„Antisemitisches Tatmotiv nicht ausgeschlossen“ : Staatsschutz ermittelt nach Brandanschlag auf Berliner Kneipe

Das Feuer im „Morgen wird besser“ wurde womöglich aus politischen Gründen gelegt. Der Besitzer ist Jude. Am Dienstag fand eine Solidaritätskundgebung statt.

Die Bar "Morgen wird besser" in Lichtenberg am Morgen nach dem Brandanschlag. 
Die Bar "Morgen wird besser" in Lichtenberg am Morgen nach dem Brandanschlag. Foto: privat

Nach dem Feuer in der Lichtenberger Kneipe „Morgen wird besser“ hat nun der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Das teilte die Berliner Polizei am Dienstag mit.

Der Staatsschutz ist für politisch motivierte Taten zuständig. Das Feuer war Freitagfrüh ausgebrochen, die Bar ist innen fast vollständig zerstört worden.

In den Tagen darauf ermittelte ein Brandkommissariat und der Staatsschutz prüfte ein politisches Tatmotiv – von dem die Polizei nun ausgeht. Ein technischer Defekt wurde schon vorher ausgeschlossen. Schon vorher bestand der Verdacht auf schwere Brandstiftung.

Es ist bereits der vierte Anschlag auf die Bar innerhalb weniger Jahre. 2019 wurde zuletzt eingebrochen und mehrere Flaschen Cola über Tresen und Tische geschüttet, die Kasse geklaut.

Der Besitzer der Kneipe ist Jude, Anwohner berichten, dass das „Morgen wird besser“ schon öfter im Visier von Neonazis stand.

Solidaritäts-Demo am Dienstagabend

Am Dienstagabend wollten Unterstützer vor dem Lokal demonstrieren. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) habe für 18 Uhr eine Kundgebung in der Hagenstraße angemeldet, sagte ein Polizeisprecher.

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Die Veranstalter erwarteten rund 60 Teilnehmer. Das Motto der Kundgebung lautet: „Solidarität mit dem Morgen wird besser - wir sagen Nein zu Rassismus und Antisemitismus in unserem Kiez“.

Laut dem RBB, der mit einem Reporter vor Ort war, kamen rund 200 Leute zu der Kundgebung. Demnach sagte der Betreiber bei der Demo, dass er auf jeden Fall weitermachen wolle.

Auch der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt sprach am Dienstagabend vor dem Lokal und verurteilte jede Form von Antisemitismus, wie ein Sprecher der Justizverwaltung auf Anfrage sagte.

Die Bar befindet sich in der Nähe des Weitlingkiezes, der in den Nuller-Jahren als Nazi-Hochburg in die Schlagzeilen geriet. Unter anderem gab es Anschläge auf türkischstämmige Linken-Politiker und einen Dönerbuden-Besitzer. Im März 2010 ging das Auto der Linken-Politikerin Evrim Baba vor ihrer Wohnung in Flammen auf. (Tsp, dpa)