Niedrigenergie-Haus : Ein Plattenbau bringt Umweltschutz

Im Berliner Stadtteil Lichtenberg ist das nach Angaben der Eigentümer größte Energiespar-Haus Deutschlands übergeben worden. Es ist ein Plattenbau, der so saniert wurde, dass er sehr wenig Energie verbraucht.

Berlin - Der 18 und 21 Stockwerke hohe Doppelbau wurde laut Eigentümer Howoge Wohnungsbaugesellschaft mit einem selbstbetriebenen Blockheiz-Kraftwerk und dreifach isolierten Fenstern ausgestattet. Zusätzlich erhielten Innen- und Außenwände eine zwölf Zentimeter starke Dämmung sowie ein spezielles Lüftungssystem mit Energie-Rückgewinnung. Laut Howoge-Geschäftsführer Bernd Kirschner belaufen sich die Kosten der Sanierung auf 8,5 Millionen Euro. Der Großteil dieser Summe wurde über ein zweckgebundenes Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert. Das 1974 errichtete Doppelhaus sei als Prototyp für folgende, ähnliche Sanierungen zu verstehen. Dazu habe die Howoge eine Tochter, die Howoge-Wärme-GmbH, gegründet.

"Mit der Sanierungs-Maßnahme werden 30 Prozent Energie gespart", sagte die Bereichleiterin der Deutschen Energie-Agentur dena, Felicitas Kraus. "Der CO2-Ausstoß sinkt um 58 Prozent." dena-Geschäftsführer Stephan Kohler schätzte ein, dass durch diese umfangreichen Verbesserungen bestehender Gebäude zahlreiche regionale Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sprach von einem "intelligenten und mutigen Bauherrn", dessen Modellhaus in seiner Wirkung beobachtet werden soll. "Ich werde mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften dieses Beispiel durchdeklinieren", sagte Junge-Reyer. "Sie sollen dem Projekt folgen."

Energiesparpotenzial Wohnungen

Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei/PDS) sagte, die 1,9 Millionen Berliner Wohnungen stellten das größte Energie-Einsparpotenzial der Stadt dar. Sie kündigte eine Kooperationsvereinbarung zum Thema mit den Landeswohnungs-Gesellschaften und Genossenschaften in Berlin und Brandenburg an. Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU), gratulierte unterdessen dem Lichtenberger Unternehmen: "Die Howoge leistet damit einen weiteren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz."

Das Niedrigenergie-Haus in der Schulze-Boysen-Straße umfasst 296 Wohnungen. Während die Betriebskosten um 53 Cent pro Quadratmeter sinken, steigen die Kaltmieten nach dem Umbau von durchschnittlich 3,71 Euro pro Quadratmeter auf 4,75 Euro. Dennoch verzeichnete die Howoge einen Nachfrageschub: statt 156 Wohnungen vor der Sanierung sind inzwischen 216 belegt. "Wir spüren die Sanierungs-Effekte bereits", sagte Mieterin Christin Winckelmann. Die junge Mutter bewohnt mit ihrem Partner eine 4-Zimmer-Wohnung von 89 Quadratmetern Fläche. "Die Heizung muss für ordentliche Wärme nur noch ein wenig geöffnet werden", sagte sie. Die Howoge mit Immobilien ausschließlich im Berliner Osten verfügt nach eigenen Angaben über 48.500 Wohnungen, von denen 46.000 saniert sind. Laut Jahresbilanz 2006 erlöste der Konzern 256 Millionen Euro Umsatz. Der Überschuss lag bei 16 Millionen Euro nach Steuern. (tso/ddp)

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