Getreten und ins Gesicht geschlagen? : Polizist wegen Gewalttaten vor Gericht

Zwei Beamtinnen belasteten einen Kollegen. Er soll in drei Fällen Festgenommene geschlagen und getreten haben. Der 28-Jährige weist die Vorwürfe zurück.

Die Übergriffe sollen im November und Dezember 2018 passiert sein.
Die Übergriffe sollen im November und Dezember 2018 passiert sein.Foto: imago/Christian Spicker

Drei Anzeigen in nur zwei Wochen waren gegen einen Polizeimeister einer Einsatzhundertschaft eingegangen. Er soll Festgenommene jeweils beim Transport zur Gefangenensammelstelle im Polizeifahrzeug völlig grundlos geschlagen und auch getreten haben.

Es waren zwei Kolleginnen, die den inzwischen 28-Jährigen im Ermittlungsverfahren belasteten. Im Prozess um Körperverletzung im Amt stellte er alles als Intrige gegen ihn dar und wies die Vorwürfe zurück.

Wenn es zu Gewalt kam, habe er den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit berücksichtigt.

Es geht um mutmaßliche Übergriffe im November und Dezember 2018. Im ersten Fall soll der Beamte laut Anlage einen abgeführten und gefesselten Mann getreten haben.

Der Festgenommene habe im Gruppenwagen auf dem Bauch gelegen, als Sven B. (Name geändert) zugetreten habe. Weil er Einsatzschuhe getragen habe, liege eine gefährliche Körperverletzung vor.

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Im zweiten Fall soll B. einen Betrunkenen, der eine ältere Dame geschlagen hatte, eine Abreibung verpasst haben. Den Mann, der im Gruppenwagen kniete und dessen Hände auf dem Rücken gefesselt waren, habe er mit der Faust zweimal in das Gesicht geschlagen, heißt es in der Anklage. Was ihm denn einfalle, eine alte Frau zu schlagen, soll B. dabei gerufen haben.

Zuletzt geht es um einen Demonstranten. Den gerade abgeführten jungen Mann soll B. im Gruppenwagen zweimal mit der Faust in das Gesicht geschlagen, ihm das Knie in den Rücken gerammt und schließlich mit der Faust Richtung Rippen ausgeholt haben.

Der Angeklagte wirft den Zeuginnen „mangelndes Fachwissen“ vor

Sven B. ist ein Hüne von 1,90 Metern und durchtrainiert. Polizeimeister sei er – wie auch die beiden Kolleginnen, die als Belastungszeuginnen gelten. „Es gab mit ihnen gewisse Diskrepanzen“, sagte der 28-Jährige am Dienstag zu Beginn des Prozesses vor dem Amtsgericht Tiergarten. Ob er die Frauen nicht mag? B. meinte, es habe einige Probleme gegeben. „Das Fachwissen war bei ihnen mangelhaft.“ Das habe er ihnen auch mehrfach offen gesagt.

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Bei der angeblich ersten Tat sei „überhaupt nichts passiert“, wies B. die Vorwürfe zurück. Er habe die Kollegin auch wegen falscher Verdächtigung angezeigt. Der nächste Vorwurf beziehe sich auf einen Mann, den er im Gruppenwagen „nur mit dem Handballen etwas kräftiger weggestoßen“ habe.

„Er versuchte, sein verschmiertes Gesicht bei mir abzuwischen.“ Er habe ihn mehrfach gebeten, das zu lassen. Weil es einen Hinweis auf eine ansteckende Erkrankung bei dem Mann gegeben habe, sei es „aus Eigensicherung“ zu dem Stoß gekommen.

Und im letzten Fall der Anklage habe er einmal mit der Faust geschlagen, weil ihn der „sehr aggressive“ Mann zuvor attackiert habe. Die beiden Kolleginnen von B. sollen am 1. September vor Gericht aussagen.