Elternkolumne: Was macht die Familie? : Ich möchte wieder Schlittenfahren!

Schneeballschlachten und Eislaufen auf dem See. Unsere Autorin wünscht sich für ihre Kinder endlich wieder einen richtigen Winter.

Dieses Schneefoto stammt aus dem Jahr 2014. Aufgenommen im Schlosspark Schönhausen.
Dieses Schneefoto stammt aus dem Jahr 2014. Aufgenommen im Schlosspark Schönhausen.Foto: Hannibal/dpa

Ob es wohl eine weiße Weihnacht geben würde oder nicht? Diese Frage habe ich tatsächlich in diesem Jahr kein einziges Mal gehört. Dabei war dies in meiner Kindheit in den 1980er Jahren ein Dauerthema. Mehrmals habe ich es erlebt, wie sich noch am Nachmittag des 24. Dezembers leichte Schneeflocken in unserem Garten niederließen. Spätestens im Januar ging es dann richtig los mit dem Schnee. Einseifen auf dem Schulhof, Schneeballschlachten mit Verfolgungsjagden auf dem Nachhauseweg und nachmittags verabredete man sich auf dem Rodelberg.

Warum habe ich einen Schlitten gekauft?

Heute sitze ich betrübt vor dem Fenster und überlege, welcher Winter es war, in dem ich das letzte Mal dieses leicht knarzige, aber so schöne Geräusch beim Laufen gehört habe. 2016 muss es gewesen sein, als ich euphorisch für meine damals zweijährige Tochter einen Schlitten kaufte, um endlich selbst wieder Kind sein zu können. Damals schneite es so viel, dass ich meine Tochter mit dem Schlitten zur Kita ziehen konnte. Werde ich dieses sperrige Holzding jemals wieder aus dem Keller holen können?

Wenn es schneit, haben alle die gleiche Idee

Wintertechnisch gesehen, wohnen wir perfekt. Die Straße runter liegt ein Park mit mehreren Rodelhügeln, außerdem ein Teich, der, wenn er im Winter friert, die perfekte Eislauffläche bildet. Es ist ein Treffpunkt, der den ganzen Kiez zusammenbringt. Nachbarn, Freunde aus Schule und Kita trifft man hier, ohne sich vorher verabredet zu haben. Wenn es schneit oder friert, haben alle plötzlich den gleichen Einfall. Dumm nur, dass dies leider nicht mehr passiert.

Dass man zum Skilaufen weit fahren muss, das war für den Flachland-Berliner schon immer so. Aber dass man in einer Stadt mit so vielen perfekten Rodelhügeln selbst zum Schlittenfahren eine große Reise antreten muss, ist ein schwer erträglicher Gedanke. Ich sehe mich schon in 30 Jahren mit meinen Enkelkindern Youtube Videos mit Schnee angucken: „Guck mal, und wenn man das jetzt anfassen würde, wäre das ganz kalt.“ Mit so viel historischem Wissen wird man später vielleicht richtig trumpfen können. „Hey, ich habe nicht nur den Mauerfall erlebt, sondern ich weiß auch noch, wie sich Schnee anfühlt, wie er schmeckt und was man damit machen kann“. Erinnerungsfotos aus dieser Zeit werden einmal goldwert sein. Also nicht löschen.

Falls es dann doch mal schneit: Für die Mutigen empfehle ich die Rodelbahn an der Onkel-Tom-Straße 167, Zehlendorf, neben dem Café Rodelhütte. Im Alten Park in Tempelhof gibt es schöne Anfängerhügel.

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