• Aktion in Berlin: Zentrum für Politische Schönheit errichtet „Säule gegen Verrat an der Demokratie“
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Aktion in Berlin : Zentrum für Politische Schönheit errichtet „Säule gegen Verrat an der Demokratie“

Die Aktivisten vom Zentrum für Politische Schönheit haben eine Stele auf dem Gelände der ehemaligen Krolloper aufgestellt. Darin soll Asche von Naziopfern sein.

Die Stele steht am Platz der ehemaligen Krolloper.
Die Stele steht am Platz der ehemaligen Krolloper.Foto: Sophie Kratzer

Zwei Jahre nachdem sie nahe dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke eine Nachbildung des Holocaust-Mahnmals errichtet haben, haben die Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit Montagfrüh ihre neue Aktion vorgestellt.

Am Platz der ehemaligen Krolloper, zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt, haben sie eine Säule aufgestellt – 2,5 Meter und vier Tonnen schwer. Es soll eine "Säule gegen den Verrat an der Demokratie" sein, heißt es auf der Website.

Nach dem Reichstagsbrand 1933 zogen die Parlamentarier ins Gebäude der Krolloper – und verabschiedeten dort das Ermächtigungsgesetz. Es war die Grundlage für die Aufhebung der Gewaltenteilung und Festigung der nationalsozialistischen Diktatur.

Säule nur bis Samstag genehmigt

Doch die Erinnerung daran ist nicht das einzige, was die Säule darstellen soll: Die Aktivisten schreiben, sie seien zwei Jahre lang zu Orten gefahren, an denen Menschen massenweise von Nationalsozialisten ermordet wurden. Dort hätten sie an 23 Orten in Flüssen, auf Feldern, an Dämmen 248 Proben genommen – und in 175 Hinweise auf menschliche Überreste gefunden, an einem Ort sogar „metertief Asche und Knochenkohle“.

Die Stele ist erstmal nur bis Samstag genehmigt.
Die Stele ist erstmal nur bis Samstag genehmigt.Foto: Sophie Kratzer

Ein Bohrkern aus dieser Erde sei in der Säule, sagen die Aktivisten. Sie sei also gefüllt mit menschlicher Asche aus dem Boden.

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„Das Zentrum für Politische Schönheit hat die Asche der Ermordeten Hitlerdeutschlands jetzt ins Regierungsviertel überführt“, heißt es auf der Website. Die Säule sei allerdings nur bis Samstag, 7.12, genehmigt, „sie soll aber für immer stehen bleiben“, heißt es. Bis Samstag sollen also Spenden gesammelt – das Ziel sind 50.000 Euro – und dann ein festes Betonfundament für die Säule gegossen werden.

Eine Wand neben der Stele, darunter: Kerzen, Blumen und Teddys.
Eine Wand neben der Stele, darunter: Kerzen, Blumen und Teddys.Foto: Sophie Kratzer

Außerdem kündigt das Zentrum für den Tag den „Zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich und Schwur gegen die AfD“ an – eine Protestveranstaltung gegen die Partei, der die Aktivisten Faschismus vorwerfen.

Von Montag bis Freitag sind zudem alle Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in jeweils vorgegebenen Besuchszeiträumen dazu aufgerufen, vor der Säule zu erscheinen und ihre demokratischen Absichten zu bekräftigen. Es solle keine Regierungsbildung mit der AfD angestrebt werden, "solange diese von Verfassungsfeinden, Holocaust-Leugnern und Faschisten dominiert“ werde, heißt es in einer Pressemitteilung. Auf einer Tafel mit allen Namen der Abgeordneten werde deren Erscheinen oder Fernbleiben dokumentiert.

Mauerkreuze, Särge, Tiger

In den vergangenen Jahren ist das Zentrum für Politische Schönheit mit mehreren Aktionen aufgefallen – gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung und der EU, und gegen Rechte. Vor fünf Jahren, kurz vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls, montierten die Aktivisten Gedenkkreuze für die Mauertoten am Reichstagsufer ab. Nachbildungen der Kreuze brachten sie an die EU-Außengrenze.

Zettel an der Säule, aufgestellt vom Zentrum für Politische Schönheit.
Zettel an der Säule, aufgestellt vom Zentrum für Politische Schönheit.Foto: Sophie Kratzer

2015 zogen sie unter dem Titel „Die Toten kommen“ mit Särgen und Holzkreuzen durch die Stadt und zur Wiese vor dem Bundestag.

Dort huben sie Gräber aus, symbolisch für die toten Flüchtlinge, die beim Versuch, nach Europa zu gelangen sterben. 2016 organisierten das Aktionstheater „Flüchtlinge fressen – Not und Spiele“ am Maxim-Gorki-Theater mit echten Tigern in einem einsehbaren Gehege vor dem Theater.

2017 dann stellten sie eine Nachbildung des „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ unweit des Hauses von AfD-Politiker Björn Höcke in Thüringen auf. Zuvor hatte er das Mahnmal in einer Rede als „Denkmal der Schande“ bezeichnet.

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