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Färbt Olympia schon ab? Die Zustimmung der Bevölkerung entscheidet.

© dpa

Das Duell um die Bewerbung: Hamburg liegt im Olympia-Rennen vor Berlin

In der Bevölkerung und in der Bundesregierung führt Hamburgs Olympiabewerbung gerade vor Berlin. Doch es könnte anders kommen.

Die beiden Kandidaten biegen gerade auf die Zielgerade ein, und manchem wird erst jetzt klar, dass es eigentlich das Publikum ist, das dieses Rennen entscheiden kann. Die Bevölkerung von Berlin und von Hamburg wird wohl eine der beiden Städte über die Ziellinie ziehen. Der Veranstalter dieses Rennens, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), braucht dann nur noch die Siegerurkunde auszuhändigen. Wer von beiden gewinnt, Berlin oder Hamburg, vertritt Deutschland als Bewerber für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028. Jetzt, beim Einbiegen auf die Zielgerade, liegt Hamburg vorne.

Das hat eben mit den Regeln dieses Wettbewerbs zu tun. Denn die Zustimmung der Bevölkerung ist das wichtigste Kriterium für den DOSB. Das ist die Konsequenz, die der Sportbund aus der bitteren Abstimmungsniederlage beim Bürgerentscheid in Bayern um die Winterspiele 2022 mit München gezogen hat. Am 16. März trifft sich das Präsidium des DOSB, um einen einstimmigen Beschluss zu erreichen. Am 21. März soll dann die Mitgliederversammlung des DOSB den deutschen Kandidaten in der Frankfurter Paulskirche küren.

Gemessen wird die Zustimmung in einer repräsentativen Umfrage von Forsa in der letzten Februarwoche. So hat es der DOSB mit beiden Städten abgestimmt. Der NDR hatte im Januar eine Umfrage von Infratest dimap veröffentlicht, nach der sich 62 Prozent der Hamburger die Spiele in der eigenen Stadt wünschen. Das hat Hamburg in diesem Rennen an die Spitze befördert. Denn aus Berlin gibt es noch die Zahl aus dem September, nach der sich 48 Prozent für Olympia aussprachen. In Hamburg waren es seinerzeit 53 Prozent.

Inzwischen versuchen in Berlin der Senat, der organisierte Sport und die Wirtschaft, einen Meinungsumschwung herbeizuführen. Sie haben es dabei schwerer als die Hamburger, denn in der halb so großen Stadt verlangen Kampagnen weniger Aufwand. Einer aus dem Senat sagt: „Es geht jetzt nur um eines: „Wir müssen diese scheiß Umfrage überstehen.“ Über den Ausgang wird derzeit viel diskutiert. Wenn Hamburg deutlich über 60 Prozent liegt und Berlin nur knapp über 50, ist das Rennen gelaufen und Hamburg der Kandidat. Die Meinungsforscher haben schon darauf hingewiesen, dass mindestens acht Prozent zwischen beiden Städten liegen sollten, um eine verlässliche Aussage zu haben.

Liegen beide Städte deutlich über 50 Prozent und etwa gleichauf, wird sich der DOSB wohl für Berlin entscheiden, wie aus dem Sportbund zu hören ist. Denn es sei dann international nicht vermittelbar, warum man sich nicht mit der Hauptstadt bewerbe. Die internationale Ausstrahlung ist einer der größten Pluspunkte für Berlin (siehe Kasten). Denn Hamburg gilt im internationalen Sport wenig, zumal sich die Hansestadt durch die Absage der Schwimm-WM 2013 und der Universiade 2015 auch noch selbst um zwei Möglichkeiten beraubt hatte, im Sport zu punkten. Der DOSB denkt zwar schon darüber nach, wie er Hamburg besser vermarkten könne, als Europas stärkste „Second City“, doch selbst in dieser Liga spielt Hamburg bei Konkurrenten wie Barcelona und Mailand nicht alleine an der Spitze.

Am spannendsten ist das Städteduell zwischen Berlin und Hamburg, wenn es ein uneindeutiges Ergebnis in der Meinungsumfrage gibt. Also Berlin klar über 50 Prozent bekommt, Hamburg aber nicht deutlich über 60. Dann wird auch der Einfluss der olympischen Spitzenverbände noch einmal zum Tragen kommen, von Verbänden wie dem Deutschen Turner-Bund, dem Deutschen Schwimm-Verband und dem Deutschen Leichtathletik-Verband. Sie treffen sich einen Tag vor dem DOSB-Präsidium, am 15. März, um eine eigene Position zu erarbeiten.

Die Verbände sind bislang mehrheitlich für Berlin, weil sie mit dieser Stadt sehr gute Erfahrungen gemacht und dort internationale Großveranstaltungen ausgetragen haben und noch austragen werden. „Berlin hat sich mustergültig um den Spitzensport gekümmert“, sagt ein Verbandspräsident. Das könne man von Hamburg nicht behaupten. Er befürchtet schon einen zweiten „Fall Leipzig“, also dass sich der deutsche Sport für eine Bewerberstadt entscheidet, die international chancenlos sei.

Diese Kriterien spielen in der politischen Bewertung allerdings nicht die größte Rolle. Ein Verantwortungsträger aus dem Kreis der Bundesregierung sagte dem Tagesspiegel, dass die Regierung Hamburg favorisiere und nannte als Gründe die Zustimmung der Bevölkerung, das klarere Konzept und das stärkere Engagement der politisch Handelnden. Mit den Hamburgern sei ein solches Projekt leichter durchzuführen.

Ein ganz anderes Szenario ist aber auch noch möglich. Wenn die Zustimmung für die Spiele in Berlin und Hamburg in der Umfrage jeweils nur knapp über 50 Prozent liegt, schickt der DOSB vielleicht gar keinen Bewerber ins Rennen. Dann gäbe es drei Verlierer. Berlin. Hamburg. Und den deutschen Sport.

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