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    Nachbarschaft

    Hassan Asfour, 36, Mitgründer und Geschäftsführer von „Dialog macht Schule“.

    „Als ich das erste Mal in eine Klasse ging, dachte ich: Das bin ich vor 15 Jahren“, erzählt Asfour an einem sonnigen Dienstagmorgen im Oktober, 8.30 Uhr, in seinem Büro in der Prinzenallee Ecke Osloer Straße. Der Mitgründer des Bildungs-Start-ups „Dialog macht Schule“ schickt Dialogmoderatorinnen und -moderatoren in den Brennpunkt. An neun Schulen in der Stadt arbeiten sie derzeit, unter anderem in Wedding, Neukölln, Kreuzberg und Spandau. Sie sollen mit den Schüler*innen über Themen sprechen, die in ihrem Leben wichtig sind, für die im Unterricht aber kaum Platz ist: Identität, Rassismus, Religion. Und Projekte mit ihnen erarbeiten, die sie Selbstwirksamkeit lehren.

    Eines der Ziele: die Bildungschancen der Schüler zu erhöhen. Firmengründer Asfour musste selbst erleben, dass Berliner mit Migrationshintergrund häufig größere Herausforderungen zu überwinden haben als ihre Klassenkameraden. Er wurde im Libanon geboren, mitten im Bürgerkrieg. Mit drei Jahren kam er nach Berlin, wuchs in Reinickendorf auf. Der Nahost-Konflikt ist sein Lebensthema. Doch über seine Wut kann er in der Schule nicht sprechen. Und je mehr ihm der Mund verboten wird, desto lauter schreit er. Abitur? Ob er das schafft? Seine Lehrer sind sich da nicht so sicher. „Hassan, Abitur ist sehr schwierig“, sagen sie. „Ich musste unglaublich hart kämpfen“, sagt er heute.

    In Deutschland hängt der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen stärker von ihrer sozialen Herkunft ab als in anderen europäischen Ländern. Das zeigen Studien immer wieder. Kinder von Hochschulabsolventen besuchen mit viermal so hoher Wahrscheinlichkeit das Gymnasium als Jugendliche, die in sogenannten Brennpunktvierteln aufwachsen. Und nur 20 Prozent der Kinder von Nichtakademikern besuchen eine Universität, während das bei 70 Prozent der Akademikerkinder der Fall ist.

    Mehr zum Thema Bildungsgerechtigkeit und was „Teach First“ in Berlin dafür tun möchte, habe ich heute auf unserer Seite „Berliner Wirtschaft“ aufgeschrieben. Hier geht’s zum E-Paper.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute@tagesspiegel.de

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Laura Hofmann. von Laura Hofmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

wem gehört Berlin, wem gehört Mitte? Na Ihnen, den Bewohnerinnen und Bewohnern. Oder? Tatsächlich leben die allermeisten Berlinerinnen und Berliner, nämlich mehr als 80 Prozent, zur Miete und sind somit abhängig von den Eigentümern der Wohnungen und Häuser, in denen sie leben. Und oft wissen sie gar nicht, wer die sind, die Eigentümer ihrer Zuhause. Das wollen wir ändern. Deswegen rufen wir alle Berlinerinnen und Berliner auf, mitzumachen bei unserer Crowdrecherche, die der Tagesspiegel mit Correctiv zusammen an den Start gebracht hat. Auf www.wem-gehoert-berlin.de können Sie uns mitteilen, wer der Eigentümer Ihrer Mietwohnung ist und welche Erfahrungen Sie mit Ihrem Vermieter gesammelt haben. Mithilfe dieser Daten suchen wir nach unverantwortlichen Geschäftspraktiken und einflussreichen Playern.

