Bescherung : Neuer Dienst vermittelt Weihnachtsmänner in Berlin

Fast 70 Jahre vermittelte das Studierendenwerk – nun kann man Weihnachtsmänner direkt buchen. Der Dienst ist gefragt – es werden noch Weihnachtsmänner gesucht.

Magdalena Thiele
Aus Erfahrung rot.
Aus Erfahrung rot.Foto: Promo

„Man kommt in die Stube, sagt hohoho, blickt in strahlende Kinderaugen und hat plötzlich die ungeteilte Aufmerksamkeit“, erzählt Tobias Groß. Das sei ein tolles Gefühl und schon der halbe Lohn. Mit 19 hat er das erste Mal Heiligabend im Weihnachtsmannkostüm an einer fremden Tür geklingelt. „Ich war unglaublich aufgeregt“, erinnert er sich, „aber sobald es losging, war ich in der Rolle drin und die Anspannung verflogen.“ Seine ganze Studienzeit hat der heute 26-jährige dann die Bescherungen vieler Berliner Familien begleitet.

Organisiert wurde der Weihnachtsmannservice fast 70 Jahre lang vom Studierendenwerk Berlin – jetzt ist damit Schluss. Das erste Mal seit 1947 wird es die Weihnachtsaktion so nicht geben. Aber: „Wir wollen die Tradition fortführen“, erklärt Frederik Tholey, der wie Tobias Groß seine aktive Weihnachtsmannkarriere bereits beendet hat. „Nur digitaler und besser.“ Über www.weihnachtsmann2go.de vermitteln sie Weihnachtsmänner und -frauen, wobei letztere noch ein Nachfrageproblem haben.

Im Unterschied zum bisherigen Service des Studierendenwerks können die Familien über die Plattform direkt mit den Weihnachtsmännern in Ihrer Nähe in Kontakt treten. Nach Eingabe der Adresse werden die potenziellen Kandidaten angezeigt, diese können sie dann anhand von Profilbildern und der Beschreibung auswählen und anfragen.

Die Routenplanung war aufwendig

Zuvor konnte man nur allgemein anfragen und bekam einen Weihnachtsmann zugewiesen. Die Routen der Weihnachtsmänner wurden dann aufwendig geplant, was viel Personaleinsatz gekostet hat. Die Familien und die Studierenden bekamen relativ kurzfristig Bescheid, ob und wann die Bescherung stattfindet – wann man also zusammenkommt.

„Unser System ist effizienter und vor allem persönlicher“, betont Groß, „schließlich können auch individuelle Absprachen getroffen werden.“

Wird ein Auftrag angenommen, setzt sich der Weihnachtsmann telefonisch mit der Familie in Verbindung und bespricht die Details der Bescherung. Anmelden können sich Studierende und Freiberufler, mit und ohne Erfahrung. Eine Vermittlungsgebühr fällt nicht an. „Wir machen das, weil es uns Spaß macht“, sagt Tobias Groß. Er hat gerade einen Vollzeitjob in München angenommen, sein Kompagnon Frederik Tholey absolviert ein Rechtsreferendariat.

Pro Auftritt könne man etwa 50 Euro verdienen, je nach Tag, Uhrzeit und Anzahl der Kinder. Auch Buchungen in der Vorweihnachtszeit für Werbeveranstaltungen, Feiern in der Kita oder im Büro sind möglich. An Nachfrage mangele es nicht, behauptet Tholey. Seit dem 1. Dezember kann gebucht werden, bisher seien mehr als 500 Anfragen eingegangen.

Und Weihnachtsmänner werden noch immer gesucht. Für Neueinsteiger gibt es ein Schulungsvideo auf der Seite – beim Studierendenwerk war ein Seminar vorab Pflicht. Was man mitbringen sollte: Ein solides Auftreten, gute Deutschkenntnisse und, na klar, eine gewisse Begeisterung für den Job.

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