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Undichte Dächer und Wasserflecken in Schulgebäuden gehören zu den Folgen des Sanierungsstaus
© Thilo Rückeis

Marode Schulen: Ausgeturnt

Der Sanierungsstau an Berlins Schulen geht inzwischen auf Kosten des Unterrichts. In Mahlsdorf und Steglitz wehren sich jetzt Eltern. Sie wollen die Zustände nicht länger hinnehmen.

Der Sanierungsstau an Berliner Schulen ist ein Dauerärgernis, das viele Eltern nicht mehr tatenlos hinnehmen wollen. In Marzahn-Hellersdorf haben sich Elternvertreter jetzt zu einer „Interessengemeinschaft Sporthallendächer“ zusammengeschlossen; in Steglitz-Zehlendorf hat der Bezirkselternausschuss eine Liste erstellt, in der auf eklatante Mängel an mehreren Schulen hingewiesen wird.

In Marzahn-Hellersdorf sind seit Oktober 2012 die Sporthallen von zwei Grundschulen wegen baulicher Mängel gesperrt. An der Mahlsdorfer Grundschule haben die Kinder der ersten bis dritten Klassen seit der Schließung gar keinen Sportunterricht. Die Schüler aus den höheren Klassen werden immerhin mit Bussen zu einer anderen Turnhalle gefahren. Auch an der Ulmen-Grundschule müssen die Schüler zum Sportunterricht auf eine andere Halle ausweichen. Weil die Halle der Schule einsturzgefährdet ist, musste auch die danebenliegende Kita geschlossen werden. Die Kinder wurden auf zwei andere Einrichtungen verteilt.

„Die neuen Kitas liegen bis zu 45 Minuten Fahrtzeit entfernt. Viele Eltern müssen deshalb ihren Alltag komplett umstrukturieren. Und die Kinder mussten sich neu eingewöhnen“, sagt Norman Heise vom Bezirkselternausschuss. Die Schließung der Kita verschärfe zudem den großen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen in der Gegend.

Festgestellt wurden die Mängel, weil der Bezirk im vergangenen Jahr alle Altbau-Schulgebäude überprüfen ließ, nachdem Anfang letzten Jahres die Turnhalle der Otto-Nagel-Schule aufgrund gravierender Mängel geschlossen werden musste. „Ich bin zunächst einmal froh, dass wir jetzt die Gefährdungen erkannt haben“, sagt der Marzahn-Hellersdorfer Schulstadtrat und Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD). Das nötige Geld für die Sanierung der beiden Turnhallen sei bewilligt, die Turnhalle der Ulmen- Grundschule könne voraussichtlich bis Ende 2014 saniert werden. Bei der Mahlsdorfer Grundschule dauert es nach Einschätzung des Stadtrates länger, weil die Halle voraussichtlich abgerissen werden müsse.

Den Eltern reicht das nicht. Sie setzen sich für eine Beschleunigung der Verfahren ein und wollen sich jetzt selbst informieren, Gutachten einsehen und Alternativvorschläge machen.

Fenster, Türen, Dächer - eine Milliarde Euro fehlt schätzungsweise

Der Bezirkselternausschuss in Steglitz-Zehlendorf verweist darauf, dass der Senat den Brennpunktschulen gerade erst zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt habe – doch auch an anderen Schulen fehle Geld. Wie drängend das Problem ist, zeigt sich etwa am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz. Dort war bereits im September vorigen Jahres ein Stück aus der Stuckverzierung abgebrochen und zu Boden gestürzt. „Zum Glück passierte das abends, als niemand auf dem Gelände war“, sagt Schulleiterin Gunilla Neukirchen. Das Bezirksamt habe das Gebäude danach sofort auf weitere Schäden überprüfen lassen, aber Entwarnung gegeben.

Auch sonst herrsche an der Schule ein großer Sanierungsbedarf, etwa bei den Fenstern. Zumindest die Sanitäranlagen in der Turnhalle würden jetzt renoviert, erzählt Neukirchen – mit Mitteln aus dem Schulsanierungsprogramm.

Die Mittel dafür hat der Senat im letzten Jahr deutlich aufgestockt. 2013 stehen den Bezirken 64 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Einschätzung der Bezirke reicht das aber bei weitem nicht aus. Sie gehen von einem berlinweiten Bedarf von einer Milliarde Euro aus. Noch nicht eingerechnet sind dabei die Kosten für Umbauten, um Schulen behindertengerechter zu machen. Bisher sind nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung erst knapp zehn Prozent der Schulen rollstuhlgerecht ausgestattet.

Bildungsstadtrat Stefan Komoß beziffert den Rückstau allein in Marzahn-Hellersdorf auf 70 Millionen Euro. Durch die Förderprogramme des Bundes und des Landes habe der Sanierungsdruck in den letzten Jahren etwas abgefedert werden können. Dennoch sei eine weitere finanzielle Unterstützung nötig – sonst müsse man noch öfter mit kurzfristigen Sperrungen wie jetzt an den Grundschulen in Mahlsdorf und Kaulsdorf rechnen.

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