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Yoga überall. Ob drinnen oder wie hier draußen im Berliner Mauerpark.

© Imago/Steinach

Tagesspiegel Plus

Debatte um Sportkurse in Berliner Parks: „Wir stören niemanden und beschädigen nichts“

Durch das Verbot kommerzieller Sportangebote sieht eine Trainerin besonders junge Mütter benachteiligt. Sie sagt: „Grillpartys und Hunde sind schlimmer.“

Von Gesche Hullmann

In der Debatte um Sportkurse in öffentlichen Berliner Parks geht nun die Angst unter den Betreibern um. Die Stadträtin des Bezirks Pankow, Manuela Anders-Granitzki (CDU), hatte auf Tagesspiegel-Anfrage in der vergangenen Woche gesagt, dass solche kommerziellen Sportkurse in Pankows Parks grundsätzlich nicht erlaubt seien. Diese Woche nun kündigt sie vermehrt Kontrollen an: „Das Ordnungsamt wird im Rahmen seiner personellen Möglichkeiten in diesem Jahr verstärkt in öffentlichen Grünanlagen unterwegs sein.“

Da der Flächeneigentümer der Parks, das Straßen- und Grünflächenamt, klargestellt habe, dass es für „entsprechende kommerzielle Veranstaltungen“ grundsätzlich keine Sondergenehmigungen ausstellt, geht Anders-Granitzki nun davon aus, „dass die Anbieter sich daran halten und sich diese Einsätze auf eine Vielzahl von zu beachtenden Sachverhalten konzentrieren“.

Die Verunsicherung unter Trainer*innen und Trainierenden darüber, wie Sport im Freien im Einklang mit den geltenden Regeln ermöglicht werden kann, ist groß. Lea Köhler und weitere Trainerinnen zeigen sich gesprächsbereit. Köhler führt für den Outdoor-Fitness Anbieter LaufMamaLauf seit 12 Jahren Trainings für junge Mütter durch. Sie leitet die Standorte Pankow, Lichtenberg und Friedrichshain. Sie sieht sich nun in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.

Frau Köhler, wie läuft Ihr Training ab?
Unserer Kurse finden vorrangig in den Morgenstunden von Montag bis Freitag statt. Zwischen 9.30 Uhr und 10.30 Uhr ist der Park nur wenig besucht – ich habe nicht das Gefühl, dass wir jemandem im Park den Platz wegnehmen. Wir bewegen uns auf den Wegen, nutzen die Treppen und trainieren im Stationsbetrieb. Auf Musik verzichten wir. Lediglich Gummibänder nutzen wir für unser Training.

Die Sportkurs-Anbieterin Lea Köhler.

© Andreas Schwarz

Was machen Sie konkret?
Die Mamas kommen mit Kind und Kinderwagen in den Park und wir trainieren alle Muskelgruppen, die während Schwangerschaft und Mama sein ein wenig gelitten haben. Ein Gang ins Fitnessstudio ist für viele Frauen aufgrund der fehlenden Babybetreuung nicht möglich. Für viele Frauen ist es die einzige Me-Time in der Woche. Da der Kurs Outdoor stattfindet, ist es auch so gut wie unmöglich, sich mit Corona zu infizieren.

Apropos Corona…
In den letzten zwei Jahren haben gerade die Familien, Mütter und Kinder viele Einschränkungen erlebt. Sie waren ausgegrenzt aus dem Leben außerhalb der eigenen Räume, ohne viel Kontakt zu anderen Müttern. Viele Frauen haben eine starke Überlastung durchlebt. Durch das Verbot des Sports im Park werden sie nun in ihrer Freizeit eingeschränkt. Das tut keiner Seele gut.

Wir sind nicht diejenigen, die zu Überlastungen und Verschmutzung der Parkanlagen führen.

Lea Köhler

Wurden Sie schon einmal eines Parks verwiesen?
Noch nie haben Ordnungsamt oder Polizei eine Gruppe des Parks verwiesen. Da wir niemanden stören und auch den Park nicht beschädigen, sondern eher noch säubern, wenn wir die Kronkorken und Scherben aufheben, damit sich die Kleinkinder nicht verletzen. Die Berliner Parks dienen der erholungssuchenden Bevölkerung. Wenn die letzten Oasen der „Natur“ mit solchen Verboten belegt werden, wo sollen Menschen dann ihre Energie herholen?

Welche Folgen hat ein Verbot für Sie?
Sollte es verboten werden, Sport im Park durchzuführen, muss ich meinen Geschäftsbetrieb mit LaufMamaLauf einstellen. Aktuell bezahle ich Trainerinnen, die einige Kurse von mir übernehmen und steuern. Das kommt auch der Allgemeinheit zugute. Ich fände es schade, dass mit einem Verbot auch die Möglichkeit wegfällt, Sport als einen wichtigen Teil des Lebens im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.

Was wünschen Sie sich vom Bezirksamt?
Ich wünsche mir ein faires Miteinander und eine faire Einschätzung, welche Aktivitäten dazu führen, dass die Parks übernutzt werden. In meinen Augen sind Müll, Beschädigungen durch Grillpartys, laute Musik, baden außerhalb des Strandbades und nicht angeleinte Hunde problematischer als eine Gruppe von 8 Frauen im Park. Gerne lade ich die Verantwortlichen ein, sich unser Angebot anzuschauen und sich davon zu überzeugen, dass wir nicht diejenigen sind, die zur Überlastung und Verschmutzung der Parkanlagen führen.

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