Drama im Monbijoupark : Das Theater geht weiter

An der Museumsinsel in Berlin-Mitte sind neue Theatermacher in die Saison gestartet. Doch der Ex-Betreiber erwägt eine Klage.

Die Generalprobe der "Vögel". Ein buntes Spiel mit Gesangseinlagen und zotigen Witzen.
Die Generalprobe der "Vögel". Ein buntes Spiel mit Gesangseinlagen und zotigen Witzen.Foto: Laura Hofmann

Sie spielen wieder. Auch ohne Amphitheater. Dort, wo im vergangenen Sommer noch der imposante Holzbau stand, gegenüber der Museumsinsel, am Rande des Monbijouparks, dient jetzt eine mit Holzzäunen und weinroten Containern eingegrenzte Fläche als Theater. Die Zuschauer betreten die Open-Air-Spielstätte durch einen ebenfalls weinroten Vorhang, überragt von einer Barock-Fassade, die dem ausgebrannten Monbijou-Schlösschen nachempfunden ist, das früher hier stand und dem der Park seinen Namen verdankt.

Dass in diesem Sommer an der Spree überhaupt wieder Theater gespielt wird, stand lange Zeit infrage, das Ensemble des „Theaters an der Museumsinsel“, wie das vormalige Monbijou-Theater jetzt heißt, nannte es bei der Premiere Mitte Juni selbst „ein kleines Wunder“.

Farbanschläge, Beleidigungen und eine geleakte E-Mail

Es sei alles Erdenkliche versucht worden, um diesen Abend zu verhindern: Es gab Farbanschläge auf Bühnenbild und Requisiten, Mitarbeiter seien verbal attackiert worden, eine interne Mail, in der sich Schauspieler über die Arbeitsbedingungen beschwerten, sei geleakt worden. David Regehr, Bühnenbildner und einer der neuen Betreiber, sagt jetzt: „Es war ein harter Kampf, aber wir sind sehr froh, dass wir jetzt Theater machen können, so wie wir das wollen.“

Die Bühne ist ein mit Teppichen bekleidetes Podest in der Mitte der Arena, die Gäste nehmen auf Bierbänken rundherum Platz. Alles ein bisschen improvisiert, doch der wie geradewegs aus dem Himmel herabgelassene Kronleuchter, in dem sich das Licht der Scheinwerfer scheinbar wie die Abendsonne wunderbar bricht, gibt der Szenerie einen besonderen Glanz.

Man könnte es Shabby-Chic nennen, das, was hier entstanden ist, auf jeden Fall ist es sehr Berlin. Am Samstagabend sollte die dritte Premiere der Saison stattfinden: „Die Vögel“ von Johann Wolfgang von Goethe, nach Aristophanes.

Um das größte freie Theater der Stadt, das bisher rund 100.000 Zuschauer im Jahr anlockte, wurde seit dem Herbst erbittert gestritten. Zusammen mit der Strandbar, die das Theater querfinanziert, ist die Bühne an diesem prominenten Ort in Mitte ein lukratives Geschäft. Daran störten sich einige Bezirkspolitiker irgendwann – zumal sich die Bar immer weiter in den Park hinein ausgedehnt habe. Es gab Beschwerden aus dem Ensemble, was Hygiene und Arbeitsbedingungen betraf, und Anwohner klagten über Lärm.

Bezirk und Humboldt-Uni haben sich für neue Betreiber entschieden

Um den Konflikt zu verstehen, muss man wissen, dass es sich bei der Fläche, auf der das Theater steht, laut Bebauungsplan um einen Teil des öffentlichen Parks handelt. Deswegen ist der Betreiber des Theaters jedes Jahr auf eine Sondergenehmigung des Bezirks angewiesen. Eigentümerin der Bunker, auf denen das Theater und die Märchenhütten stehen, ist die Humboldt-Universität.

20 Jahre lang führte Christian Schulz das Theater, machte es groß und erfolgreich – nicht allein natürlich. Doch die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung Mitte, die Sondergenehmigung für den Betrieb nur noch an eine gemeinnützige GmbH zu vergeben, die sich verpflichtet, die im Park erwirtschafteten Gewinne wieder ins Theater zu investieren, hatte zur Folge, dass Schulz keine Genehmigung mehr bekam. Auch dann nicht, als er eine gemeinnützige GmbH gründete. Stattdessen erhielten seine früheren Partner den Zuschlag, ein Dreiergespann um Bühnenbildner David Regehr, der auch das Amphitheater mitentwickelt hatte.

Dagegen will Schulz vorgehen, wohl auch juristisch. „Ich habe mich entschieden, nachzuprüfen, wie das entschieden wurde“, sagt er. Sein Vorwurf: Das Auswahlverfahren sei intransparent abgelaufen, sein Anwalt soll dem Vernehmen nach eine Klage vor dem Verwaltungsgericht vorbereiten.

Petition fordert "Original-Monbijou-Theater" zurück

Und Schulz kämpft nicht allein: Eine Petition einiger ehemaliger Mitarbeiter fordert das alte Theater zurück, mehr als 15.000 Menschen unterschrieben, davon 11.500 aus Berlin. Auch die Schauspielerin Meret Becker hatte sich kürzlich öffentlich für das „Orginal-Monbijou-Theater“ eingesetzt.

Bei der öffentlichen Generalprobe der „Vögel“ am Freitagabend kamen schon etwa 60 Zuschauer. Sie sahen ein lebhaftes Spiel mit bunten Kostümen, Gesangseinlagen und teils etwas zotigen Witzen. An einigen Stellen musste die Souffleuse noch einspringen.

Der Start scheint geglückt

Alles in allem scheint der Start geglückt. „Bis wir ein neues Amphitheater haben, dauert es noch ein Jahr“, sagt Regehr. Doch der improvisierte Bau passe zu ihnen, zu diesem Jahr, zur Aufbruchsstimmung. Noch bis zum 1. September läuft die Saison, die auch ein Faust-Kasperl-Theaterstück für Familien bereithält, orientiert an einem Original-Text von Goethe.

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Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Um die Märchenhütten wird nämlich noch gerungen.

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