Erste temporäre Spielstraße : Spielen auf der Böckhstraße

Erster Erfolg für das Bündnis Temporäre Spielstraße: Nach den Sommerferien wird die Böckhstraße im Graefekiez mittwochs nachmittags autofrei.

Mittwochs zwischen 14 und 18 Uhr wird die Böckhstraße zur Spielstraße.
Mittwochs zwischen 14 und 18 Uhr wird die Böckhstraße zur Spielstraße.Foto: Cornelia Dittrich

Einmal pro Woche, für ein paar Stunden, fahren und parken keine Autos auf der Straße und sie wandelt sich zum Begegnungsort: Kinder lernen Fahrradfahren oder spielen Fangen, Erwachsene können sich zum Kaffeetrinken mitten auf die Fahrbahn setzen. Das ist die Idee hinter einer temporären Spielstraße, wie es sie ab dem 7. August erstmalig in Berlin geben soll: in der Kreuzberger Böckhstraße, zwischen Graefe- und Grimmstraße.

„Beim dritten Kind habe ich gemerkt, dass ich keine Lust mehr habe, auf Spielplätzen herumzusitzen“, erzählt Cornelia Dittrich, Initiatorin des Bündnisses für temporäre Spielstraßen. So kam sie auf die Idee, sich für autofreie Zonen im Kiez einzusetzen. Vor fünf Jahren fing in Pankow, wo sie wohnt, alles an, doch das Pilotprojekt in der Gudvanger Straße scheiterte bisher: Eine Anwohnerin klagte gegen den Kinderlärm.

Nun also Kreuzberg. Nach den Sommerferien kann auf der Böckhstraße gespielt werden. Erwachsene, auch ohne Kinder, sind ausdrücklich ebenfalls gemeint. Zwar gilt das nur mittwochs von 14 bis 18 Uhr, und nur in der warmen Jahreszeit, aber immerhin.

Im März haben Dittrich und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter das Bündnis Temporäre Spielstraßen gegründet. Dazu zählen der Dachverband Berliner Kinder-und Schülerläden, der BUND oder das Deutsche Kinderhilfswerk. Sie wollen lokale Initiativen auf dem Weg zur temporären Spielstraße unterstützen. Voraussetzung ist, dass Anwohner sich zusammentun und sie beim Bezirk beantragen.

In drei Klicks zur Spielstraße, fordert das Bündnis Temporäre Spielstraßen

Doch noch ist das alles sehr kompliziert. 1000 Unterschriften wurden im Graefekiez benötigt. Gerade läuft die Stimmensammlung am Teutoburger Platz. „Unser Ziel ist ein einfaches Antragssystem, quasi in drei Klicks zur temporären Spielstraße,“ sagt Dittrich. Die 50-jährige Architektin rät, die Sache einfach mal auszuprobieren. Vorher gebe es häufig Bedenken. Doch wer die Spielstraße dann erlebe, vergesse die Bedenken schnell, so die Hoffnung.

In Bremen sind temporäre Spielstraßen schon lange Praxis. In London gibt es über 100. Rechtlich gesehen ist das Ganze eigentlich einfach: Das notwendige Straßenschild mit dem spielenden Kind gibt es bereits.

Und wie sieht es in anderen Bezirken aus? „In Mitte gibt es keine entsprechenden Überlegungen“, teilt Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) mit. Zwar würden in der Innenstadt Kindern zunehmend Flächen zum Spielen fehlen. Ob temporäre Spielstraßen „ein Baustein für die kindgerechte Stadt sein können“, müsse sich erst noch zeigen.

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