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Amtssitz des Bundespräsidenten: Sanierung von Schloss Bellevue: Steinmeier wird ausquartiert
Der Bundespräsident muss dienstlich umziehen: Schloss Bellevue wird generalsaniert. Mit Steinmeier wechseln auch seine Mitarbeiter in einen Ausweichbau. Zudem Möbel, Akten und ein ganzer Weinkeller.
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Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beginnt das neue Arbeitsjahr mit einem Routinetermin. Zu Dreikönig am Dienstag empfängt er im Schloss Bellevue die Sternsinger. Doch 2026 wird für das deutsche Staatsoberhaupt alles andere als Routine werden. Nicht nur, weil Steinmeier schon an diesem Montag seinen 70. Geburtstag feiert. Und nicht nur, weil 2026 das letzte volle Jahr seiner Amtszeit ist. Sondern auch, weil er im März aus seinem Berliner Amtssitz ausziehen muss.
Denn für Schloss Bellevue steht eine Art Generalsanierung an. Der 1785 im klassizistischen Stil errichtete Bau ist - auch wenn man ihm dies auf den ersten Blick nicht ansieht - in Teilen marode. Weil auch das daneben stehende, 1995 bis 1998 entstandene Verwaltungsgebäude, das Bundespräsidialamt, nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen entspricht, wird es zeitgleich auf Vordermann gebracht. Auch die rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort müssen daher im März für Jahre ihre Büros verlassen.
Zeit- und Kostenrahmen der Sanierung wird noch ermittelt
Was verwundert: Obwohl es bis zum geplanten Beginn der Sanierung nur noch wenige Monate hin sind, stehen dafür weder die Kosten noch der Zeitplan fest. „Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ermittelt derzeit den Zeit- und Kostenrahmen der Baumaßnahmen“, heißt es in der schriftlichen Antwort der zuständigen Bundesbehörde auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Wann dieser Zeit- und Kostenrahmen klar sein wird, lässt sich nach Angaben einer Sprecherin noch nicht sagen. An beidem werde gearbeitet.
Steinmeier und Mitarbeiter ziehen in einen Ausweichbau
Das Ausweichquartier für den Bundespräsidenten und seinen Mitarbeiterstab steht bereits. In der Nähe von Kanzleramt und Hauptbahnhof wurde ein sechsgeschossiger Bau hochgezogen, der durch seine bunten Farben zwischen den hohen Fenstern Akzente setzt.
Die Büros wurden als Vollholzmodule in einer Halle in Berlin-Köpenick produziert und dann eingebaut. Kosten des Gebäudes: 205 Millionen Euro. Dort sollen später Bundesbehörden einziehen, wenn die Sanierungsarbeiten im Schloss Bellevue und im Bundespräsidialamt abgeschlossen sind.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten stehen an
Bis dahin werden aber Jahre vergehen. „Zahlreiche bauliche und technische Mängel sowie gestiegene Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit, Energieeffizienz und Barrierefreiheit machen eine grundlegende Erneuerung unumgänglich“, heißt es auf der Seite des Bundespräsidenten zu den bevorstehenden Baumaßnahmen an seinem Berliner Amtssitz.
So ist im Schloss Bellevue das Dach undicht, die Lüftungsanlagen funktionieren nicht mehr richtig, die Fenster sind nicht einbruchs- und schusssicher, an der Fassade zeigen sich Risse und an den Geschossdecken Korrosion.
Es ist vorgesehen, alle technischen Anlagen zu erneuern. Das gilt für Heizung, Lüftung, Sanitär, Beleuchtung, elektrische Installation, Informations- und Medientechnik, Veranstaltungstechnik, Küchentechnik, Trinkwasserversorgung, Aufzüge und Sicherheitstechnik. Die Barrierefreiheit soll ebenfalls verbessert werden.
Im Bundespräsidialamt muss knapp drei Jahrzehnte nach seiner Fertigstellung vor allem der Brandschutz auf den heutigen Stand gebracht werden. Auch die komplette Gebäudetechnik und die zentrale Versorgungsinfrastruktur werden erneuert. Das Gebäude braucht auch eine moderne Notstromversorgung.
