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Korruptionsbekämpfung in Berlin: Polizei startet Internetportal für anonyme Tipps

Seit Montag können Korruptionsfälle über das Internet bei der Polizei gemeldet werden - Anonymität wird garantiert. So sollen mehr Tippgeber aus Wirtschaft und Verwaltung gewonnen werden.

Mit einer Strafanzeige ist es so eine Sache: Als Zeuge ist man zur Angabe seiner Personalien verpflichtet, muss Namen und Anschrift nennen. Später kann der Anwalt des Beschuldigten Akteneinsicht beantragen - und erfährt so den Namen des Anzeigenden. Das kann schlimme Folgen haben - besonders wenn es um Korruption in Wirtschaft und Verwaltung geht. Die so genannten "Whistleblower" werden von vielen Vorgesetzten und Kollegen immer noch als Nestbeschmutzer wahrgenommen. Viele Informanten verzichten deshalb auf eine Anzeige bei der Polizei - aus Angst um die Karriere.

Die Polizei will den Schritt zur Korruptionsanzeige nun etwas erleichtern; am Montag wurde ein neues Hinweisgebersystem zur Bekämpfung der Korruption in Wirtschaft und Verwaltung gestartet. "Wir wollen den Menschen die Angst vor einer Anzeige nehmen", sagt Polizeisprecher Stefan Redlich, "dies Leute sollen uns auf ein Unrecht hinweisen können, ohne dass sie Nachteile in ihrem Job befürchten müssen."

Angebot richtet sich an Insider

Laut Polizei richtet sich das Angebot in der Hauptsache an Insider in Firmen und Behörden. Die Anonymität der Hinweisgeber sei garantiert, eine IP-Adresse, die zum Hinweisgeber zurückverfolgt werden könne, werde nicht gespeichert. Für die Registrierung sei lediglich ein Pseudonym und ein Passwort erforderlich - persönliche Daten wie eine Emailadresse müssten nicht angegeben werden. "Im Anschluss an die Registrierung wird ein virtuelles Postfach eingerichtet, über das unsere Ermittler mit dem Tippgeber in einen Dialog treten können", so Redlich. Ziel sei, "das Entdeckungsrisiko zu erhöhen und das Dunkelfeld Korruption zu erhellen."

Henkel: Wichtiger Baustein im Kampf gegen Korruption

Dem Polizeisprecher zufolge sei man sich bewusst, dass ein anonymer "Beschwerdekasten" im Internet auch Leute anziehen werde, die andere zu Unrecht beschuldigen wollen. "Wir werden jeden Tipp einer äußerst sorgfältigen Prüfung unterziehen", so Redlich. Dafür habe man drei erfahrene Beamte aus dem dem Dezernat für Korruptionsdelikte beim Landeskriminalamt abgestellt.

Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich in einer Stellungnahme erfreut über das neue System: "Es ist ein weiterer wichtiger Baustein im Kampf gegen Korruption. Die neue technische Möglichkeit, anonyme Hinweise online zu geben, wird die Arbeit der Polizei unterstützen."

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