• Betrug im Internet: Wie Sie Fake-Shops im Netz erkennen – und was Betroffene tun können

Betrug im Internet : Wie Sie Fake-Shops im Netz erkennen – und was Betroffene tun können

Fake-Shops sind häufig Kopien existierender Websites mit gut kopierten Produktbildern und günstigen Preisen. Was tun, wenn man auf den Betrug hereinfällt?

Dörte Elss
Rechtlich handelt es sich bei Fake-Shops um Betrug (Symbolbild).
Rechtlich handelt es sich bei Fake-Shops um Betrug (Symbolbild).Foto: imago images/photothek/Felix Zahn

Mit einem Zitat aus Franz Kafkas Werk „Das Schloss“ beginnt die E-Mail eines Verbrauchers, die mich vor Kurzem erreichte.

Kafkas Protagonist K. fühlt sich darin ohnmächtig in den Regeln eines Systems gefangen, das er nicht durchschauen kann. Der Verbraucher empfindet sich in einer vergleichbaren Situation und berichtet von seiner Frau, deren Account bei einem großen Online-Händler, über den sie Bücher kaufte und verkaufte, gehackt wurde.

300.000 zum Teil hochwertige Artikel zu günstigen Preisen waren über Nacht dazugekommen. Der Verbraucher beschreibt anschaulich, wie beide an dem Versuch scheiterten, einen Ansprechpartner im Unternehmen zu finden, der sich des Problems annimmt, um die Kunden zu schützen.

Dieses Beispiel zeigt, wie schnell aus einem normalen Account ein Fake-Shop werden kann. Schauen Sie beim Bestellen im Internet also ganz genau hin. Sogenannte Fake-Shops sind häufig Kopien real existierender Websites und gewinnen Ihr Vertrauen mit gut kopierten Produktbildern, einem seriös wirkenden Auftritt und günstigen Preisen im Vergleich zu anderen Anbietern.

Die verschickten Waren stellen sich dann jedoch oft als minderwertig heraus, wenn sie überhaupt geliefert werden. Häufig vertröstet man die Kunden mit dem Hinweis auf angebliche Lieferschwierigkeiten, damit sie von rechtlichen Schritten absehen.

Wie man Fake-Shops erkennt

Fake-Shops erkennen Sie daran, dass die Internetadresse nicht zum Inhalt der Seite passt, das Impressum fehlt oder Vorkasse verlangt wird. Manchmal werden auch Gütesiegel erfunden oder existierende Gütesiegel ohne Besitz des Zertifikates verwendet. Dies können Sie an der fehlenden Verlinkung zum Siegel-Betreiber erkennen.

Sollten Sie Opfer eines Fake-Shops geworden sein, können Sie sich an Ihre Bank wenden und bereits geleistete Zahlungen rückgängig machen lassen. Bei Überweisungen ist dies meist noch Stunden nach der Online-Bestellung möglich. Lastschriftverfahren können bis zu acht Wochen nach Einzug rückgängig gemacht werden.

Rechtlich handelt es sich bei Fake-Shops um Betrug. Sind Sie betroffen, sammeln Sie Belege für die Online-Bestellung und lassen diese prüfen. Dazu gehören der Kaufvertrag, die Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebotes. Auch zum Stellen einer Strafanzeige bei der Polizei rate ich.

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Wie auch viele von uns Verbraucherschützern hat Kafka ein juristisches Studium absolviert. Seine Einschätzung zu neuzeitlichen Phänomenen wie Fake-Shops würde heute sicherlich nicht nur ich gern lesen. Er lebte jedoch bekanntlich zu einer Zeit, in der es noch kein Internet gab.

Mit meiner Arbeit möchte ich dafür sorgen, dass sich niemand einem undurchschaubaren System ausgeliefert fühlen muss, sondern Hilfe und Unterstützung erfährt. Damit recht bekommt, wer recht hat.

Dörte Elß ist Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin e. V. An dieser Stelle gibt sie wöchentlich Tipps rund um den Verbraucherschutz. Weitere Verbraucherthemen finden Sie hier.

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