Antisemitismus-Statistik : 228 judenfeindliche Straftaten seit Januar in Berlin

2017 sind geringfügig weniger antisemitistische Vorfälle gemeldet worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, warnt die Polizei.

Kundgebung «Steh auf! Nie wieder Judenhass!» vor dem Brandenburger Tor in Berlin (2014).
Kundgebung «Steh auf! Nie wieder Judenhass!» vor dem Brandenburger Tor in Berlin (2014).Foto: Maja Hitij/dpa

Die Zahlen

Die Zahl antisemitischer Vorfälle hat sich in Berlin 2017 leicht verringert. Das ergeben zumindest die Zahlen der Polizei für den Zeitraum von Januar bis zum 15. Dezember 2017. Insgesamt 228 Fälle mit antisemitischer Motivation wurden in den elfeinhalb Monaten verzeichnet.

Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 231 Fälle. Der Großteil wurde wieder im Bereich ‚Politisch motivierte Kriminalität - rechts' gemeldet. Antisemitische Delikte also, die von Rechtsextremisten begangen wurden.

Bislang waren es 202 Fälle (Vorjahr 206). Die restlichen 28 Delikte verteilen sich auf die anderen Bereiche, ’Politisch motivierte Kriminalität – links’ und der ‚Politisch motivierten Kriminalität - ausländische Ideologie'. Damit sind Taten mit religiös oder ausländisch motiviertem Hintergrund gemeint.

Die Kritik

Die Dunkelziffer, sagt Polizeikommissar Martin Halweg, sei aber noch viel höher. „Viele Fälle von Alltagsantisemitismus werden häufig gar nicht gemeldet“, so Halweg. Die Art und Weise, wie die Polizei antisemitische Vorfälle erhebt, wird immer wieder kritisiert – etwa vom Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus.

Neun Wissenschaftler beraten in diesem Gremium die Bundesregierung, wie man jüdisches Leben in Deutschland besser fördern kann. Im April legten sie ihren aktuellen Bericht vor. Darin kritisieren sie, dass antisemitische Straftaten immer dann als ‚Politisch motivierte Kriminalität - rechts' zugeordnet werden, „wenn keine weiteren Spezifika erkennbar“ und „keine Tatverdächtigen bekannt geworden sind“.

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So werde der Schriftzug „Juden raus" in der Polizeistatistik immer als rechtsextreme Straftat notiert – obwohl er auch von Islamisten genutzt werde.

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