Lieferdienste in Berlin : In Pankow werden Lastenräder getestet

In einem Pilotprojekt testen fünf Paketdienste den Einsatz von Cargobikes für Zubringerdienste. Dafür wird ein gemeinsamer Umschlagplatz in Prenzlauer Berg eingerichtet.

Anika Wenzel
Die Lastenräder der teilnehmenden Paketdienstleister stehen vor den Containern des Umschlagplatzes für das Projekt «KoMoDo».
Die Lastenräder der teilnehmenden Paketdienstleister stehen vor den Containern des Umschlagplatzes für das Projekt «KoMoDo».Foto: Sina Schuldt/dpa

Zugeparkte Radwege, blockierte Fahrstreifen, zugestellte Einfahrten – Lieferwagen von Paketdiensten sind im Stadtverkehr oft im Weg. Eine mögliche Entlastung könnten Lastenräder bieten, sogenannte Cargobikes. Am 30. Mai fiel bei einer Pressekonferenz im Prenzlauer Berg der Startschuss für das Modellprojekt KoMoDo, die „Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin“.

KoMoDo ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatsverwaltung für Verkehr, der fünf größten Paketdienstleister Deutschlands, der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala) und des Beratungsunternehmens Logistic Network Consultants (LNC).

Gemeinsamer Umschlagplatz für sämtliche Paketdienste

Ab dem 1. Juni nutzen die Paketdienste DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS erstmals einen gemeinsamen Umschlagplatz in Prenzlauer Berg. Das Land Berlin stellt über die Behala jedem Unternehmen ein eigenes Mikro-Depot mit 14 Quadratmetern Lagerfläche bereit. Der Bezirk Pankow, dem die rund 750 Quadratmeter an der Wendeschleife der Tram an der Eberswalder Straße gehören, überlässt dem Projekt das Gelände kostenfrei.

Hierher werden die Sendungen angeliefert, umgeschlagen und dann mit den Rädern auf ihrem letzten Abschnitt der Lieferkette ausgeliefert. „Wir erproben damit die Paketzustellung auf der letzten Meile. Das ist ein erster gemeinsamer Schritt, wie es in Zukunft aussehen könnte“, sagt Projektkoordinator Andreas Weber von der LNC. Das gemeinsame Konzept berücksichtigt die Flächenknappheit in Städten, indem der genutzte Raum so gering wie möglich gehalten wird.

Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze begründet die Notwendigkeit neuer Ideen im Stadtverkehr: „Ein Fünftel der Stickstoffdioxid-Emissionen werden von Nutzfahrzeugen verursacht, das macht klimafreundliche und nachhaltige Alternativen nötig. Hier kann man sehr gut sehen, wie Verkehrswende funktionieren kann.“

Klimafreundlich, leise und wendig – mit bis zu 80 Paketen

Das Bundesumweltministerium förderte KoMoDo mit 400.000 Euro. Die Gelder flossen nach Aussage von Andreas Weber in den Aufbau des Umschlagplatzes und in Teilen in die Anschaffung der insgesamt 12 Cargobikes. „Die Unternehmen haben die Räder finanziert, das haben wir anteilig gefördert. Die Paketdienstleister zeigen ein hohes Eigeninteresse an diesem Projekt. Sie haben sich mit viel Eigenkapital eingebracht“, macht er deutlich.
Die Cargobikes sind nicht nur klimafreundlich und leise, sondern auch noch wendiger und im Stadtverkehr häufig schneller als Lieferwagen. Ihr Einsatz ist für einen Umkreis von zwei bis drei Kilometern um den Umschlagplatz herum vorgesehen. „Das Gebiet eignet sich ganz besonders für eine solche Testphase“, erläutert Weber, „da die Hauptauslieferzonen dicht besiedelt sind.“

Peter Rey vom Logistiker DPD betont, dass die Eignung der Cargobikes gebietsabhängig sei. „Es lohnt sich hauptsächlich, wenn wir Privatkunden beliefern, also im Idealfall pro Stop ein Paket ausliefern. Großkunden mit 30 Paketen am Tag lohnen sich nicht, da lediglich bis zu 80 Pakete in die Lastenräder passen.“ Eine weitere Einschränkung erführen die großformatigen Drahtesel bei zu großen Packstücken.

In den nächsten Monaten wird LNC das Projekt bis ins Kleinste evaluieren: Anzahl Fahrten mit den Rädern und Lastwagen, ausgelieferte Pakete usw. Parallel wird der Senat beobachten, ob der klassische Lieferverkehr abnimmt oder es weniger Falschparker gibt.

Und die Unternehmen werden genau hinschauen, ob es sich aus ökonomischer Sicht lohnt. Am Ende des Testjahres wird man sehen, ob und wie dieses Modell auf andere Kommunen übertragbar ist. Bis dahin werden die Zusteller bei jedem Wetter mit ihren Rädern unterwegs sein.

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