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    Nachbarschaft

    Michael Mikoleyczak, 44, Inhaber eines der letzten Heimwerkergeschäfte in Moabit.

    Seit 50 Jahren werden im „Heimwerk“, Alt-Moabit 104, bereits Schrauben verkauft, Farben gemischt und Holzarbeiten gefertigt. Seit 20 Jahren betreibt Mikoleyczak den Laden. Nun steht er vor dem Aus. Im Juni wurde ihm gekündigt, ohne Begründung, bis Ende des Jahres muss er raus. Ohne, dass er Mietschulden oder je Probleme mit der Hausverwaltung gehabt hätte. „Da ich bis heute keine passende Ladenfläche gefunden habe, steigt meine Existenznot mehr und mehr“, sagt Mikoleyczak.

    2015 wurde das Haus von Longan Properties S.a.r.L gekauft. Sucht man im Netz nach der Firma, findet man lediglich zwei postalische Adressen in Luxemburg-Stadt. Verwaltet wird das Haus seit 2017 von der Hausverwaltung Klingsöhr, die im Namen des Eigentümers auch die Kündigung ausgesprochen hat. Auf meine Anfrage kam bisher keine Antwort. Interessant: Bei einem ähnlichen Fall in Friedrichshain treten Longan Properties und Klingsöhr auch gemeinsam auf. Wie meine Kollegin Nele Jensch im Friedrichshain-Kreuzberg-Newsletter berichtet hat, wurde Carmen Lessoued-Metzdorf, die den Blumenladen „Pusteblume“ in der Samariterstraße 9 betreibt, ebenfalls kürzlich gekündigt, auch durch die Hausverwaltung Klingsöhr. Das erwies sich als rechtlich nicht zulässig, weil die Verwaltung dafür gar keine Vollmacht hatte. Auf Tagesspiegel-Anfrage hieß es dann plötzlich, der Eigentümer sei daran interessiert, einen neuen Mietvertrag mit Lessoued-Metzdorf auszuhandeln. Inzwischen wurde der Mietvertrag um drei Jahre verlängert, bei einer Mietsteigerung von 15 Prozent.

    Deswegen hat auch Mikoleyzcak Hoffnung geschöpft. Er hat zwei Angestellte, ist im Kiez verwurzelt, hat viele Stammkunden, deren Kinder er aufwachsen sah. Seiner Bitte nach Aufschub hat Klingsöhr jedoch nicht nachgegeben. Mikoleyzcak glaubt, dass sein Laden leergezogen werden soll, weil er sich so für mehr Geld verkaufen lässt. Alle Wohn- und Gewerbeeinheiten des Hauses seien nach dem Kauf durch Longan Properties gesplittet und zum Kauf angeboten worden. „Hier zählt offensichtlich die reine Profitgier“, sagt er traurig. „Somit geht ein Stück Berliner Geschichte zu Grunde, wie in so vielen anderen Städten auch.“

    Foto: Laura Hofmann

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Laura Hofmann. von Laura Hofmann tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Mitte,

wem gehört Mitte? Diese Frage haben wir gestern Abend bei Correctiv, unserem Partner bei der großen Schwarmrecherche „Wem gehört Berlin?“, diskutiert. Mit mir auf dem Podium saßen der SPD-Baustadtrat Ephraim Gothe, Investor Henrik Thomsen von der Groth Gruppe und Marie Münch vom Mieternetzwerk „Zusammen für Wohnraum“. Ihr Beispiel illustrierte gleich zu Beginn der Debatte, mit was für einer Situation wir es auf dem Berliner Immobilienmarkt gerade zu tun haben. Münch ist Mieterin auf dem historischen Remisehof in der Koloniestraße 10 in Wedding. Kurz bevor das Gebiet im September unter Milieuschutz gestellt wurde, hat die ZBI Invest Erlangen den Hof gekauft und will dort die Luxusstudentenappartments von nebenan erweitern. Das Projekt nennt sich Campus Viva und wirbt auf seiner Webseite wie folgt: „Studentenbude war gestern – Campus Viva ist heute! Die deutschlandweit agierende Marke für studentisches Wohnen steht für vollmöblierte Apartments im trendigen Design an Top-Studienorten in Deutschland. Campus Viva bietet Anlegern begehrte, renditestarke Immobilien mit Rundum-sorglos-Paket.“

Lösen auch voll möblierte Ein-Zimmer-Appartments für 20 Euro nettokalt das Berliner Mietenproblem, Herr Thomsen? Ja, sagte der Investor: „Solange durch Investitionen neue Wohnungen entstehen, kann Druck aus dem Immobilienmarkt genommen werden.“ Dass sich – einer aktuellen Studie zufolge – einige Großanleger allerdings trotz möglicher hoher Rendite von Berlin abwenden, liegt laut Thomsen daran, dass selbst ihnen die Stadt zu teuer wird: Der Baugrund koste schlicht zu viel. Das ist aus mehreren Gründen problematisch; vor allem, weil die Stadt jährlich etwa 20.000 neue Wohnungen für Neuberliner braucht, wie Gothe einschätzte. Die sechs städtischen Wohnungsgesellschaften könnten aber pro Jahr maximal 6000 neue Wohnungen bauen. „Wir brauchen die privaten Baugesellschaften, um das Problem zu lösen“, sagte Gothe.

In der anschließenden Debatte wurde sachlich und auch emotional diskutiert, es ging schließlich um das Menschenrecht auf Wohnen, das einige der Anwesenden durch die Gier nach möglichst hoher Rendite in Gefahr sehen. Viele der Menschen, die gekommen waren, erleben selbst gerade Situationen, in denen sie als Mieter betrogen oder verdrängt werden. In den nächsten Wochen werde ich noch einige Geschichten hier vorstellen. Wer die Debatte noch sehen möchte, kann das über diesen Facebook-Link tun (nicht irritieren lassen, am Anfang funktioniert der Ton kurzzeitig nicht richtig). Mehr über die Debatte lesen Sie hier: tagesspiegel.de.

Laura Hofmann arbeitet in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Ihre erste Berliner Wohnung war im Wedding, hierher kehrt sie immer gerne zurück. Heute wohnt sie an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte, den Fernsehturm immer fest im Blick. Schreiben Sie ihr eine Mail oder folgen Sie ihr auf Twitter oder Facebook.

Unser Tipp für Sie

Alte Möbel. Vom 16. bis zum 18. November findet die achte Berliner Vintagemöbelschau für moderne Designklassiker und Stilikonen statt. Drei Tage lang dreht sich im historischen Loewe-Saal in Moabit alles um Stil, Geschmack und Wohnkultur. Die Veranstalter versprechen authentische Stücke aus ganz Europa, solitäre Glanzstücke und ganze Wohnensembles aus Raritäten und feinstem Vintage. Dabei soll für jeden etwas dabei sein, denn mit nach Hause nehmen kann man Teile in allen Preisklassen, heißt es. Eigene Designschätze können durch das Münchner Auktionshaus Quittenbaum kostenlos geschätzt werden. Und früh kommen lohnt sich, denn ganz nach dem Prinzip „first come, first serve“ sind die seltenen Originale und Unikate schnell weg. Mehr Infos hier.

Freitag, 16. November, 17.30 bis 21 Uhr; Samstag, 17. November, 12 bis 20 Uhr; Sonntag, 18. November, 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für alle drei Tage kostet 10 Euro, Samstag und Sonntag jeweils fünf Euro. Wiebestrasse 42 in Moabit.

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