ossi, dessen wohl einzige politische Aktion die Verweigerung des Waffendienstes in der NVA war, bin ich zum politischen Wessi geworden. Da mir meine Frau wohl nicht ganz zu Unrecht einen zum Teil ausgeprägte privaten Konservatismus nachsagt – ich verweigere noch heute konsequent Twitter und Facebook und bin der Ansicht, dass sich das mit dem Internet vermutlich nicht durchsetzen wird – will ich mich auch weiterhin im Stadtentwicklungsbereich engagieren. Die größten Probleme spüren ja immer mehr Menschen nicht nur in Mitte: Zu wenig Wohnungen für zu viel Miete und die Angst, durch Rausmodernisierungen oder Mieterhöhungen ihren Lebensmittelpunkt zu verlieren. Dagegen möchte ich mit meinen wenigen Mitteln auf Bezirksebene auch weiterhin ankämpfen.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

von
bis
Bitte geben Sie hier den Suchbegriff ein!
Laura Hofmann. von Laura Hofmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

baden in der Spree, mitten in Berlin. Vor der Kulisse des Berliner Doms, des Bode-Museums und des wiedererrichteten Stadtschlosses. Was für viele Berliner ein Traum ist, der 2025 Wirklichkeit werden soll – da sind sich Regierungsfraktionen und Opposition einig – ist für die Arbeitsgemeinschaft der historischen Bürgervereine ein Albtraum. „Es ist nicht wünschenswert, die Fischerinsel in ein Biotop, den blinken Wasserspiegel des Spreekanals in einen Schilffteich und den Kupfergraben in ein Prinzenbad zu verwandeln“, sagt Benedikt Goebel vom Bürgerforum Berlin. Außerdem sei das Projekt weder genehmigungs-, noch realisierungsfähig. „Ein 1000 Meter langes Flussbad im Spreekanal braucht Berlin nicht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft. Innerhalb und außerhalb der Stadt gebe es bereits viele schöne Badestellen. Die Mitte sei dafür kein Ort.

Im Gegenteil: Die fünf Vereinsvorsitzenden – übrigens allesamt Männer – sehen im Flussbad „eine Gefahr für das Umfeld“, weil es die Ufermauern des Kupfergrabens, die trotz Krieg im Wesentlichen erhalten blieben, zerstören würde. „Eine Stadt lebt davon, dass es Räume gibt, die einen besonderen Charakter haben“, schreiben sie. „Das sind in der Mitte der Städte oftmals Orte mit kultureller Bedeutung, die Ruhe und Konzentration ausstrahlen.“ Umkleidekabinen, Toiletten, Liegewiesen und Wasserzugänge würde dagegen eine „Eventisierung“ der historischen Mitte bedeuten.

 „Die in den Vordergrund gestellten ökologischen Überlegungen haben hintenan gestellt zu werden“, fordern Goebel und Co. Die bisherigen Analysetätigkeiten des Flussbad-Vereins hätten außerdem kein verwertbares Ergebnis gebracht. Um die Wasserqualität des Flusses und des Seitenkanals nachhaltig zu verbessern, sei dagegen dringend ein Umbau der vorhandenen, veralteten Mischwasserkanalisation erforderlich. Nur wenn durch Umbau die Einleitung von verschmutztem Regenwasser verhindert werde, sei eine Reinhaltung des Spreewassers möglich. Sie fordern, die Verträglichkeit des Flussbades mit dem Welterbestatus der Museumsinsel durch die UNESCO zu prüfen. Bis dahin sei das Projekt auszusetzen. Nicht erklärbar sei für die Männer, warum auch ohne diese Prüfung bereits über zehn Millionen Euro der Steuerzahler in das Projekt geflossen seien.

Im April hatten Bund und Senat verkündet, für die Planung und den Bau der ersten Freitreppe als Wasserzugang für das Flussbad insgesamt 6,4 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.  In den vergangenen Jahren waren bereits vier Millionen Euro als „Entwicklungsförderung“ in das Projekt gegeben worden.

Am 16. Juni findet der fünfte Flussbad-Pokal statt, für den man sich hier anmelden kann.

Laura Hofmann ist Redakteurin für Landes-und Bezirkspolitik beim Tagesspiegel. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg, die Türme vom Potsdamer Platz fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

Laura Hofmanns Tipp für Sie

Am Freitag ist Tag der Nachbarn. Dann finden wieder tausende kleine und große Nachbarschaftsfeste in ganz Deutschland statt. Zahlreiche auch in Mitte. Der Verein KulturLeben zum Beispiel lädt Nachbarinnen und Nachbarn zu einem bunten Frühlingsfest in seine Büroräume ein. Bei Live-Musik und kulinarischen Köstlichkeiten können sich Besucher über das inklusives Musikprojekt Werkstatt Utopia oder die Netzwerkstelle für freiwillige Flüchtlingsarbeit informieren. Die Initiative Grüne Schleife feiert im Wendehammer Schwartzkopffstraße ein kleines Kiezfest und in der Sophienstraße gibt es eine lange Tafel. Auch Privatpersonen können ihre Höfen und Gärten öffnen. Auf dieser Webseite sehen Sie, was in ihrer Nachbarschaft so los ist. Dafür geben Sie einfach Ihre Postleitzahl ein. Der Tag der Nachbarn ist eine Initiative der gemeinnützigen nebenan.de Stiftung.

Stadtleben auf Twitter

Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels:

Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt.

Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de. Wir freuen uns auf Ihre Bilder! 

Die Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.

  • Der Architekt, der das Tempelhofer Feld bebauen will Abspielen Der Architekt, der das Tempelhofer Feld bebauen will
  • Der Luftbrückenhelfer Abspielen Der Luftbrückenhelfer
  • Die ehemalige Zwangsarbeiterin Abspielen Die ehemalige Zwangsarbeiterin
  • Mobile City und Verkehrswende auf der re;publica Abspielen Verkehrswende in Berlin: „Es darf nicht so weitergehen“
  • Sigi Maurer über Hass im Netz: „Wir sind alle das Patriachart“ Abspielen Sigi Maurer über Hass im Netz: „Wir sind alle das Patriarchat“
  • Satirische Protestparty zieht durchs Villenviertel Abspielen Satirische Protestparty zieht durchs Villenviertel
  • MyFest in Kreuzberg Abspielen Wieder Zehntausende beim MyFest in Kreuzberg
  • Raphael Fellmer rettet mit SirPlus Lebensmittel. Abspielen Der Lebensmittelretter – Mit SirPlus gegen die Verschwendung
  • Berliner Halbmarathon Abspielen Berliner Halbmarathon
  • Zehntausende demonstrieren gegen „Mietenwahnsinn“ Abspielen Zehntausende demonstrieren gegen „Mietenwahnsinn“
  • Radikalisierung im Osten – Was ist in den letzten 30 Jahren schiefgelaufen? Abspielen Radikalisierung im Osten – Was ist in den letzten 30 Jahren schiefgelaufen?
  • Zehntausende bei Demo "Fridays for Future" in Berlin Abspielen Fridays for Future: „Das ist der Aufstand der Jugend“
  • Ist die SPD für junge Menschen noch attraktiv? Abspielen Ist die SPD für junge Menschen noch attraktiv?
  • Europa hat die Wahl (3): "Orban ist ein Werkzeug der größten EU-Gegner" Abspielen Europa hat die Wahl (3): "Orban ist ein Werkzeug der größten EU-Gegner"
  • Demo "Frauenkampftag" in Berlin Abspielen „Frauenkampftag“ – Demonstration für Gleichstellung