Ganz wichtig: Beim Umgang mit den Daten gilt das Redaktionsgeheimnis. Das bedeutet, dass wir Informationen über Eigentümer niemals grundlos oder gesammelt veröffentlichen und nicht an Dritte weitergeben. Veröffentlicht wird, wie bei jeder Recherche, nur, wo ein berechtigtes öffentliches Interesse besteht. Es geht uns darum, herauszufinden, welche großen Firmen, Investoren und Fonds in Berlin Häuser besitzen – und wer mit illegalen oder zwielichtigen Geschäftspraktiken arbeitet.

Über den Wohnungsmarkt wollen wir auch mit Ihnen ins Gespräch kommen – und gehen dafür in die Bezirke. Am 6. November diskutieren wir über die Frage „Wem gehört Mitte?“ mit Bau- und Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) und Vertretern der Initiative „Zusammen für Wohnraum“, die aus dem Hausverkauf der Amsterdamer Straße Ecke Malplaquetstraße in Wedding entstanden ist. Auch Vertreter aus der Immobilienbranche sind angefragt. Sie sind herzlich eingeladen, mit zu diskutieren und Fragen zu stellen! Moderiert wird die Veranstaltung von mir. Los geht es um 20 Uhr in den Räumen von Correctiv in der Singerstraße 109 in Mitte (S- und U-Bhf Jannowitzbrücke). Den Termin können Sie sich jetzt schon vormerken und sich unter diesem Link für die Veranstaltung anmelden.

Mehr zum Thema Vorkaufsrecht, Mieterinitiativen und Abwendungserklärungen in Mitte finden Sie weiter unten bei „Namen und Neues“.

Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, den Fernsehturm immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

Frederik Hanssens Tipp für Sie

Das ist eine Sensation: „Vivid“, die neue Grand Show im Friedrichstadt-Palast, hat Humor, freut sich mein Kollege Frederik Hanssen. Und das ist Regisseurin Krista Monson zu verdanken. Aus Las Vegas, wo sie 14 Jahre beim Cirque du Soleil angestellt war, hat sie die Innovation mitgebracht. In Form von Jimmy Slonina. Zu Beginn sitzt er als muffeliger Spießer im Parkett, der sich sofort lautstark auf Englisch beim Saaldienst beschwert, als ein arabisch gekleideter Darsteller seine Tochter immersiv in die Show einbeziehen will. Das Mädchen aber nutzt die Gelegenheit, der Aufsicht des konservativen Vaters zu entwischen: Ruckzuck ist sie auf der Bühne zwischen spanischen Wänden verschwunden. Mr. Slonina hechtet hinterher, wird seine Tochter aber erst ganz am Ende des Abends wiederfinden, wenn sie durch die Erlebnisse in der fantastischen Theatertraumwelt zum weltoffenen Charakter gereift ist.

Hanssen lobt die Gruppenchoreografie der Roboterarmee, Glaceia Henderson als soulig singende Grace-Jones-Wiedergängerin, die regenbogenbunten Froschmenschen, die auf fünf Meter hohen, schwankenden Grashalmen hocken, die Hutkreationen von Philip Treacy, denen Stefano Canulli angemessen verwegene Kostüme hinzugefügt hat, den Spitzentanz der Ballerinas in ihren Veilchenkostümen, die metrosexuelle Nummer, in der die Damen Bubikopf zum Zylinder tragen und die Herren weit schwingende Derwisch-Röcke zum nackten Oberkörper, schließlich die traditionelle Girlreihe, bei der die Tänzerinnen Kreissägen-Kappen tragen, die erst weiß leuchten und später vielfarbig – das alles hat Klasse. Da wird auch die billige, schlüpfrige Erotik, eine Friedrichstadt-Palast-Ästhetik aus früheren Tagen, in der Eröffnungsnummer des zweiten Teils verziehen. Tagesspiegel.de

Tickets für „Vivid“ gibts ab 19,80 Euro. Die nächste Vorstellung ist am morgigen Donnerstag.

Frederik Hanssen ist Musikredakteur beim Tagesspiegel.

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