Akten, Möbel, Geschirr - eine lange Umzugsliste
Auf das Unternehmen, das den prestigeträchtigen Umzug abwickeln wird, kommt viel Arbeit zu. Aus der Ausschreibung geht hervor, dass zum Beispiel 400 laufende Meter Akten in Hängeregistern und 50 laufende Meter Akten in Stehordnern vom alten ins neue Quartier befördert werden müssen. Dazu kommen 76 laufende Meter Personalakten mit Sicherheitseinstufung und 180 laufende Meter Aktenordner mit Ordenssachen. Für Orden und Ehrenzeichen sind 65 Umzugskartons vorgesehen.
Insgesamt soll das Unternehmen 900 Umzugskartons bereitstellen. Diese sind von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst zu packen und zu beschriftet. Schleppen müssen sie die Kartons allerdings nicht. Der Transport ist Aufgabe des Umzugsunternehmens.
Auch Staatsgeschenke und der Weinkeller ziehen mit um
Zum weiteren Umzugsgut gehören neben Möbeln auch die Staatsgeschenke - etwa zehn Kubikmeter „unterschiedlicher Einzelgegenstände“, wie es in der Ausschreibung heißt. 234 Bilder müssen ebenfalls ein- und wieder ausgepackt werden. Und Chefkoch Jan-Göran Barth wird besonders aufmerksam darüber wachen, dass sein Weinkeller mit rund 5.000 Flaschen aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten heil umzieht.
Gewaltig hören sich die Zahlen für das Geschirr an, das zum neuen Standort gebracht werden muss. Die Liste umfasst zum Beispiel 643 Kuchenteller der Linie Rocaille, 409 Speiseteller und 311 Brotteller. Sie offenbart auch manch merkwürdige Zahlen: So stehen auf ihr zwar 250 Kaffeeuntertassen, aber nur 173 Obertassen. Oder: Auf acht große Kaffeekannen kommen zwölf Deckel.
Steinmeier bleibt in Dienstvilla wohnen
Privat ist Steinmeier nicht von dem erzwungenen Umzug betroffen. Er wohnt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Der einzige Bundespräsident, der auch im Schloss Bellevue wohnte, war Roman Herzog in seiner Amtszeit von 1994 bis 1999. Bei einer Sanierung 2004/2005 wurden aus der Wohnung wieder Arbeitsräume.
Diese Sanierung damals war mindestens so nötig wie die jetzt geplante Modernisierung. Seinerzeit fielen sogar immer wieder Strom und Wasser aus. Herzog soll das Schloss eine „Bruchbude“ genannt haben.
Dorthin zurückkehren wird Steinmeier nicht mehr. Seine zweite Amtszeit endet im März 2027. Ob seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger Schloss Bellevue wieder beziehen kann, lässt sich nur schwer sagen. Möglichen Verzögerungen wurde jedenfalls vorgebaut. So läuft der Mietvertrag für den Ausweichbau über fünf Jahre. Vorgesehen ist aber eine Verlängerungsmöglichkeit.
Künftig deutsche Nüchternheit statt herrschaftlicher Glanz
Wie pompös andere Länder ihre Gäste empfangen, haben Steinmeier und Büdenbender in den vergangenen Wochen bei Staatsbesuchen in Österreich, Spanien und im Vereinigten Königreich erlebt. Mit der Pracht der Wiener Hofburg, des Königlichen Palastes in Madrid und von Schloss Windsor kann es auch Schloss Bellevue nicht aufnehmen. Während der Bauarbeiten werden Staatsgäste in Berlin aber mit noch mehr Nüchternheit empfangen als bisher.
Auch repräsentative Veranstaltungen wie Staatsbankette sollen in dieser Zeit in dem Ausweichquartier stattfinden. Bei der Schließung von Schloss Bellevue 2004/2005 wurde dafür noch Schloss Charlottenburg mitgenutzt. Dort laufen gerade aber auch Sanierungsarbeiten. Platz wird im Übergangsbau sein. Ein Veranstaltungssaal im sechsten Stock hat die gleichen Dimensionen wie der Große Saal in Schloss Bellevue.
Und anstelle von Herrschaftlichkeit hat das Provisorium eine andere Attraktion zu bieten: einen grandiosen Ausblick über das Regierungsviertel mit Kanzleramt und Reichstag sowie über weite Teile der Hauptstadt.
In einer früheren Version des Artikels hieß es, Steinmeier feiere am Tag nach Dreikönig seinen 70. Geburtstag. Er wird aber bereits an diesem Montag 70 Jahre alt.
© dpa-infocom, dpa:260104-930-495617/2
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