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Generalsanierung: Zumutung trotz Pünktlichkeit im Ersatzverkehr Hamburg-Berlin
Tausende Fahrgäste täglich müssen wegen der Sanierung zwischen Hamburg und Berlin auf Busse ausweichen. Dreieinhalb Monate vor Ende des Ersatzverkehrs ziehen die Verantwortlichen eine Zwischenbilanz.
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Trotz großer Einschränkungen für die Fahrgäste zeigt sich der Betreiber des Ersatzverkehrs auf der Zugstrecke zwischen Hamburg und Berlin zufrieden. „Wir haben uns gut eingefahren“, sagte der Geschäftsführer des zuständigen Busunternehmens Ecovista, Michael Bader, in Schwerin nach einer Pressefahrt mit einem der Busse. „Die Routine ist da, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind sehr hoch – ich bin wirklich sehr zufrieden.“
Seit August 2025 wird auf der wichtigen Bahnverbindung gebaut. „Wir haben unseren Kundinnen und Kunden da wirklich viel zugemutet“, sagte der Bevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Alexander Kaczmarek, in Schwerin. „Es ist natürlich von der Fahrzeit nicht annähernd vergleichbar.“ Es gebe aber keine Alternative. Der Ersatzverkehr laufe, dennoch freue er sich, wenn die Bahnen ab dem 1. Mai wieder regulär fahren. „Es wird eine große Erleichterung für uns alle sein“, sagte Kaczmarek.
Die Bahn hat für die Dauer der neunmonatigen Generalsanierung gemeinsam mit den Aufgabenträgern der betroffenen Länder ein umfassendes Verkehrskonzept erarbeitet. Dazu gehört auch der Ersatzverkehr, mit dessen Durchführung der Busbetreiber Ecovista beauftragt wurde.
Lange Fahrtzeiten belasten Fahrgäste
Nach Angaben des Fahrgastverbands Pro Bahn belasten die langen Fahrzeiten und zusätzlichen Umstiege viele Fahrgäste zwischen Hamburg und Berlin. „Viele sind aufs Auto ausgewichen“, sagte der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn in Mecklenburg-Vorpommern, Marcel Drews, mit Blick auf die vergangenen Monate. Das habe dazu geführt, dass SEV-Busse oft weitgehend leer fuhren.
„Es läuft im Großen und Ganzen gut“, sagte der Sprecher von Pro Bahn in Schleswig-Holstein und Hamburg, Karl-Peter Naumann. Auch wenn die Ersatzrouten für Fahrgäste herausfordernd seien. Nach Angaben des Pro-Bahn-Vorsitzenden in Berlin und Brandenburg, Martin Pogatzki, habe es anfangs noch Probleme bei der Barrierefreiheit und der Beschilderung gegeben. Mittlerweile kämen keine entsprechenden Hinweise mehr von Fahrgästen.
Winterwetter war herausfordernd
Die Busse sind Ecovista zufolge mittlerweile 167 Tage in Betrieb. „Das ist schon eine gute Zahl“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos) in Schwerin. Auf anfängliche Störungen sei gut reagiert worden. Blank betonte auch, dass es notwendig sei, die Bahn wieder attraktiver zu machen. „Da haben wir einen großen Nachholbedarf in ganz Deutschland.“
Nach Angaben von Ecovista werden im Schnitt rund 30.000 Fahrgäste pro Tag mit den Bussen zwischen Hamburg und Berlin transportiert. Mehr als 200 SEV-Busse seien dafür im Einsatz. Das Winterwetter im Norden Deutschlands zum Jahresstart sei für den Busbetrieb schwierig gewesen. Wegen schlechter Straßenverhältnisse habe es Ausfälle und Verspätungen gegeben.
Ermittlungen nach Unfall eingestellt
Nach dem Unfall eines Busses im Oktober vergangenes Jahr hatte Ecovista nach eigenen Angaben verpflichtende Alkoholtests für Busfahrer eingeführt. Zuvor war wegen eines Unfalls auf der Autobahn 24 im August das Höchsttempo aller Gelenkbusse vorsorglich auf 80 Kilometer pro Stunde gedrosselt worden. Zugelassen sind sie für bis zu 100 Kilometer pro Stunde.
Das Ermittlungsverfahren zum Unfall wurde mittlerweile eingestellt, wie die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Lübeck auf Anfrage mitteilte. Neben der Geschwindigkeit von 98 Kilometer pro Stunde seien auch andere Faktoren wie die Straßenbeschaffenheit ursächlich gewesen. Es könne sein, dass sich der Unfall auch bei Tempo 80 ereignet hätte. Zuvor hatte der „Nordkurier“ berichtet. Nach Angaben von Ecovista bleibt es beim gedrosselten Tempo.
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