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    Nachbarschaft

    Der spanische Street-Art-Künstler Mario Mankey hat eine Brandwand in der Schulzendorfer Straße 23 in Wedding gestaltet. Zu sehen ist eine farbenfrohe Collage aus verschiedenen Motiven. Mario Mankey, in Berlin vor allem bekannt durch seine große Fuß-Skulptur „Ego Erectus“ im Street-Art-Projekt „The Haus“, hat das Werk im Rahmen der Sleep Art Week vor Ort umgesetzt. Das Gebäude, das sich nun mit dem Kunstwerk schmücken darf, gehört der Fortis Group. „Wir sehen, dass Street Art in Berlin einen immer höheren Stellenwert bekommt und sehen es auch als Stück Berliner Kultur, die aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken ist“, sagte deren Geschäftsführers Mark Heydenreich. Und er ergänzt: „Käufer in Berlin achten bei der Immobiliensuche neben den funktionellen Aspekten auch immer mehr nach Objekten mit Charakter und Geschichte.“

    Das ehemalige Fabrikgebäude in der Schulzendorfer Straße ist ein Stück Berliner Industrie-Geschichte. Stellmacherei, Damenmantel- und Zigarrenfabrik, Buchdruck und Spiralfederherstellung waren hier im Laufe von mehr als 100 Jahren beheimatet. Zuletzt wurde das Gebäude von „Auto Tip“ genutzt. Heute verkauft die Fortis Group die teilsanierten Lofteinheiten im Hinterhaus und die Eigentumswohnungen im Vorderhaus zum Selbstausbau.  Auch die Straßenkunst ist in Berlin längst zum Geschäftsmodell geworden.

    Foto: Million Motions

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Laura Hofmann. von Laura Hofmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

kennen Sie das orangefarbene Ufo im Brunnenviertel? Seit sieben Jahren steht das ehemalige Diesterweg-Gymnasium leer und verfällt immer weiter. Seit sechs Jahren versucht die gemeinwohlorientierte Anwohnerinitiative PS Wedding, das Gebäude zu sanieren und im Erdgeschoss ein soziokulturelles Nachbarschaftszentrum mit Theater, Kino, Bibliothek und Café aufzubauen sowie günstigen Wohnraum (Mieten zu 70 Prozent für 6,50 Euro, den Rest für 9,50 Euro) im Rest des Gebäudes sowie auf einem Neubau auf dem Gelände zu schaffen. Seit 2015 kooperiert die Initiative mit der Degewo, die auf dem Rest des Grundstücks Wohnungen bauen soll. Doch daraus wird jetzt wohl nichts. Denn das Bezirksamt plant, das Gelände als Schulstandort zu reaktivieren. Dafür soll der markante 70er-Jahre-Bau mit den abgerundeten Ecken abgerissen und eine neue vierzügige integrierte Sekundarschule gebaut werden. Beigetragen zur Überlegung des Bezirksamts hat nach eigenen Angaben der Wasserrohrbruch vor wenigen Wochen, der Teile des Kellers unter Wasser gesetzt hat und den Preis für eine Sanierung weiter nach oben treiben würde.

„Für mich ist das Gebäude aus wirtschaftlicher Sicht ein Totalschaden“, sagt Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU). Den Totalschaden sieht auch Oliver Clemens von PS Wedding, allerdings einen politischen. „Wenn das gutes Regieren ist, finde ich es beschämend“, sagt er (siehe Kiezkamera). Seitdem das Gebäude leer steht, hätte es immer geheißen, man bräuchte Wohnraum im Viertel. Das Brunnenviertel gehört zu den Gebieten Berlins, wo die Mieten am schnellsten steigen. Zudem fehle es an kulturellen Angeboten für die Nachbarschaft. All das wollte PS Wedding schaffen.

Auch der Bezirksverordnete Frank Bertermann (Grüne) ist wütend auf das Bezirksamt, bezeichnet diese Politik als „unterirdisch“. Damit setze man sich über die jahrelange Unterstützung des Projekts durch mehrere Beschlüsse der Bezirksverordnetenversammlung hinweg. Auch das Bezirksamt hatte sich ursprünglich für PS Wedding ausgesprochen. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) gehört ebenfalls zu den Unterstützerinnen. Und im Juni 2018 bestätigte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) schriftlich, dass das Grundstück mit vorgeschalteter Anhandgabe an PS Wedding in Erbbaurecht vergeben werden soll. Geschehen ist das allerdings nicht. Das jahrelange Hinhalten findet auch Maja Lasić, bildungspolitische Sprecherin der SPD und Abgeordnete aus Wedding, „tragisch“. Eine Schule sei vor Ort allerdings dringend nötig, „deswegen ist das aus Sicht des Brunnenviertels eine gute Lösung“, sagt sie.

Wohnungsbau gegen Schulbau – ein klassisches Berliner Dilemma unserer Zeit. Spallek wehrt sich gegen die Vorwürfe von PS Wedding. Vor der Schulbauoffensive hätte der Bezirk für Abriss und Neubau gar kein Geld gehabt, deshalb stelle sich die Situation nun neu dar. Außerdem habe der Bedarf an Schulplätzen im Kiez in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Und es bliebe neben der neuen Schule immer noch Platz für Wohnungen, auf etwa einem Drittel der Grundstücksfläche. Außerdem habe sich der Bezirk frühzeitig darum bemüht, das Grundstück abzugeben. 2011 wollte er es an die BIM übertragen. Doch das war abgelehnt worden, mit der Begründung, es sei wirtschaftlich nicht zu vermarkten. Der Leerstand kostet den Bezirk 600.000 Euro im Jahr.

Tobias Schulze, Linken-Abgeordneter aus Wedding im Abgeordnetenhaus, fordert, erst einmal ein Gutachten des Gebäudes zu erstellen, bevor Fakten geschaffen werden. Doch Spallek sagt, er werde kein Gutachten in Auftrag geben, das müsste PS Wedding selbst tun. Er könne nicht vertreten, Geld dafür auszugeben, wenn für ihn schon vor dem Wasserrohrbruch klar gewesen sei, dass sich eine Sanierung des Gebäudes wirtschaftlich nicht lohne. Für Clemens ist all das zynisch. Er hält den Rohrbuch für ein vorgeschobenes Argument. Er und seine Mitstreiter haben für Sonntag, den 14. Oktober, um 14 Uhr eine Kundgebung vor dem Schulgebäude in der Putbusser Straße 12 angekündigt.

Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, den Fernsehturm immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

Laura Hofmanns Tipp für Sie

In diesem Jahr feiert die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 feierlich verabschiedet wurde, ihren 70. Jahrestag. „Brot für die Welt“ nimmt den 70. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Anlass, um mit der Veranstaltungsreihe „Mit Recht für Gerechtigkeit“ daran zu erinnern, welche Bedeutung Menschenrechte haben – für Frieden, für Gerechtigkeit und für ein Leben in Würde. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet eine Ausstellung mit Porträts und persönlichen Geschichten von Menschenrechtsverteidiger*innen aus dem Partnerspektrum von Brot für die Welt. Die Ausstellung ist vom 11.–31. Oktober (mittwochs bis samstags, 13 bis 18 Uhr, sonntags, 11.30 bis 17 Uhr) auf der Empore der Zionskirche zu erleben. Die Vernissage findet am 11. Oktober um 18 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

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