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Aus für Berliner Stadtmagazin : Die „Zitty“ wird eingestellt

Nach 43 Jahren kommt das Aus für die Print-Ausgabe von „Zitty“ – mit sofortiger Wirkung. Eine letzte Ausgabe soll es nicht geben.

Die Titelseite einer "Zitty"-Ausgabe von 2014. Damals ging das Blatt an die Raufeld-Gruppe, später zur Go City Media GmbH.
Die Titelseite einer "Zitty"-Ausgabe von 2014. Damals ging das Blatt an die Raufeld-Gruppe, später zur Go City Media GmbH.Foto: Promo

Die „Zitty“ macht Schluss. Nach 43 Jahren stellt das Berliner Stadtmagazin seine Print-Ausgabe mit sofortiger Wirkung ein.

Die Beschäftigten wurden nach Informationen des Tagesspiegels am Montag über die Schritte informiert, betriebsbedingte Kündigungen der 58 festangestellten Mitarbeiter von „Tip“ und „Zitty“ sind nicht geplant. Stattdessen werde man künftig weniger Aufträge an freie Mitarbeiter vergeben, sagte Robert Rischke, Geschäftsführer der GCM Go City Media GmbH dem Tagesspiegel.

„Corona zwingt uns wirtschaftlich zu denken“, sagt Rischke. Mit den abgesagten Veranstaltungen sei ein Kern der Berichterstattung weggefallen, eigene Verlagsveranstaltungen konnten nicht durchgeführt werden, Anzeigen wurden in großem Maße storniert.

Der Verlag habe versucht, was er konnte. Der Antrag von Soforthilfen durch das Land Berlin sei bis heute „nicht erfolgreich“ gewesen. Ein negatives Betriebsergebnis sei bereits 2019 durch Investitionen in die Digitalisierung – zehn neue Stellen und Technik – erwirtschaftet worden.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte dem Tagesspiegel auf Anfrage: „Ich bin sehr traurig, denn die Zitty hat mich über Jahre hinweg mit den aktuellen Informationen über das Berliner Kulturleben versorgt. Es ist sehr schade, dass das nun nicht mehr so sein wird.“

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Eine letzte „Zitty“-Ausgabe wird es dem Einvernehmen nach nicht geben. Stattdessen soll im Juli eine gemeinsame „Zitty-Tip“-Abschlussausgabe entstehen. Vom September an wird dann allein der „Tip“ im 14-tägigen Turnus erscheinen. Einige Kolumnen und der Comic sollen aus der „Zitty“ übernommen werden. Die Marke selbst werde eingeschläfert, gehe in einen „Dornröschenschlaf“.

Dass der „Tip“ ihren einstigen Konkurrenten „Zitty“ ausgestochen hat, liegt Rischke zufolge allein an der Bekanntheit: „Tip ist der erfolgreichere Titel.“ Höhere Printauflage (Ende 2019 25.000 im Vergleich zu 15.000). Höhere Reichweite. Mehr Anzeigenkunden.

Sondermagazine wie „Sommer in Berlin“ sollen laut Verlag weiterhin produziert werden.

Platz für die „Kreuzberger Radikalen“ gibt es eher nicht mehr

Der Großteil der Männer- und Frauenpower soll künftig im digitalen Geschäft liegen. Die „Tip“-Webseite erhält in den kommenden Wochen einen „mobil optimierten“ Relaunch, die Mitarbeiter übernehmen als Stakeholder einzelne Ressorts. Zudem wird das englischsprachige Angebot ausgebaut.

Ziel sei es, in „anderen Geschwindigkeiten zu veröffentlichen“ und ein digitales „allumfassendes Kulturangebot“ zu schaffen. „Wir haben hier in Berlin kein Meer und keine Berge, aber wir haben eine tolle Kulturlandschaft. Das ist mega geil! Und dem wollen wir eine Plattform bieten“, sagt Rischke. Platz für große Geschichten werde es – zu diesem Thema – auch online weiterhin geben. Platz für die „Kreuzberger Radikalen“ eher nicht mehr.

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Der Berliner Vorsitzende des Berliner Journalistenverbandes (DJV Berlin - Journalistenverband Berlin-Brandenburg), Christian Walther, teilte mit: „Zitty ist das erste Opfer von Corona in der Berliner Medienlandschaft. Der Zusammenbruch des Kulturbetriebs, der Einbruch des Anzeigengeschäftes und das Desinteresse der Leser an einem gedruckten Veranstaltungskalender ohne Veranstaltungen haben Zitty die Existenzgrundlage entzogen“.

Das Stadtmagazin erschien erstmals am 23. März 1977. 1999 wurde die „Zitty“ an die Holtzbrinck-Gruppe verkauft und unter dem Tagesspiegel-Dach geführt, 2014 ging das Blatt an die Raufeld-Gruppe, die zuvor schon den Konkurrenten „Tip“ übernommen hatte. Raufeld gab beide Blätter Ende 2015 zu 75 Prozent an eine Investorengruppe ab, sie erschienen nun bei der „Go City Media GmbH“.

Die Frage „Zitty“ oder „Tip“ galt in Berlin jahrelang als Glaubensfrage - spätestens jetzt ist sie endgültig entschieden.

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