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Prozess: Mann zockt Seniorinnen ab - und das immer wieder

Als falscher Polizist, angeblicher Rentenberater oder Bankangestellter brachte ein 62-Jähriger seine betagten Opfer um erhebliche Summen. Auch nach mehreren Jahren Haft und Sicherungsverwahrung wurde er rückfällig. Jetzt steht der Mann erneut vor Gericht.

Nur sechs Tage nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung wurde der Betrüger rückfällig. Wieder sprach Waldemar T. ältere Frauen an, zeigte Charme und Hilfsbereitschaft, gewann im Handumdrehen das Vertrauen von Seniorinnen. Als falscher Polizist, angeblicher Rentenberater oder Bankangestellter brachte er seine Opfer um erhebliche Summen. Seit 30 Jahren sei das seine Masche, gab der 62-Jährige am Mittwoch vor Gericht zu. „Ich musste meine Spielleidenschaft finanzieren“, sagte der Betrüger. Waldemar T., ein gelernter Koch und Metzger, kam am 7. April 2011 frei. Er war 2005 als Wiederholungstäter zu viereinhalb Jahren Haft sowie anschließender Sicherungsverwahrung (SV) verurteilt worden. Diese „Haft nach der Haft“ aber kam in den vergangenen Jahren auf den juristischen Prüfstand, ausgelöst durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Der erklärte die nachträgliche Sicherungsverwahrung für rechtswidrig.

Zum 1. Januar 2011 trat in Deutschland eine Gesetzesänderung in Kraft. Demnach ist die Maßregel im Wesentlichen auf Gewalt- und Sexualtäter beschränkt worden. T. verbrachte viele Jahre in der Zelle, immer aber als einer, der lügt und betrügt.

Als er die JVA Tegel verließ, sollte er sich eigentlich an Auflagen halten. Für den Mann, der unter Führungsaufsicht stand, waren Gespräche wegen seiner Sucht angeordnet worden. Spieler Waldemar T. meldete sich in einer Beratungsstelle, doch es gefiel ihm dort nicht. „Die haben mit Druck gearbeitet“, beklagte er im Prozess. Er sei auch nicht ausreichend darauf vorbereitet worden. Vor seiner Entlassung habe man ihn nur zweimal dorthin ausgeführt. Aus Personalmangel seien seine Anträge immer wieder abgelehnt worden, sagte der Ex-Verwahrte.

2900 Euro an einem Tag verspielt

Angeblich kam in Freiheit ein weiterer Nackenschlag hinzu, der ihn wieder in eine Pokerrunde trieb. „Auf dem Arbeitsamt sagte man, dass ich noch andere Papiere bringen müsste“, stöhnte er. Mit 2900 Euro in der Tasche war T. entlassen worden. „Das hatte ich an einem Tag verspielt“, sagte der Angeklagte. Er habe dann sehr schnell Schulden gemacht. 11 000 Euro hätten ihm andere Zocker abgenommen. Diese Typen seien dann beim Eintreiben des Geldes nicht zimperlich gewesen. Man habe ihn mit einem Baseballschläger bedroht. „Ich musste mir schnell Geld besorgen.“

Die sechs Opfer waren 71 bis 83 Jahre alt. Die Rentnerinnen wirkten gebrechlich, eine Dame war fast blind. „Ich half beispielsweise am Bordstein, wenn sie mit einem Rollator unterwegs waren“, schilderte der Betrüger. Er stellte sich als angeblicher Rentenexperte vor, der für eine kräftige Nachzahlung sorgen werde, er meldete sich als Polizist, der eine Straftat aufklären wolle. Er ließ sich als Banker, der das Konto überprüfen müsse, die EC-Karte aushändigen, er bediente sich hemmungslos an den Ersparnissen der Seniorinnen. Von April bis Dezember 2011 erbeutete er 12 000 Euro. Als er sich Anfang 2012 der Polizei stellte, gab er weitere Betrügereien zu. So war er in Leipzig als Heiratsschwindler erfolgreich.

Waldemar T. muss als Betrüger nicht mehr mit Sicherungsverwahrung rechnen, in der sich in Berlin derzeit 36 Straftäter befinden. Nach der EGMR-Entscheidung kamen elf Sicherungsverwahrte frei, davon vier auf Bewährung.

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